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Mi August 18th, 2010

Architektur und Rekonstruktion oder wie wollen wir bauen – Ausstellung in München

Die Architekturausstellung „Geschichte der Rekonstruktion“ im Architekturmuseum der Pinakothek der Moderne, zeigte einmal mehr, wie wichtig gute Vorbereitung ist und das es sich lohnt mal scheinbar „dröge“ Themen wie die der Gebäuderekonstruktion anzupacken.

Die Ausstellung und da kann man dem Zeit-Artikel zum Thema als Zitat nehmen: „Eine der wichtigsten architekturhistorischen Ausstellungen des letzten Jahrzehnts, denn sie liefert endlich die historische und begriffliche Grundlage für jene Debatte nach, die hierzulande schon seit Jahren stark erhitzt geführt wird: ob man Gebäude rekonstruieren soll oder nicht“.

Bildquelle: Architekturmuseum

Ein in der Tat leidiges Thema, da sich bei Denkmalschützern die Meinung verbreitete hat, dass jede Rekonstruktion schon eine Lüge sei. Und das lähmt vielerorts die Nutzung und Wiederherstellung von Gebäuden, die oft nur dann bezahlbar werden, wenn dorthinein ein Geschäft oder Wohnungen oder ähnliches hineingegeben werden.

Das es schon in der Antike Rekonstruktionen gab ist spannend zu sehen. So fanden die an der Ausstellung beteiligten, internationalen Wissenschaftler unter der Leitung des Münchner Architekturhistorikers Winfried Nerdinger in drei Jahren Grundlagenforschung vieles neue heraus. Sie waren in Archiven unterwegs und haben untersucht was ging.
Für die Ausstellung und den umfangreichen Katalog wurden die Fallbeispiele in zehn Sektionen geordnet, nach den Beweggründen für die Rekonstruktion sortiert.

Dabei raus kam, wie Aleida Assmann es formuliert hat, dass jede gelungene oder nicht gelungene »Architektur aus dem Archiv« den Versuch darstellt, Erinnerung zu bauen. Es sich dabei um eine Konstruktion von Geschichte handelt. Also auch ein Bild, das man heute von früher haben will. Jede Zeit arbeitet an dem Geschichtsbild die sie haben will oder biegt sich die Geschichte so, wie sie doch schön war,…

Daher sind auch in Zukunft lebhafte politische Debatten über Wiederaufbauten zwingend notwendig.

Schön ist auch, dass die Ausstellung klar macht, das es meist unmöglich ist eine Unterscheidung zwischen Original und Nachahmung zu treffen, da immer wieder umgebaut, repariert, hinzugefügt wurde.
Früher war man meist nicht zimperlich mit den historischen Vorbildern.

Die Geschichte der Architektur vollzog sich über Jahrhunderte durch Nachahmung, Anpassung, Zitate und Wiederholung. Wieder und wieder, so dass eine wie auch immer geartete Bewahrung oft genauso Zeitgeist ist, wie die Veränderung.
Die Ausstellung ist in München noch bis zum 31.10.2010 zu sehen.

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