KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

So November 1st, 2009

Münster rettet seinen ältesten Kunstbesitz – Kunstausstellung im Stadtmuseum Münster

Unter dem Motto “Rettet Jan Baegert!” hat die Stadt Münster seinen ältesten Kunstbesitz vor dem Verfall bewahrt.

Das Stadtmuseum Münster besitzt 14 hölzernen Gemälde des namhaften spätmittelalterlichen Künstlers Jan Baegert (ca. 1465 – ca. 1535). Die Arbeiten waren ursprünglich Flügel eines großen Altaraufsatzes mit Szenen aus dem Marienleben und aus der Passion Christi. Die Frühwerke des Künstlers stammen aus der Zeit um 1505 / 1510.

In der Ausstellung “Rettet Jan Baegert!” die das Stadtmuseum Münster noch bis März 2010 zeigt, werden die originalen Altartafeln und  ihre aufwendige Restaurierungsarbeiten vorgestellt. Ein Glücksfall erweitert die Ausstellung um ein fünfzehntes Gemälde, “Der Tempelgang Mariens” wurde erst kürzlich in Privatbesitz wieder entdeckt. Zu dem Wert der Arbeiten sagte die Museumsleiterin Dr. Barbara Rommeé: “Die Werke von Jan Baegert sind von hohem kunsthistorischem Wert und für den städtischen Kunstbesitz von herausragender Bedeutung, da durch die Täuferbewegung 1534 / 1535 sämtliche Kunst und Archivalien zerstört wurden und die Tafeln so eines der wenigen Zeugnisse der Kunst aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Bestand des Stadtmuseums ist.”

Jan Baegert MünsterBildquelle: Jan Baegert, Einzug in Jerusalem. Öl auf Eichenholz, 1505 / 1510. Foto: Stadt Münster

Die 14 Tafeln des Stadtmuseums und zwei zugehörige Gemälde – heute in Privatbesitz – waren ursprünglich Bestandteile eines großformatigen Altaraufsatzes. Das Flügelpaar dieses zerstörten Retabels zeigte in geschlossenem wie in geöffnetem Zustand jeweils einen abgeschlossenen Bildzyklus. Im zugeklappten Zustand sind die acht Szenen aus dem Marienleben, die das Leben der Gottesmutter wiedergeben von ihrer Geburt über den Tempelgang, die Vermählung mit Josef, die Verkündigung, die Heimsuchung, die Geburt Christi und die Darstellung im Tempel bis zur Krönung Mariens.

Zwei abgeschlossene Bilderzyklen Die Innenseiten der Flügel – die so genannten Feiertagsseiten – waren nur an wenigen Tagen des Jahres sichtbar. Sie zeigten die christologischen Themen:

Einzug in Jerusalem, Letztes Abendmahl (eine heute vermisste Tafel), Christus am Ölberg und Geißelung Christi sowie die Erscheinung Christi unter den Aposteln, die Himmelfahrt Christi, die Ausgießung des Hl. Geistes und das Jüngste Gericht.

Die Auswahl der Szenen macht deutlich, dass im Mittelteil dieses Altaraufsatzes die Kreuzigung dargestellt sein musste, die als wichtigste Heilstat sonst fehlen würde.

Der Marien- und der Passionszyklus, ursprünglich je acht Gemälde umfassend, boten den Gläubigen zu Beginn des 16. Jahrhunderts klar komponierte Szenen. Die sind durch die Konzentration auf die Hauptpersonen im Vordergrund für den Betrachter schnell erfassbar. Die Flügel wurden wahrscheinlich schon im 18. Jahrhundert auseinandergesägt und zeittypisch gerahmt, so dass 16 einzelne Gemälde entstanden.

Die Restaurierung im Stadtmuseum Münster wurde vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, dem Förderverein Stadtmuseum Münster, der Sparkasse Münsterland Ost, der WestLB und der Provinzial Versicherung gefördert.

stadtfuehrungen-in-owl-und-muensterland

Ähnliche Artikel:

  1. Pittoresk – Kunstausstellung im MARTa Herford – Landschaft heute?




2 Kommentare to “Münster rettet seinen ältesten Kunstbesitz – Kunstausstellung im Stadtmuseum Münster”

Rettet Jan Baegert! – Führung in Münster | Die Ostwestfalen sagte:

[...] 2009, 16 Uhr, eine öffentliche Führung durch die aktuelle Sonderausstellung “Rettet Jan Baegert! Die Restaurierung des ältesten städtischen Kunstbesitzes” an. Janneke Bauermeister, die leitende Restauratorin des Stadtmuseums, begleitet durch die [...]

Di 3. November 2009 at 20:24

Ausstellung „Rettet Jan Baegert“ wird verlängert | Die Ostwestfalen sagte:

[...] 500 Jahre alt sind die 14 Altartafeln des Jan Baegert (1465 – ca 1535). Ein echter Kunstschatz, den das Stadtmuseum in diesen Wochen zeigt. [...]

Do 11. März 2010 at 13:24

Hinterlassen Sie eine Nachricht

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>