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Mi April 4th, 2012

1912 – 100 Jahre her und viel los – z.B.Marcel Duchamp in München

1912 ist nicht nur die Titanic gesunken, es scheint auch in der Kunst ein wichtiges Jahr gewesen zu sein. Das Lenbachhaus widmet sich einem besonderen Gast und zeigt bahnbrechende Werke des Erfinders des Ready-Mades: Marcel Duchamp.
1912 war Marcel Duchamp in München, daher hat sich das Lenbachhaus für 2012 das Ziel gesetzt, diese folgenreiche Station im Leben des Künstlers mit einer Ausstellung zu würdigen.

Ende Juni 1912 steigt Duchamp in München aus dem Zug. Er will einen guten Freund besuchen, Max Bergmann. Er beschließt, länger zu bleiben und logiert bald zur Untermiete in einem Zimmer in der Barerstraße. Im Almanach des Blauen Reiter ist er als 25-Jähriger bereits als interessantes Talent erwähnt. Am Ende bleibt er knapp drei Monate, entwickelt mehrere bedeutende Arbeiten, die heute unter anderem im Museum of Modern Art in New York gezeigt werden, wie zum Beispiel das Gemälde „Von der Jungfrau zur Braut“. Er bereitet andere Arbeiten vor, darunter das „Große Glas“. Beim Besuch des Deutschen Museums und der Bayerischen Gewerbeschau findet er wichtige technische Details als Inspiration für seine Arbeit. Er verschickt Postkarten vom Hofbräuhaus und vom Nymphenburger Schloss und lässt sich von Heinrich Hoffmann fotografieren. Oft besucht er die Alte Pinakothek. Dort haben ihn die Gemälde Lucas Cranach d.Ä. nachhaltig beeinflusst. Er ist auch viel unterwegs. So setzt er sich, unsterblich verliebt, einen ganzen Tag in den Zug, um im französischen Jura am Bahnhof von Andelot-en-Montagne für wenige Stunden Gabrielle Buffet-Picabia zu treffen – sie ist mit dem Künstler verheiratet, dessen Nachnamen sie trägt und der zu aller Verwicklung ein enger Freund Duchamps ist. Duchamps Aufenthalt ist zugleich kunsthistorisch bedeutend wie anekdotisch aufschlussreich.

Später wird Duchamp selbst über diesen Aufenthalt notieren: „Mein Aufenthalt in München war der Ort meiner völligen Befreiung“.

Für das Lenbachhaus ist es dabei von großem Interesse, dass er Wassily Kandinskys Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ in München erworben hat und seine Ausgabe während der Lektüre mit Randnotizen versehen hat. Die Zeit in München war produktiv für Duchamp. Was seine „völlige Befreiung“ in München für sein Werk bedeutet, ist in der Forschung jedoch umstritten. Bald nach seinem Besuch in der bayerischen Hauptstadt stellt Duchamp sein „Fahrrad-Rad“ (1913) aus, das als erstes Readymade in die Kunstgeschichte eingegangen ist und einen industriell gefertigten Gegenstand als Kunstwerk definiert. Sind in München die ersten Ideen entstanden, die zu dieser revolutionären Wende der Kunstgeschichte führten? Hat er die Inspiration dafür im Deutschen Museum gefunden?

Welche Einflüsse führten zu einer derart radikalen Umwendung des Kunstbegriffs? Dieser Frage wird die Münchner Schau nachgehen. Der Auslöser der Reise Duchamps scheint klar: Er hatte Paris verärgert verlassen, nachdem sein Gemälde „Akt, eine Treppe herabsteigend Nr. 2″ im Salon des Indépendants abgelehnt worden war. Heute zählt es zu den berühmtesten Gemälden der Moderne und wird im Lenbachhaus nun seit langem wieder in Europa und überhaupt zum ersten Mal in Deutschland gezeigt. Da Marcel Duchamp bislang in München weder in einer Einzelausstellung präsentiert wurde, noch ein Werk von ihm einer öffentlichen Sammlung angehört, sieht das Lenbachhaus umso mehr Beweggründe für diese längst fällige Ausstellung.

Renommierte Leihgeber konnten für diese Idee gewonnen werden und zeigen Arbeiten Duchamps aus ihren Sammlungen: Centre Georges Pompidou, Paris; The Menil Collection, Houston; The Museum of Modern Art, New York; The Philadelphia Museum of Art, Philadelphia; Tate, London; Staatliches Museum Schwerin, sowie private Leihgeber.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Juli 2012 in München zu sehen.




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