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Do September 15th, 2016

Bucerius Kunstforum zeigt Venedig als Stadt der Künstler

Die von Inés Richter-Musso kuratierte Ausstellung Venedig. Stadt der Künstler veranschaulicht, dass bereits um das Jahr 1500 venezianische Gemälde, anders als in anderen Städten, Darstellungen von Prozessionen und Staatszeremonien vor der realistisch wiedergegebenen Stadtkulisse zeigten. Diese frühe repräsentative Funktion der Erkennbarkeit der Stadt kennzeichnet auch die Portraits der Dogen, etwa in Carpaccios Darstellung von Leonardo Loredan oder Tintorettos Porträt des Dogen Alvise Mocenigo. Während im 18. Jahrhundert der wirtschaftliche Abstieg Venedigs begann, erlebte die Stadtansicht in der Malerei ihre Blütezeit. Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, und seine Werkstatt etablierten das Genre der Vedute als venezianische Leitgattung.

Laufzeit der Ausstellung : 1. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017

Vielfältige Ansichten des Canal Grande, des Markusplatz, der Basilika und des Dogenpalasts mit den ankernden Schiffen dokumentierten und glorifizierten die bauliche Pracht des einstigen Handelszentrums und prägten die Vorstellung von Venedig. Die Vedute wurde zu einer gefragten Reiseerinnerung und machte die Wasserstadt in ganz Europa bekannt. Mit Francesco Guardi fand die repräsentative Vedute dann ihren Ausklang. Die melancholische Note seiner Malerei deutete bereits Reaktionen auf den Niedergang einer Gesellschaft und einer Epoche an. Diese finden sich auch in den Beobachtungen des zeitgenössischen Alltags und der Vergnügungskultur bei Pietro Longhi und Gabriel Bella.

screen-bucerius-kunstforum-venedig-stadt-der-kuenstler Bildquelle: Screen Bucerius Kunstforum Venedigt Stadt der Künstler

Nach dem Abzug Napoleons lagen 1815 das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben Venedigs und die lokale Kunstproduktion danieder. Die Stadt blieb jedoch Ziel englischer Künstler, die in der Tradition der Grand Tour nach Italien reisten. Zu den ersten Malern, die im 19. Jahrhundert nach Venedig kamen, gehörte William Turner. Seine Malerei löste die traditionelle Vedute in einem von Licht, Luft und Wasser abhängigen Wahrnehmungserlebnis auf. Das langsam verfallende Venedig lieferte Künstlern wie John Ruskin neue Sujets. Zum Ende des Jahrhunderts suchten Amerikaner wie John Singer Sargent und James Whistler ihre Motive weit ab von der Piazza San Marco und machten einsame Gassen und schmale Seitenkanäle bildwürdig.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts brachten die französischen Maler den subjektiven Blick auf die flüchtigen Momente mit. Das besondere Licht, der weite Himmel über der Lagune und die Spiegelungen der Fassaden im Wasser bedienten die Wünsche impressionistischer Malerei. Künstler wie Eugène Boudin oder Claude Monet fingen in ihren Werken die flirrende Atmosphäre der Stadt ein und gaben sich dem Einfluss des Wetters und den tageszeitabhängigen Lichtveränderungen in der Schattengebung der Architektur hin.

1895 wurde die für Künstler aus Europa und Amerika seit Jahrhunderten bestehende Anziehungskraft Venedigs institutionalisiert, als mit der Biennale die erste Weltausstellung der Kunst ins Leben gerufen wird. Auch wenn die Stadt seitdem selten als künstlerische Inspirationsquelle thematisiert wird, bleibt der Mythos Venedig bis heute bestehen.

Der Katalog zur Ausstellung mit Beiträgen von Kathrin Baumstark, Tiziana Bottecchia, Barbara Dayer Gallati, Laura De Rossi, Daria Dittmeyer-Hössl, Martin Gaier und Inés Richter-Musso erscheint im Hirmer Verlag

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