KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Di Januar 4th, 2011

Kunst – ist das Glas halb voll oder halb leer? Ein Ausblick auf 2011

Zeitenwenden haben anscheinend immer auch den Charakter von bösen Buben: eigentlich sind sie smart und ein bißchen sexy, aber eben auch böse und machen Angst. So jedenfalls machte es den Eindruck, als die vielen Jahresrückblicke auch vor der Kunstszene keinen Halt machten. Kurzgefaßt, weil ist ja auch vorbei: 2010 war ein laues, langweiliges und wenig umsatzstarkes Jahr. Soweit so gut.

Ein bisschen Untergang des Abendlandes ist ja auch immer gut, allerdings stimmt der Tenor doch nachdenklich, da ja oft die Künstlerinnen und Künstler betroffen sind, die die oft einfach gute Kunst produzieren und den Puls der Zeit spüren, bevor andere durch die Bilder der Tagesschau den Zeitgeist durchs Zimmer wehen sehen,…

All die Castingshows die den Warhol-Satz „jede 15 Minuten ein Star“ um so deutlicher beschwören, sind sich des „künstlerischen Erbes“ sicher nicht bewußt. Aber genau da ist doch die Faktizität der Kunst um so deutlicher: Videokunst der 80er hat ein museales Erhaltungsproblem, eins das zeigt, dass trotz Modernität, konservatorischer Technik und Know-How auch immer der Überlieferungszufall der Faktor ist, der eine wichtige Konstante im „Ewigen“ ist.

Marketing ist ebenfalls wichtig, wäre doch Van Gogh nicht der, ohne den Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe und die Sehnsucht nach dem unerkannten Genie, usw.

Viele der Auguren der Kunst, die mit dem letzten Jahr so unzufrieden waren, haben meist eine Einsicht vermissen lassen: Wenn es schon so schlecht war, haben wir an unserer Stelle alles getan das es besser hätte werden können? Haben wir die Begeisterung über gute Kunst wirklich so herausgearbeitet, von mir aus so herausgeschrien, dass das Publikum da draussen aufmerksam wurde? Haben wir die Kunst gezeigt und gefunden, die egal ob tolle Vita, oder jahrzehntelanges kontinuierliches Arbeiten die Quelle war, die gesehen werden muß?

Ach, die Selbsterkenntnis, vielleicht einfach nicht gehört zu werden, ist vielleicht ja auch erschreckend, aber es gibt sie doch die Kunstfreundinnen und Kunstfreunde, die in Museen und Sammlungen gehen, die Fans von Museen im web 2.0 sind, die viele Impulse über diese Netzwerke bekommen. Und es gibt sie auch die Sammlerinnen und Sammler, die nicht über Millionenbudgets verfügen, die aber immer wieder unverdrossen und mit viel Freude in Galerien gehen, spannende Kunst suchen und sogar bereit sind, ihre Sammlungen immer wieder mit neuen Stücken zu bereichern. Und die die vielleicht gerne Sammeln wollen aber nicht so recht wissen wie.

Und hier, jeder an seinem Platz könnte viel positiv bewegen, gute Kunst zeigen, reden sich bemühen, zu leben, wie bereichernd Kunst ist. Und klar machen, dass 1.000 Euro für ein Bild, Skulptur, etc. Geld ist, aber für Kaffeemaschinen, Designsessel und Fahrräder eben vielleicht suboptimal ausgegeben wird. Und das eine vielfältige Kunstlandschaft von Verkäufen lebt und Lifestyle eben nur eine Mode ist; Kunst deutlich länger halten kann. Ob die Erben dann demnächst die Kunst verkloppen können, wird sowieso erst die Zeit zeigen und s.o. ob der Überlieferungszufall zuschlägt kann auch keiner sagen, … Aber im hier und jetzt ist Kunst bereichernd und muß auch nicht entkalkt werden,…

Was uns 2011 dann bringen wird? Viel Freude und tolle Kunst, vielleicht viele Gesprächsrunden die die Messerundgänge erträglicher oder unerträglicher machen (Was haben sich die Macher bei Kunstdialogen zum Thema „Was gibt uns die Kunst“ gedacht?). Im Plauderton wird wirkliche Anteilnahme und das Brennen für die Kunst wohl nur temperiert wahrnehmbar, aber am Stand, im Atelier und in der Galerie, im Feuilleton, im Blog, da kann leidenschaftlich jeden Tag gekämpft werden und darauf können sich die Kunstfreunde und Kunstfreundinnen freuen. 2011 wird ein gutes Kunstjahr und nicht nur weil der Rubel in den Luxusetagen wieder rollt, sondern weil viele Menschen wahrnehmen, dass wirklich Echtes in der Kunst steckt und die Blendmaschinerie a la Banksy und der Börse, doch nur heise Luft ist. Willkommen 2011

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