KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Do 20. April 2017

Kunstverein Bielefeld mit internationaler Kunst aus Indien und mit was auf die Ohren

Kunstverein Bielefeld startet mit 2 neuen Ausstellungen in den Mai. Beide Ausstellungen starten am 29. April und laufen bis zum 16.7.2017. Zum einem kommt die bekannteste Indische Künstlerin
SHILPA GUPTA mit der Ausstellung »DRAWING IN THE DARK« in den Kunstsverein nach Bielefeld und zum anderen kommen das Künstlertrio WYHIWYG (THOMAS KÖNER, JAMES WEBB, JACOB KIRKEGAARD) ebenfalls in den Kunstverein dazu. Bei den drei Herren ist es aber ein „nacheinander“ und kein „gleichzeitig“ s.u. bei dem Teil gibts mehr auf die Ohren. Aber der Reihe nach:

Shilpa Gupta zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen KünstlerInnen Indiens, deren Werke international präsentiert werden. Sie arbeitet in jeweils wechselnden Medien, darunter Video, Fotografie, Skulptur, Performance und Sound. Gupta untersucht, wie Personen und deren Erfahrungen durch Orte, Gegenstände, aber auch von Prozessen der Klassifikation, Beschränkung, Zensur und Sicherheit geformt werden. Über diesen komplexen Ansatz eröffnet ihr Werk einen emotionalen Zugang und intensiven Dialog mit dem Publikum.
Für »Drawing in the Dark«, ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland hat die Künstlerin neue Werke entwickelt. Der Titel bezieht sich auf die heimlichen Bewegungen und Geschäfte in der Grenzregion zwischen Indien und Bangladesch. Außerdem verweist er auf die Metapher der Linie, die mehrere der gezeigten Arbeiten miteinander verknüpft. Ende 2016 recherchierte Gupta erneut in den Gebieten entlang des 4000 km langen Grenzzauns, ein Bauvorhaben Indiens, das seinen Nachbarn Bangladesch umgibt. Die Ausstellung ist Teil eines fortlaufenden Interesses der Künstlerin für die Wechselbeziehungen von Strukturen, speziell zwischen Staat und Individuum, sowie den Veränderungen, denen diese an Grenze und Peripherie unterliegen.

Shilpa Gupta, geboren 1976 in Mumbai (IND), lebt und arbeitet ebenfalls dort. In den vergangenen Jahren waren unter anderem Einzelpräsentationen im Rahmen der 56. Venedig Biennale (2015, zusammen mit Rashid Rana), im Kunstnemes Hus in Oslo (NO, beide 2014), in der Galerie TaxiPalais in Innsbruck (AT, 2013) sowie im Arnofilini in Bristol (UK, 2012) zu sehen. Die Künstlerin war zudem in zahlreichen Gruppenausstellungen vertreten, unter anderem auf der Kathmandu Triennale (2017), der 12. Havana Biennial (CU), auf der Göteborg International Biennial for Contemporary Art in Gothenburg (SE), bei SALT in Istanbul (TR) oder im Queens Museum in New York (USA, alle 2015).

WYHIWYG
THOMAS KÖNER, JAMES WEBB, JACOB KIRKEGAARD
29. APRIL – 16. JULI 2017

Die Ausstellungsreihe WYHIWYG widmet sich den Möglichkeiten der Produktion und Rezeption von Sound. Gemäß dem Akronym und Motto »What You Hear Is What You Get« (»Was du hörst, ist was du bekommst«) präsentiert WYHIWYG klangliche Ausdrucksformen in Studioqualität. Der Ausstellungsraum wird zum Resonanzraum für aktuelle Kompositionen elektronischer Musik, dokumentarische Klangaufnahmen und akustische Analysen internationaler Künstler. Die Basis dafür bildet ein auf die Architektur angepasstes, modulares Soundsystem. Künstlergespräche vertiefen die in vierwöchigem Rhythmus wechselnden Beiträge.

Thomas Köner

29. April – 21. Mai 2017
1965 in Bochum geboren,
lebt und arbeitet in Frankreich
James Webb

24. Mai – 18. Juni 2017
1975 in Kimberley (ZAF) geboren,
lebt und arbeitet in Südafrika
Jacob Kirkegaard

22. Juni – 16. Juli 2017
1975 in Esbjerg (DK) geboren,
lebt und arbeitet in Dänemark

Zu der Ausstellung erscheint eine 24-seitige Broschüre (Deutsch-Englisch) mit weiterführenden Texten von Judith Hessler und Thomas Thiel (ISBN 978-3-941735-39-2).




Do 20. April 2017

Ausstellungsbesuch in Gent im Caermerskloster – Ur oder die Wurzeln Flanderns

Das Gent meist mit Brügge und Antwerpen genannt wird, kommt nicht von ungefähr. Allerdings unterscheiden sich die drei Städte nicht so sehr durch ihr historisches Erbe, mehr in der Touristenwahrnehmung. Und da hat Gent von allen Dreien noch am meisten von Normalität. Eine junge Universitätsstadt, in der auch noch gelebt wird und nicht nur Touristen oder im Tourismus beschäftigte Menschen auf den Straßen unterwegs sind.

Bildquelle: Genter Kastell
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Mi 19. April 2017

Muzee zeigt Frans Masereel – Widerstand in Bildern

Im Rahmen der Belgienreise der Presse und Bloggerkollegen, wurde auch das  @MUZEE in Ostende besucht. Dieses Museum, dass als Kaufhaus gebaut wurde und das mit seinem Direktor Phillip Van den Bossche schon öfter mit wichtigen Ausstellung von sich Reden gemacht hat, war Ziel der Gruppe. Einmal um die Sonderausstellung zu „Frans Masereel – Widerstand in Bildern“ vor der Eröffnung zu besuchen und um den im letzten Jahr eingeweihten Trakt zu Ehren von James Ensor und Willam Spilliaert zu sehen.


Bildquelle: Plakat der Ausstellung Muzee „Frans Masereel – Widerstand in Bildern“ Weiterlesen »




Mi 19. April 2017

Brüssel zeigt Yves Klein – THEATRE OF THE VOID

Im Bozar in Brüssel wird noch bis zum 20.8 eine Ausstellung über den legendären Yves Klein gezeigt. Die Ausstellung kommt aus der Tate Liverpool und der Titel Theater of the Void, wörtlich übersetzt „Theater der Leere“. Yves Klein, der mit seinem legendären Blau Kunstgeschichte geschrieben hat, fasziniert bis heute. Seine Monochromen, die für unterschiedliche spirituelle Zustände und Bedeutungen stehen haben eine inhaltliche und künstlerische Entwicklung, der die Ausstellung nachgeht.

 

Bildquelle: Yves Klein Theater of the Void, Führung durch die Ausstellung

Seine Ideen die darüber hinaus beeinflusst sind von mystischen Ritualen und einer ganz großen Spielfreude, sind bis heute auch auf dem Gebiet der Performance bahnbrechend gewesen. Klein brüskierte die prüde Nachkriegszeit mit Performances in denen nackte Frauen als „lebendige Pinsel“ mit ihren in Farbe getauchten bzw. bemalten Körpern sich über weiße Leinwände wälzten. Nach Anweisung des Künstlers, aber eben nicht durch den Künstler. Dadurch hatte Klein zwar den skandalösen Effekt, weil das immer vor Publikum passierte, aber der „Kontrollfreak“ Klein, musste auch ein Stück weit die Bewegungen „geschehen lassen“, anders als er es im Detail immer vorherbestimmen und planen konnte. Body Art eben.

Die Videos, die im BOZAR gezeigt werden, zeigen diese Ambivalenz sehr schön.

Bildquelle: Der Kurator Darren Pih erläutert seine Ausstellung

Die sehenswerte Schau, die der Liverpooler Kurator Darren Pih zusammengestellt hat, zeigt einmal sehr gut nachvollziehbar, die künstlerische Entwicklung Kleins, von den verschiedenfarbigen Monochromen zum Klein-Blau. Und auch viele der bisher nicht gezeigten Body Art Ergebnisse und jede Menge Filme, die ebenfalls sehr anschaulich Kleins Kosmos ausleuchten.

Wer Freude an dieser im 20. Jahrhundert sehr wichtigen Kunst hat, der ist mit der Schau im BOZAR die noch bis zum 20.8.2017 zu sehen ist genau an der richtigen Adresse.

 

Laufzeit der Ausstellung 29.3. bis 20.08.2017, BOZAR/Centre for Fine Arts, Mit einer Combikarte für die anderen sehenswerten Ausstellungen zu Rik Wouters, Pol Bury in unmittelbarer Nähe ein günstiges Kulturvergnügen in Brüssel.

Der Besuch der Ausstellung Yves Klein – Theater of the void, war Teil einer Presse und Bloggerreise. Eingeladen war die Gruppe von Benedeluxe, Thalys und den besuchten Häusern, BOZAR, , @KMSKB die Ausstellungen „Rik Wouters“ @MUZEE Ostende und Ausstellung „Ur, die Wurzeln Flanderns“ im ehemaligen Karmeliterkloster.




Sa 8. April 2017

BOZAR Brüssel präsentiert Pol Bury – Time in Motion

Noch bis zum 04. Juni 2017 zeigt das Museum BOZAR in Brüssel eine Ausstellung zu dem belgischen Künstler Pol Bury (1922-2005). Unter dem Titel „Time in Motion“ wird eine umfassende Retrospektive des kinetischen Künstlers Pol Bury gezeigt. Bury, der als Maler genug hatte von den 2dimensionalen Bildern an der Wand, wollte Bewegung in seine Arbeiten bringen. Immer weiter trieb Bury seine scheinbar widersinnig sich sehr langsam bewegenden Bilder und später Objekte voran.

Kugeln die sich nach oben bewegen, Muster die sich immer neu zusammen setzen und Fäden die sich in den Raum hineinstrecken und ganz langsam eine nicht vorhersehbare Bewegung vollführen. Dem Geheimnis wie Bury die Objekte konstruiert hat, kommt man kaum nahe. Zu unsichtbar ist seine Kunst, die auch in vielen Deutschen Kunstsammlungen langsam ihre Kreise dreht. U.a. in der Sammlung des Mindener Museums zur belgischen Grafik der Gegenwart.

Bildquelle: Führung der Pressegruppe in der Pol Bury Ausstellung BOZAR

Bury, der als Künstler seinen Durchbruch über Ausstellungen in den USA hatte und durch seine Galeristen dort Fuss fassen konnte, ist ein Pionier der Kinetischen Kunst. Das Fordernde an Bury Arbeiten ist die Langsamkeit. Bis zu 15 Minuten dauert ein Intervall der Bewegung und was dann passiert, ist minimal, oft durch die Größe der Arbeit kaum zu erkennen. Wer falsch geschaut hat, sieht die Bewegung dann trotz Konzentration kaum.
Die Arbeiten sind sehr langsam, handwerklich ein Geheimnis und hoch ästhetisch, was den Reiz des Ganzen ausmacht. Sogar große Brunnenanlagen z.B. vor dem Guggenheim-Museum sind von Pol Bury gestaltet worden. Das Wasser, das verwendete Metall und die Kipp und Fliessbewegungen sind die Essenz von Burys Arbeiten, die im BOZAR sogar zu der Installation eines solchen wirklich großen Brunnens für die Ausstellung geführt haben:

Bildquelle: Brunnen im bozar

Und hier wie so ein Brunnen läuft:

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Die Ausstellung im BOZAR ist für Freunde der kinetischen Kunst ein Muss, zeigt sie doch Meisterwerke dieser Gattung in einer perfekten Qualität und Erhaltung, was nicht selbstverstandlich ist. Die Arbeiten von Bury sind anders als die von den Kollegen nicht laut und grell, hier ist kompakte und leise Kunst wirklich überraschend bis poetisch am Werk.

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Sa 8. April 2017

Berlinische Galerie lädt zu einem 1 Tages Festival – Destination Berlin. Strategies of Arrival Architecture

Unter dem Titel Destination Berlin. Strategies of Arrival Architecture findet in der Berlinischen Galerie ein eintägiges Festival zum Thema „Flucht und Architektur“ statt. Die Veranstaltung setzt auf diskursive Formate, auf Stimmen von Geflüchteten und auf die Beteiligung der Gäste. Das Museum wird über künstlerische Fragen hinaus zum Ort des politischen und soziokulturellen Austauschs.

Berlin war und ist Ankunftsstadt für zahlreiche Geflüchtete. Die aktuelle Situation hat sich durch die Flüchtlingsbewegung aus dem Nahen und Mittleren Osten, Afrika und der Abwanderung aus den Balkanländern zugespitzt. Prognosen zufolge werden rund 100.000 Newcomer in der Hauptstadt bleiben. Um überfüllte Notunterkünfte zu entlasten, werden zahlreichen Geflüchteten auf dem Weg zu einer dauerhaften Bleibe Zwischenunterkünfte zugewiesen. In der Alten Jakobstraße entsteht nur unweit der Berlinischen Galerie eine dieser Wohnstätten. Das Land Berlin baut hier für fast 200 Newcomer ein sogenanntes Tempohome.

Die Diversität der zugewanderten Menschen mit ungewisser Aufenthaltsdauer fordert Stadtplaner*innen und Architekten*innen, bauliche und soziale Lösungen zu finden. Zu den Fragestellungen des An- und Unterkommens realisieren die wissenschaftlichen Volontärinnen der Berlinischen Galerie ein zweisprachiges Festival. Das Programm entstand im Austausch mit den Initiatoren innovativer Flüchtlingsprojekte. Im Rahmen der Veranstaltung soll diskutiert werden, wie die architektonischen Konzepte in Berlin bislang aussahen, welche künftig geplant sind und inwiefern realisierte Projekte langfristig zur sozialen Einbindung und Selbstermächtigung der Geflüchteten beitragen. Neben Diskussionsrunden mit Newcomern und Experten finden Artist Talks, Film Screenings, ein Live-Podcast und Führungen im Stadtraum statt.
Das One Day Festival versteht sich in der sich stetig wandelnden Kunst- und Architekturlandschaft Berlins als Plattform für Newcomer*innen, Architekt*innen, Stadtplaner*innen, Künstler*innen und Wissenschaftler*innen. Unterstützt wird die Veranstaltung von den Initiativen KUNSTASYL und Start with a Friend.

Mit Beiträgen von: Firas Alshater (Autor, Berlin); Halil AltÄndere (Künstler, Istanbul); Sally Below (Beraterin für urbane Strategien, sbca, Berlin); Andrea Hofmann (Architektin, raumlaborberlin); Barbara Caveng (Künstlerin, KUNSTASYL, Berlin); René Kreichauf (Stadtforscher, Berlin, Brüssel); Sven Lager (Refugio Sharehaus, Berlin); Aymen Montasser (Architekt, KUNSTASYL, Berlin); Lessano Negussie (Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main); Ralf Pasel (Architekt, Home not Shelter!, Technische Universität Berlin); Psychotalk (Alexander Waschkau, Sven Rudloff, Sebastian Bartoschek, Psychologen, Podcaster, Hamburg, Düsseldorf und Herne) mit Alexa Waschkau (Ethnologin, Autorin Hamburg); Dachil Sado (Student an der Kunsthochschule Weißensee, KUNSTASYL, Berlin); Bernhard Strecker (Stadtplaner, Berlin).

Die Begrüßung erfolgt durch Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie.

Die Moderation übernehmen die wissenschaftlichen Volontärinnen der Berlinischen Galerie: Kathrin Aurich, Greta Kühnast, Kim Mildebrath, Friederike Nitz und Julia Schubert.

Die Programmpunkte finden in deutscher oder englischer Sprache statt. Nähere Informationen zum Programm unter www.berlinischegalerie.de

Ort: Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin Termin: 06.05.2017, 11–17 Uhr Eintritt frei, Anmeldung bis 03.05.2017 unter destination@berlinischegalerie.de Destination Berlin. Strategies of Arrival Architecture One Day Festival am 06.05.2017, 11–17 Uhr In deutscher und englischer Sprache Eintritt frei, Anmeldung unter: destination@berlinischegalerie.de




Fr 7. April 2017

Retrospektive Rik Wouters in Brüssel RMFAB

Die Ausstellung „Rick Wouters“, die noch bis zum  2 Juli 2017,  in dem wunderschönen und sehr sehenswerten Königlichen Museum der Schönen Künste in Brüssel (Royal Museums of
Fine Arts of Belgium (RMFAB)), die in Zusammenarbeit mit dem im Moment geschlossenen Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen (Royal Museum of Fine Arts Antwerp (KMSKA)) entstand, hat einen für deutsche Verhältnisse unbekannten Künstler zum Thema.

Rick Wouters (1882-1916) ist für die Belgier ein nationaler Künstler. Sein Name und sein Werk kennt in Belgien jedes Kind. Ein Nationalheiliger eigentlich. Als Künstler hat Wouters in der Tat eine hohe Qualität und die Dichte seines Werkes und seine tragische Biografie taugen für ein Künstlergenie. Auch für Freunde und Freundinnen der klassischen Moderne in Deutschland.

Das Wouters so unbekannt in Deutschland ist, liegt an seiner wenig glamourösen Lebenswirklichkeit. In Mechelen geboren, kam Wouters erst 1912 wirklich mal aus Belgien heraus und sah in Paris die französischen Kollegen, die heute weit bekannter sind als er. Er hatte 1 Muse, die in seinen bildhauerischen Werken und in seiner Malerei sehr präsent ist. Und er wurde nur 33 Jahre alt.

Sein Werk ist nicht weit verteilt, da seine Muse, die ihn überlebte, das Werk zwar pflegte, aber nicht über die Grenzen Belgiens hinaus verteilte. So kommt es, dass das Meister der gezeigten Arbeiten in zwei zentralen belgischen Museen zu sehen ist. In Brüssel und in Antwerpen. Zwar kommen andere Stücke aus letztlich 30 Häusern in Brüssel zusammen, aber eigentlich ist alles sehr zentral und nicht in der Welt verteilt zu Hause. Dadurch ist der Name eben nicht so bekannt, wie die anderen Heroen der klassischen Moderne, die auf der ganzen Welt zu sehen sind.

Für die Kuratorin Dr. Inga Rossi-Schrimpf, sind alle wesentlichen Arbeiten jetzt in Brüssel zu sehen. Und die Belgier kommen, um die Meisterwerke zu sehen. Und das zu recht.

Wouters, der als ausgebildeter Bildhauer ein excellentes Auge für Proportionen, für die Volumen und die 3Dimensionalität hatte, konnte dieses technische Vermögen auch in seine Malerei umsetzen, die er sich autodidaktisch aneignete. Lange wirtschaftlich am Existenzminimun wurden für ihn erst die Jahre ab 1912 interessant, als seine Zusammenarbeit mit einer Galerie auch Verkaufserfolge seiner Arbeiten und Aufträge für Bronzeplastiken brachte.

Alltagssituationen und Motive eines nicht mehr rein ländlich geprägten Alltags sind seine Themen. Das Leben was Wouters führte und was er studierte, ist geprägt durch das industriell-vorstädtischen Leben. Belgien als eines der Vorreiterländer der industriellen Revolution, mit seiner Umweltverschmutzung, mit den unmenschlichen Arbeitsbedingungen des Proletariates und den Lebensveränderungen aller Schichten im Industriezeitalter, findet sich bei Wouters wieder.

Aber auch die ewigen Themen, der Liebe, der Freude, der Weiblichkeit und des Werden und Vergehens. Durch einen Freund lernte er „Cezanne in schwarz-weiß kennen“. Durch Kunstzeitschriften die Arbeiten von Cezanne schwarz-weiß abbildeten. Stillleben auf Tischen sind zu finden und Menschen im Raum, die sich in Ornamente auflösen. Der Betrachter ist an Matisse erinnert, ohne dass Wouters Matisse wirklich kannte.

Seine produktive Zeit war kurz bemessen. 1912 bis 1914 und dann als Soldat vom 1914 bis 1915 und die letzten beiden Jahre, in denen er durch eine Krebserkrankung im Holländischen Exil bis zu seinem frühen Tod 1916 verbrachte. Er wurde nur 33 Jahre alt und hatte nicht mal 10 produktive Jahre, in denen Wouters aber ständig malte und bildhauersisch Tätig war. Daher werden in Brüssel noch bis zum 2. Juli 2017 über 200 Arbeiten gezeigt. Im Blick der klassischen Moderne drückt Wouters eine internationale Strömung in der Kunst aus, in dem Zusammenhang seiner Belgischen Heimat ist es überraschend, wie konsequent sich Wouters von den eigentlich herrschenden Strömungen des Jugendstil absetzte. Um diese Verortung auch noch vornehmen zu können, was war zeitgleich in Belgien angesagt, hat das Museum noch eine zeitgenössische Vergleichssequenz in die Ausstellung integriert. Wirklich sehenswert und eine schöne Idee.

Danke an die Kuratorinnen: Francisca Vandepitte,, PhD, Art History, (University of Ghent, 1996); Senior Curator of Modern Sculpture & Constantin Meunier Museum at the Royal Museums of Fine Arts of Belgium, Coordinator of restorations modern art und Dr. Inga Rossi-Schrimpf curator of modern works on paper at the Royal Museums of Fine Arts of Belgium and coordinating curator of the Fin-de-Siècle Museum, die die Ausstellung konzipiert haben und tolles Inzenierungsideen hatten.

Auch zum Mitmachen ist eine „Eigenkreativecke“ in der Ausstellung geschaffen worden, so dass es wirklich ein lohnender Besuch der Ausstellung für Jung und Alt und sogar für Familien mit Kindern sein kann. Und wer unschlüssig ist, hier der Blick in die Website und der Blick in die Ausstellung als Video:
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Fr 7. April 2017

Belgien – ein Land verändert sich – ein Kulturselbstversuch

In der letzten Märzwoche fand eine Journalisten- und Bloggerreise nach Brüssel, Ostende und Gent statt. 10 Kolleginnen und Kollegen hatten an 2 Tagen die Gelegenheit mit belgischen Kuratorinnen und Kuratoren insgesamt fünf große Ausstellung zu besuchen. Die perfekte Organisation von BeneDeLuxe machten die Tage zu einer sehr intensiven Zeit. Auch Zeit für die Kolleginnen und Kollegen sich intensiv auszutauschen.

Bildquelle: Dr. Strupp aus Aachen und die Kunstfreundin. Bild P. Kammann

Und einer der Eindrücke war, dass Belgien durch die Anschläge in dem vergangenen Jahr ein anderes Land, zumindest partiell geworden ist. Die Reise durch das Land fand per Bahn statt, Thalys, IC und Regionalbahnen. Dadurch war der Besuch von Bahnhöfen obligatorisch. Und der erste Eindruck war in der Tat, viele Sicherheitskräfte, die in unterschiedlich farbigen schusssicheren Westen, mal besser mal schlechter zu sehen waren. Militärfahrzeuge und stark bewaffnete Polizei. Das verlor sich an den 2 Tagen und die Wirkung war erstaunlich normal am 2ten Tag. Und das Sicherheitsgefühl war eigentlich wie vorher. So wie es ist, wenn man als Reisender durch eine quirlige Metropole läuft. Wer in dem Tempo nicht aufpasst, kann zu Schaden kommen, aber das Gefühl des normalen Lebensrisikos war eben normal.

Die Gespräche mit den Kuratoren berührten auch diese Themen und das erschreckende war, dass die belgische Hauptstadt Brüssel wohl gut 80 % weniger Touristen im letzten Jahr hatte. Damit sind nicht nur die klassischen Tourismusbereiche betroffen, auch die Museen, Galerien und Kulturinstitutionen, die eben auch nicht mehr besucht werden. Und das ist sehr schade, weil dort eine tolle Arbeit gemacht wird, die auch europaweit Ausstrahlung hat.

 

Bildquelle: Plakat der Ausstellung Rik Wouters, Brüssel KMSKB

Besucht wurden im Königlichen Museum der Schönen Künste, @KMSKB die Ausstellungen „Rik Wouters“, und im @BOZAR die Ausstellung „Yves Klein- Das Theater der Leere“ mit einer Performance vorab und dort auch die Ausstellung „Pol Boury“.
In Ostende ging es ins @MUZEE um den neu eingeweihten Trakt James Ensor und Willam Spilliaert zu sehen und die neu eröffnete Sonderausstellung zu „Frans Masereel – Widerstand in Bildern“ und den Abschluss bildete in Gent die sehr spezielle Ausstellung „Ur, die Wurzeln Flanderns“ im ehemaligen Karmeliterkloster ganz in der Nähe der Genter Burg.

Alle Museumsleute und Ausstellungsmacher waren wohltuend entspannt, wenn man über die Sicherheitslage sprechen wollte und unglaublich engagiert, wenn es um ihre Themen und die Kunst ging. Auch war der einhellige Tenor, sich nicht beeindrucken zu lassen. Und damit ist in Belgien einmal die Sicherheitslage gemeint, aber auch die für den Aussenstehenden schwer zu verstehenden internen Probleme der beiden Landesteile und der Region um Brüssel miteinandern. Natürlich ist das auch historisch bedingt und fällt bei Nachbarn, vorallem wenn sie sich so ähnlich sind wie die Flamen und Wallonen zusätzlich ins Gewicht. Aber die Gastfreundschaft, die Esskultur, die Bierkultur und die Entspanntheit, trotz eines hektischen Ausstellungsgeschäftes waren toll und mitreissend bzw. entspannend.

Das Fazit der Reise fällt durchweg positiv aus. Tolle und sehenswerte Ausstellungen, in sehr schönen Gebäuden, in einem Land das sich nicht unterkriegen lässt. Belgien ist auf jedenfall eine Reise wert. Auch 2017. Und die friedliche Begegnung mit Menschen, die natürlich um die nicht immer einfache Geschichte der jeweiligen Heimatländer wissen und auch um das Glück, dass die europäische Einigung allen Frieden und Austausch und auch Freundschaft gebracht hat. Und das macht Mut zur EU zu stehen und auch die eigenen anstrengenden Themen, die in Deutschland ebenfalls klare Kante erfordern anzunehmen.

Danke an die belgischen Freunde und die teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen der Reise.

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Do 30. März 2017

Double Check. Michael Ashers ‚Installation Münster (Caravan)

Der leider bereits verstorbene Künstler Michael Asher (1943-1912) hat von Anfang an dem Skulpturenprojekt in Münster teilgenommen. Er stellte seine Caravan überall im Stadtgebiet auf. Die Szenerien wurden fotografiert und so selbst über die lange Zeit zum Dokument für Münsters Entwicklung und nicht nur in Sachen Kunst. Daraus hat das Landesmuseum in Münster nun eine eigene Ausstellung gemacht. Unter dem Titel „Double Check. Michael Ashers ‚Installation Münster (Caravan)'“ werden Materialien aus dem Skulptur Projekte Archiv gezeigt. Im Rahmen eines seriellen Ausstellungsformats stehen die Beiträge von Michael Asher (1943-2012), der 1977, 1987, 1997 und 2007 an der Ausstellung Skulptur Projekte teilgenommen hat, im Fokus. Mit neuen Fotografien von Alexander Rischer wird der Gedanke von Ashers Arbeit aufgenommen und ihnen gegenübergestellt. Zu sehen ist die Präsentation im Lichthof des Museumsaltbaus.

Neben Korrespondenz mit Michael Asher zu seinen Beiträgen für die Skulptur Projekte zeigt das Museum Entwürfe, Filmausschnitte, Begleitmaterial sowie Fotografien der vier Ausstellungen von 1977 bis 2007. In diesen Jahren wanderte der mittlerweile in Münster bekannte weiße Wohnwagen des Typs Hymer-Eriba Familia durch die Stadt. Fotos dokumentieren die Standorte und lassen über die Zeit Veränderungen des städtischen Umfeldes erkennen.

Auf jede Einladung nach Münster setzte sich der Künstler intensiv mit der Stadt, der Ausstellung und seiner eigenen Arbeit auseinander – ein „Double Check“ in zehnjährigen Intervallen, wie Asher es nannte.

Asher gehört zu den wichtigsten Vertretern der amerikanischen Konzeptkunst. Seine konzeptuellen und zumeist institutionskritischen Arbeiten ähneln oft experimentellen Versuchsanordnungen. Zeitlichkeit und Ortsbezogenheit spielen dabei eine wichtige Rolle. Nach seiner ersten Einzelausstellung 1969 in den USA nahm er unter anderem mehrmals an der Documenta, der Biennale von Venedig sowie viermal an den Skulptur Projekten in Münster teil.

Mit prüfendem Blick näherte sich der Hamburger Fotograf Alexander Rischer (*1968) fast zehn Jahre nach der Skulptur Projekte Ausstellung 2007 den jeweiligen Standorten des Wohnwagens. Es entstand eine Serie von 19 Fotografien, welche die Veränderungen und Besonderheiten der städtischen Räume zeigen. Rischer setzt sich in vielen seiner Werke mit dem urbanen Raum auseinander. Vor allem städtische Unorte und „Leerstellen“ stehen in seinem Fokus. Neben der bildenden Kunst ist Rischer auch als Musiker und Autor tätig. Aktuell lehrt er Fotografie an der Universität Köln.

Das Skulptur Projekte Archiv ist Teil der Sammlung für Gegenwartskunst am LWL-Museum für Kunst und Kultur. Regelmäßig werden künstlerische Positionen und ausgewählte Themen als archivalische Tiefenbohrungen sichtbar gemacht.

Seit dem Frühjahr 2017 besteht eine Kooperation zwischen dem Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und dem Institut für Kunstgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, gefördert von der VolkswagenStiftung. In den kommenden drei Jahren wird das Material des Archivs erforscht und für Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Es gilt der übliche Eintrittspreis in das Museum.

Die aktuelle Präsentation wird von einer Reihe Veranstaltungen begleitet: Den Auftakt macht das Künstlergespräch mit Alexander Rischer, geführt von Dr. Marianne Wagner, Leiterin Skulptur Projekte Archiv, und Marijke Lukowicz, Abteilung Gegenwart. Das Gespräch findet am Freitag, 21.4., um 16.30 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.




Fr 24. März 2017

NEUER SHUTTLEBUS VERBINDET SCHULE UND MUSEUM – DAS ART MOBIL DES KUNSTMUSEUMS WOLFSBURG

Ein schönes Projekt, dass die einfache Frage, wie bekomme ich Schulklassen ins Museum einfach und wirkungsvoll beantwortet:

Das ART MOBIL steht deutschlandweit beispielhaft für eine konsequente Förderung der Bildungsarbeit durch das Kunstmuseum Wolfsburg. 2002 als Pioniertat gestartet, hat sich das Projekt sowohl quantitativ als auch qualitativ stetig weiterentwickelt und ist zu einer tragenden Säule der Vermittlung sowie zu einem Modell für Nachhaltigkeit in der Bildungsarbeit avanciert. Das neue ART MOBIL trägt diese Idee nach außen.

Film: Christine Gensheimer realisierte den 5-minütigen Animationsfilm „Inside the Art World“, der auch auf der Website des Museums zu sehen ist. s.o.

Das Projekt
Im Oktober 2002 startete das Projekt „Schule und Museum“, das seitdem zigtausend Schülerinnen und Schülern aus dem Braunschweiger Land den Besuch des Kunstmuseums Wolfsburg ermöglicht. Die Initiative der Volkswagen Financial Services in Kooperation mit dem Kunstmuseum Wolfsburg ermöglicht Klassen aller Schulstufen und Schulformen seit inzwischen 15 Jahren einen sicheren und für die Schulen unkomplizierten Weg ins Kunstmuseum Wolfsburg.

Gerade für verkehrstechnisch ungünstig und weiter abgelegene Schulen ist es im Alltag kaum möglich, ohne diesen Bustransfer einen Museumsbesuch zu unternehmen. Das Kunstmuseum Wolfsburg mit seinem Bildungsauftrag wiederum bietet sich als attraktiver außerschulischer Lernort an, um Schülern die seltene Gelegenheit zu geben, Kunstwerke im Original kennenzulernen.

Die Entwicklung
Im November 2003 ist das Busprojekt um die Initiative „Senioren und Museum“ erweitert worden und ermöglicht seither auch Bewohnern verschiedener Einrichtungen wie Wohnstiften und Begegnungsstätten, Exkursionen ins Kunstmuseum zu unternehmen. Gerade für die weniger mobilen älteren Menschen erfüllt ein Besuch mit anschließender Kaffeetafel im Museumsrestaurant neben der kulturellen auch eine sozial wichtige Funktion. Das daraus entwickelte Konzept „Alt und Jung“ ermöglicht einen Erfahrungsaustausch über die Generationen hinweg, indem Schüler der Oberstufe des Gymnasiums Martino-Katharineum als Guides Einführungen in die Ausstellungsthemen übernehmen und sich im Gespräch mit Bewohnern des Augustinums über Kunst und Leben austauschen.

Die Zahlen
Begann man im ersten Jahr mit 10 Wochen Nutzungszeitraum des Busses und erreichte somit jährlich ca. 4.000 Schüler, steigerte sich der stetigen Nachfrage wegen der Nutzungszeitraum auf inzwischen 16 Wochen pro Jahr, so dass die Gesamtzahl seit 2002 bis Mitte März 2017 bei 66.300 Schülerinnen und Schülern liegt.
Hinzu kommen 7.553 Senioren, die von 2003 bis Ende 2016 den Busshuttle in Anspruch nahmen.

Der Bus
Nach 15 Jahren erfolgreicher Kooperation war es an der Zeit, ein neues Zeichen für die Kunst-Kooperation zu setzen, Mit der Agentur DubbelSpäth, die im letzten Jahr das neue Corporate Design des Kunstmuseums Wolfsburg entwickelte, bekommt auch der Bus ein neues Gesicht und wird zum ART MOBIL. Doch beschränkt sich die Veränderung nicht auf die äußere Gestaltung. Die technische Innenausstattung ermöglicht es nun, während der Fahrt einen Film zu zeigen, der die Schülerinnen und Schüler spielerisch auf den Museumsbesuch vorbereitet. Die Künstlerin