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Do Juni 8th, 2017

documenta 14 – Brennglas der Zeit 3

Die besonderen Orte der documenta 14 sind manchmal überraschend anders. Aber dann auch fast keine Kunst im klassischen Sinne.
Der wieder geöffnete aufgegebene U-Bahnschacht am Bahnhof, der 2005 geschlossen wurde und seit dem keine Funktion mehr hat, außer dass man von oben nicht reinfallen soll, ist wieder geöffnet worden.
Bild: Glasfenster im aufgegeben U-Bahnhof Kassel

Der Zugang wirkt daher Bunkerartig und das lange Glasfenster mit dem Herkules ganz links zu erkennen wirkt seltsam kirchlich. Dieser „Zwischenraum“ wird geöffnet durch die Rolltreppenanlage die auf den leeren Bahnsteig führt. Die alte Reklame von 2005 ist noch ganz gut in Schuss und so sieht man sich in einer wie aus der Zeit gefallenen Wirklichkeit wieder.
Kunst oder Stadtarcheologie. Jedenfalls seltsam offen unten, da die Gleise ins Licht unter dem neuen Polizeigebäude führen und man den Bereich verlassen kann um wieder an die Luft zukommen. Und oben ist es zu, dort wo die Treppenanlage nach oben führt. Bis zum Eingangscontainer, der über die geöffnete Bodensituation Eingang und Schutz zu gleich bildet.

Bild: Treppenanlage des U-Bahnhofes

Alles seltsam vertraut und doch entrückt.

Die documenta Halle, die sich am plakativsten mit der Flüchtlingspolitik und dem Elend der Menschen auseinandersetzt ist merkwürdig ruhig. Vielleicht liegt das am maritimen Charakter der Exponate und an der wenig gefüllten Halle.

Bild: Gesamtansicht documenta Halle

Seltsam weggerückt.

Die Thematik des Klimawandels, die auch in den Kunstwerken vorkommen sollte war schlecht zu erkennen und kommt hier daher nur als Erwähnung vor. Die Performances und die Klangkunst, die über die Stadt verteilt überalle anzutreffen sind, wenn man den passenden Timeslot hat, ist wirklich flüchtig. Wenn „Geräusch“ da ist, kann man verwundert bis erschreckt sein, da die Quelle in der Lautstärke überrascht, aber wenn es nicht ist, ist es auch gut. So ähnlich ist der von außen sichtbare weiße Qualm vom Fridricianum-Turm, der an einen Kühlturm erinnert. Stetig, aber nur beim langsamen Betrachten der äußeren Szenerie ins Auge fällt. Wieder diese Entschleunigung, die so gar nicht zu einem Blockbusterevent wie der documenta paßt.

Nach dem ersten Besuch herrscht Ratlosigkeit und der Ärger über die Verweigerung der Macher eine enzyklopädische Nachbereitung schaffen zu können. Namen der Künstlerinnen und Künstler nur Schall und Rauch? Im Zeitalter der Urheberrechte eine gewagte These.
Geht es wirklich nur um das Erleben? Das Hinnehmen das man etwas (Athen) verpasst hat? Ein Sommerausflug mit etwas kunstlastigem Thema? Sind die ernsten Themen der Menschheit im 21. Jahrhundert wirklich nur ein Interessenhauch? Erklärt uns Kunst nicht länger die Welt? Das der einzelne Mensch wieder Verantwortung übernehmen muss, ist als Quintessenz doch überraschend wenig. Das Kaufen von Wasser in Glasflaschen nicht vom multinationalen Konzern erscheint da klarer. Kunst nur noch als Großevent mit Unterhaltungscharakter dann aber wieder überraschend wenig.
Da hilft nur der Selbstversuch und weiter Kunst gucken. Vielleicht dann die ebenfalls startende Nordart in Büdelsdorf.

Teil 1
Teil 2




2 Kommentare to “documenta 14 – Brennglas der Zeit 3”

documenta 14 – Brennglas der Zeit 2 | kunstfreunde sagte:

[…] Teil 3 […]

Do 8. Juni 2017 at 15:55

documenta 14 – Brennglas der Zeit 1 | kunstfreunde sagte:

[…] Teil 3 […]

Do 8. Juni 2017 at 15:57

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