Fr Februar 6th, 2009
Gipfeltreffen der Kunst in Hamburg: Degas und Matisse zu Gast
Letzte Woche eröffnete das Bucerius Kunst Forum in Hamburg seine wirklich schöne Matisseausstellung und diese Woche zog die Hamburger Kunsthalle nach und begann die Schau Degas “Intimität und Pose”, die dort noch bis zum 3. Mai 2009 zu sehen sein wird.
Tanzen und Tänzerinnen waren zeitlebens die beliebtesten Motive des französischen Impressionisten Edgar Degas (1834-1917). Weniger bekannt ist, dass er neben seinen bekannten Pastellen und Gemälden auch zahlreiche Plastiken schuf, die er jedoch der breiten Öffentlichkeit vorenthielt.
Erst kurz nach seinem Tod konnten die Tänzerinnen, Badenden und Rennpferde, die er aus Wachs modelliert hatte, gesichert und 1919 in Bronze gegossen werden. Die Ausstellung Intimität und Pose zeigt den kompletten Bestand der 73 Originalabgüsse. Zu seinen Lebzeiten hatte Degas nur eine der Wachsfiguren präsentiert: Die Kleine Tänzerin von 14 Jahren erregte 1881 auf der sechsten Impressionisten-Ausstellung mit ihrem ungewöhnlichen Naturalismus großes Aufsehen.
Bildquelle: Hamburger Kunsthalle: Edgar Degas, Tänzerin, ihre rechte Fußsohle betrachtend
Museu de Arte de São Paulo, © Milton Carelo
Degas hat anders als viele seiner Zeitgenossen nicht den professionellen Blick des Bildhauers auf die inszenierte Pose, sondern auf die Körperhaltungen und Bewegungen im unbeobachteten Moment. Das Resultat seiner Arbeit sind Posen, die man nur wahrnimmt, wenn man dicht dran ist, daher der Begriff “intim” für diese Bewegungssequenzen, die Degas festhält: Tänzerinnen, die Ballettpositionen proben, ihre Schuhe schnüren oder ihre Füße betrachten, und Frauen beim Kämmen oder Waschen.
Degas Passion ist begeistert und distanziert zugleich. Selber hat er über seine Frauendarstellungen einmal bemerkt: „Bislang ist der Akt immer in Posen dargestellt worden, die ein Publikum voraussetzen, aber diese Frauen sind ehrbare, einfache Menschen, die sich allein für ihren körperlichen Zustand interessieren. Es ist, als ob man durch ein Schlüsselloch schaut.”
Aber die Intimität des Augenblicks ist bei ihm nicht entblößend. Mit distanziertem Blick hält Degas vielmehr den besonderen Ausdruck der Posen fest und die kunstvolle Körperbeherrschung und die gewunden, gelenkigen Drehungen sind dabei ein weiterer wichtiger Aspekt. Der Verzicht auf die Inszenierung des Weiblichen zugunsten der Ästhetik der Skulptur und des Bildes trägt revolutionäre Züge. Und wenn man in Hamburg ist, sollte der Besuch bei Matisse noch anzuschließen sein. Beide Schauen lohnen sich sehr.
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Christiane Hoffmann, ist Inhaberin der






1 Kommentar to “Gipfeltreffen der Kunst in Hamburg: Degas und Matisse zu Gast”
[...] der Degas-Ausstellung und der Matisse-Ausstellung im benachbarten Bucerius-Kunstforum, lohnt sich die Reise nach Hamburg [...]
So 15. Februar 2009 at 19:05
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