KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mi Februar 8th, 2017

Dresden Monument von Manaf Halbouni eröffnet

Die Stadt Dresden hat das Monument von Manaf Halbouni, drei vertikal gestellte Busse als Mahnmal für den Krieg in Syrien und vorallem in Aleppo für 3 Monate vor der Frauenkirche realisiert. Dieser spacige Anblick vor der wiederhergestellten Frauenkirche ist genau das, was moderne Kunst stark macht. Ein Störer, ein Hinweis, was noch so in der Welt passiert. Was eben nicht so weit weg ist, wie die Entfernungskilometer zwischen der Stadt Aleppo und der Stadt Dresden. Alles hängt mit allem Zusammen.
Und das macht das Monument deutlich.
Das ist seine Aufgabe, dass ist die Aufgabe von einem kritischen Dialog zwischen dem ruhigen Leben hier und dem nicht ruhigen in Aleppo. An der Stelle an der es steht, war jahrzehnte lang eine Ruine zu sehen. Die zerstörte Frauenkirche. Diese konnte durch viel internationales Engagement und Geld wieder aufgebaut werden. Menschen kamen für eine Sache zusammen die sie verbannt.

Die Zerstörung, die mit dem Bombardement am 13. Februar 1945 begann war für Dresden eine Katastrophe, die auch viele andere Großstädte vorher getroffen hatte. In Großbritannien, Frankreich, Belgien, Russland, Holland, Polen und all die anderen europäischen und asiatischen Länder die im Krieg gegeneinandern standen. Millionen von Menschen sind betroffen gewesen und die Wirkungen sind bis heute zu spüren. Wieder gehörte alles zu allem.

Und aus diesem Wissen müsste klar sein, dass soetwas nicht wieder passieren darf. Und wenn es passiert, darf der Teil der gerade nicht betroffen ist durchaus mal an einer empfindlichen Stelle gefragt werden: „wie hälts Du´s mit“, frei nach Goethe.

Diese Fragen darf und muss Kunst stellen. Wer mit diesen Fragen konfrontiert wird und reagiert, ist von der Kunst berührt. Und die Reaktion kann von Kopfschütteln, bis Staunen, Weinen oder wüten sein. Ob sich der „Berührte“ das eingesteht ist eine andere Frage, aber Kunst hat und soll berühren. Dann setzt denken ein. Und ob das Kunstwerk temporär oder dauerhaft dort steht ist egal, weil es jetzt wirkt und wir im Jetzt sind. In keiner anderen Zeit.

Und dafür gebührt Dank dem Dresdener Oberbürgermeister und allen, die sich für die Realisation von Manaf Halbounis Kunstwerk eingesetzt haben. Ein Störer an einer verstörenden Örtlichkeit.

Dresden das Elbflorenz, dass für Dichter und Denker einen Musenhof darstellte, ist durch viele europäische Künstler von Rang so geworden wie es aussieht. Immer kamen viele Menschen zusammen, sie mischten sich und gingen ihrer Wege. So wie die Geschichte Europas, diese kleinen Fleckchens Erde immer in Bewegung war. Je nach Jahrhundert ging es der Gegend gut und es ging anderen Gegenden schlecht, oder umgekehrt. Nie war das Ergebnis nur einem Moment der Geschichte, nur einer Bevölkerungsgruppe geschuldet oder verdankt. Auch als das Hochwasser 2002 kam waren viele helfende Hände angereist, haben viele von Nah und Fern geholfen mit Geld oder Sachleistungen. Immer wieder waren nicht nur die hiesigen Leute die Helden und die anderen die Nutzniesser.

Aber lebenswert ist Dresden nicht durch seine Gebäude, seine Kunstwerke und seine Geschichte, sondern durch die Menschen die in allen Zeiten dort gelebt haben. Schade, dass die Kulisse Dresdens einigen nur noch wenig gilt, wenn Kunst und Moderne einer zum Glück friedlichen und pluralen Gegenwart im vereinten friedlichen Europa diesen Ort beanspruchen. Man kann auch im Dialog und ohne Wut Argumente tauschen. Die Wut der Generationen gehört betrauert und kann dann geheilt werden, wenn man den will. Das geht sehr unterschiedlich still, im Gespräch, durch Kunst, beim Therapeuten, beim Holzhacken, im Glauben, oder, oder, oder. Aber für diese Wut-Heilung helfen keine inszenierte Pöbelattacken, medienwirksam vor historische Kulissen. Da ist es nicht mehr als Krawall. Mal heißen sie Hooligans, mal „abgehängte Bürger“, egal, verbinden tut sie die eigenen Freude an ihrer Medienwirksamkeit. Aber mit dem kulturhistorischen Dresden hat dieses Verhalten nichts zu tun und mit Volk schon gar nichts.

Die vielfältigen Veranstaltung rund um den Gedenktag 13. Februar in Dresden sind hier zu finden.




hier kommentieren to “Dresden Monument von Manaf Halbouni eröffnet”

Dieser Beitrag wurde bislang nicht kommentiert.

Hinterlassen Sie eine Nachricht

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>