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Mo Oktober 12th, 2009

Gängeviertel Hamburg – Nutzungskonzept vorgestellt

Sie haben ja so recht, die Aktivisten und Aktivistinnen des Gängeviertels, die mit wenig Aufwand aber ungeheuer viel Engagement und Energie zeigen, was eine Stadt ausmachen kann: Die Menschen die hier leben wollen, die dort sind, weil sie es sich selbst gewählt haben und die die gestaltete Umwelt positiv verändern wollen.

Am Freitag, den 9.10.09 stellten die Gängeviertel-Macher und Macherinnen vor, wie sie sich die Nutzung der insgesamt 12 Häuser zwischen Valentinskamp, Speckstrasse und Caffamacherstrasse in Hamburg vorstellen.

Logo der Initiative

Das Erste was bei der Versammlung auffiel, war das gemischte Publikum. Die Damen höheren Alters im feinen Steppjäckchen, der ältere Herr mit Stock, die mittelalten Interessenten, die jungen zornigen Kreativen. Viele Nationalitäten und jede Menge Ideen kamen zusammen. Die frühere Solidarität unter den Bewohnern des Viertels kommt durch die Unterstützer, von Stuhlverleihern, Beamerbesorgern usw. wieder zum Leben.

Und was den gut 150 Zuhörern und Zuhörerinnen gezeigt wurde, war eine sehr menschliche und gut gemachte Präsentation für die Zukunft des Wohn- und Arbeitsquartiers Gängeviertel. Und hier bekommt die Aktion eine Nachhaltigkeit, die den Verantwortlichen bei der Stadt Hamburg klar machen müsste, dass sie diejenigen sind, die ihre alten Konzepte überdenken müssen.

gaengeviertel nutzungskonzeptEs ist Know-how von Stadtplanern, Architekten, Landschaftsplanern, Kreativen und Edvlern am Werk. Wenn von Nutzungskonzept, Quartier und Geschichte des Ortes die Rede ist, sind die Redenden keine Spinner die auf alles „Null Bock“ haben, dass hier sind Profis die wissen was geht, wo Geld herkommt, die wissen was demografischer Wandel bedeutet und die mehrsprachig Fachjargon beherrschen. (Jede Firma wäre glücklich über so viel kostenloses Know-how. )

Mischnutzung für Leben und Wohnen, Arbeiten in den Erdgeschossen und Souterrains, Wege zwischen den Häusern wieder begehbar machen und den Ort erfahren können als eine fast verschwundene Lebens- und Arbeitssituation, die Hamburg im 19ten Jahrhundert groß und reich gemacht hat. Nur noch hier ist das enge Gewusel von Leben und Arbeiten noch zu erfahren. Das was früher überall war, sogar an der Mönkebergstrasse! Die Geschichte der Stadt ist im Museum für Hamburgische Geschichte gut präsentiert, aber hier kann eine Schulklasse erfahren, was es hiess wenn von Gängeviertel die Rede ist.

gaengeviertel-kutscherhaeuserDie historischen Häuser z.T. aus dem 17. Jh. sollen wieder Leben und Wohnen, Kreativität und Gewerbe, Kunst und Kulturort werden. So wie jetzt schon seit dem 22. August 2009 ständig neue Ausstellungen, Konzerte, Lesungen usw. hier passieren. Der Raum der ehemaligen Fabrik wird nichtkommerzieller Versammlungsort, etwas dass es so in der Innenstadt nicht mehr gibt. Kreative sollen hier Wohn-und Atelierort finden. Generationenübergreifendes Wohnen in wiederhergestellten Häusern, so in der Kurzfassung soll das Areal aussehen.

Dazu muss aber erst mal auf Seiten der Stadt den Aktivisten und Aktivistinnen ein Jahr der Konzeptentwicklung zugestanden werden. Ein Jahr in dem das Finanzierungskonzept entsteht, in dem weiter durch Vorträge und einladen externen Know-hows an den möglichen Organisations- und Nutzungsformen gearbeitet wird.

Die Bundesstiftung Baukultur wäre einzuladen, die Leizpiger Wächterhäuserorganisatoren, Genossenschaften und Experten für Hausrestaurierungen. Zwar ist der Senat aufgeschreckt und es gibt auch einzelne Sympathisanten, aber bisher gibt es kein Mehrheitsvotum für das Projekt. Auch der holländische Investor scheint nur halb aus dem Spiel zu sein.  Den Machern kann man ansehen, dass sie vorwärts wollen, aber dem Eigentümer, der Stadt, kritisch gegenüber stehen. Das Zuständigkeits – und Entscheidungswirrwar, das eher einer Nebelkerze gleicht, denn einem transparenten Verfahren gleich kommt, hat das Vertrauen in die Zuverlässigkeit von mündlichen Aussagen verwässert.

freiflaeche-gaengeviertelUnd dann kommt der Winter. Bisher schon, waren die Dachfenster gerne offen gelassen worden, um durch „feuchten Abriss“, die Häuser weg zu bekommen. Die Öfen müssen wieder rein in die Häuser, die Dächer müssen dicht gemacht und die Wege gesichert werden, damit Haus für Haus angegangen werden kann. Das sind die Mindestforderungen der Gängeviertler und da haben sie recht, das ist z.B. in Leipzig in den Wächterhäusern, das was die Eigentümer leisten müssen.

Das Ensemble seit 7 Jahren entmietet zu haben und die Denkmalwürdigkeit nicht erkennen zu wollen, ist schon hart, bei Wohnungsnot und Atelierknappheit auf der einen Seite und bei der Begeisterung dieser Situationen in Berlin auf der anderen Seite. Künstlerinnen und Künstler haben sich dieses Themas hier auch deshalb angenommen, weil sie eben nicht ständig Wohn- und Atelierraum suchen wollen, mal bleiben wollen und vielleicht auch nicht nach Berlin möchten, sondern in Hamburg gerne leben und arbeiten. Verständliche und Luxusprobleme, wenn man sich den demografischen Wandel vor Augen hält. Eine Stadt ist nur dann attraktiv, wenn auch was an Kultur passiert, und das nutzt die Stadt für Wilhelmsburg, aber innerstädtisch scheint es nicht gewollt zu sein. Obwohl menschenleere Innenstädte bei Touristen ganz schlecht ankommen.

Geschichte der Stadt, Wohn- und Atelierraum, zukunftsfähige, lebenswerte Umgebungen in der Innenstadt, das sind ebenfalls auf einen kurzen Nenner gebracht, die Schlagworte die das Gängeviertel in Hamburg ausmachen und seine Zukunft sein sollten. Hoffentlich findet sich bald eine breite Unterstützermasse auch im Senat, die aus den Fehlern der Vergangenheit lernt und sagt, ja das ist es, so soll es sein. Das Gängeviertel braucht viele Unterstützerinnen und Unterstützer nicht nur in Hamburg sondern von überall, damit „Der eigene Prophet im Land was gilt“.




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