KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mo Juli 20th, 2009

Antwerpens Kunstausstellung in der Kirche – Reunion Rubens bis Metsijs

Man kann auch sagen Demut und Pracht liefern sich diesen Sommer einen Wettstreit in Antwerpen. Zum 450jährigen Bistumsjubiläum kommt es in der Liebfrauen-Kathedrale von Antwerpen zu einem bemerkenswerten Ausstellungsereignis:  Reunion – Altarbilder von Peter Paul Rubens bis Quinten Metsijs ist eine zeitlich befristete Wiedervereinigung von sakralen Kunstwerken mit der Kirche für die sie geschaffen worden sind.

16 monumentalen Altargemälden aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind in der Kathedrale von Antwerpen zu sehen. Acht davon sind sonst im nahegelegenen Museum der schönen Künste zu Hause. Das geschah, nachdem sie von Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts nach Paris gebracht, 1815 wieder in die Stadt kamen. Aber eben nicht mehr in die Kirche sondern in das Museum. Das wird nun und absehbar restauriert und modernisiert, so dass die Ausleihe der Werke sinniger Weise in die Ausstellung in der Kirche möglich wurde.

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Ausstellungsimpression aus dem linken Seitenschiff der Kathedrale zu Antwerpen

Wie voll eine gotische Kathedrale im 16. und 17. Jahrhundert gewesen ist, wo überall prächtige Altäre standen und wie sehr sich heute die Raumwirkung von damals unterscheidet, kann man durch die kluge und schön gemachte Rauminszenierung jetzt in Antwerpen exemplarisch erkennen. Der Designer Koen Van Synghel hat die großformatigen, oft als Tryptichon angelegten Altarbilder in einer einfachen Stahlkonstruktion hoch über den Köpfen der Betrachter angebracht. Dabei kommen die genau für diese Höhe konzipierten Altarbilder wieder dicht an ihre ursprüngliche Wirkung heran. Erhaben und prächtig sind die Arbeiten, trotz der oft dramatischen oder brutalen Ereignisse die geschildert werden. Jetzt hängen sie wieder hoch und weisen über jeden Alltag hinaus.

Die Träger der Bilder sind ebenfalls Distanzhalter, ähnlich wie die ehemals vorhandenen Altarschranken, die wie eine Art prächtiger Gartenzaun, die Anbetungsstätte von den Gläubigen abschirmte. Heute ist noch zusätzlich dort Licht eingebracht, so dass die aufgeklappte Herrlichkeit strahlt. Jeder der so in Szene gesetzte bzw. „zurückgestellte“ Altar ist mit purpurroten Stoff als Bahn wunderbar fliessend hinterfangen. Dadurch ergibt sich, trotz der heute fehlenden Gesamtschau der jeweiligen Altaranlage, wieder das Bild von einst. Die Werke sind als Gesamtbild wuchtig und üppig inszeniert.

Die ohnehin durch ihre Rubensgemälde toll ausgestattete Kirche, wird so wieder zu einem singulären Ort von Kunst und auch für Glauben, auch wenn das bei 350.000 Besuchern im Jahr kaum noch auffällt.

Vielleicht ist die Ausstellung „Reunion“ mehr als nur ein glücklicher Umstand von Jubiläum und Restaurierung, vielleicht sind das die Museen der Zukunft, die die Kunstwerke wieder an den Ort der Bestimmung zurückbringen in Zeiten die Museumsbauten wegen Energiekosten und Sicherheit nicht mehr finanzierbar erscheinen lassen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. November 2009  in der Liebfrauenkathedrale Antwerpen.

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2 Kommentare to “Antwerpens Kunstausstellung in der Kirche – Reunion Rubens bis Metsijs”

Engemann, Brigitte sagte:

Herzlichen Dank für den kurzen informativen Bericht. Ich halte diese Art der Ausstellung für angemessen und freue mich auf meinen Besuch am 29.08.2009. Meines Erachtens (bzw. Hoffnung) entfalten die Gemälde erst im Kirchenraum ihre volle Ausstrahlung, denn hierfür wurden sie schließlich von den Künstlern geschaffen.

Mo 24. August 2009 at 09:58

Rubens , Van Dyk und Jordans auf Besuch in Hamburg | kunstfreunde sagte:

[…] Zeichnungen und Druckgraphiken aus dem belgischen Bestand. Letztes Jahr hat es in der Kathedrale von Antwerpen schon die tolle Rubensschau gegeben, so dass es sich hier weiter optisch schwelgen lässt. Der üppige, lebensvollen […]

Di 8. Juni 2010 at 21:48

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