KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Di Oktober 21st, 2008

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels – Anselm Kiefer

Da muß man sich doch Fragen, ob der Literatur die Helden ausgehen? Jetzt bekommt erstmals ein bildender Künstler, Anselm Kiefer, den wichtigsten deutschen Literaturpreis. Ei der dautz!

Einen bildenden Künstler anstelle eines/einer Literaten/Literatin. Wie kann das sein? Und dann schaut man in Kiefers Werk und findet einen klugen, engagierten und unglaublich meditativen Künstler, der Jahrgang 1945, sich immer wieder die Frage gestellt hat, wie man als Deutscher und nach 1945 noch Kunst machen könne.

Der Kunsthistoriker Werner Spies, der die Laudatio auf Kiefer hielt, betonte dabei Zitat: „dessen Passion zur Literatur, die in „Zweistromland“, einer gigantischen Ansammlung von Büchern, explodiere. Deren Bleiummantelung wirke wie ein Schutzschild und erinnere an die Bücherverbrennung vor 75 Jahren. Für Spies gehört Kiefer zu jener Gruppe deutscher Künstler, die – nach jahrzehntelanger Gegenstandslosigkeit in der Kunst – sich in der Tradition von Max Beckmann oder Otto Dix wieder als „Akteure einer für die Deutschen unentbehrlichen Auseinandersetzung mit Geschichte“ verstehen. „Wie kein anderer band er sein Werk an Orte der jüngsten Geschichte. “

Und da hat der Mann recht. Für Kiefer der seit 1993 in Frankreich lebt und es dort zu quasi zu einem Staatskünstler geschafft hat, war diese Auszeichnung eine weitere in einer ungewöhnlichen Reihe. Die Ausstellung im Grand Palais war ebenfalls sehr ungewöhnlich, aber eben noch eine Kunstausstellung.

Kiefer führte in seiner Rede noch einen interessanten Gedanken an . Er sagte, dass „Grenzen auch Illusion“ seien. Sie seien aufgerichtet, um zu beruhigen und einen festen Ort vorzugaukeln. „Aber ohne Grenzen, ohne diese Illusion von Grenzen sind wir nicht lebensfähig, weder als einzelne, noch im Verhältnis zu den anderen“, so Kiefer in der Paulskirche. Für ihn gäbe es eine besondere Grenze zwischen Kunst und Leben, die sich oft irrlichternd verschiebe. Doch ohne diese Grenze gäbe es keine Kunst, zumal das Kunstwerk umso interessanter sei, je mehr es vom Kampf um die Grenze zwischen Kunst und Leben gezeichnet sei.

Schön das Gattungsgrenzen auch Illusion sein können, wie in diesem Fall.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat den Festakt und die Reden auf seiner Seite. Von dort kommen auch die Zitate.

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