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Mo September 1st, 2014

Georg Baselitz – Damals, dazwischen und heute in München

Jetzt geht es bald los mit der aktuellen Ausstellung zum Werk von Georg Baselitz. Unter dem Titel – Damals, dazwischen und heute findet zwischen dem 19. September 2014 und dem 1. Februar 2015 die große Baselitzausstellung im Haus der Kunst München los.
Die Ausstellung steht in der Münchner Haustradition die seit 2008 monografische Überblicksausstellungen wichtiger zeitgenössischer Künstler organisiert und dabei jeweils spezifische Aspekte in deren Arbeit und Entwicklung hervorgehoben. (so z.B. Robert Rauschenberg, Gerhard Richter, Ellsworth Kelly)

Im Herbst 2014 wird das Haus der Kunst diese Reihe mit der Ausstellung Damals, dazwischen und heute fortgesetzt.
In den „Schwarzen Bildern“ hat Baselitz seine Bildsprache weiter radikalisiert: Ziel ist die Eliminierung jedes sichtbaren Kontrasts. Dabei erlangt er eine nahezu schlafwandlerische Meisterschaft über sein Material. Sein fließender, kreisender Pinselstrich übt einen Magnetismus aus, in dessen Kraftfeld das Motiv völlig mit dem Hintergrund verschmilzt. Die eruptive Qualität seiner Malerei ist noch vorhanden, doch nun scheint sie auf magische Weise besänftigt, als sei sie von einer Membran bedeckt. Vehemenz wird zu Ruhe; doch verdrängt diese Ruhe keinesfalls die Erregung, sondern verfeinert sie. Die Arbeiten, die mit Ausnahme zweier querformatiger Bilder alle im identischen Hochformat ausgeführt sind, variieren das Adlermotiv auf subtile Weise, sodass seine Erkennungsmerkmale fast, aber nicht völlig verschleiert sind. Obwohl das Motiv in lichtschluckende Dunkelheit gehüllt ist, sind die Gemälde keinesfalls farblos. Das kopfstehende Bild eines fliegenden Adlers ist vielmehr in einer Klangfülle aus dunklen Farbtönen von Blau, Braun und Grau bis hin zu Schwarz ausgeführt.

In den monumentalen, seit 2011 entstandenen Bronzeskulpturen zeigen sich formale und inhaltliche Rückbezüge, die neben figurativen Referenzen zugleich die bildnerische Funktion der bildlichen wie der fotografischen Umkehrung relativieren.

Die Ausstellung erkundet mithin die spezifischen Themen, die in den „Schwarzen Bildern“ und Bronzeskulpturen bearbeitet wurden. Das Hauptgewicht liegt dabei auf der Frage, aufgrund welcher bildnerischer Überlegungen und Interessen – wie auch immer diese entstanden sind – Baselitz sich entschließt, einen Gegenstand wieder aufzugreifen, den er Jahre oder sogar Jahrzehnte früher schon einmal bearbeitet hat. Bei einer Wiederaufnahme werden die Motive von Baselitz auf der Grundlage seiner Werkentwicklung durchdekliniert. Das heißt, das Motiv wird nicht nur einer Neubetrachtung unterzogen, sondern aus vielfachen Perspektiven neu ergründet.

2005 begann Baselitz an seiner ‚Remix‘-Serie zu arbeiten, welche diese Schlüsselmotive aufgreift. Die Bilder vollführen einen Zeitsprung zum Ende des letzten Jahrzehnts. Baselitz zitiert hier einerseits auf paradigmatische Weise aus den Helden-Arbeiten, andererseits ist die Entwicklung seiner bildnerischen Methode einer Beschleunigung formaler Ressourcen unterworfen, die einen völlig neuen Zugang zu früheren Themen erlaubt. „Vorwärts Wind“ wird in einer relativ analogen Weise aufgegriffen. Wieder wird eine Person vor einem nackten Baumstumpf dargestellt, wobei die bildnerische Struktur aufgelöst und die bleiche Farbgebung durch die roten Epauletten und die fleischigen rosa Hände und Genitalien akzentuiert ist. Im Gegensatz dazu sind „Moderner Maler“ und „Schwarz“ in den Remix-Versionen mit Hakenkreuz-Motiven im Stil von Piet Mondrian kombiniert, wobei die ikonische Bedeutung dieses Motivs in der modernen Kunst in gewisser Weise seinen ideologischen Missbrauch durch die Nazis quasi ‚kompensiert‘. Auch diese Kompositionen sind paradigmatisch für eine inhaltliche ‚Ausleerung‘ des Gegenstands zugunsten eines abstrakten Formbegriffs als autonome Bildfunktion. Die Spontaneität und Entspanntheit dieser Arbeiten erlaubten Baselitz eine unprätentiöse Revision seines malerischen Vokabulars und seiner eigenen Geschichte.

In der Serie von Arbeiten, die als Negativ-Bilder bezeichnet werden, kehrt Baselitz nicht nur den Gegenstand um, sondern auch die Farbwerte. Diese Darstellung als fotografisches Negativ führt zu einer zusätzlichen Umkehrung des Bildes in Bezug auf die ’natürliche‘ Wahrnehmung seines Motivs. Die schwarzweißen Negativ-Bilder steigern den Grad der Abstraktion bereits in dreierlei Hinsicht. Damals hatte Baselitz das Potential der Entfremdung der äußeren Erscheinungsform des Gegenstands und die Möglichkeiten seiner bildnerischen Repräsentation fast schon ausgeschöpft. Das Selbstporträt „Zero“ (2004) zeigt eine schlichte, unprätentiöse Ansicht, die in starken, ruhigen Pinselstrichen in einer Mischung differenzierter Grauwerte umgesetzt ist. Mit der formal analogen Arbeit „Negativ weiter links“ (2004) hat sich Baselitz wieder „Elke I“ zugewandt. Denselben fotografischen Prototypen variiert er in „Elke negativ blau“ (2012), das die Charakteristika der schwarzweißen Version noch prägnanter zur Geltung bringt.

Georg Baselitz (Hans-Georg Kern) wurde 1938 in Deutschbaselitz bei Dresden geboren und wuchs in der DDR auf. Nachdem er wegen „gesellschaftlicher Unreife“ von der Kunstakademie Ostberlin suspendiert wurde, bewarb er sich an der Westberliner Akademie. 1958 zog er nach Westberlin und schloss 1962 dort sein Studium ab. In dieser Zeit legte er sich nach seinem Geburtsort den Namen Baselitz zu.

In modifizierter Form reist die Ausstellung im Frühjahr 2015 zur Powerstation of Art in Shanghai.

Die Ausstellung wurde wesentlich unterstützt von der Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst e.V., der Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg/Paris, White Cube, London, sowie der Gagosian Gallery, New York.

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