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Fr Oktober 16th, 2009

Grosse Projekte fördern grosse Gedanken – oder warum mit wenig effektiv arbeiten, wenn die Halbwertszeit schön lange dauert

Der Abschwung ist ja jetzt doch nicht so doll, wie befürchtet, die Konjunktur ist zwar abgestürzt, aber auf dem Wege der Besserung. (Hatte die auch Schweinegrippe?) Prima Sache, schade nur, dass wir normalen Menschen davon weder jetzt noch nächstes Jahr was haben. Der Spannungsbogen der Angst um den Job wird aber erst mal hochgehalten.

Ist ja auch zu blöd, wenn die Sparquote jetzt sinkt, weil die die noch was verdienen innerhalb der letzten 10 Jahre festgestellt haben, dass ihnen doch immer wieder durch Geldentwertung, Abschwünge, Gesetzesänderungen und neuen Leitbildern der Konsumwelt was vom mühsam Angesparten abgenommen worden war und wird.

Herrlich auch die Hurra-Nachrichten, dass Hartz IV jetzt mehr “Schonvermögen” zulässt. Da hat Frau Schickedanz, die einzige wirkliche Arme im Land ja echt Glück mit dem Zeitpunkt des Niedergangs. In den Schröderjahren wäre noch nicht einmal ein kleines Chalet in der Schweiz übrig geblieben.

Auch können wir ja dankbar sein, dass “sittenwidrige Bezahlung” verboten werden soll. Hurra. Sittenwidrig heißt doch sittenwidrig, weil der Anstand und die Sitte vor Ort dagegen stehen. Da ist der Begriff doch von der Realität schwer überholt worden. Spannend ist jetzt die Frage, ob das auch für den Kunstbereich zählt oder ob das ja sowieso nur ein Wirtschaftszweig aus Selbstständigen ist, der ja selber Schuld an der Struktur seiner Wirtschaft ist.

Wird ein Maler oder eine Bildhauerin, dann für ihre und seine Arbeit, mindestens 7,50 Euro (der 2/3 Durchschnittslohn) für ein 20 qm² Bild oder eine Plastik die in 200 Stunden entstanden ist bekommen? Und welche Maßgabe wird zur Grundlage. Die Millionen für eine Arbeit von Gerhard Richter in einer Auktion 2008 oder der Verkaufswert der ersten Transaktion dieser Arbeit, damals noch in DM?

Jedenfalls sollte das Durchschnittseinkommen der Künstlerinnen und Künstler die in der Künstlersozialkasse versichert sind über 12.000 Euro im Jahr steigen. Das wäre doch mal eine Maßnahme. Wobei hier auch zu fragen ist, ob die Künstlerinnen- und Künstlerförderung von verschiedenen Institutionen nicht auf das Groh der Galeristen erweitert werden sollte, da diese ja viel für die Bekanntheit der Künstler als Marketingfachleute tun. Wie wäre es mit einem Messezuschuss im Inland und im Ausland, z.B. für die Art-Basel oder die Frieze-Art einen Zuschuss des Goethe-Institutes, da die Kunst ja Botschafter des Landes ist. Natürlich nur, wenn die Kunst in Deutschland entstanden ist, versteht sich, ein bisschen Protektionismus muss schon sein.

Aber hier sind ja leider zu viele kleine Projekte am Start, daher ist es doch schöner, größere Projekte anzuschieben. Die x-Tausend Fässer Atomreststoffe (Müll solls ja nicht sein) in Sibirien unter freiem Himmel in die Steppe zu stellen, ist ja auch schlau. Vielleicht lagern Dschingis Khans Horden mal da, dann sind die vielleicht krank und kommen nicht nach Europa.

Da lob ich mir doch die Italiener. Da kommen wenigstens große Gedanken vor. Nicht erst das Flutsperrwerk in Venedig zu Ende bauen, nein eine Brücke nach Sizilien. Sechsspurig in die wilde Adria und dann noch auf die Erdstöße und den Ätna hoffen. Aber der Sinn ist doch klar, das Geld aus Brüssel, was bestimmt als Infrastrukturmaßnahme reichlich fließen wird, (es gibt zwar keine gescheite Autobahn hin zur Brücke und die Eisenbahn ist auch nur einspurig), aber damit bekommt Italien mehr Mittel, als es einzahlt, die Freunde der Mafia da unten verdienen toll mit und der Präsident kann auf Jahre sagen, er ist der Beschützer des Projektes, ergo unkündbar. Das sind mal Visionen. So klar und so groß, dass man im Land der verzagten Germanen und anderer echt neidisch werden kann.

 




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