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Mo Juni 13th, 2011

Museum Tinguely Basel zeigt die Ausstellung Fetisch Auto. Ich fahre, also bin ich.

Das Leben kann so einfach sein und an die hohen Spritpreise haben wir uns ja auch schon gewöhnt. Da kommt das Schweizer Museum Tinguely Basel genau mit der richtigen Ausstellung: Fetisch Auto. Ich fahre, also bin ich.

Bildquelle: Museum Tinguely, Basel

Das Museum Tinguely verfügt in seiner Sammlung über mehrere Werke, die direkt von Autos inspiriert sind und Teile davon verwenden. Jean Tinguely war ein großer Liebhaber des ‚schönsten Kunstwerkes’ der Welt. So funktionierte er zwei Rennwagen-Chassis zu einem Flügelaltar um, erinnerte mit einer Fahrskulpturen aus einem Renault Safari an die Vergänglichkeiten der westlichen Konsumkultur oder arrangierte Eva Aepplis „Die fünf Witwen“ mit einem von ihm erworbenen Lotus Rennwagen (einst gefahren von Weltmeister Jim Clark) zu einer Memorialassemblage für den oft tödlichen Rennzirkus der Formel 1. Beim neuen Realisten Tinguely floss seine grosse Leidenschaft für die Geschwindigkeit und die Maschine (er war früh auch berüchtigt für seine Autounfälle) in die Arbeit ein, und er verpasste kaum ein Rennen der Formel 1. Jo Siffert zählte ebenso zu seinen Freunden wie der Schwede Joakim Bonnier oder Niki Lauda. Er sammelte fanatisch Autos, vorzugsweise Ferraris, fuhr gerne Mercedes und bemalte selbst ein Seitenwagen-Gespann, das er für Rennen sponserte. Der rasende Jean war – ähnlich den Futuristen – durchdrungen vom Mythos der Geschwindigkeit. Seine Beziehung zum Automobil war zugleich euphorisch und pessimistisch.

Das Automobil ist das wichtigste Kulturgut des 20. Jahrhunderts und spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung nicht nur in der westlichen Welt. Es ist technisches Gerät und Werkzeug zur Fortbewegung, bietet das höchstentwickelte und am weitesten verbreitete Interface für Mensch-Maschine-Interaktion − es ist gleichzeitig aber auch Bedeutungsträger, individualisiertes Wohnzimmer, Medium für kleine und grosse Fluchten, Mittel zur Distanzierung und persönlichen Profilierung. Der Sog der Geschwindigkeit sowie ein neues Raum- und Zeitgefühl war für die (Stadt-) Wahrnehmung und den Rhythmus des modernen Lebens am Anfang des 20. Jahrhunderts prägend. Er ist genuin mit dem Blick durch die Windschutzscheibe verbunden und fährt als filmischer Blick auf die Realität bis heute mit. Die Ausstellung „Fetisch Auto“ zeigt dieses weite Panorama von durch das Automobil inspirierter Kunst mit rund 160 Kunstwerken von 80 Künstlern, u.a. von Giacomo Balla, Robert Frank, Jean Tinguely, Andy Warhol, Gerhard Richter, Chris Burden, Damián Ortega, Richard Prince oder Superflex).
Die Ausstellung in Basel ist noch bis zum 9. Oktober 2011 dort zu sehen.

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