KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

So November 15th, 2009

Der Deutsche Impressionismus in Bielefeld

Impressionismus als Ausstellungsthema kommt immer gut an. Die Wuppertaler im Von der Heydt-Museum machen es ja gerade wieder vor. Bereits vor der offiziellen Eröffnung waren alle Ausstellungsführungen ausverkauft. Auch ein Rekord.

Die Kunsthalle Bielefeld wendet sich in diesem Jahr auch den Impressionisten zu, allerdings den Deutschen. Hier wird  der deutsche Impressionismus als eine landesweit auftretende Kunstbewegung verstanden.

Plakat Impressionismus Bielefeld

Bildquelle:Plakat Impressionismus Bielefeld

Nicht um die drei bekannten Maler Lovis Corinth, Max Liebermann und Max Slevogt, kreist die Auswahl, sondern um die vielen, seinerzeit berühmten, heute zu Unrecht vergessenen und wieder zu entdeckenden Künstler wie Thomas Herbst, Gotthard Kuehl, Hermann Pleuer, Otto Reininger, Maria Slavona, Fritz von Uhde, die neben den big three bestehen können, wie die Bilder von allen zeigen.

Dass der deutsche Impressionismus eine eigenständige Variante des großen französischen Vorbilds war, beweisen über 180 Werke in einer großen thematischen und stilistischen Vielfalt.

Die Ausstellungsmacherinnen und Macher sind von Themenblöcken ausgegangen. So gibt es zum Interieur alles was das Herz begehrt:  Interieurs, Wald, Stadt, Wasser, Freizeit, usw.

Mit Gotthard Kuehl stellt die Kunsthalle Bielefeld den letzten Schüler Ludwig Richters als Meister des genrehaft inszenierten, lichtdurchfluteten Innenraums vor. Liebermanns Ansichten seines großzügigen Ateliers und sein Selbstporträt, im Kreise seiner Familie im Wohnzimmer zeichnend, stellen dagegen den Künstler als Repräsentationsfigur und Stütze der Gesellschaft dar.

Die Stadt ist den deutschen Impressionisten sowohl mondäne, urbane Lebens- und Vergnügungswelt als auch Stätte der Industrialisierung und der technisierten Arbeitswelt. Lesser Ury zeigt sich als Maler der Großstadt, der Berlin nicht nur im Sonnenlicht, sondern speziell auch im nächtlichen Gaslicht darstellt. Hermann Pleuer dagegen konzentriert sich auf die Dampflokomotiven, die Züge und den Stuttgarter Hauptbahnhof als Symbolen der unaufhaltsamen Modernisierung und Technifizierung des Lebensumfelds.

Der öffentliche (Bier-)Garten, der zum Flanieren einladende städtische Park, aber auch die Privatgärten Fritz von Uhdes in München und Max Liebermanns am Wannsee: Die Künstler entdecken Orte der Freizeit und der Muße. Die Gartenbilder sind in ihrer Konzentration auf die Lichtreflexionen und die Schatteneffekte vielleicht ihren französischen Vorbildern am nächsten.

Von den geradezu japanisch-kalligrafischen Landschaften Carl Hagemeisters hin zu den pointillistisch „zerlegten“ Wäldern Paul Baums spannt die Ausstellung einen weiten Bogen. Die Landschaftsmalerei ist wohl die Urerfahrung der Impressionisten, ausgestattet mit moderner Klappstaffelei und Tubenfarben entwichen sie ihren Ateliers und der dunkeltonigen Akademiemalerei, um sich in der freien Natur den unmittelbaren Sinneseindrücken hinzugeben.

Während der französische Impressionismus von den mediterranen, sonnendurchfluteten Landschaften geprägt ist, reisen die Deutschen an die kühleren Nord- und Ostseestrände der Niederlande, Belgiens und Deutschlands. Entsprechend sind die Meere bewegter, die Wolken oftmals dunkel und gewitterträchtig, die Menschen der scharfen Meeresbrise ausgesetzt. Otto Scholderer, Franz Skarbina, aber auch der junge Max Beckmann entdecken die raue See für sich.

In der Hochphase um 1890 beginnend, bleibt der Impressionismus bis 1905 unangefochten die populärsten und etablierten Kunstrichtung in Deutschland. Ab 1905 kommt dann mit dem antibürgerlich gestimmten Expressionismus eine Entwicklung in Gang, die im Rückblick die vergleichsweise sanfte künstlerische Revolution der Vorgänger überstrahlt. Doch markiert er in seinem Rückgriff auf den Realismus und Naturalismus des 19. Jahrhunderts und im Ausgriff auf die prägenden Elemente des 20. Jahrhunderts wie Subjektivität und Individualismus eine entscheidende Scharnierstelle zwischen Tradition und Moderne.

Eine interessante Fragestellung die die Kuratorin der Ausstellung Jutta Hülsewig-Johnen anstieß, ist „Ob es vielleicht ohne den deutschen Impressionismus den deutschen Expressionismus nicht gegeben hätte“. Laufzeit 22.11.09 bis 28.02.2010

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4 Kommentare to “Der Deutsche Impressionismus in Bielefeld”

Paul sagte:

Ich finde das wir uns bezüglich Kunst wieder an die alten Tugenden richten sollten.
In meinen Augen ist die moderne Kunst wie wir sie in unserem modernen Zeitalter oft sehen viel zu schnelllebig und oft auch nicht wirklich tiefgründig.

Das Bild oben gefällt mir sehr.

So 15. November 2009 at 18:50

Ist die Zukunft virtuell? – Was wird aus dem Kunstbuch und dem Kunstkatalog | kunstfreunde sagte:

[…] beweist jedenfalls z.B. der bekannte Dumontverlag mit seinen aktuellen Katalogen wie “Der deutsche Impressionismus” oder “Erwin Wurm” oder “Fetting”. Schön gemacht, nicht zu klein […]

Do 19. November 2009 at 16:14

Der Deutsche Impressionismus – feine Kunst in Bielefeld | kunstfreunde sagte:

[…] glaubt es ja kaum, aber die Recherche gibt den Macherinnen und Machern in Bielefeld recht. Es hat tatsächlich noch nie eine Überblicksausstellung über den deutschen […]

Sa 21. November 2009 at 21:28

Bielefeld - Blog - 15 Nov 2009 sagte:

[…] Der Deutsche Impressionismus in Bielefeld | kunstfreunde […]

Fr 15. Januar 2010 at 10:37

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