KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Sa 9. September 2017

Berlinische Galerie zeigt Ausstellung von Jeanne Mammen.

Unter dem Titel „Jeanne Mammen. Die Beobachterin. Retrospektive 1910-1975“ zeigt die Berlinische Galerie vom 06.10.2017 bis zum 15.01.2018 eine umfassende Ausstellung.

Die Zeichnerin und Malerin Jeanne Mammen (1890-1976) ist eine der sperrigsten und schillerndsten Figuren der jüngeren deutschen Kunstgeschichte. Als Berliner Künstlerin durchlebte sie Krieg, Zerstörung, Armut und den Wiederaufstieg aus Ruinen auf sehr eigene und produktive Weise. Mit einer der bisher umfangreichsten Mammen-Retrospektiven widmet sich die Berlinische Galerie nun der Wiederentdeckung ihrer ikonischen Arbeiten aus den 1920er-Jahren, ihrer „entarteten“ Experimente und magisch-poetischen Abstraktionen.

Jeanne Mammens Gesamtwerk spiegelt in heftigen Brüchen signifikant die politischen und ästhetischen Erschütterungen des letzten Jahrhunderts. In Fachkreisen wird sie als eine der raren, unverwechselbaren Künstlerinnen der Weimarer Republik und Nachkriegszeit weit über Berlin und Deutschland hinaus geschätzt. Weil Mammens Schaffen nicht leicht auf nur einen Nenner reduzierbar ist, ist sie einer breiten Öffentlichkeit bisher wenig bekannt. Und ihre Verschlossenheit, das Fehlen von Tagebüchern, umfangreichen Korrespondenzen, Lebenspartnern erschweren einen leichten Zugang. Das Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur möchte dies ändern. Gezeigt werden 170 Arbeiten aus über 60 Schaffensjahren. Den Schwerpunkt bilden rund 50 Gemälde – neben Aquarellen, Zeichnungen, Illustrationen, Karikaturen, Filmplakaten und Skulpturen. Die Ausstellung wird gerahmt von Fotos, Magazinen, Filmen, Briefen, Publikationen – konzipiert und kuratiert von der Mammen-Expertin Dr. Annelie Lütgens, Leiterin Grafische Sammlung der Berlinischen Galerie.

Jeanne Mammen. Die Beobachterin Retrospektive (1910 bis 1975) 06.10.2017–15.01.2018
Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin
www.berlinischegalerie.de




Sa 9. September 2017

Reload! Tracht – Kunst – Mode im MKdW

Schöne Ausstellungsidee, die das Phänomen „Tracht“ als angeblich so traditionelles „Drindl- und Lederhose-Moment“ im Rahmen eines „Volksfestes“ mal locker hinterfragt und interessante Dinge zu Tage bringt. Tracht ist mehr als die Nachgemachte Städter gehen aufs Land Mode des Münchens um 1900.

In unserer beschleunigten, globalisierten Welt begeben sich viele Menschen auf die Suche nach ihren Wurzeln. Das Gefühl, zu wissen, woher man kommt, geht mancherorts – so auch auf den nordfriesischen Inseln – mit dem Tragen von Trachten einher, die früher Ausweis regionaler und sozialer Zugehörigkeit waren. Die Tracht genießt vor diesem Hintergrund heute nachweislich neue Popularität – auch in der Kunst und im Modedesign. Für die international besetzte Ausstellung wurde zunächst aus dem Bestand der hauseigenen Sammlung Kunst der Westküste geschöpft, so dass Positionen vom 19. bis 21. Jahrhundert – von Otto H. Engel und Johan Julius Exner bis Mila Teshaieva und Trine Søndergaard – die Basis der 80 Werke umfassenden Schau bilden. Diese wurden um zahlreiche Leihgaben ergänzt: Es sind darunter Trachtenfigurinen, Gemälde, Bleistiftzeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken des 18. bis 20. Jahrhunderts sowie zeitgenössische Gemälde, Papierschnitte, Linoldrucke, Collagen, Fotoarbeiten und Objekte aus Plastikstoff. Last, not least spiegeln die beeindruckenden Modelle verschiedener Modedesigner, von Nico Dams bis Vivienne Westwood, Elemente der Tracht auf unterschiedlichste Weise. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache.

Plakat der Ausstellung, /BOOM STUDIO (DE), 2013-15

Künstler 18. bis 20. Jahrhundert:

Oluf Braren, Otto H. Engel, Johan Julius Exner, Johann Friedrich Fritz, Jonas Haas, David Jacobsen, Christian Carl Magnussen, Jacob Rieter, Johan Gudmann Rohde, Johannes Senn, Valentin Wassner, August Westphalen und August Wilckens sowie Werke unbekannte Künstler

Zeitgenössische KünstlerInnen und ModedesignerInnen:

Catharina Bond (AT), BOOM Studio (DE), Nico Dams (DE), Sabine Dehnel (DE), Ina Sabrina Gast (DE), Sandra Heinz (DE), Katharina Kaplunov (DE), Hendrik Kerstens (NL), Anja Luithle (DE), NOH NEE (DE), Annette Schröter (DE), Trine Søndergaard (DK), Mila Teshaieva (DE), Vivienne Westwood (GB)

Laufzeit der Ausstellung: 17. september 2017 – 7. januar 2018
Museum Kunst der Westküste – Det Paulsen Legaat gemeinnützige GmbH
Hauptstraße 1 · D-25938 Alkersum
www.mkdw.de




Do 7. September 2017

URBAN NATION – MUSEUM FOR URBAN CONTEMPORARY ART in Berlin

Seit 2013 lädt URBAN NATION unter der Leitung von Yasha Young Szenegrößen und aufstrebende Talente ein, um Berliner Hauswände und Schaufenster zu gestalten, darunter Shepard Fairey oder The London Police. Am 16. September 2017 öffnet nun das URBAN NATION MUSEUM FOR URBAN CONTEMPORARY ART seine Türen – ein weltweit einzigartiges Museum für zeitgenössische urbane Kunst.


Bild: Plakat der Öffnung

Unter dem Motto „UNique. UNited. UNstoppable.“ laden die künstlerische Leiterin Yasha Young und der kaufmännische Leiter Dr. Christopher Vorwerk zu einer zweitägigen Eröffnungsfeier ein. Neben der Museumsausstellung warten auch außerhalb des Museums hochkarätige Kunstinstallationen auf die Besucher der Artmeile, die sich vom Nollendorfplatz bis zur Frobenstraße erstreckt. Dieses Quartiersfest wird in Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag umgesetzt.

Bei der Eröffnungsausstellung werden etwa 130 Urban-Art-Künstler zu sehen sein, beispielsweise Shepard Fairey, Herakut, LOW Bros und 1010. Gleichzeitig mit der Eröffnung des Museums wird auch die Artmeile, ein zweitägiges, mit Unterstützung der Gewobag ausgestaltetes Quartiersfest, eröffnet. Am 16. und 17. September finden zwischen Nollendorfplatz und Frobenstraße Kunstinstallationen, Showacts und Aktionen statt. Es wird auch eine Community Wall (die man mit Sprühdosen selbst bemalen kann), Freiluft-Yoga und einen Skaterpark geben.

Am 16. September 2017 eröffnet das URBAN NATION MUSEUM FOR URBAN CONTEMPORARY ART in Berlin Schöneberg!

Mit dem URBAN NATION MUSEUM FOR URBAN CONTEMPORARY ART entsteht eine weltweit einmalige Anlaufstelle rund um Urban Contemporary Art. Am 16. und 17. September 2017 feiert das Museum seine Eröffnung in der Bülowstraße 7. Viel Erfolg!

Zur Feier des Tages, hat das Museum den Leser und Leserinnen der Kunstfreunde-Blog ein Goodiebag mit tollen Urban Contemporary Art zusammengestellt, das wir hier verlosen können. Bis zum 15.9 einfach hier im Kommentarfeld eine Nachricht mit Mailadresse hinterlassen und schon ist man in der Lostrommel. Der oder Die GewinnerIn wird schriftlich benachrichtigt. Die Adresse wird dann ans Museum weitergereicht und vor dort wird der Gewinn versandt. Wer damit nicht einverstanden ist, sollte nicht mitmachen. Auch eine Auszahlung ist ausgeschlossen.




Mi 6. September 2017

Betty Tompkins im Kunstraum Innsbruck

Erstmals zeigt der Kunstraum Innsbruck im Rahmen einer institutionellen Einzelausstellung Werke der amerikanischen Malerin Betty Tompkins (*1945) in Europa. 1969 begann die heute in New York lebende Künstlerin mit ihren großformatigen, fotorealistischen und detailgenauen Ölbildern von Penetrationen und Masturbationen weiblicher Genitalien, die konsequenterweise drei dem Sujet entsprechende Betitelungen und fortlaufende Nummerierungen tragen: Fuck, Cunt oder Kiss Painting. Wie sie selbst sagte, bot das große Format die Möglichkeit, gleichzeitig Abstraktion zu erzielen und sexuelle Freizügigkeit zu erzeugen. Deswegen ließ sie fortan alles weg, was eine Zuordnung erlaubte, wie z. B. Köpfe, Hände oder Füße. 1973 wurden zwei ihrer Arbeiten dennoch bei der Einfuhr nach Frankreich vom Zoll beschlagnahmt (wie auch später 2005 in Japan). 2003 lud der New Yorker Kurator Robert Nickas sie auf die siebte Lyon Biennale ein und zeigte genau jene Bilder – die daraufhin noch im selben Jahr vom Centre Pompidou in Paris für seine Sammlung erworben wurden. Auf Basis der pornografischen Bildthemen blieb das Werk weitestgehend von der Kritik und dem Kunstmarkt unbeachtet und erwarb erst 2003 durch die Ausstellung in Lyon den bis heute anwachsenden Ruf eines Geheimtipps, woraufhin erst 2016 das Brooklyn Art Museum in New York einen Ankauf tätigte. Dabei stehen die Werke, wie so viele Beispiele ihrer amerikanischen Kolleginnen und Kollegen, eben nicht nur für den generationenübergreifenden Aufbruch und die Rebellion gegen die sexuelle Unterdrückung und den Rassenhass der 1960er Jahre, sondern auch ganz profan für die Entdeckung und Anwendung neuer technischer Mittel und Wege in der Malerei. So hat Betty Tompkins Versuche mit Airbrush unternommen, mit Stempeln, Graphitpulver oder auch mit Fingerprints. Eine Erfahrung ist für sie jedoch entscheidend geblieben: dass sie etwas Intimes in etwas Monumentales hat verwandeln können, so wie es normalerweise nicht zu sehen und zu erfahren ist … und wie wir es auch nicht erwarten. Die Vorhaltungen zu entkräften, ihre Arbeiten seien schlüpfrig oder gar pornografisch, fällt daher der Künstlerin mit dem Hinweis auf deren abstrakte Momente leicht. Ausstellung ab 18 Jahre. Laufzeit der Ausstellung 20.09 bis 11.11.2017




Mi 6. September 2017

Renata Szyszlaks -Informelle Eruption in der Kunsthalle Bielefeld

Der Titel der Ausstellung «Informelle Eruption» vereint zwei wesentliche Elemente der Gemälde Szyszlaks. Zum einen wird eine kunsthistorische Spur gelegt in die Zeit der 1950er Jahre, als, aus Frankreich kommend, aber auch in Deutschland wesentlich mitgestaltet, das Informel zur dominierenden Stilbezeichnung abstrakter Malerei wurde. Hier wurde das Gestische des Farbauftrags zum wesentlichen Moment des Bildes, das eine Spur der unmittelbaren Individualität des Künstlers offenlegen sollte. Der Begriff der Eruption wiederum verweist auf eine unkontrollierbare Kraft, die in der Vorstellung vieler Künstler im Bild einen zufälligen, wie in der Zeit erstarrten Ausdruck findet. Renata Szyszlaks Bilder sind getränkt von Farbe, allerdings sieht es so aus, als haben chemische Prozesse die Farbigkeit verändert und einst leuchtende Farben in abgetönte Erdfarben verwandelt. Es sieht aus, als habe die Zeit an den Oberflächen der Bilder gearbeitet. Sie zeigen Spuren des Fließens, des Verwitterns. Ein zufälliger Moment scheint dann diesen Prozess unterbrochen und den jetzigen Zustand fixiert zu haben. Ein anderer Zeitpunkt hätte ein anderes Bild hervorgebracht. Aus den Werken Renata Szyszlaks spricht der Wunsch, die Zeit anzuhalten und den Augenblick zu bewahren, in dem eine besondere Energie gespürt wurde. Das Auge des Betrachters kann diese Energie nahezu abtasten und das Erhärten in der jeweiligen Gestalt wahrnehmen. Renata Szyszlak gelingt es auf diese Weise, Malerei als Dialog zwischen Moment und Dauer, zwischen Werk und Betrachter vorzutragen.
Hintergrund:
In diesem Jahr feiern die Stadt Bielefeld und die Stadt Rzeszów in Polen das 25jährige Bestehen der gemeinsamen Städtepartnerschaft. Dies ist Anlass für die DeutschPolnische Gesellschaft Bielefeld e.V. in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Bielefeld der Malerin Renata Szyszlak, geboren 1974, eine Ausstellung mit neueren Werken auszurichten. Renata Szyszlak ist Professorin für Malerei an der Universität Rzeszów. Die Ausstellung war ursprünglich in der Studiengalerie der Kunsthalle geplant, die nicht mehr zur Verfügung steht, und wird nun im Foyer vor dem Vortragssaal gezeigt.
Laufzeit der Ausstellung: 08 09 bis 22 10 17




Mi 6. September 2017

KARL MARX‘ PERSÖNLICHES KAPITAL

Vor genau 150 Jahren – im September 1867 – erschien in Hamburg der erste Band „Das Kapital“ von Karl Marx. Heute ist das zentrale Werk des bedeutenden Denkers UNESCO-Weltdokumentenerbe. Es zählt neben der Bibel zu den auflagenstärksten Büchern der Welt und zugleich zu den einflussreichsten und meist diskutierten. „Das Kapital“ spielt im kommenden Jahr auch eine wichtige Rolle in der großen Landesausstellung KARL MARX 1818 – 1883. LEBEN. WERK. ZEIT. Zu den Highlight-Exponaten gehören handschriftliche Notizhefte, in denen Marx seine Materialsammlung und Ideen für „Das Kapital“ festhielt, sowie sein persönliches und mit Anmerkungen versehenes Exemplar der Erstausgabe. Die Landesausstellung wird anlässlich des 200. Geburtstags des großen Gelehrten vom 5. Mai bis 21. Oktober 2018 in zwei Museen in Trier gezeigt und beschäftigt sich als erste kulturhistorische Ausstellung umfassend mit Marx‘ Leben, seinen bedeutenden Werken und dem vielfältigen Wirken in seiner Zeit.

Bild: Gemälde Sitte, Karl Marx

160 Notizhefte füllte Karl Marx während seines Londoner Exils bei seinen regelmäßigen Besuchen der Bibliothek im British Museum mit seinen Exzerpten, Ideen und Skizzen für „Das Kapital“. Fünf dieser Hefte mit unterschiedlicher Thematik, die im Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam aufbewahrt werden, kommen im nächsten Jahr als Leihgabe ins Rheinische Landesmuseum Trier, wo in der Ausstellung „Leben. Werk. Zeit.“ der intellektuelle wie politische Werdegang von Marx nachgezeichnet wird. Die Hefte, die auch Zeichnungen und eingeklebte Zeitungsartikel enthalten, vermitteln anschaulich, wie Marx arbeitete. Schließlich verlangt das epochale Werk nicht nur den Lesern viel Geduld ab, es forderte auch den Autor heraus. Dieser quälte sich sehr, als er an dem Manuskript arbeitete. Das belegt ein Brief, den Marx am 19. Januar 1867 an seinen Freund Friedrich Engels schrieb: „Ich kann mich auf den 2. Band […] um so weniger einlassen, als ich nach Erscheinen des ersten meiner Gesundheit wegen Pause machen […] muß…“ Notizen und eigene Vermerke zur geplanten englischen Übersetzung zieren dazu Marx‘ Handexemplar des Buches, das ebenfalls aus dem Internationalen Institut für Sozialgeschichte Amsterdam stammt und auch im Landesmuseum zu sehen sein wird.

Im Stadtmuseum Simeonstift Trier, das unter dem Titel „Stationen eines Lebens“ das bewegte Leben von Karl Marx beleuchtet, spielt „Das Kapital“ eine zentrale Rolle in der biografischen Einbettung: Der Stadt Manchester, die für Marx die Hinwendung zu ökonomischen Studien bedeutete, wird eine eigene Station gewidmet. In der Anschauung der dortigen Produktionsbedingungen wurde der Grundstein für die Analysen in „Das Kapital“ gelegt. Die große Ausstellungsabteilung zu Marx‘ Leben in London wird sich ausführlich der Arbeit an dem zentralen Werk widmen. Zu besichtigen sind dort auch Ansichten der Bibliothek des British Museum, wo Marx einen Großteil seiner Arbeitszeit verbrachte.

Bereits ab dem 6. September 2017 nähert sich eine Ausstellung in Hamburg dem berühmten Werk aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Schau „Das Kapital“ im Museum der Arbeit in Hamburg spannt einen Bogen von der Zeit der Entstehung des Werks im 19. Jahrhundert über die widersprüchliche Rezeption im 20. Jahrhundert bis zu heutigen Fragen der Produktion und Verteilung von Reichtum und Armut.

Weitere Informationen unter www.karl-marx-ausstellung.de

HINTERGRUND

Anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx widmet sich die große Landesausstellung in seiner Geburtsstadt Trier in zwei Museen den vielen Facetten von Marx als Mensch und Analytiker. Das Rheinische Landesmuseum Trier beleuchtet unter dem Titel „Leben. Werk. Zeit.“ Karl Marx und sein Jahrhundert. Auf rund 1.000 m² Ausstellungsfläche wird der intellektuelle wie politische Werdegang von Marx nachgezeichnet. Die Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift Trier „Stationen eines Lebens“ beleuchtet auf knapp 600 m² das bewegte Leben von Karl Marx, das 1818 in Trier seinen Anfang nahm. Der Rundgang verfolgt den Lebensweg von Marx‘ Kindheit bis zum Exil in London, wo er mehr als die Hälfte seines Lebens verbrachte und im Jahr 1883 starb. Die Landesausstellung nimmt das Jubiläum nicht nur zum Anlass des Erinnerns, sondern will auch die Aktualität der Marxschen Theorien hinterfragen.




Mi 6. September 2017

Kunst x Kuba. Zeitgenössische Positionen seit 1989

Ab dem 8. September 2017 bis zum 18. Februar 2018 zeigt das Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen die Ausstellung Kunst x Kuba. Zeitgenössische Positionen seit 1989.

Von kaum einem Land auf der Welt existieren im kollektiven Bildgedächtnis so intensive Bilder, die von Lebensfreude, Freiheit aber auch von gesellschaftlichen Herausforderungen und Krisen geprägt sind. Die Ausstellung Kunst x Kuba. Zeitgenössische Positionen seit 1989, die vom 8. September 2017 – 18. Februar 2018 im Ludwig Forum für Internationale Kunst zu sehen ist, untersucht die faszinierenden Bildwelten, die zeitgenössische kubanische Künstler in ihren Arbeiten präsentieren. Diese Werke werden Arbeiten aus der Sammlung Ludwig gegenübergestellt, die eines der größten und auch ersten Konvolute zeitgenössischer kubanischer Kunst in Europa beinhaltet, vorwiegend entstanden in den 1980er- und 1990er-Jahren. Kunst x Kuba. Zeitgenössische Positionen seit 1989 ist die bis dato größte Präsentation mit zeitgenössischer kubanischer Kunst in Deutschland. Gezeigt werden rund 150 Kunstwerke von mehr als 70 KünstlerInnen.

Repräsentative Auswahl heutiger KünstlerInnen
Die Zusammenführung der Kunstwerke aus Kuba o.k. wird um zwei Kontexte erweitert: Zum einen werden die Werke der historischen Ausstellung durch weitere kubanische Arbeiten der Sammlung Ludwig ergänzt, die in späteren Jahren erworben wurden. Diese Gegenüberstellung bietet nicht nur einen „Zwischenstand“ hinsichtlich der künstlerischen Entwicklung Kubas, sondern beleuchtet darüber hinaus auch die Metaebene der Ankaufsstrategien des Sammlerpaars Ludwig. Ein weiterer, deutlich größerer Kontext besteht in der Ergänzung von heutigen kubanischen Werken (u.a. von KünstlerInnen wie Yoan Capote, Ariamna Contino, Susana Pilar Delahante, Felipe Dulzaides, Adrián Fernández Milanés). Die Gegenüberstellung und Auswahl der neu hinzukommenden Werke wird durch den Ko-Kurator der Ausstellung, den kubanischen Künstler und Kunsthistoriker Antonio Eligio (Tonel) mitgestaltet, der einer der profiliertesten Kenner der kubanischen Kunst ist und die Entwicklung der dortigen Kunstszene über viele Jahre intensiv erlebt hat. Er hat bereits die Düsseldorfer Ausstellung als Ko-Kurator mitverantwortet.
Die Zusammenführung dieser drei Ausstellungsteile zu Kunst x Kuba. bietet folglich einen vertiefenden Einblick in die Entwicklung der bildenden Kunst auf Kuba und ihrer Rezeptionsgeschichte innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte – einer Zeit, die einerseits geprägt war von einschneidenden wirtschaftlichen Veränderungen und den damit verbundenen sozialen Herausforderungen und die andererseits die permanente Überwindung dieser Krise eingeübt hat.




Fr 1. September 2017

Friedlieb Ferdinand Runge – Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung 2017

Der von der Stiftung Preußische Seehandlung alle zwei Jahre ausgelobte Friedlieb Ferdinand Runge – Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung ist von dem Juror Matthias Flügge (Rektor der Hochschule für Bildenden Künste Dresden) für das Jahr 2017 dem Kölner Kunsthistoriker und Kunstvermittler Dr. Stefan Kraus aus Köln zuerkannt worden.

Mit dem Friedlieb Ferdinand Runge – Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung zeichnet die Stiftung Preußische Seehandlung Persönlichkeiten aus, die als Künstler oder als „Anstifter“ die Kunst und Kultur im deutschsprachigen Raum auf außergewöhnliche Weise bereichert und geprägt haben. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro soll den mit dem Preis Ausgezeichneten die Realisierung neuer Projekte ermöglichen helfen. Der Preis wurde zu Ehren von Eberhard Roters (1929 – 1994), dem Gründer und langjährigen Direktor der Berlinischen Galerie, von der Stiftung Preußische Seehandlung im Jahr 1994 errichtet und ist nach dem Chemiker und Künstler Friedlieb Ferdinand Runge (1794 – 1867) benannt.

Die Begründung des Jurors lautet: „Seit mehr als 25 Jahren ist Stefan Kraus mit Kunstvermittlung befasst. Zuerst im Kölnischen Kunstverein, dann seit 1991 im Kölner Erzbischöflichen Diözesanmuseum, das als Institution seit 2004 Kolumba heißt. Ein Ort der Kunst der ganz auf die Gegenwart von Werken vertraut und auf die ästhetischen und geistigen Kräfte setzt, die allein aus ihrer konzentrierten Wahrnehmung entspringen können. Vermittlung ist im Verständnis von Stefan Kraus das Hervorrufen des „ästhetischen Augenblicks“ als einer nur der Kunst möglichen Erkenntnisform, die er als „existenzielle Erfahrung von Menschlichkeit“ beschreibt. Didaktik, Erklärungen oder sprachliche Vergegenwärtigungen können diesen an Werk und Raum und Zeit gebundenen Augenblick nicht ersetzen. Dass das Kolumba auf Spektakel und hohe Besucherzahlen erheischende Events ebenso verzichtet wie auf Audioguides und Texttafeln resultiert aus dieser Haltung. Dazu gehört auch, dass ästhetische Bildung als notwendige Bedingung von Humanität früh beginnen muss und nie abgeschlossen sein kann. Kraus hat sein komplexes Verständnis von den aktuellen Aufgaben des Museums in eindrucksvollen Texten dargelegt.“

Herzlichen Glückwunsch




Mo 28. August 2017

Stifterkreis kauft Kulturgut zurück – Liesborner Evangeliar zurück an seinen Bestimmungsort

Das Liesborner Evangeliar ist über 1000 Jahre alt und gehörte zum Besitz des Stiftes und späteren Benediktinerklosters Liesborn. Heute gehört Liesborn zur Gemeinde Wadersloh im Münsterland in Nordrhein-Westfalen.
Das Kloster ist seit 1803 aufgelöst und das wertvolle Buch kam seit 1826 immer wieder in den Handel. Mehrere renommierte Handschriftensammler nannten die ottonische Handschrift, die noch komplett erhalten ist ihr eigen.
Bereits vor 30 Jahren versuchten der damalige Museumsleiter Dr. Bennie Priddy und der damalige Landrat Dr. Wolfgang Kirsch die Handschrift zu erwerben. Vergeblich.
Seit 2015 bestand wieder die Möglichkeit die wertvolle Handschrift als bedeutendes deutsches Kulturgut eingestuft zurück zu erwerben.

Bild: Carsten Bender, Kreis Warendorf, Gruppenbild aller Stifter

Der Bund, das Land NRW, der Kreis Warendorf, verschiedene private und öffentliche Stiftungen, das Bistum Münster und die Sparkassen vor Ort und im Münsterland mühten sich diesmal zusammen und so konnte die Kaufsumme von über 3 Millionen Euro aufgebracht werden.
Auch der Kaufprozess zog sich hin, aber am 28. August 2017 konnte das fast Din A 4 große Buch nun der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Fast 1000 Menschen waren bei dem Festakt anwesend, als der amtierende Landrat Dr. Olaf Gericke das „Buch“ präsentierte.
Das eindrucksvolle Alter und der top Erhaltungszustand sind beeindruckend. Auch die Geschichte der Handschrift, die in karolingischen Minuskel von drei Schreibern verfasst wurde ebenso. 85 Rinderhäute mussten für die benötigte Menge an Pergament besorgt werden. In einem Scriptorium im Rheinland wurde das Buch geschrieben und nach Liesborn gebracht. Die kulturprägende Abtei hütete diese und weitere Handschriften, bestückte das Buch im 15ten Jahrhundert mit dem noch vorhandenen Einband und musste mit seiner Auflösung 1803 auch das Buch ziehen lassen.

Grafik: Kreis Warendorf, Die Reise des Liesborner Evangeliars

Gut dokumentiert sind die Stationen in seiner 200jährigen Wanderschaft.

Die Handschrift wird nach dem Umbau des Museums Abtei Liesborn dort dauerhaft präsentiert werden. Bis dahin wird es nur bei besonderen Anlässen öffentlich gezeigt werden. Zu einzigartig, zu kostbar und jetzt wieder „zu Hause“ angekommen, wie alle Beteiligten unisono meinten.
So wird das Museum Abei Liesborn auf die Landkarte der westfälischen Museen, von einem Regionalmuseum zu einem Leuchtturm der Kultur.
Und wie so eine Handschrift sich auf die Reise macht, wurde bereits vom Kreis Warendorf, dem Träger des Museums schön in einem Film festgehalten:




Di 22. August 2017

Kunstverein Bielefeld zeigt Facetunes

Der Kunstverein Bielefeld meldet sich aus der Sommerpause zurück und lädt zu seiner nächsten Ausstellungseröffnung ein. Unter dem Titel FACETUNES wird ab dem

26. AUGUST  eine Gruppenausstellung mit Beiträgen von Paolo Cirio, Kate Cooper, Albrecht Fuchs, Thomas Hirschhorn, Annette Kelm, Oliver Laric, Birgit Megerle, Michaela Meise und Britta Thie gezeigt.

Das natürliche Gesicht ist bis heute ein Zeichen von Individualität, persönlichem Ausdruck und Wahrhaftigkeit. Die Gesichtserkennung hat sich als Standard biometrischer Verfahren und der visuellen Datenanalyse etabliert. Gleichzeitig löst sich dieses echte Abbild des menschlichen Antlitz im Zeitalter von digitaler Bildbearbeitung, 3D-Scans und Renderings endgültig auf. Das »Face« wird zur »Surface«, die individuellen Merkmale algorithmisch geglättet. Kein soziales Netzwerk und keine Nachrichten-App, die nicht nach einem Profilbild verlangen. Denn die Bedeutung des eigenen Gesichts entsteht erst im Gegenüber des Anderen.

Das Gesicht steht zugleich in enger Verbindung zu einer politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Teilhabe. Gesichter bestimmen die Medien, sie beeinflussen Meinungen und Haltungen. Wir können unser Gesicht zeigen, aber auch verlieren. Dem Bekenntnis zum offen getragenen Gesicht, steht eine Kultur der Verschleierung und Verpixelung gegenüber.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich »FaceTunes« mit den aktuellen Bedingungen des Gesichts und seiner bildlichen Darstellung innerhalb der zeitgenössischen Kunst. Präsentiert werden unter anderem Videos, Fotografien, Malerei und Zeichnungen bis hin zu Installationen und Objekten. Die Ausstellung fragt nach der bedeutenden Rolle des Porträts in der heutigen Zeit ebenso wie nach der zunehmenden Akzeptanz künstlicher Gesichter. Sie entwickelt Betrachtungsmöglichkeiten auf das menschliche Gesicht, die über traditionelle Vorstellungen des Porträts, das Verhältnis von Gesicht und Maske oder einen Selfie-Boom hinausgehen. »FaceTunes« möchte unter Mitwirkung zeitgenössischer KünstlerInnen das Gesicht als vielstimmiges Medium im Spannungsfeld von Gesichtlichkeit und Gesichtslosigkeit untersuchen.

 

Zur Ausstellung erscheint eine 32-seitige Broschüre (Deutsch-Englisch) mit weiterführenden Texten von Judith Heßler und Thomas Thiel (ISBN 978-3-941735-40-8). Laufzeit der Ausstellung vom 26.08 bis zum 05. NOVEMBER 2017