KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mi Juni 8th, 2016

Frühlingszeit ist Kunstauktionszeit – Warum eigentlich?

Jetzt kommen sie wieder aus allen Richtungen ins Haus geflattert. Die Einladungen zu Kunstauktionen. Von Auktionshäusern, von Charity-Clubs oder von Künstlern organisierte Kunstauktionen für den guten Zweck.
Ziel ist bei den erstgenannten der Verkauf von alten Kunstobjekten, die in den Handel zurück kommen oder von Arbeiten die keine Galerie mehr aufnimmt zu veräußern.

Bei den Charity- und Künstler/Kunsthausauktionen ist oft ein karitativer Zweck dahinter. Eine gute Sache für die sich auch Künstler( als Volk der emotionalen, bunten und chaotischen Kreativen bekannt) gerne begeistern lassen.
Ablauf immer gleich: die Künstler geben Arbeiten „von ihrer Hand“ in die Auktion. Ein Teil geht an sie selber, ein anderer Teil an den Zweck der Auktion. Soweit so gut.
Erstaunlich ist aber, dass es immer einen Abschlag für den Erlösteil gibt, der an den Künstler geht. 20 % oder 30 % des Verkaufserlöses. Manchmal sogar ein Geschenk an die Veranstalter. Nie ist von den „normalen“ % wie üblich im Kunsthandel oder mehr die Rede. Der andere Teil geht zu Gunsten der guten Sache, oder „Pro Bono“ wie Charity-Profis gerne sagen.

Wie kommt es, dass der übliche Wert der Kunstwerke anscheinend unfraglich nie als Einstiegspreis gewählt wird? Das ist der Teil für den der Künstler Ausbildung, Mühe, tägliches Arbeiten etc. auf sich nimmt. In anderen Bereichen wäre von Honorar oder Einkommen die Rede.
Und es wird nicht nur nicht der normale Preis für die eingelieferte Kunst genommen, es wird sogar für selbstverständlich genommen, dass der Künstler mit einer Entwertung seiner Leistung einverstanden ist. Ein „Mehr“ im Preis, dass dem einliefernden Künstler trotzdem seinen Anteil belässt und durch die Begeisterung des Auktionspublikums erzielt wird, wird gar nicht angenommen. Es geht doch um die gute Sache, da müsste doch Großzügigkeit vorhanden sein.
Mit Kunstkaufen gutes Tun für alle anderen ja, aber anscheinend nicht für den Künstler, der den Inhalt der Auktion überhaupt erst möglich macht. Sensationell und auch nur in der Kreativwirtschaft denkbar?!

Bei der Billigheimer-Mentalität die sich auch im Kunsthandel eingeschlichen hat, ist der „normale Kunstkauf“ also nur noch das Hobby ein paar Kunstmäzene. (Die Millionendeals sind hier nicht gemeint)
Die Cleverles warten auf interessante Auktionen und kaufen dort zu einem deutlich reduzierten Preis. Namhafte und gute zweite Reihe Kunstobjekte werden so, für die Künstler ein Feld, dass ihnen selber die wirtschaftliche Grundlage entzieht.

Wohnhabende Künstler fördern dann wieder arme Stiftungen und Charity-Projekte von sehr reichen Menschen, die ihrerseits ganze Wohltätigkeitsindustrien laufen haben. Charitybälle als Spielwiese der Prominenz und des Geldadels funktionieren da immer anders. Komisch.
Dort wird zu einem sehr großzügig bemessenen Eintrittspreis ein opulenter Ball oder ein Fest gegeben. Man trifft Promis und ist unter sich und macht zusätzlich das Schatüllchen auf. Ohne Probleme. Aus viel wird im Charity-Buisness noch mehr. Sehr schön und so praktisch, dass sich auch damit die lässtige Steuer sparen lässt usw.

Die anfallenden Kosten werden nicht selten erstmal vom Erlöß abgezogen. Nicht überall, aber auch nie, daher erwähnenswert. Nicht zu viel des Charity-Sponserings anscheinend. Üblich für den guten Ton ist dann zusätzlich auch für die Veranstalter je nach privaten Gusto ein Gastgebergeschenk als Dankeschön. Das ist so bunt wie die Struktur der Veranstaltungen.

Bei der Künstlerschaft, die selten in dieser Liga zu Hause ist, wird wieder mit den Auktionen, von dem geringeren Verkaufsergebnis für die Produzenten ausgegangen. Vom geringen wird also wieder was weggenommen.
Das nach einer Auktion, das günstig erworbenen Stück dem Künstler in Form des Aufrundens auf seinen normalen Anteil drauf gegeben wird, z.B. weil man es sich leisten kann, ist noch nicht bekannt geworden.

Der geringere Verkaufskurs wird gerne dankend mitgenommen. Schade, hier wäre es doch an der richtigen Stelle. Aber Einnahmen zum Lebensunterhalt sind nicht Spendenbescheinigungsfähig.

Kunstkaufzeit war immer im Herbst und im Frühling. Die gleichnamigen Salons machten diese Zeiten zu Kunstkaufzeiten. Also deshalb auch die Auktionen in diesen Zeiten. Traditionell sozusagen.
Nur das herangehen mit dem Auktionsgut, je nach dem um was es geht, könnte mal überdacht werden. Und ihr Engagement von den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern auch. PR und Marketing für sich selber hat hier einen hohen Preis. Das sollte sich jeder bewußt sein.

Natürlich sind Künstlerinnen und Künstler empathische Menschen, die man zur Föderung von Projekten anfragen kann, aber es können doch alle etwas von dem Charity-Gedanken haben und das gute Gefühl mit dem Helfen dürfte doch auch bei allen ankommen. Frühling ist Auktionszeit. Wie wäre es den statt einer Auktion mit einer Benefizparty bei der man auch Kunst zu „richtigen“ Preisen kaufen kann, Party inklusive.
Jeder kann und darf so feiern wie er und sie es möchte, mich stört nur das die Kunst und die Künstler die dahinter stehen nicht die wirtschaftliche Beachtung finden, die ihnen gebührt. In jeder Hinsicht, auch im Charitybereich.




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