KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Fr November 22nd, 2013

Kunst am Bau – eine vernachlässigte Disziplin

Kunst am Bau und die Vorschrift einen Teil der Bausumme für Kunst am Bau vorzuhalten ist in den 90er Jahren vom Gesetzgeber zurückgenommen worden. Das ist schade, zeigt die Entwicklung doch, dass mit diesen künstlerischen Interventionen der Kunstgeschmack, wenn nicht gebildet, so doch auch in bildungsferne Schichten getragen wurde, die sonst nicht mit Kunst, vielleicht sogar mit der europäischen oder abendländischen Kunst in Berührung gekommen wären. Aber das ist leider vorbei. Die Mosaik und Metallarbeiten an Schulen der 50iger Jahre verschwinden unter Wärmedämmung oder werden abmontiert, die Fensterentwürfe ausgetauscht und so nach und nach auch Arbeiten von namhaften Künstlern wie Herbert Benedikt, Woldemar Winkler etc aus dem öffentlichen Bereich weggenommen.

Kunst am Bau, Marion Anna Simons Wandbild der Heiligen Ursula

Das es auch anders geht, quasi Kunst im Bau zeigt ein just abgeschlossenes Projekt der Künstlerin Marion Anna Simon in Köln. Dort entstand unter der Leitung der Künstlerin ein großes Wandbild aus Kacheln 405 für die Erzbischöfliche Ursulinnenschule Köln. Und weil es so schön ist hier der Text den die Künstlerin im Flyer publiziert hat: Zitat

Kunstunterricht ein umfangreiches Klassenübergreifendes Kunstprojekt unter Beteiligung aller Schüler angeboten. Die heilige Ursula als Kachel bild zu entwerfen war meine Idee. Die Heilige Ursula ist eine Legende der Stadt Köln und sie ist Patronin der Schule. Der Neubau der Realschule gab für mich den Auslöser diese Kunst am Bau Arbeit zu entwickeln. Es reizte mich auch sehr farbige Fayencen im nackten Betonbau zu sehen. Es ging um die gemeinsame Bildfindung und den Entwurf eines Ursulabildes. Hier bin ich je nach Klassenstufe spielerischer bzw. akademischer herangegangen. Es wurde gezeichnet, gemalt, Grundkenntnisse von Idee und Umsetzung wurden vermittelt.
Das Projekt ist ein Eintauchen in die Geschichte. Nach Einführung in die Geschichte der Hl. Ursula literarisch wie auch über eine Reihe von Bildern, bat ich die Schülerinnen sich selbst in Beziehung zur Ursula zu setzen. Was passierte, sie sind einfach selbst „ins Boot“ gestiegen.Im Zentrum dieses Projektes standen vor allem die Erfahrungen der SchülerInnen. Das sich „ins Boot“ gesetzt haben und das als eine visuelle Interpretation wichtiger menschlicher Erfahrung gesetzt wird. Was ist das Boot? Das Boot des Glaubens, der Spiritualität, der
Geistigkeit, des Leides, der Passion, des Todes, des Lebens, des Weges e.t.c. Dieses veranlasste mich auch nach der Beziehung des Heiligen und dem Heute zu fragen und es zu thematisieren. Identitäten, Identifizierung, Schüler wachsen heran und beginnen Positionen zu entdecken. Die Schule ist ein wesentlicher Ort/ Zu Hause für viele Jahre. Bleiben des zu schaffen schafft Selbstbewusstsein. Etwas
ausgeführt und „gebaut“ zu haben verleiht Stolz.
Daraus manifestierte und entstand dann mein Entwurf für das Wandbild. Diverse Ursuladarstellungen wie das Martyrium aus dem Wallraf Museum, ein Martyrium aus Siebenbürgen, Holbeins Ursula etc..
Ich bin als Künstlerin, Lehrerin und Brandstifterin dieses Projektes in Ursulas Rolle gestiegen. Ihre Gefährtinnen und weitere Personen werden von den Schülern bespielt. Das Lachen der Personen steht für die auferstandenen Seelen. Wie bei der Kommunion der Laib und das Blut Christi, Brot/ die Hostie und der Wein kommt es zur Metamor phose. Durch die Malerei das Bild inkorporieren.
Es kommt zur Transzendenz. Übergangssituation. Profanes mit Sakralen verbinden. Durch die Kunst wird das Spirituelle und die sakrale Welt erfahrbar. Es entsteht ein Heiliger und intellektueller Diskurs.
Nach der Bildfindung ging es an die Umsetzung. D.h., die Bildgröße wurde festgelegt, der Ort der Anbringung wurde ausgesucht und das Ge samtbild durch die Anzahl der Schüler dividiert, so dass es zu 405 Einzelteilen kam. Diese Einzelteile entsprechen jeweils einer Fliese, diese den SchülerInnen zum Bemalen zur Verfügung stand. Dann ging es darum, wie das Motiv auf die Kachel kommt. Neben der Malerei und Zeichnung erfolgte eine Einführung in die Fayence. Hier erzählte ich von der einfachen Kinderbemalung bis zur Kölner Fayence aus dem Mittelalter, dem 27 m großen Kachelbild von Sarah Morris in Düsseldorf, dem Fürstenzug in Dresden etc. Am Ende hatten alle
Schüler ihre Fliesen bemalt. Die nummerierten Fliesen wurden nun der Reihe zu einem Gesamtbild zusammengefügt und vor Ort angebracht.Zitat Ende Weitere Infos bei Marion Anna Simon

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