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Di Juli 7th, 2015

Belgien packt sein koloniales Erbe an – in zeitgenössicher Kunst und im Museum 2.Teil

Wer das heutige Belgien besucht, der hat wohl meist die Küste, die Künste und die gute Küche im Blick. Das Belgien wenig militärisches zu bieten hat und das die Belgier über Jahrtausende fremde Herrscher hatten und daher wenig Interesse in diese Hinsicht entwickelt haben, fällt so richtig kaum auf. Das Belgien aber eine intensive und blutige Kolonialgeschichte aufzuweisen hat, die als Privatengagement eines belgischen Königs startete ist von außen betrachtet für die meisten Touristen und Gäste vergessen.
Wie sehr aber genau dieser Sachverhalt heute aktuell ist, zeigen die Diskussionen um unser heutiges Verständnis der kolonialen Vergangenheit unserer Heimatländer und die europäische Sicht auf Afrika und die Flüchtlingsproblematik.

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Bildquelle: Grundriss und alte Ausstellungskonzeption des Africa Museums Tervuren,

In Belgien kommt noch dazu, dass in der Nähe der belgischen Hauptstadt Brüssel mit dem impossanten und unglaublich großen Afrika Museum in Tervuren ein Museum existiert, dass bis Ende 2013 diese koloniale Epoche gezeigt hat. Trotz großer moderner Bestrebungen die vorhandenen Objekte und der regen Leihtätigkeit in einen gleichwertigen Kontext Afrika-Europa zu bringen ist das Museum eine deutliche Aussage zur Vergangenheit die bis heute wirkt.
Ein engagiertes großes Team von Wissenschaftlern und Kuratoren arbeitet mit Hochdruck daran 2017 das dann auf 11.000 qm² Ausstellungsfläche erweiterte Museum in ein Museum zu transformieren, dass es heute und in Zukunft erlaubt Kolonialgeschichte und gemeinsame Geschichte zu verstehen, aber daraus aktive Schlüsse zu ziehen. Was können wir in gesamt Europa für die Zukunft daraus lernen?

Tervuren2Bildquelle: Neuplanung des RCA, Afrika Museum Tervuren

Nicht nur Fehler, sondern die Chance, die Vielfalt und die Distanz zu unserer Sichtweise aufzunehmen. Die europäischen „Eroberer“-Strategien funktionieren nicht mehr, Europa ist nicht mehr die Krone der Kontinente, Teilhabe ist bestenfalls noch angesagt und Afrika hat viel mehr Alternativen als bisher wirklich bewußt ist. Nicht um sonst wird in Wirtschaftsjournalen jetzt vom Invest in Afrika geschrieben, als der kommende Kontinent. China machts vor, sozusagen,….
Die Belgier haben vielleicht weniger zu an Geschichte zu bewältigen, könnte man aus deutscher Sicht sagen, keine Teilung, keine Wiedervereinigung, keine Nazizeit. Aber auch hier sind die Opfer der Kolonialzeit in Millionen zu messen, nur die alles viel weiter weg, auch hier leben noch viele ehemalige Kolonialbeamte etc, die Naturgemäß eine andere Sichtweise haben.
Das bedeutet: auch für die Belgier ist die Kolonialzeit kein einfaches Thema, ist die Transformation eines Kolonialmuseums, dass auch wirklich für die Präsentation genau dieser Themen gebaut wurde, nicht einfach. Aber es lohnt sich, weil die neuen Fragen die sich der Menschheit stellen, eben nicht klein sondern groß sind.
Wie gehen wir miteinander um? Wie wird fairer Austausch geschaffen? Wie können wir Denkmuster in den Köpfen überwinden, die immer mehr zu Hindernissen werden in einer globalisierten Welt? Menschliches Leben, als Krone der Schöpfung ist einem ganz anderen Themenkreis gewichen.
Eine Herkulesaufgabe, gegen die die Tatsache ein gesamtes Museum das 1910 eingerichtet wurde, in nur 2 Monaten auszuräumen, damit es vergrößert werden kann, erscheinent einfach dagegen. (Fachleute wissen das ist es nicht,…)
Nur 1 % der Objekte waren in Tervueren überhaupt zu sehen. Mehr als 150.000 Objekte sind jetzt eingelagert, sind auf Reisen als Leihgaben. In gesamten Ausstellungen, als Einzelleihgaben und als sichtbare Zeichen, Pop-Up Ausstellungen des Museums an ausgefallenen Orten. Platzhalter sozusagen.

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Das darüber hinaus dort in Tervuren auch noch jede Menge Forschungsarbeit geleistet wird, viele Fachdisziplinen als Ausbildungs- und Weiterbildungsort für Fachleuten betrieben wird und auch in Sachen Geologie und Naturkunde geforscht wird, ist mehr als der unbedarfte Betrachter erwarten würde.
Ein Megamuseum idyllisch in einem wunderbaren Parkt in der Nähe von Brüssel gelegen, das jeder Belgier, zumindest von seinen Schulausflügen kennt, auch wenn die Restwelt es vielleicht nicht wahrgenommen hat.
Viele Gegensätze, viele scheinbare Kontraste.
Und das Gefühl, dass es so nicht mehr weiter gehen, das da ein Schatz ist, der neu betrachtet werden muß ist überall im Land zu erleben. Einzelen Ausstellungen versuchen sich den Themenkomplexen zu nähern und werfen Fragen auf, die weit über ästhetisch-rituelle Fragen hinaus gehen. Überall mindestens angereichert mit der Frage, warum ist das überhaupt hier? Wer brachte es nach Belgien? Warum fehlen Teile? Bis hin zu den Themen warum ist Afrika so „durcheinander“, wer gegen wen und warum, welche Interessen werden auch heute noch auf Kosten der Bevölkerung, der Natur, des Wohlstands wie durchgesetzt?
Diese Fragen ein Stück weit zu beantworten, wird an vielen Stellen versucht, davon in einem weiteren Post hier bei den Kunstfreunde-blog.de




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