KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Do Dezember 18th, 2008

Ein Kreis macht Kunst – Peter-August-Böckstiegel-Stiftung in Werther gegründet

Das Herz der Kultur in Deutschland liegt in der Provinz. Manchmal begraben, aber manchmal eben so lebendig, wie man es kaum glauben mag. Das zeigt diese Geschichte in der das zusammengetragene Stiftungskapital für eine Kunststiftung doch sage und schreibe 2.7 Millionen Euro umfasst.
Wie kann das gehen: der Kreis Gütersloh gibt 1 Mio. € (liegt ganz oben in NRW), die Stadt Werther gibt 500.000 € (ebenda), die westfälisch-lippischen Sparkassen geben mit Mitteln aus dem Nachlass, dem Böckstiegel-Freundeskreis und weiteren Drittmitteln und Spendern 1,2 Mio. €. Eine gigantische Leistung, die hoch anzurechnen ist und wahrscheinlich nur im letzten Quartal von 2008 nicht mehr zusammen gekommen wäre.

Bildquelle:PAB Stiftung, Selbstbildnis

Rund 120 Gäste – Vertreter aus Kultur, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sowie Verwandte Böckstiegels und Nachbarn – waren bei dem Festakt zur Gründung der Peter-August-Böckstiegel Stiftung, rund zwei Kilometer entfernt vom Böckstiegel-Haus, anwesend.

Aber worum geht es: 1889 ist im westfälischen Werther-Arrode der expressionistische Maler Peter August Böckstiegel geboren worden. Der ging nach Dresden, heiratete die Schwester von Conrad Felixmüller und wurde Expressionist mit einer Vorliebe zum Landleben. Nach dem Verlust von Atelier und Bildern in Dresden 1945 ging er ganz zurück nach Westfalen und starb dort 1951.

Wenn auch nicht entartet, so doch nicht gut gelitten, gehörte Böckstiegel zu den großen künstlerischen Verlieren der Zeit, ähnlich wie Dix oder Winkler, die im Nachkriegs(west)deutschland nicht wahrgenommen wurden. Selbst seine Briefe an die örtlichen Verantwortlichen sein Werk doch mal zur Kenntnis zu nehmen und es für das Stadtmarketing (das Wort gab es da noch nicht, aber er meinte es so in seinen Briefen) zu nutzen verhallten.

Stiftungsgründung mit Regierungspräsidentin und Landrat

Nur seiner Frau, die ihn um 37 Jahre überlebte und seinen Kindern ist es zu verdanken, dass der Nachlass und seine Werke zusammengehalten worden sind. Heute weiß man, dass er ein großer Maler war, er tolle ergreifende Bilder geschaffen hat und dass sein Wert gleichrangig mit denen von Morgner, Macke oder Stenner zu sehen ist. Und jetzt nimmt die Region eine Menge Geld in die Hand, um dass auch durch ein Museum am Künstlerhaus in Werther-Arrode zu zeigen. Die Region könnte, wenn die Verantwortlichen nicht zu klein denken, mit Bielefeld (Kunsthalle), Herford (MARta), Osnabrück (Felix-Nussbaum-Haus) und Soest (Morgner-Haus) einen weiteren Baustein erreichen, der die kulturelle Landkarte Deutschlands weiter verändern kann.

Man kann gespannt sein, ob das Gemisch aus den verschiedenen Beteiligten ein Verständnis entwickelt oder ob nicht doch jeder seine eigene Variante favorisieren wird. Vielleicht hilft dann wieder die knappe Kasse, die Chance zu vertagen, anstatt sie zu vertun.

Im nächsten Jahr wird erstmal weiter das Werk konserviert und im März in Soest eine Ausstellung mit Werken von Peter August Böckstiegel gezeigt.

Und dann wird das Böckstiegel-Haus sich an dem „Jahr der Grafik“, mit dessen Hilfe die Aufmerksamkeit der Kunstwelt auf die grafischen Sammlungen der Museen in NRW gelenkt werden soll beteiligen.

Schön wäre es auch, wenn irgendwann einmal das Haus und das Museum wirklich zu „normalen“ soll heißen durchgängig besetzten Öffnungszeiten präsentiert werden kann.

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1 Kommentar to “Ein Kreis macht Kunst – Peter-August-Böckstiegel-Stiftung in Werther gegründet”

Webdesign ist eine Kunst | MTW OFFICE BLOG sagte:

[…] Ein​ Kreis macht Kunst – Peter-August-Böckstiegel-Stiftung ​іn​ … […]

So 21. Dezember 2008 at 17:22

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