KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Di Juli 7th, 2015

Belgien packt sein koloniales Erbe an – Europäische Geister im Muzee Oostende

Die am 4. Juli 2015 im Muzee Oostende #Muzee11 eröffnete Ausstellung „Europäische Geister“ ist mehr als eine Kunstausstellung. Sie ist viel mehr. Eine Ausstellung die zeitgenössische Kunst, eine geschichtliche Ausstellung mit historischen Quellen, afrikanischen Stammeskunstobjekte und viel gedruckten Medien in einem Konzept vereint. Die beiden Ausstellungsmacher Phillip Van den Bossche (Museumsleiter) und Koenraad Dedobbeleer (Künstler und Kurator) versuchen ganz viel an Bedeutungsebenen in der Ausstellung unterzubringen.

Ausstellungsmacher

Bildquelle: Die Ausstellungsmacher beim Presserundgang

Und bei diesem Versuch haben sie der Versuchung widerstanden mit vielen Medien und Bewegtbildern zu arbeiten. Diese hätten Reize gesetzt die der intellektuellen Aussage, besser der vielen Aussagen vielleicht zu wenig Raum gelassen hätten. Die gewählte  minimalistische Darstellungsweise wird nicht jeden ansprechen, aber tut wohl. Es gibt viel zu entdecken.

Das Schriftbild und die verwendeten Medien sind fast überall „old school“, Texte die schwarz-weiß gehalten sind, Bücher die vielfach nur zum Ansehen sind, Fotoreproduktionen und viele Kopien von Objektbögen und Inventarkarten. Die Stars sind die Objekte: originale und sehr wertvolle afrikanische Masken aus dem Bestand des RMCA Tervuren, deren originale Jugendstilvitrinen die für den Museumsneubau 1910 gefertigt wurden, seltene Bücher, zeitgenössische Fotoarbeiten des Künstlers Sammy Baloji (DRC), Installationen von Manfred Pernice (D) und das war es schon.

ostende3 Bildquelle: Originalvitrine RMAC

Mit dem Zeitstrahl am Anfang der Ausstellung wird dem Betrachter kurz und knapp die Grundlage der Kolonialpolitik Europas im 19. Jahrhundert bis zum Ende der Kolonialzeit (in Belgien) nahe gebracht. 1885-1960.

Zeitstrahl Bildquelle: Zeitstrahl Ausstellung Europäische Geister, Oostende #Muzeee11

Und dann geht es ans Eingemachte. Kolonialzeit im zentralen Afrika war eine brutale und menschenverachtende Zeit, die viel Leid produzierte und eine hemmungslose Gier auf alles was Afrika zu bieten hatte entfacht. Bodenschätze und Kunstschätze, Menschen und Tiere, deren „Rang“ identisch war und die nichts zählten. Die vorgefundene Kultur war per se niederrangig. Leben war Ressource die es auszubeuten galt und wer nicht spurte, verlor Arme, Beine und ganz oft das Leben.

Viele der Fotos die heute von den Anfängen der Kolonialzeit und auch von den verübten Greul an den Menschen berichten, wurden von den Kolonialherren  und den Tätern gefertigt. Über Reproduktionen in Journalen, Büchern und Katalogen wurden sie Allgemeingut und prägten das Bild von Afrika als unterentwickelten Kontinent mit „primitiven= zurückgebliebenen Menschen“ fast bis heute.

Objektbögen Bildquelle: Wandgestaltung Ausstellung Europäische Geister, Oostende #Muzeee11

Die Kunst die gesammelt und vielfach geraubt wurde, war mit Absicht möglichst alt und „primitiv“ gewählt, um diesen in Europa „verlorenen“ exotischen Reiz des Vergangenen zu manifestieren…..

Weiter im 2. Teil: Artikel „Europäische Geister“ 2. Teil




2 Kommentare to “Belgien packt sein koloniales Erbe an – Europäische Geister im Muzee Oostende”

Europäische Geister – 2.Teil | kunstfreunde sagte:

[…] Fortsetzung des Artikels: Belgien packt sein koloniales Erbe an – „Europäische Geis… […]

Di 7. Juli 2015 at 20:57

Ausstellung Der blinde Fleck. Bremen und die Kunst in der Kolonialzeit | kunstfreunde sagte:

[…] Belgien ist die Beschäftigung mit der eigenen kolonialen Vergangenheit schon weiter. Aber auch in Deutschland findet langsam nicht nur wissenschaftlich, die Aufarbeitung der […]

Do 6. Juli 2017 at 12:10

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