KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Fr März 17th, 2017

Kunstfreunde-blog ohne Bilder

Gebt die Bilder frei, oder wie die Macht über Bilder zur Zerstörung von Öffentlichkeit für Kunst führt.
Seit 2008 gibt es den Kunstfreunde-Blog. Er speist sich aus einem guten Netzwerk an Künstler, Institutionen und Informationen, die auch von weiter her auf den Schreibtisch flattern. Die Regel- und Gesetzwirklichkeit für das Internet hat sich in der Zeit stark verändert. Mal als Reflex auf den Schutz der Kreativwirtschaft, ihre Produkte in Form von Bildern, die in die Öffentlichkeit gelangen auch zu honorieren, mal weil es lange wenig Regeln für das Netz überhaupt gab.

Alles schön und gut. Dabei ist vielleicht nur in Deutschland ein gefährliches Fahrwasser für Institutionen entstanden, das Abbildungen von Kunst, egal ob vom Künstler zur Verfügung gestellt, oder Eigenproduktion zu einem gewagten Feld macht. Meist war Usus, dass die Berichte über Ausstellungen mit der Zeit unverändert in den jeweiligen Archiv für eine Einsicht auch später, weit nach den Ausstellungen erreichbar waren. Die Diskussion darüber hat in den Social Media bereichen erst begonnen. MartaBlog, Angelika Schoder, Kunstfreunde-Blog.de

Das wird jetzt zum Teil rigeros für eine Abmahnmöglichkeit genutzt. Die Bilder werden, wenn sie nicht nach 6 Wochen aus den Artikeln gelöscht werden, als „unerlaubte Nutzung“ deklariert und das Haus, der Verlag, die Galerie, der Blog mit einer Abmahnung in 4steilligen Größenordnungen konfrontiert.

Im Namen der betroffenen Künstler wird ein Missbrauch geltend gemacht, der seinen Anfang in der Förderung eben dieser Künstler hatte. In dem seine oder ihre Arbeiten der Öffentlichkeit erst durch die Tätigkeit der Verlage, der Galerien oder der Ausstellungshäuser bekannt gemacht wurde. Als Pressearbeit wohl bekannt. Marketinginstrumente für Ausstellungen in Museen, Ausstellungshäusern, Kunstvereinen in Zeitungen und Zeitschriften.
Auch Verwerter der Bildrechte von verstorbenen Künstlerinnen und Künstlern sind mit dabei, wenn es sich um die „Bestrafung“ und die „finanzielle Schädigung“ der Institutionen handelt.

Warum diese Abmahnungen dann mal hier und dort aufkommen, verhält sich wie im richtigen Leben:

Mal hat man von Künstlerseite seine Rechte an eine Verwertungsgesellschaft gegeben, die mal selber oder nach Aufforderung durch den Künstler tätig wird und man hat vergessen, dass das auch die Pressearbeit der jeweiligen Häuser betrifft, in denen man meist gerne ausstellt. Oder der Künstler ist nicht mehr glücklich mit seinem vergangenen Engagements und will seine oder ihre Spuren tilgen, zu Gunsten der aktuell für adäquat gehaltenen Beziehungen und Ausstellungen.

Es scheint jedenfalls für die Verlage, Galerien und Museen bei Sinneswandel des Künstlers, ob seiner Darstellung auf der Website der Aussteller, keine Schutzklausel zu geben, die die rückwirkende Belastung trotz der ursprünglich vorhandenen einvernehmlichen Ausstellung und den Berichten darüber in Schutz nimmt. Auch wenn die Hinweise auf die Künstler an den Bildern sind, die Berichterstattung wohlwollend bis sehr gut ist. Nichts rettet die Institututionen vor dieser Vorgehensweise. Und eine Frist von 6 Wochen ist schlicht Unsinn.

Das ein einseitiger Sinneswandel die Geschichte von Künstlern tilgen kann und finanziellen Schaden bei den anderen anrichtet, ist unerfreulich und müsste ebenfalls geschützt sein. Das bei dieser Art des „Bilderkampfes“ die Künstler die so agieren, gewinnen ist kaum zu glauben. Aber es schafft wieder einen Raum für Ungleichheit, da die private und in den sozialen Netzwerken genutzte Bilderflut meist nicht verfolgt wird.

Hilfreich wäre hier, wenn man schon den Status quo durch die Publikation als „Markting für den Künstler“ nicht per se frei stellt, dass der Sinneswandel erstmal mit einer Frist den betroffenen Institutionen bekannt gemacht werden müsste. Dann könnte die betroffene Insitutution entsprechend agieren z.B. durch Löschung der Abbildungen. Erst dann sollte eine Sanktionierung überhaupt erst erfolgen können.

Selbst ob solch eine Regelung fair ist, bleibt offen, aber es könnte jedenfalls Willkür und Schaden für alle Beteiligten in Grenzen halten. Besser wäre es einfach die Nutzung von Bildern die einvernehmlich für eine Bewerbung eines Projektes auch ausgetauscht, zur Verfügung gestellt oder angefertigt worden sind frei zu geben. Punkt.

Fakt ist das mit der Regelung wie sie jetzt ins Kraut schießt, die frühzeitige Förderung und Entdeckung von Künstlerinnen und Künstlern, die nach einer Anlaufphase Institutionen verlassen, um bei großen Orten neue Öffentlichkeit zu erfahren, ein Risiko ist. Die kleinen Player und „First Mover“ , die noch nicht mal eine Vergangenheit via Archiv zeigen können, denen bleibt nur ein Totalverlust der eigenen Geschichte. Nicht einmal mehr die Reputation als Entdecker bleibt mehr erhalten.

Kurzfristig leiden die „Ermahnten“ und „Gebührenzahler“, mittelfristig leiden die Künstlerinnen und Künstler, da die Motivation von ihnen zu berichten durch dieses Vorgehen untergraben wird und deren Namen die Runde machen werden. Mal sehen ob dieser Verdrängungswettbewerb durch den „Bilderkampf“ überhaupt irgend einen Gewinner hervorbringt.

Daher ist für den Kunstfreunde-blog.de die Zeit ohne Bilder angebrochen.




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