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Mi April 19th, 2017

Muzee zeigt Frans Masereel – Widerstand in Bildern

Im Rahmen der Belgienreise der Presse und Bloggerkollegen, wurde auch das  @MUZEE in Ostende besucht. Dieses Museum, dass als Kaufhaus gebaut wurde und das mit seinem Direktor Phillip Van den Bossche schon öfter mit wichtigen Ausstellung von sich Reden gemacht hat, war Ziel der Gruppe. Einmal um die Sonderausstellung zu „Frans Masereel – Widerstand in Bildern“ vor der Eröffnung zu besuchen und um den im letzten Jahr eingeweihten Trakt zu Ehren von James Ensor und Willam Spilliaert zu sehen.


Bildquelle: Plakat der Ausstellung Muzee „Frans Masereel – Widerstand in Bildern“


Bildquelle: Seltener Moment, die Ausstellungsvorbereitungen mit Gästen

Im Muzee wird sich wirklich Ganzheitlich um die Kunst und die präsentierten Themen gekümmert. Alle vier Amtssprachen erlauben einen einfachen Zugang zu den Objekten. Klares und starkes Design, dass ebenfalls die Ausstellungen perfekt ins Szene setzt ist im Muzee immer mit gedacht.
Bei der Ausstellung „Frans Masereel – Widerstand in Bildern“, ist der Meister des Holzschnittes in schwarz-weißen Räumen zu finden. Ikonen seiner Kunst und auch die wenig, da sehr anspruchsvollen Bildrollen, wie die „Nocturnen“ sind in langen Vitrinen für die Besucher „entrollt“.


Bildquelle: Langvitrine mit dem Original der Nocturnen von Frans Masereel im Aufbau.

Überalle ist eine kluge und würdigende Ausstellungsregie perfekt auf die Exponate abgestimmt. Frans Masereel, den Freunden um Stefan Zweig und Romain Rolland ein Begriff, hat die industriellen Verwerfungen der Industrienation Belgien ebenso ins Szene gesetzt, wie die Zerstörungen des Krieges und die gesellschaftlichen Utopien einer menschenfreundlichen Sowjetunion, die er auch bereist hat. Der überzeugte Kommunist Masereel ist vielleicht manchmal etwas sehr ideologisch, aber seine „Schwarze Kunst“ und seine menschliche Empathie trägt über alle diese „Bodenhaftungen“ hinweg und zeigt, warum er einer der größten Grafiker des 20. Jahrhunderts ist.


Bildquelle: Ausstellungsvorbereitungsimpression mit Gästen


Bildquelle: Vollzählige Exemplar einer von Frans Masereel bebilderten Ausgabe des „Jean-Christophe“ von Romain Rolland

Die Ausstellung würdigt allerdings nicht nur den verstorbenen Großmeister, sie hat auch zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler eingeladen, die verschiedenen Facetten der belgischen Geschichte, die durch Industrie, durch Kolonisation und durch gesellschaftliche Verwerfungen geprägt ist, zeitgenössisch zu ergänzen. Dadurch kommen verschiedene „gut verständliche“, da zum eigenen Lebensgefühl gehörige Bildexponate dazu. Das macht das ganze nicht nur Kunsthistorisch sondern auch zeitaktuell interessant. Europa im besten Sinne.
Die Künstlerin Mary Evans schaffte extra für die Ausstellung im langen Eingangsbereich der Ausstellung ein lebensgroßes Paneaux, dass sich in Schattenrissen mit den Menschen die über Wohl und Wehe, über Elend und Glück der Menschen entscheiden. Ihre Arbeit ist eine Antwort auf das große Paneux von Masereel, dass zur Weltausstellung in Brüssel gezeigt wurde. Masereels positives Menschenbild und seine optimistische Haltung und sein Engagement für Internationalismus und Pazifismus sind das Echo von alter und neuer Kunst in der Ausstellung.


Bildquelle: Die Künstlerin Mary Evans beim Aufbau ihrer Figurenpaneux


Mary Evans mit dem Umriss von Donald Trump als Motiv ihres Wandpaneux

Das Muzee wäre aber nicht das Muzee, wenn sich nicht noch ein großer Teil der Sammlung von James Ensor und Willam Spilliaert in einem Extrateil des Hauses finden würde. Beide Künstler sind berühmt für ihre Expressive und phantastische Kunst, wobei Spilliaert vielleicht der größere „Geheimtipp“ für nicht Belgier ist. Spilliaert steht z.B. Evart Munchs Kunst in nichts nach, ähnlich erschreckend und beklemmend in krasser Farbigkeit, aber beiden Ensor und Spilliaert sind sich in vielem sehr ähnlich und fokusieren auf die Belgische Geschichte, die so sehr europäisch ist, so dass diese tiefgründigen Ängste und Phantastereien dem Kontinent eine Bühne bieten, die ohne jede Sprachgrenze zu verstehen ist.

Ebenfalls eine kluge, klare Ausstellung in tollen großzügigen Räumen, die scheinbar die Seeluft in denen beide Künstler zu Hause waren regelrecht „atmet“ und ins helle Haus holt.

Bildquelle: Fotowand in der Ausstellung, die beide Künstler auf der Terrasse des Kurhauses und Casinos von Ostende zeigt.
Das Muzee ist vielleicht eines der schönsten Museen nicht nur Belgiens. Immer eine Reise wert und jetzt im Frühling und Sommer um so mehr. Mu.ZEE, Romestraat 11, B-8400 Oostende




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