KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mo Januar 25th, 2010

Das NRW-Forum zeigt die Fotografieausstellung Robert Mapplethorpe – eine Retrospektive

Der 1946 geborene und 1989 verstorbene Robert Mapplethorpe ist einer der wenigen Künstler, denen es vergönnt ist, weit über die Grenzen der Kunstwelt hinaus bekannt zu werden.

Er dominierte die Fotoszene des ausgehenden 20. Jahrhunderts und öffnete den Weg zur Anerkennung der Fotografie als Kunstform, er verankerte das homosexuelle Sujet in der Massenkultur; er entwarf in der Fotografie ein klassizistisches Bild vom meist männlichen Körper, das Eingang in die kommerzielle Fotografie fand.

Insbesondere in den USA wurde sein Werk kontrovers diskutiert; bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurden Ausstellungen seiner Fotografien boykottiert, zensiert oder geschlossen. Umstritten waren stets seine radikalen Darstellungen von Nacktheit und sexuellen Handlungen.

Insbesondere Fotos von sado-masochistischen Praktiken führten dazu, dass es bei Ausstellungen Protestkundgebungen gab und Museumsdirektoren angezeigt wurden. In Japan hat das Oberste Gericht erst 2008 festgestellt, dass Mapplethorpes erotische Bilder nicht gegen das Pornografieverbot verstießen und damit einen acht Jahre lang beschlagnahmten Band mit Mapplethorpe-Fotografien freigegeben. Für den amerikanischen Kritiker Arthur C. Danto schuf Mapplethorpe »einige der schockierendsten – und gefährlichsten – Bilder der modernen Fotografie oder sogar der Kunstgeschichte«.

Die Ausstellung im NRW-Forum umfaßt in aller Offenheit alle Bereiche Mapplethorpes Schaffen wie Portraits und Selbstportraits, Homosexualität, Aktfotografien, Blumenaufnahmen und als Quintessenz die fotografischen Aufnahmen von Skulpturen; sie schließt die frühen Polaroids ein.

Diese Zusammenstellung zeigt Robert Mapplethorpe – bei allen offensichtlichen Rückgriffen auf die Schönheitsideale der Renaissance wie auf die fotografische Historie von Wilhelm von Gloeden bis Man Ray – als einen Künstler, der in seiner Zeit der 80-Jahre verankert ist.

Bei der Präsentation auf schneeweißen Wänden will das NRW-Forum die Werke aus der Schmuddelecke bzw. der verschämten Boudoir-Präsentationen anderer Ausstellungen wegführen.

Bildquelle: Robert Mapplethorpe: Self Portrait, 1988 © 2010 Robert Mapplethorpe Foundation

Die Auswahl von 150 Fotografien umspannt frühe Polaroids von 1973 bis hin zu seinen letzten Selbstportraits aus dem Jahr 1988, die ihn bereits gezeichnet vom nahen Tod zeigen, und präsentiert viele bekannte, geradezu ikonische Motive aber auch bislang nie oder nur selten gezeigte Arbeiten. Sie schöpft aus dem Fundus der New Yorker Robert Mapplethorpe Foundation.

Hinweis:

Viele Motive in Mapplethorpes Fotografien sind eindeutig sexueller und homoerotischer Natur und können Besucher, insbesondere jugendliche, in ihren Empfindungen verstören.

Laufzeit der Ausstellung vom 6. Februar bis zum 15. August 2010 im NRW-Forum.

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1 Kommentar to “Das NRW-Forum zeigt die Fotografieausstellung Robert Mapplethorpe – eine Retrospektive”

Robert Mapplethorpe im NRW-Forum ein Selbsttest | kunstfreunde sagte:

[…] und das Können von Robert Mapplethorpe für die Ewigkeit festgehalten werden konnte. Die Ausstellung Robert Mapplethorpe – Retrospektive im NRW-Forum ist wirklich sehenswert, wenn man Freude daran hat, schön präsentiert, Vorurteilsfrei […]

Do 4. Februar 2010 at 23:20

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