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Do Juni 8th, 2017

documenta 14 – Brennglas der Zeit 2

Die documenta 14 ist politisch und aufwühlend, aber sie gibt keine Richtung vor. Das ist anstrengend und schwierig, weil sogar der „Parcour“ durch die Stadt nicht „von selber“ gelingen will. Spaziergänge anstatt Führungen, sich treiben lassen, entdecken ist das Credo der Macher. Aber schon alleine die Farbwahl der Infrastruktur, schwarz auf Gold in kleinen weniger als 1 Meter hohen Schildern vor die Gebäude gestellt, sind von Weitem nicht zu sehen. Die großen Hinweistafeln an den Containern für Garderoben, Kasse, Info, sind auch schlecht von Ferne zu lesen, so dass man auch gerne mal vorbei läuft.


Bild: Fridricianum Kassel

Pläne, Karten, Außenhinweise leider Fehlanzeige. Man fragt sich durch, das strapaziert die Hilfskräfte arg. Mal sehen wie das so weiter geht.
Es gibt sie die Themen Flüchtlinge, Kolonialismus, gemachte Armut, Gentrifizierung und die Macht des Geldes.

Unterdrückung und Entrechtung wird z.T. sehr subtil künstlerisch untersucht. Die Arbeiten, die das zum Thema haben und groß inszeniert sind, schaffen Emotionen und zeigen das die Welt eben ein Planet ist, in dem die Region „ausbeutender Westen“ eben auch zu „Microcosmen“ der „Armen und Reichen“ wird. So wie die großen Tiefbauröhren auf dem Friedrichsplatz, die bürgerliches Wohnen zeigen, aber nicht in Wohnungen sondern im Untergrund der Megastädte, da sich eigener Wohnraum nicht mehr für alle erreichen lässt. Gentrifizierung, Gier, Luxusimmobilien versus sozialem Wohnungsbau, hier fliessen viele Erzählstränge zusammen und der Täter wird Opfer, wird wieder Teil des Problems.

Bild: Tiefbauröhren Gesamt Kassel, Friedrichsplatz

Das rührt Tief und zeigt, was Kunst kann: berühren jenseits des eigenen Raumes.
Politisch ist sie die documenta, aber auch so wie sich die „Erfolgreichen der Welt“ die Lebenswirklichkeit von Kreativen vorstellen: Chaotisch, unorganisiert, unlogisch, arm, verteilt und wenig Substanz viel Kommunikation.

Nur eine Sequenz, die sich durchzieht ist für die „Erfolgreichen der Welt“ nicht einfach zu knacken: Griechenland. Und das liegt einmal an der Schrift und Sprache, die überall zu finden ist. Wer kann schon Griechisch lesen und war in Athen? Und immer wieder kommt Athen vor, meist mit dem Hinweis: ist aus Athen, war in Athen zu sehen, ist jetzt hier und dann wieder in Athen.
Dadurch kann ein Gefühl des „VERPASST“ entstehen. Eine andere Welt wird beschworen, die es vielleicht auch gegeben hat, aber eigentlich ist es die andere, fremde Seite der Welt.
Dort, wo man selber keine Ahnung von hat, auch wenn man gutwillig, weil Kulturinteressiert ist.
Athen wird so zum immerwährenden und müde machenden Mentekel. Bis zur Beschriftung, die in griechisch und deutsch gehalten ist. Meist auch noch in englisch, weil die meisten Titel in englischer Sprache sind. Dadurch wird sich in den Beschriftungen pausenlos wiederholt. Und das strengt an.

Vermutlich ist diese Kombination gewollt (dann genial) oder ungewollt (dann fast genial) das was Kunst jetzt im weltweiten Dialog schaffen kann.
Selbst im kleinen Europa ist die Kommunikation und das vertraute Illusion, da selbst hier die Sprache an grenzen stößt. Hier ist die Geschichte eines wie auch immer christlich geprägten Abendlandes dicht aber auch so vielschichtig, dass langes Studium kaum reicht die Inhalte zu verstehen.

Und wie soll das dann erst mit vielen weiteren Gegenden möglich sein, die ganz anders kulturell geprägt sind. Asien, Afrika aber auch in den religiösen Räumen.
Viel Afrika, Europa (Griechenland), etwas weniger der Nahe Osten und wenig Asien so ist das Gefühl der Verteilung der Künstler die an der documenta 14 teilnehmen.

Was ist sie also die documenta 14? Natürlich würde auch die Kernausstellung reichen, dann wäre die documenta 14 aber eine Kunstausstellung wie viele. Die Größe ist auch Teil des Events. Das Performative der Kunst ist Ausdruck der medialen Möglichkeiten und der dadurch geschaffenen „Filterblasen“, die den Spieltrieb und das Dazugehören-Wollen eben befeuert. Die großen Bilder und die installativen Elemente sind gut, anrührend und bleibend, wenn sie gut durchdacht sind. Dann sind sie auch mehr als technische Gimiks. Aber auch die gibt es reichlich.

Teil 1

Teil 3




2 Kommentare to “documenta 14 – Brennglas der Zeit 2”

documenta 14 – Brennglas der Zeit 1 | kunstfreunde sagte:

[…] Teil 2 […]

Do 8. Juni 2017 at 15:54

documenta 14 – Brennglas der Zeit 3 | kunstfreunde sagte:

[…] Teil 1 Teil 2 […]

Do 8. Juni 2017 at 16:05

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