KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Di Januar 23rd, 2007

Augenblicke eines Lebens – In Gedenken an Moni van Rheinberg

Augenblicke eines Lebens – In Gedenken an Moni van Rheinberg.

Die Ausstellung „Augenblicke eines Lebens – In Gedenken an Moni van Rheinberg“ die am Sonntag, den 04.02.2007 um 12 Uhr im Forum Kunst und Architektur in Essen eröffnet wird, zeigt mit über 100 Werken eine erste repräsentative Gesamtschau der Essener Künstlerin, die 53jährig 2006 verstarb.
Aus dem Nachlass, von Freunden und Sammlern zusammengetragen, haben diese Werkschau die beiden Kinder Moni van Rheinbergs möglich gemacht, so dass eine private aber auch nach außen wirkende Ausstellung entstanden ist.
Von den künstlerischen Anfängen nach Bauzeichnungslehre und Kunststudium, die eine Künstlerin zeigen, die stark an gesellschaftlichen und politischen Prozessen interessiert ist, die zornig und engagiert mit expressiven Farbgebungen gegen Gewalt, Zerstörung und Machtmissbrauch von Menschen durch Menschen Position bezieht. Gewalt gegen Frauen und Kinder, Gewalt des Menschen gegen sich selbst und die unbedachte Zerstörung der Natur werden früh ihre Themen. Moni van Rheinberg ist aber nicht die verbohrte Kämpferin die sich den Blick auf Schönheit und Lebenslust nehmen lässt, sondern sie bleibt Zeit ihres Lebens, den schönen Seiten, dem Wesen des Menschseins und dem Wunder des Lebens an sich auf der Spur. Die Vision einer Künstlerin die weiter schaut als die „normalen“ spürt zwar auch immer wieder die Risse in der Gesellschaft und die Lebenslügen im Materiellen auf, aber wie Frau Dr. Greif-Gadebusch ausdrückte: „Sie hat die Widersprüche ihres Lebens, immer wieder sichtbar ausgedrückt“ – und wie es auf ihrer Trauerfeier ausgedrückt wurde „Sie war bis zum Schluss – wie in ihrem ganzen Leben – ein Mensch, der in großen Gegensätzen gelebt hat“ und blieb es. Künstler haben ein feines visionäres Wahrnehmungsorgan weit vor ihrer Zeit zu sein, was oft schon in der Menschheitsgeschichte zu Unverständnis der Zeitgenossen geführt hat. Aber auch das ist Fluch und Gabe kreativer Menschen und dadurch wird Kunst erst möglich die berührt, Fragen aufwirft, Schönheit deutlicher macht, als „ selbst mit einem blinden Auge“ gesehen werden kann.
Moni van Rheinberg entwickelt eine eigene Symbolsprache, arbeitet mit Begriffen die verständlich sind, aber auch in der künstlerischen Umsetzung Dimensionen und Bedeutungsebenen (wieder-) bekommen, die sich im allgemeinen Sprachgebrauch verschlissen haben. Goldsucher – Glücksucher eine Reihe von frühen Arbeiten die abstrakter wirken, als die Formfindungen der 90iger und 2000 Jahre spielen, vielleicht pädagogischer als spätere Arbeiten mit dem Sinn des Lebens, dem Glück=Gold finden und prangern materielle Konsumauswüchse an. „Jagen-Jagen, Haben-Haben“ als Serien entwickelt, nach dem prägenden ersten Amerikaaufenthalt inspiriert durch Begegnungen mit Uralten Kulturen finden sich in Arbeiten die archaische Zeichen mit Erdtönen in die Arbeiten einfliesen lassen. Die Figuren kehren in ihre Bilder zurück, Objekte entstehen, die Totem und Heiligen formen anderer Kulturen nachempfunden sind.
Das Thema das bleiben wird ist die Frau, Frausein, menschliches Wesen im Zusammenhang mit seiner Umgebung, dem „Du“ in Form von anderen Menschen aber auch Tieren. Die Formen werden nur einmal noch unterbrochen von den Blumenserien die im Untergeschoss des Ausstellungsraumes zu sehen sind.

Moni van Rheinbergs Kosmos kennt Frauengestalten, die im wehendem Haar oft auch wie eine Krone gestaltet wie Königinnen durch ihr Reich, ihre Lebensmission unterwegs sind. Selbst in den „drehbaren“ Bildern , Hochformaten die unterschiedlich aufgehängt werden können, ist immer eine Figur mit Bodenhaftung. Auf die schweben, fliegen, gleiten anderen Wesen zu, die Figur wird vom Nashorn getragen oder steht in den bis zum Hals ragenden Fluten, irgendwie immer Bodenhaftung und dazu von außen kommen bereichernd, nicht „gewollte“ Begegnungen. Welche Leichtigkeit des Seins!
Nach den archaischen Bildfindungen kommt die Farbe zurück in Moni van Rheinbergs Arbeiten. Intensiv, sich nach der klassischen Kontrastlehre steigernd, viel rot, grün und gelb.
Die Körperformen ihrer Motive werden aus breiten Linien und geometrischen Formen gebildet. Aber sie sind Menschen nahe und fern des abstrakten Kubismusses eines George Braques, sondern eher dem feinen gotischen Faltenwurf von Portalskulpturen des 12. u. 13 Jh. nahestehend. Toll auch die Behandlung der Räume um die Figuren herum. Souveräne fantastische Landschaften, die einen Einklang mit den schreitenden, kommunizierenden tanzenden Figuren bilden. Das Wasser wird in Wellen um die Figuren geschlungen, so wie auch die Renaissance mit dem Wasser was Christus umfließt keine Rücksicht auf die Gravitation oder irgendwelche Naturgesetze nimmt. Sagenhaft. Auch die Titel die die Nähe der Künstlerin auch zum Wort und dem Wortwitz bzw. aller seiner Bedeutungsebenen zeigt.
Moni van Rheinberg ist nicht festgelegt auf die Malerei, auch wenn diese einen Grossteil ihres Werkes ausmacht. Auch in Skulpturen aus den verschiedensten Materialien oder in Kunst im Öffentlichen Raum in der Gestaltung mit Mosaik und Farbe ist sie zu Hause. Ein eigener Bereich im Untergeschoss zeigt die Gestaltungsarbeiten, die Moni van Rheinberg ausgeführt und auch noch in Planung gehabt hat, z.B.„Schöner Nisten in Essen-Altenessen“. Oder Brunnenplanungen die vielleicht noch Wirklichkeit werden können.

Im oberen Raum ist die Serie mit den Gesichtern, immer im gleichen Format aber nur ein kleiner Ausschnitt aus den ca. 80 Bildern umfassenden Reihe präsentiert. Total unterschiedlich in der Ausführung, zeigen sie die künstlerische Entwicklung Moni van Rheinbergs, ihr Interesse an den Menschen als Typen und ihr Gefühl dafür das auch tierische Gesichter lachen können. Und wie! Das zeigt sie uns hier. Bei diesen Arbeiten sieht man sehr schön, was andere ebenfalls auszeichnet, sie aber etwas versteckter die Materialität einsetzt.
Sande, Pigmente, Asche oder Kaffeeprütt finden sich als Farb- und Reliefgestaltung auf den Leinwänden oder Objektträgern. Spuren von Menschen, aus bereisten Gegenden und durch ihre Körnigkeit und nicht deckende Konstitution eine Transparenz, die den Arbeiten Tiefe und Dimension verleiht. Wieder ein Zitat von Frau Dr. Greif-Gadebusch vom 14.05.1995 „Malerei mit organischen Mitteln“. Im klassischen kunsthistorischen Sinne Collagen, die mit Holz, Textil oder Wachs in die Bilder eingehen. Sie werden aber wie Malerei behandelt und verlieren ihre eigene Stofflichkeit zu Gunsten der Werke und sind oft erst aus der Nahdistanz zu entdecken. Bei den Objektkästen kann man vielleicht eher von Collagen sprechen, wenn nicht Objektkasten da am besten ist,…
Viel autobiografisches findet sich in den Arbeiten. Die Figuren finden sich oft in Hochformaten wieder, gehen gerne von links nach rechts und sind geerdet. Toll ist, das die Arbeiten eine Leichtigkeit und Tiefendimension ausstrahlen, sie den Betrachter wenig bevormunden und so die „Tagesform“ des Betrachters mit einbezogen wird.




hier kommentieren to “Augenblicke eines Lebens – In Gedenken an Moni van Rheinberg”

Dieser Beitrag wurde bislang nicht kommentiert.

Hinterlassen Sie eine Nachricht

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>