KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mi Juni 6th, 2007

Die Met in Berlin – zwischen Dichtung und Wahrheit

Die schönsten Franzosen kommen aus New York, titelt und wirbt die Neue Nationalgalerie in Berlin für Ihre Schau mit Werken aus dem New Yorker Metropolitan Museum. Ich habe sie gesehen, gleich am Anfang, am 03. Juni. Ich habe mich sehr auf die Ausstellung gefreut, hatte ich doch im März diesen Jahres die Gelegenheit die Bilder vor Ort in New York zu besuchen und zu sehen.
Um es vorweg zu sagen: Es sind schöne Bilder, es sind Bilder, wenn nicht von Franzosen gemalt, so doch in Paris entstanden und natürlich sollte das Risiko einer so teurer Ausstellung auch klappen. Als Infotipp und für die Beschäftigung mit den Exponaten sei noch auf den FranzosenBlog hingewiesen. Lesenwert!!!
Aber nach dem Besuch blieb bei mir doch eine Ernüchterung zurück. Vieles ist stimmig, aber leider auch manches nicht, dass es doch zum lauten Jubeln nicht mehr reicht.
Schade z.B. das die Gruppe der Bürger von Calais von Rodin so verlassen oben in der Halle steht. OK der Guss ist von 1985, und in Europa gibt es diese Gruppe mehrfach an verschiedenen Stellen zu sehen, aber warum oben nicht Kojeneinbauten die die Skulptur dichter präsentieren lassen und nicht unten einen Skulpturenraum und so wenig direkten Bezug der Skulpturen zu den malerischen Arbeiten. Da hätte man die Bürger auch zu Hause lassen können. Der “Schreitende” steht aus dem Raum herausschreitend, als ob er schon wieder nach Hause will. Die Skulptur von Rodin und Maillol ist schon so interessant, dass auch die Stillentwicklung dort zu beobachten wäre. So nimmt man die Skulptur als schöne Deko war. Fand ich verschenkt, bzw doch sehr wenig, wenn man die Menge (ca. 70 Arbeiten) des eigentlichen Bestandes überdenkt.
Das Coverbild des Kataloges und der Ausstellung “Im Boot” suggeriert, das die ausgewählten Werke 150 Stück (auch da gibt es mehr und andere)doch im Kern aus Impressionisten besteht. OK, das behauptet niemand, aber der Rahmen des 19. Jahrhunderts wird doch durch das Bild gedanklich verkleinert. Das das jüngste Bild von 1919 (Modigliani Jeanne Hebuterne) ist und das älteste von 1801 (Villers Zeichnende Frau)überrascht dann doch. Anders herum ist deshalb auch der Impressionistenanteil relativ klein und der Klassizistische relativ groß. Dadurch kann man schon die malerische Veränderung wahrnehmen, aber einen Ansatz wie in der Ausstellung in Essen “Aufbruch in die Moderne” hat die Berliner Schau nicht, daher ist dieser große Fächer doch irritierend. Erst im Katalog wird man auch auf die Sammlungsgeschichte hingewiesen, die Leittexte sind da leider nicht so erhellend. Der Bestand aus der Met wird daher zwar als Aufhänger benutzt, aber tut so als ob es eine wirklich kuratierte Schau zu einem Thema und nicht das Thema die Sammlung ist. Als ich dann noch meinen Plan des Metropolitan Museums auspackte und andächtig meinen Märzbesuch rekapitulierte, stellte ich fest, dass das Bild “Im Boot” schon bei den New Yorkern das Leitbild für die Abteilung ist. Also keine “Neuschöpfung” in Berlin für diese Schau. Sehr einfach gemacht und nur vorhandenes genutzt. Ach, so war das, die Fragen drängten sich auf und natürlich ist es einfacher und schneller mit dem Zug nach Berlin zu reisen, als die Bilder in New York zu sehen. So nehme ich das jetzt und denke mir meinen Teil.

Keine ähnlichen Artikel.




1 Kommentar to “Die Met in Berlin – zwischen Dichtung und Wahrheit”

Anonymous sagte:

Sehr interessant! Doch spannend wenn jemand etwas aus dem Nähkästchen plaudern kann! Der Franzosenblog ist eine schöne Ergänzung

Di 12. Juni 2007 at 00:07

Hinterlassen Sie eine Nachricht

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>