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Do Oktober 1st, 2009

Pittoresk – Kunstausstellung im MARTa Herford – Landschaft heute?

Man könnte sagen, Kunstpositionen kehren wieder oder in Zeiten der krisenhaften Veränderung wächst das Bedürfnis nach sichtbarer Vergewisserung oder nach Inneren, gespürten Landschaften kommen die sichtbaren Landschaften wieder, oder, oder, oder

Bildquelle: Plakat MARTa Herford, Pittoresk

Die Landschaft, bzw. hier das Pittoreske war nie ganz weg. Naturräumliche menschenleere Gegend hatte bis ins 16. Jahrhundert vorallem etwas bedrohliches, im 17. Jahrhundert kommt die schöne, friedliche, etwas schaurige Landschaft in den Blick, die die man besucht, die die man sehen will, weil es die Bildung, die Lebenseinstellung oder das Savoir vivre so fordern. Im 18. Jahrhundert kommt dann das Pittoreske dazu. Verstanden als etwas zwischen Schönheit (Interieur, Menschen) und Erhabenheit (Historische Malerei, Staatenlenker, Monarchen, Religion) Und dann kommt mit der Romantik und der Malerei des Caspar David Friedrich die “rechte” Landschaftsbetrachtung in den Blick.

Soweit die kurze Entwicklungsbeschreibung, die die Ausstellungsmacher rund um den künstlerischen Leiter des MARTa Herford, Roland Nachtigäller entwickelt haben.

Dieser Kurzexkurs, wie die Menschheit im Abendland sich die Landschaft als “ansehen des Landes” angeeignet haben, wird ebenfalls in der Ausstellung Pittoreske vorgestellt, aber nicht chronologisch sondern evolutionär fliessend, zwischen künstlerischen Überarbeitungen von Landschaften bis in das digitale Zeitalter hinein.

Die sehenswerte Ausstellung zeigt zeitaktuelle Positionen und nimmt das Wissen um die Rezeptionsgeschichte von Landschaft als künstlerische Positionen auf. Das Spiel der reisenden Bildungsbürger, die die Reiseführer beschriebenen “pittoresken” Landschaften aufsuchen, klettern und krakseln um oben angekommen einen Spiegel auszupacken und mit dem Rücken zur Aussicht auf die Landschaft das wahre Bild erst im Spiegelbild zu entdecken glaubten. Kurios, aber auch mahnend für die zeitbezogene “wahre Sicht” auf die Dinge.

Ein Landschaftsbild hatte durch die Jahrhunderte auch immer die Tendenz, dass ein wahres Bild nur ein gerahmtes(!)also künstlerisch überarbeitetes Bild war. Diese Wahrheitssicht wird auch in der Ausstellung immer wieder thematisiert, sei es durch die idealen Welten von Katja Davar, die idealtypisch für Landschaftsmalerei stehen, aber im Grunde durch Torten-, Säulendiagramme erzeugt werden. Oder die Videoinstallationen des rauschenden Bergbaches, der computeranimiert ins Tal rauscht. Monika Studer und Christoph van den Berg mit ihrer Arbeit “Wasserfall” im dunkeln Ausstellungsraum mit den Baumattrappen (Mariele Neudecker) wirkt mehrfach. Bedrückend, irritierend und dann doch befremdlich.

Fotografie, Malerei, Videokunst und Installationen sind für die Ausstellung zusammengetragen worden, die mit dem Museum Gent in Kooperation entstand und dort auch schon gezeigt wurde.

Auch die Unveränderlichkeit von Landschaft wird in der Ausstellung thematisiert. Sei es durch die Fotos, die aus Teilen von alten Landschaftsaufnahmen und exakten Aufnahmepunkten aus dem 20ten Jahrhundert zusammengesetzt sind (Mark Klett), die Fotos von Natur mit Zivilisationsspuren, die die Zersiedlung von Landschaft klar machen oder die gebastelte Landschaften der Isländerin Katrin Sigurdardottir, die in Versandkisten verpackt, zusammengeklappt und weggetragen werden können. Heimat zum Mitnehmen? Mitteleuropa aus der Vogelperspektive für Reisende in der globalisierten Welt, die woanders leben müssen?

Die Ausstellung Pittoresk im MARTa verstört aber nicht nur, sondern ist fein anzusehen. Und die vier “großen” Namen der Kunst (Friedrich, Funk, van Ruisdael und Richter), die je mit einer Arbeit vertreten sind, wären fast nicht nötig, da die zeitgenössischen Arbeiten das Thema virtous beherrschen. Die Ausstellung zeigt ca 85 Arbeiten und wird bis zum 10. Januar 2010 in Herford zu sehen sein.

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3 Kommentare to “Pittoresk – Kunstausstellung im MARTa Herford – Landschaft heute?”

Herford lädt zum Mitternachtsshopping am 2.Oktober 2009 | Die Ostwestfalen sagte:

[...] wem ein bisschen Kultur noch gut zu pass kommt, der kann um 19.30 Uhr seine Schritte Richtung MARTa-Herford wenden und sich da die Eröffnungsveranstaltung zur neuen Ausstellung [...]

Do 1. Oktober 2009 at 19:32

Meluhn unterwegs – Kunst is the answer | kunstfreunde sagte:

[...] Kunst vermag, wird übrigens auch in anderen künstlerischen Auseinandersetzungen deutlich. Das MARTa Herford veranstaltet jetzt eine Ausstellung zum Thema “Pittoresk” und beschäftigt sich in der Ausstellung mit dem neuen Landschaftsbild in der Kunst. Aber auch [...]

Do 1. Oktober 2009 at 22:57

Wie klingt Landschaft? | Die Ostwestfalen sagte:

[...] MARTa Herford präsentiert im Rahmen der derzeitigen Themenausstellung „Pittoresk – Neue Perspektiven auf das Landschaftsbild“ einen langen Hörbuch-/Hörspielabend vielfältiger Natur: Die Gäste [...]

Mi 2. Dezember 2009 at 23:07

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