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Mi Februar 6th, 2013

Kunstlexikon der phantastischen Künstler in der 2. Auflage erschienen

Nichts ist vielleicht erstaunlicher in digitalen Zeiten, wenn auch schon die Printausgabe des Brockhaus eingestellt wird, wenn ein neues Lexikon erscheint. Bzw. die  2. Edition eines Lexikon in Buchform erscheint.

Der österreichische Wissenschaftler Prof. Gerhard Habarta hat diese Sisyphos-Aufgabe unternommen ein Kunstlexikon der phantastischen Künstler auf den Weg zu bringen. Und jetzt sogar eine zweite überarbeitete Fassung erscheinen zu lassen. Engagiert, mit vielen Sammlern, Künstlern, Nachlassverwaltern etc. im Gespräch ist es ihm gelungen alle Tendenzen und Erscheinungsformen der phantastischer Kunst „auszugraben“ und in das Buch aufzunehmen. 20% mehr Künstler – insgesamt 1.330 – als in der 1.Edition sind erfasst.

Coverabbildung, Lexikon ist zu beziehen bei fantart@gmx.at

Die Geschichte des Lexikons ist ebenfalls erzählenswert. Hier in Auszügen in seinen Worten:

Aus der Material-Sammlung meines im Jahr 2001 begründeten I.F.A.A. – Archiv phantastischer Künstler entstand ein Lexikon der Surrealisten, der phantastischen Künstler, der Visionary- und Fantasy-Maler und Symbolisten dessen erste Ausgabe 2009.

2010 wurde ich eingeladen mit dem Archiv im Wiener Palais Palffy Quartier zu nehmen. Daraus resultierte sehr rasch ein Museum phantastischer Kunst im Zentrum Wiens. Seit 2011 hat die phantastische Kunst nun ein Haus: das PhantastenMuseum Wien.

Dabei zeigte sich, dass die Welt der phantastischen Kunst auch in dieser Beziehung anders ist, als der Rest der Kunst unserer Zeit: Die phantastischen Künstler sind vernetzt, handeln gemeinschaftlich, trotz oft sehr gegensätzlicher Ansätze und künstlerischer Grundsätze.

Das 21.Jahrhundert ist das Ende der Künstler-Vereinigungen. Die Künstler sind so etwas von einzelgängerisch geworden, dass sie die Gleichzeitigkeit mit anderen verweigern, um ihre – von den Kuratoren verordnete Einzigartigkeit – zu etablieren.

Diese Isolierung auf höchstem Niveau war angesagt. Und Individualität von Gruppen gibt es nicht. Jeder ist für sich verantwortlich und der stärkere wird siegen. Ein Art von Kultur-Darwinismus und Neoliberalismus der Kunst. Das Leben als Künstler im Kunstbetrieb wurde zu einer Castingshow, einer gegen alle anderen, in der Hoffnung und suggerierten Gewissheit, selbst der Star zu werden.

Die Künstler-Organisationen des 19. bis 20. Jahrhunderts waren Vereinigungen, Assoziationen, Gemeinschaften, Gruppierungen, Schulen. Das kunstinteressierte Bürgertum förderte die Künste durch Errichtung von Künstlerhaus-Palais. Die Künstler vereinigten sich

 Auch die Wiener Schule des Phantastischen Realismus formte sich in den 1950er Jahren. Sie war eine Zweckgemeinschaft von unterschiedlichen einzigartigen Charakteren, Temperamenten und Philosophien, aber mit einem gemeinschaftlichen Ziel, dem Bestehen in einer feindlich gewordenen Welt der abstrakten Kunst.

Eine der letzten programmatischen Bewegungen der 1960er Jahre war der Nouveau Réalisme. Seine konstitutive Erklärung eines Neuen Realismus (La Déclaration constitutive du Nouveau Realisme) besagte ganz offiziell: „Die ‚Nouveaux Réalistes‘ sind sich ihrer kollektiven Einzigartigkeit bewusst geworden.“

Ab dann sind die ‚Einzigartigen‘ auch ‚Einzelgänger‘. Daraus wiederum resultierte das Marken-Bewusstsein der gegenwärtigen Künstler der akzeptierten Moderne und ihrer Marketingstrategen. Die Kuratoren/Manager betonen diesen solitären Status als Strategie ihrer Markenphilophie: Es kann nur ein Coca Cola geben. Pepsi-Cola darf es nur geben, um den Vorrang des Ersten durch einen kleinen Zweiten zu manifestieren.

Anders in der phantastischen Kunst. Phantastische Künstler, von der Kultur- und Museumspolitik seit Jahrzehnten ignoriert und in den Untergrund gedrängt, sind sozial, gemeinschaftlich, assoziativ, sind Netzwerker. Als unaktuelle Malerei verunglimpft, als schönfärberische Schönmaler belächelt, als unzeitgemäße Literaturmaler abgelehnt, als Außenseiter und Einzelgänger abgetan, vereinigen sie sich untereinander.

Nach der von André Breton autoritär geführten ‚Partei‘ der Surrealisten, die sich auch in internationalen Gruppierungen von England, Belgien, Tschechien, Serbien, Schweden bis Martinique und Mexiko fanden, entstanden und vergingen, bildeten sich nach dem 2. Weltkrieg fantastische Netzwerke unterschiedlichster Ausrichtung.

Es gibt seit mehr als 50 Jahren traditionelle Vereinsformen wie die ‚Society for Art of Imagination‘ in London und den USA die offen für jeden interessierten Künstler ist. Sie ist international versammelt und stellt gemeinschaftlich aus. In Deutschland gibt es die ‚LABYRINTHE Gesellschaft für phantastische und visionäre Künste‘. Daraus entwickelte Otfried H. Culmann seine zweijährlich stattfindenden ‚art imagninär‘. Anders die deutschen ‚Neuen Meister‘ die ganz bewusst als zahlenmäßig kleine Ausstellungsgemeinschaft unter sich bleiben. Oder in Dänemark Claus Brusens ‚Fantasmus‘ Gruppierung, die er publiziert und ausstellt. Die in Frankreich situierte internationale Gruppe ‚Libellule‘ präsentiert sich mit thematischen Ausstellungen, vorgegeben von ihrem Mentor Lukas Kandl. Ganz in der europäischen Tradition ist Japans ist Shoji Tanakas ‚IFAA Association Internationale des Art fantastiques‘. Andere haben neue Medien, vor allem das Internet als Versammlungsbasis wie Otto Rapps ‚Visionary art emporium‘ und in Australien Jon Beinarts internet-Organisation Visionaryartforum. Bis zu den sektenartigen Vereinigungen von Tribes und Communities visionärer und spiritueller Maler.

All diesen Gruppierungen und mehr, danke ich für die Informationen über phantastische Künstler und deren Werke. Dazu kommen Kunstinteressierte und Sammler, wie Jan Linder, vom schwedischen Nordens ljus, einem Kulturclub in Stockholm mit 700 Mitgliedern, der viele skandinavische Künstler nannte, die man im Rest Europa kaum kennt. Oder dem Sammler Günter Westermann, der mehr interessante Künstlerpersönlichkeiten ins Lexikon reklamierte, als wir diesmal aufnehmen konnten.

Prof. Gerhard Habarta, Herausgeber und Redakteur, November 2012

Das Kunstlexikon der phantastischen Künstler kann direkt unter fantartpublishing, mail: fantart@gmx.at bestellt werden. Weitere Informationen unter: www.lexikon-surreal.com

Lexikon der Phantastischen Künstler: 2.Edition (deutsch):Autor: Gerhard Habarta :Umfang: 524 Seiten : 1.146 SW Abbildungen und 601 farbige

1.330 Biographien : Format: 22,5 x 17 xm, Gebunden mit Lesebändchen, ISBN: 978 3848263073

 

 

 

 

 




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