Mo September 21st, 2009
Der Sammler – das unbekannte Wesen oder wer kauft heute noch Kunst?
Manchmal hört man den Satz noch, dass Eigentum in diesem Land verpflichtet. Verpflichtet Gutes zu tun, sich zu engagieren und wenn man in der bürgerlichen Gesellschaft im Beruf mit einem Vermögen angekommen ist, kann man ehrenamtlich der Gesellschaft etwas wieder geben, eine Stiftung gründen, Jugendprojekte unterstützen, Kunst kaufen, Museen gründen oder ebenfalls langfristig unterstützen. Soweit so gut.
Wenn die Gesellschaft aber immer weiter auseinander driftet, könnte es ja sein, dass die eigentlich “bürgerlichen” Schichten immer weniger vorhanden sind. Leute die schon seit der Elterngeneration erleben, dass klassische Musik weniger real ist als der Mond, dass Kunst bunte Bilder im Großmöbelladen bedeutet und dass Kinofilme nur als DVD zu Hause zu sehen sind, gibt es mittlerweile auch. Zugegeben diese Gesellschaftsgruppen gab es “früher” auch schon. Vielleicht nicht in dieser Größenordnung und vielleicht auch nicht mit den vielfältigen kulturellen Hintergründen. Und natürlich ist diese Beschreibung sehr zugespitzt, aber es wird immer weniger “Kultur” “zuhause” transportiert, vielleicht auch weil der Überlebenskampf und die Sorge um den Arbeitsplatz z.T. abgelöst worden ist durch die tägliche Auseinandersetzung um Hartz 4, oder dem Medienerleben, das es auch prima ohne geht. Und wenn man nicht kennt, was es noch so gibt, dann fehlt es eben auch nicht.
Und es gibt Menschen, denen Kunst wichtig war, die Kunst im Einsteigerpreissegment und im mittleren Preissegment kauften. Die auch schon mal auf ein Bild oder eine Skulptur sparten und dann dieses Stück für 5.000 bis 10.000 Euro erwarben mit dem Hintergedanken langsam eine kleine Sammlung aufzubauen.
Und es gab Menschen die über finanzielle Mittel verfügten, die die Anschaffung von Kunst erlaubten die man einfach nett fand oder die man sammeln wollte und man brauchte nicht lange über den Kauf nachzudenken. 10.000 Euro und mehr sind hier bis heute kein Problem. Diese Gruppe ist schon länger dabei, sei es mit Hilfe von Galeristen oder durch eigene Messe- und Galeriereisen Entdeckungen machen zu wollen. Die eigene Sammlung mit Arbeiten zu bereichern, die später nach der “Gesamtentdeckung” deutlich im Wert steigen werden, sind hier auch ein Ziel.
Und Menschen die schon immer gesammelt haben, Sammlungen von Kunstwerken ererbt haben, das nötige Kleingeld dazu und die diese Form des Spekulierens als Lebensart getarnt, immer schon als Sport für die oberen 10.000de gelebt haben.
In all den geschilderten Gesellschaftsschichten gab es Menschen die Kunst gesammelt haben oder einfach Kunst gekauft haben.
In den letzten Jahren habe sich einige dieser Gruppen vom Verhalten und vom Vorhandensein verändert. Für die erste Gruppe der sog. “bildungsfernen Schichten” findet klassische Kunst nicht mehr statt. Kunstdruck, Video und Musik übers Netz und sonst eben nicht. Hier und das findet sich auch in allen Schulformen wieder, ist Geld das Leitmotiv, aber der Rest ist überflüssig und das wird durch die veränderten Schulcurricula ja auch noch bestätigt. Diese Menschen gingen vielleicht mal mit der Schule ins Theater oder ins Museum, aber wenn das ersatzlos gestrichen ist, war es das eben.
Die anderen die gespart Kunst gekauft und gesammelt haben, haben die Hütten voll, finden bei ihren Erben wenig Verständnis und sind was das Geld angeht, eher auf dem “Erleben-Reisen- sich was gönnen-Trip” als noch an aktueller Kunst interessiert.
Und die dritte Gruppe, die Kunst noch kaufen und für die der Preis meist kein Problem ist, wollen nicht nur ein Gast unter vielen einer Galerie bei der Eröffnung sein. Es wird die persönliche und exklusive Führung vor ! der Vernissage erwartet. Der exklusive Termin mit Galerist und vielleicht auch dem Künstler, mit Kaffee, Pro Secco und vielleicht einem Schnittchen. Der Kauf, der sich Stunden hinzieht und schlaue Gespräche über Kunst erwartet. Was wird erreicht? Der x-Sammler wird zum Star, die Kunst die gekauft wird, ist der nötige Preis um zwei bis drei Profis des Kunstbizz Fulltime zu beschäftigen. Kein Personal könnte ein solches Wohlfühlambiente schaffen. Natürlich darf die Vernissage nicht fehlen, aber die Verkäufe sind vorher gemacht, die Punkte werden von dienstbaren Geistern schnell während der Eröffnungsrede geklebt, und was dann nicht weg ist, wird auch nicht mehr gehen. Schlussverkaufsware, die nicht für den Schlussverkauf produziert wurde, sozusagen.
Der Kunstverkäufer, der den höchsten Unterhaltungswert hat und das exklusivste Ambiente schaffen kann, der ist gefragt. Die Kunst die gekauft wird, wird fast nebensächlich, das Event zählt. Und wenn Menschen diesen Sport für sich entdeckt haben, heisst das nicht, dass sie mit Kunst etwas anfangen können. Oft ist hier auch der Leitstern die Tapete im Flur, das Livestylemagazin bei der Spa-Behandlung und das ignorante Nichtwissen, das oft aber im Geschäft gelernt hat, dass Geld sexy macht und die anderen, hier der Galerist und der Künstler eben zu springen haben. Auch hier ist das bürgerliche Ideal der Kunstsalons wegerodiert. Und dort wo es gepflegt wird, sind genauso elitäre Zirkel am Werk wie in dem anderen Falle.
In der Betriebswirtschaft wird von Zielgruppenspezialisierung gesprochen und hier scheint der Kunstmarkt noch weit weg zu sein. Jedenfalls sind es nicht mehr große Gruppe wie “die Lehrerinnen und Lehrer”, die “Ärzte und Ärztinnen”, sondern eher die geringe Anzahl von z.B. russischen Ölmagnaten, Schweinebarone, Investmentbanker, geschiedenen Reederinnen und Reeder, evangelischer oder katholischer Landadel (aber nur wenn man selber adelig ist), Maschinenbaufirmeninhabern, Medienkonzernbesitzerinnen usw.
Was bleibt als Rezept? Vielleicht das alte, sein Ding zu machen, darüber zu reden und so wie man selber möchte eben elitär, abgewrackt oder diensteifrig zu arbeiten. Jedenfalls ist auch hier nichts mehr wie es war.
Ähnliche Artikel:
- August und die Goldfasane – oder was von Karneval noch übrig ist
- Blauer Planet – Schweizer Projekt – Kunst für Künstler und Sammler
- Kunstpolitik, Kulturpolitik oder was hat das mit Kommunalwahlen zu tun?
- Kölner Kirchenfenster-Streit oder ein jahrtausende altes Phänomen
- Kuh-Yoga auf dem Siegeszug um die Welt – heute Deutschland

Christiane Hoffmann, ist Inhaberin der






hier kommentieren to “Der Sammler – das unbekannte Wesen oder wer kauft heute noch Kunst?”
Dieser Beitrag wurde bislang nicht kommentiert.
Hinterlassen Sie eine Nachricht