KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mi 25. Januar 2012

Berlin die Gewinner von Talents 2012: Willem Popelier . Luise Schröder . Daniel Seiffert . Florian van Roekel

Große Freude in Berlin. Die Gewinner der neuen Ausgabe der Ausstellungsreihe Talents (2012) stehen fest: Gewonnen haben die Nachwuchsfotografen Willem Popelier, Luise Schröder, Daniel Seiffert und Florian van Roekel. Herzlichen Glückwunsch.

Die bekommen in diesem Jahr eine Einzelausstellung im C/O Berlin und einem Katalog dazu. Talents ist ein in Europa einzigartiges Programm der Nachwuchsförderung, das junge Fotografen und Kunstkritiker zusammen bringt.

Im Jahr 2012 steht die Talents-Reihe unter dem Thema Cinematic Thinking. Filmische Produktionsabläufe, Experimentieren mit narrativen Strukturen sowie Zitieren filmischer Ästhetiken und Mythen – die Auseinandersetzung mit dem Medium Film innerhalb der Fotografie hat in den letzten Jahren immer mehr an Aktualität gewonnen. Wie kann Fotografie filmische Strukturen adaptieren und diese gleichzeitig aufbrechen? Worin liegt die Stärke des eingefrorenen Momentes im Vergleich zum bewegten Bild? Die klassische Fotografie an der Wand als Präsentationsform kann um Projektionen oder Installationen erweitert werden und ermöglicht dadurch immer auch die Reflektion über das Medium Fotografie selbst.

Diese vier Positionen konnten die Fachjury überzeugen. Anfang des Jahres haben Anne-Marie Beckmann, Deutsche Börse Group, Dr. Leonhard Emmerling, Goethe-Institut, Marcel Feil, FOAM, Sven Johne, Künstler, sowie Felix Hoffmann und Ann-Christin Bertrand, C/O Berlin, aus 300 Bewerbungen die stärksten Arbeiten ausgewählt.

Talents ist ein internationaler Wettbewerb, der jährlich ausgeschrieben wird. Aus den Bewerbungen wählt eine Fachjury vier Positionen aus. Die Gewinner erhalten eine Einzelausstellung sowie eine Publi­kation, in der Bild und Text einen Dialog eingehen. Talents ist für viele junge Fotografen der Ausgangspunkt für weltweite Ausstellungen, u.a. in den Goethe-Instituten Washington, Stockholm und New York. An Talents haben unter anderem Tobias Zielony, Pepa Hristova, Sibylle Fendt, Iris Jahnke, Mirko Martin, Marion Poussier und Stephen Waddell teilgenommen.




Mi 25. Januar 2012

Claude Lorrain im Frankfurter Städl

Das Städel Frankfurt besitzt neben fünf Zeichnungen und etwa 40 Radierungen ein bedeutendes spätes Gemälde des Meisters Claude Gellée, genannt Le Lorrain (“der Lothringer”) oder einfach Claude Lorrain.
Um die Arbeit “Landschaft mit Christus und Maria Magdalena” (1681) wird nun eine Ausstellung gezeigt, die die in den letzten Jahren gewachsenen Bestände u.a. eine seltene Radierung aus der spektakulären Folge des “Feuerwerks” und – mithilfe der Kulturstiftung der Länder und der Hessischen Kulturstiftung – die bedeutende Zeichnung “Tänzerin mit Tamburin und Dudelsackspieler” umfasst.
Für das Museum ist dies ein wunderbarer Anlass, sich dem Künstler in einem umfangreichen Forschungs- und Ausstellungsprojekt zu widmen. Claude Gellée, genannt Le Lorrain (“der Lothringer”) oder einfach Claude Lorrain, wurde 1600 in Chamagne, einem Dorf bei Nancy, in Lothringen geboren. Als Heranwachsender gelangte er nach Rom, wo er, bis auf eine kurzzeitige Rückkehr in seine Heimat 1625, bis an sein Lebensende blieb. Von Beginn an konzentrierte er sich auf die Landschaftsmalerei und war mit seinen Gemälden so erfolgreich, dass er schon bald den Papst, mächtige Kardinäle und europäische Fürsten zu seinen
Auftraggebern zählte. Von der Mitte der 1630er-Jahre bis an sein Lebensende konnte Lorrain, der keine große Werkstatt unterhielt und so gut wie keine Schüler hatte, der Nachfrage nach seinen Gemälden kaum nachkommen.

Zu Lebzeiten wurde Claude Lorrain besonders in Italien und Frankreich geschätzt. Im 18. Jahrhundert fand seine Kunst dann vor allem in England und Deutschland größte Bewunderung. Englische Reisende, die auf ihrer standesgemäßen “Grand Tour” nach Italien kamen, erwarben viele seiner Gemälde, und auch der Hauptteil seiner etwa 1.100 erhaltenen Zeichnungen und etliche seiner Radierungen befinden sich heute in englischen Sammlungen – was sich besonders erkennbar in der englischen Gartenkunst niedergeschlagen hat. Der Einfluss Lorrains auf die deutsche Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts spiegelt sich nicht nur im Urteil Goethes, sondern auch in der deutschen Landschaftsmalerei des Klassizismus. Das Städel Museum besitzt
einige Gemälde, die dies bezeugen, so unter anderen das Porträt von “Goethe in der römischen Campagna” (1787) von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein oder die “Landschaft mit dem Dankopfer Noahs” (1803) von Josef Anton Koch. Sie sind seit der Wiedereröffnung des Sammlungsbereichs “Kunst der Moderne” nach abgeschlossener Sanierung des Gartenflügels jetzt wieder im Städel zu sehen.

Die Ausstellung läuft vom 3. Februar bis 6. Mai 2012 im Ausstellungshaus des Städl in Frankfurt.




Di 24. Januar 2012

Stuttgart zeigt Turner – Monet – Twombly die späten Bilder

Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt die Ausstellung Turner – Monet – Twombly – Later Paintings vom 11.02. bis zum 28.05.2012

Alle drei Künstler testen die Grenzen der Malerei aus und fordern radikal die traditionelle Darstellungsweise heraus und umspannen mehr als ein Jahrhundert.
Ein interessanter Ansatz, diese alle drei sehr lyrischen und farbenfrohen Arbeiten in der jeweiligen Handschrift zusammen zu präsentieren.

Der englische Maler William Turner (1775 –1851) begründete in seinen stürmischen Seestücken eine abstrakte Bildsprache, die von den Impressionisten aufgegriffen wurde. Claude Monet (1840 – 1926) setzte die Motive in Serien von Seerosen mit unterschiedlichen Lichtstimmungen um. Mit Cy Twombly (1928 – 2011) bietet sich der Blick auf Turner und Monet aus dem Horizont der Gegenwartskunst.

Der Amerikaner, bedeutender Vertreter des Abstrakten Expressionismus, entwickelte die poetische Bildsprache in seinen mythologischen Gemälden weiter. Die Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart macht es möglich mal alle drei zusammen zu sehen, was sonst oft bei einer chronologischen Hängung in Museen aufgrund der Altersunterschiede schon kaum möglich ist.




Di 24. Januar 2012

Hamburger Kunsthalle zeigt Louise Bourgeois

Die Spinne und dann noch in dieser Größe ist schon beeindruckend und der Betrachter ist für gewöhnlich froh, dass das Vieh aus Bronze ist.

Auf dem Außenplateau der Kunsthalle thront eine über 9 Meter hohe, überdimensionale Spinne aus Bronze, Stahl und Marmor: Maman (1999). Gleichermaßen beeindruckend wie furchterregend ist diese monumentale Skulptur ein zentrales Werk von Louise Bourgeois.

Louise Bourgeois gilt als Jahrhundert-Künstlerin. Anlässlich ihres 100. Geburtstags zeigt die Hamburger Kunsthalle Skulpturen, Rauminstallationen, Radierungen, Arbeiten aus Stoff und Tapisserien der letzten 15 Lebensjahre der Künstlerin (1911-2010), die als eine der bedeutendsten und einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit gilt. Einige der ausgestellten Werke sind zum ersten Mal überhaupt öffentlich zu sehen.
Der Titel Maman (Mutter) macht deutlich, dass Bourgeois diese Skulptur als Hommage an ihre eigene Mutter verstanden hat, die als Restauratorin von Tapisserien tätig war. Das unermüdliche Wiederherstellen und Restaurieren von Gewebe, das auch Spinnen eigen ist, wird zugleich zu einem Symbol für das unendliche, sich wiederholende und erneuernde Leben im Allgemeinen.
Vor allem das besondere Gespür der Künstlerin im Umgang mit Materialien wird in der Ausstellung deutlich. Zu sehen sind unter anderem die so genannten Cells, also käfigartige, mit Objekten und kleinen Skulpturen gefüllte Räume, wie etwa die Passage dangereux (1997) – die größte und spektakulärste Arbeit dieser Werkserie. 1938 übersiedelte sie mit dem amerikanischen Kunsthistoriker Robert Goldwater, ihrem Ehemann, nach New York. Dort kam sie mit den aus Frankreich emigrierten Künstlern um Marcel Duchamp in Kontakt und war mit Vertretern des Abstrakten Expressionismus befreundet. Bourgeois nahm die in den USA dominanten Strömungen der Minimal- und der Pop Art wahr, schloss sich jedoch nie einer der bestehenden Gruppen an. Vielmehr entwickelte Louise Bourgeois eine seltene stilistische Komplexität, die vieles von dem vorwegnahm, was Anliegen einer jüngeren Künstlergeneration werden sollte.
Große Präsentationen waren vor her u.a. in der Kunsthalle Bielefeld 2006 und die Riesenspinne war Teil der outdoor-skulptur-aktion Kleine Paradiese in Ostwestfalen-Lippe.




Mi 18. Januar 2012

David Hockney in London – Landschaft naiv und Farbe ist doch das Schönste

Auf die Frage, was man für Kunst braucht, sagte Hockney bei dem Gastspiel in seiner Heimat England: “Malen ist ganz einfach, Du brauchst drei Dinge dafür: Das Auge, die Hand und das Herz.”
“A Bigger Picture” ist die Ausstellung in der Royal Academy of Arts überschrieben. Und es sind die Landschaften seiner Kindheit in Yorkshire und die in wirklich großen Formaten. Daher oft “Doppeldecker”, in Form von zwei Leinwänden oder mehr die das Bild tragen.

Bunt, optimistisch und irgendwie naiv-entrückt. Oder etwas weniger fein, sehr grell, sehr bunt und irgendwie so märchenhaft, wie sie vielleicht nur Kinder sehen können und sich noch trauen sie so darzustellen. Vielleicht muß man ein bekannter Künstler sein, um sich das zu trauen.
Und das ist einfach wieder ein Zeichen von Kunst, es geht nicht primär um ein möglichst genaues Abbild, irgendeiner Realität. Die Kunst kann entrücken, kann Bewußtmachen durch Verfremdung, kann den erlebten Raum in überzeitliches Transformieren.

David Hockney interview from Royal Academy of Arts on Vimeo.

Seit mehr als 50 Jahren beschäftigt sich Hockney mit Landschaftsmalerei und steht in der langen Reihe der englischen Künstler, die die Landschaft immer wieder gezeigt haben. Bei Hockneys Arbeiten, mehr als 100 in der Royal Academy, die noch bis zum 09.04.2012 dort zu sehen ist, sind keine Menschen zu sehen. Menschenleer, was auf den ersten Blick kaum auffällt, weil alles so schön bunt ist. Und das ist ja die Erkenntnis vieler Künstler bei den Landschaften, die Natur braucht den Menschen nicht, die Menschen die Natur schon und verhalten sich nicht dementsprechend. Vielleicht zeigt Hockney auch eine Landschaft nach dem Menschen, wer weiß,…




Sa 14. Januar 2012

Museum Ostwall mit dem zweiten Blick und Jürgen Stollhans

Auf der 4. Etage des Dortmunder U eröffnet sich ab dem 03.02. bis zum 29.04. 2012 den Besuchern der Blick auf eine große Glasscheibe. Diese stellt eine transparente Membran zwischen Treppenhaus und Ausstellungsfläche des 50 m² großen “Schaufensters” dar, die räumlich in die ständige Sammlungspräsentation des MO eingebettet ist. Dort werden im regelmäßigen Wechsel Werke von Künstlerinnen und Künstlern der Gegenwart gezeigt.

Schaufenster # 04 ist eine Ausstellung des in Köln lebenden Künstlers Jürgen Stollhans. In den 1980er Jahren studierte Stollhans Malerei an der Kunstakademie Münster und Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Sein Oeuvre ist vielseitig: In verschiedenen Medien, wie Zeichnungen, Bilder- und Textcollagen, Installationen, Objekten wie auch Mixed Media setzt sich Stollhans teils spielerisch und ironisch mit den Zusammenhängen von gesellschaftlichen und politischen Themen auseinander. Regionale Bezüge sind dabei nicht selten. Stollhans’ Werk wurde auf der documenta 12, in Einzelausstellungen sowie zahlreichen Gruppenausstellungen präsentiert. Als Stipendiat nahm er am internationalen Künstleraustausch des NRW-Kultursekretariats “Transfer France-NRW 2008-2010″ teil. Seine Arbeit “Wir schalten zurück nach Rheda-Wiedenbrück” reflektierte die Geschichte seines Heimatortes Rheda-Wiedenbrück.

Darüber hinaus zeigt das Dortmunder U ein Jahr nach dem Umzug des Museum Ostwall im November 2011 erstmals die Sammlung dort. Der Titel der neuen Präsentation lautet „Der zweite Blick. Sammlung in Bewegung“. Noch bis zum 10.06.2012.

„Menschenbilder“ ist eines der Themen in den Räumen der Klassischen Moderne. Hier tritt Pablo Picassos „Femme nue couchée“ Henry Laurens’ „L‘Adieu“ gegenüber. Neben Bernhard Hoetger wird von nun an auch der Dortmunder Bildhauer Benno Elkan mit dem Portrait seines Schwagers Carl Einstein vertreten sein und bereits bekannte Doppelportraits von Paula Modersohn-Becker und Karl Schmidt-Rottluff treten miteinander in einen Dialog. Im Bereich der Landschaft bildet nun Max Pechsteins „Schneeschmelze“ einen spannenden Kontrast zu Alexej von Jawlenskys „Hügel“.

Die Gruppe der informellen Malerei präsentiert sich mit Werken von Winfred Gaul, Bernard Schultze, Peter Brüning und Gerhard Hoehme neu. Sie werden – als zweiter Strang der deutschen Nachkriegskunst – den abstrakten Werken von Ernst Wilhelm Nay, Fritz Winter und Fritz Wotruba zur Seite gestellt. Grafiken und Gemälde des US-Amerikaners Phil Sims geben auf der oberen Etage einen Einblick in die zeitgenössische Farbmalerei, während den abstrakten Druckgrafiken des Dortmunder Künstlers Harry Fränkel anlässlich seines 100. Geburtstages ein eigenes Kabinett gewidmet wird.




Fr 13. Januar 2012

Edvard Munch. Der moderne Blick in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt

In der SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT geht es nicht um den Einzelgänger, als der Edvard Munch gerne dargestellt wird. Oder um den vom Schicksal geschlagenen Künstler, der sich nur mit seiner Innenwelt beschäftigt. Während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts reist Munch durch Europas Metropolen, ist gern gesehener Gast in den Künstlerzirkeln. Er beschäftigt sich intensiv mit den neuen Medien seiner Zeit, fotografiert und filmt selbst. Erstmals wird diese Auseinandersetzung Munchs mit modernen Aufnahmetechniken oder zeitgenössischen Bühnenbildern in den Fokus der Aufmerksamkeit gestellt. Seine Werke lassen erkennen, in welchem Maß er spezifisch fotografische oder filmische Bau- und Erzählformen, Posen und selbst Effekte in seine Malerei übernimmt.

Die Ausstellung EDVARD MUNCH. DER MODERNE BLICK entstand in Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou Musée National d’Art Moderne in Paris und dem Munch Museet in Oslo. Nach der SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT präsentiert sie die Tate Modern in London.Kuratoren: Clément Chéroux und Angela Lampe, Centre Pompidou Paris und Ingrid Pfeiffer, SCHIRN

Die Ausstellung Edvard Munch – Der moderne Blick wird vom 9. Februar bis zum 13. Mai 2012 in Frankfurt gezeigt.
Nach der großen Schau in Bremen wird Evard Munch jetzt in einem anderen Licht präsentiert. Die Frage an die Besucher lautet:
Ist Edvard Munch für Sie ein Künstler des 20. Jahrhunderts? Wenn nicht, können Sie ihn jetzt in der SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT aus einer zeitgenössischen Perspektive betrachten. Die Ausstellung nimmt Sie auf eine spannende Reise in 12 Etappen mit. Ein Teil der über 140 Gemälde, Fotografien, Stiche, Zeichnungen, Skulpturen und Filme war in Deutschland noch nie zuvor zu sehen. Viel Spaß und tolle Seherlebnisse”.

Dank seiner symbolistischen und frühexpressionistischen Malerei wird Edvard Munch oft dem 19. Jahrhundert zugeordnet – hier findet er sich zu Recht in einer Reihe mit Paul Gauguin und Vincent Van Gogh. Obwohl Munch seine Karriere als Maler in den 1880ern beginnt, entstehen die meisten Arbeiten aber erst nach 1900. Er stirbt schließlich 1944, im selben Jahr wie zwei Schlüsselfiguren der Moderne: Piet Mondrian und Wassily Kandinsky.




Fr 13. Januar 2012

George Condo. Mental States in Frankfurt

Die Kunsthalle Schirn in Frankfurt zeigt vom 22. Februar bis zum 28. Mai 2012 eine umfassende Schau mit Arbeiten des amerikanischen Künstlers George Condo.

In Zusammenarbeit mit der Londoner Hayward Gallery und kuratiert von deren Direktor Ralph Rugoff präsentiert die Schirn eine umfassende Retrospektive des Künstlers, dessen Stil sich als künstlicher Realismus beschreiben lässt.
Seine von beißendem Humor, surrealistisch anmutender Absurdität und überbordendem Pathos gekennzeichnete Malerei nimmt – von Velázquez über Picasso bis Gorky – immer wieder Bezug zu den Traditionen der amerikanischen und europäischen Kunstgeschichte der letzten 500 Jahre.
Seine Gemälde wie seine Skulpturen legen die anhaltende Auseinandersetzung mit der menschlichen Physiognomie und allzu menschlichen Geisteszuständen offen. Neben 66 bedeutenden Gemälden aus unterschiedlichen Schaffensperioden zeigt die Schirn in thematisch und stilistisch geordneten Gruppen zudem eine Auswahl von etwa zehn Skulpturen sowie neue Arbeiten George Condos.

Eine kleine Auswahl von Condos Werken zeigte die Kunsthalle Bielefeld im Rahmen der Doppelausstellung Bishofsberger “80er Revisted”.
George Condo wurde 1957 in New Hampshire geboren und studierte Kunstgeschichte und Musiktheorie an der University of Massachusetts Lowell. Seit nahezu drei Jahrzehnten behauptet er eine herausragende Stellung in der Kunstwelt. Neben Künstlern wie Keith Haring und Jean-Michel Basquiat hatte Condo maßgeblichen Einfluss auf die Kunstszene des New Yorker East Village der 1980er-Jahre.
Seither zeigten zahlreiche Institutionen in den USA und Europa seine Werke, darunter das Whitney Museum of American Art und das Museum of Modern Art in New York, das Contemporary Art Museum in Houston oder das Musée Maillol in Paris. Arbeiten George Condos finden sich in so bedeutenden Sammlungen wie dem Museum of Modern Art, dem Metropolitan Museum of Art, dem Whitney Museum of American Art und dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York.
George Condo engagierte sich künstlerisch außerdem in den Bereichen Mode, Musikindustrie und Street-Culture. 2010 arbeitete George Condo mit dem US-Hip-Hop-Star Kanye West zusammen; er schuf eine Reihe von Gemälden, die als Albumcover genutzt wurden. George Condo hat im Lauf seines Schaffens einen künstlerischen Stil entwickelt, der auf schonungslose Art und Weise das Schöne mit dem Grotesken, Ernsthaftigkeit mit Absurdität verbindet und so eines der provokantesten und imaginativen Œuvres der zeitgenössischen Malerei geschaffen.
Condo wird oftmals als „an artist’s artist“ bezeichnet, und sein anhaltender Einfluss auf jüngere Künstlergenerationen ist unbestritten. Die Figuren seiner Gemälde wurden darüber hinaus zur Inspirationsquelle für Autoren wie William S. Burroughs oder Salman Rushdie. Condos Werken wohnen unzählige kunsthistorische Bezüge inne. Geschickt kombiniert er die Bildsprache der letzten Jahrhunderte und lässt verschiedenste Malstile und Darstellungsweisen in seine Werke einfließen.

Besonderes Gewicht legt Condo auf die Gesichter seiner Figuren; mal fratzenartig verzerrt, kubistisch übersteigert oder gar gesichtslos hinterfragen sie die Identität des Individuums, das sich hinter dem Antlitz verbirgt. Die Ausstellung „George Condo. Mental States“ zeigt Arbeiten der letzten drei Jahrzehnte. Thematisch in den fünf Gruppen „Portraits“, „Manic Society“, „Pathos“, „Abstraction/Figuration“ und „Heads“ organisiert, präsentiert sie einen Überblick über sein gesamtes Schaffen. Einen Schwerpunkt legt die umfangreiche Schau auf Condos imaginäre Porträts, die, zwischen Absurdität und Pathos changierend, unterschiedliche mentale Zustände beschwören.
Die Figuren einiger Gemälde erscheinen gesichtslos. Die Gestalt von „The Objective Idealist“ (1994) ist vor allem durch ihre Kleidung und den überladenen Schmuck definiert, im Gesicht hingegen klafft Leere. Die Gemälde hinterfragen nicht nur die Beurteilung von Identität nach Äußerlichkeiten, sondern auch den Anspruch der Porträtkunst als Abbild von Identität. Trotz ihres oft monströsen Humors und ihrer Übersteigerung sind Condos Werke tief in europäischen und amerikanischen Maltraditionen verwurzelt. Durch die Verwendung traditioneller Materialien, Maltechniken und Stilformen stellt er vielfältige Querverweise her, die von der Renaissance zum Barock über den Kubismus und Surrealismus bis hin zum Abstrakten Expressionismus und zur Pop-Art reichen.
Condo lässt sich von seinen Vorbildern inspirieren und tritt mit ihnen in Dialog. „Memories of Rembrandt“ (1994) stellt eine Erinnerung an den großen Meister der Hell-Dunkel-Malerei dar; Rembrandts malerischen Effekt eines Bedeutung schaffenden Lichts sabotiert Condo in seinem Porträt. Er präsentiert das Gesicht als eine wüste, durcheinandergewürfelte Konstruktion, als wollte er die Rolle des Gesichts als primäres Sinnbild der Subjektivität zerstören. Klare gesellschaftliche Bezüge stellen die Gemälde der Gruppe „Manic Society“ dar.
Die Ausstellung „George Condo. Mental States“ wurde von der Hayward Gallery, Southbank Centre, London, in Zusammenarbeit mit der Schirn Kunsthalle organisiert. Sie war zuvor im New Museum, New York (26. Januar – 8. Mai 2011), im Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam (25. Juni – 25. September 2011), sowie in der Hayward Gallery, London (18. Oktober 2011 – 8. Januar 2012), zu sehen.




Do 12. Januar 2012

Ausstellung in Time – Preisträgerausstellung des Aktion-Kunst-Preises

Im Museum Abtei Liesborn wird vom 15.01. bis zum 4.03.2012 die Ausstellung inTime-Preisträgerausstellung des Aktion-Kunst-Preises 2012 gezeigt.

Die Stiftung Aktion-Kunst-Stiftung gegründet 2011 von dem Künstler Klaus-Peter Kirchner und seiner Frau Mechthild, hat sich zum Ziel gesetzt das Potenzial von Menschen mit geistigem Handicap zu fördern und den Beruf ‘Künstler’ bei der Zielgruppe zu professionalisieren. Kirchners stellten fest, dass viele Menschen mit geistigem Handicap durchaus zu einer sehr authentischen kreativen Auseinandersetzung mit ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen in der Lage sind.  Die AKTION-KUNST-STIFTUNG verwirklicht diese “Professionalisierung”, indem sie die Kunstakademie direct art academy betreibt, Stipendien an talentierte Menschen mit geistigem Handicap vergibt, inklusive Ausstellungen von Künstlern mit und ohne geistigem Handicap organisiert, Vorträge und Symposien durchführt Forschungsaufträge, die einen Bezug zur Kunst bei Menschen mit geistigem Handicap nehmen, durchführt oder unterstützt eine Sammlung von Werken von Menschen mit geistigem Handicap und Künstlern, die einen Bezug zu dieser Kunst nehmen, anlegt.

Bildquelle: Hausherr Dr. Benni Priddy und Stifter Klaus-Peter Kirchner vor Arbeiten der Künstler Mustapha El Ayachi und Matias Völksch.

In diesem Zusammenhang wurde ein bundesweiter Aufruf zu dem Kunstpreis 2011 gestartet. Mit mehr als 600 Bewerbungen und vielen Anfragen aus dem Ausland, die nicht zugelassen werden konnten, wurde den Stiftern und der aus Kunst- und Museumsleuten gebildeten Jury deutlich, dass viel Bedarf an dieser Art der Förderung ist. Wichtig war allen Juroren die künstlerische Umsetzung der Themen. Dabei wurden 30 nominierte Künstlerinnen und Künstler von der Jury benannt. Diese sind jetzt in einer 163 Arbeiten umfassenden Ausstellung im Museum Abtei Liesborn zu sehen. Im Rahmen der Vernissage werden die beiden ersten Preise des Kunstpreises vergeben. Einen dritten Preisträger ermittel das Besuchervotum.

Jeder Besucher der Ausstellung bekommt einen Abstimmungsbogen, in dem er oder sie, die oder den Künstler benennen kann, der den dritten Preis bekommen soll. Ein reich bebilderter Katalog erscheint zur Eröffnung der Ausstellung und kann im Museum oder über die Stiftung Aktion Kunst erworben werden. Die Eröffnung der Ausstellung findet am Sonntag, 15. Januar 2012 um 15 Uhr statt.

Für den Aktion-Kunstpreis 2012 nominierte Künstler sind in alphabetischer Reihenfolge:

Belz, Jürgen Bodmeier, Rudolf Cäsar, Peter El Ayachi, Mustapha Frey, Michael Fuchs, Silvia Gindele, Karl Hellmann, Markus Herrmann, Julia Heymach, Michael Höhle, Dieter Hormann, Katharina Kautz, Sybille Lehnert, Klaus Löffler, Christa Mäurer, Petra Mezencera, Olga Münch, Sabine Opree, Claudia Reisner, Gabriele Salzwedel, Markus Schmidt, Rüdiger (OTTO) Schnabel, Annegret Schröer, Hans-Christian Völksch, Matias Vogel, Ilka von Branca, Frhr. Franziskus Wagner, Tanja Weiger, Maximilian Zimmermann, Petra.




Do 12. Januar 2012

Ein Österreicher zu Gast in München – Egon Schiele – Werke aus der Albertina

Noch bis zum 4. März 2012, zeigt das Lenbach-Haus München Werke des Künstlers Egon Schiele unter dem Titel “Das unrettbare Ich”. Die Arbeiten stammen aus dem Besitz der Albertina in Wien.

Egon Schiele ist einer der populärsten und vielleicht morbidesten Künstler der Moderne. Sein Werk wird wie bei kaum einem anderen Künstler mit seiner Biografie in Verbindung gebracht. Diese Ausstellung bietet eine Revision des immer noch weit verbreiteten Künstlermythos Egon Schiele und eröffnet einen neuen Zugang zu seinem Werk:
Der Schwerpunkt soll von der Biografie auf die Kunst in ihrem zeitgenössischen Kontext gelenkt werden. Dank einer umfassenden Auswahl von Aquarellen und Zeichnungen aus dem Bestand der Wiener Albertina – der weltweit bedeutendsten Sammlung von Schieles Werken auf Papier – können alle grundsätzlichen Themen seiner Kunst aufgezeigt werden.

Die Auseinandersetzung mit der Krise des Individuums um 1900, die der Literatur- und Kulturtheoretiker Hermann Bahr unter dem Motto „Das unrettbare Ich“ zusammenfasste, nimmt dabei eine herausragende Stellung ein.

Das Ausstellungskonzept geht dementsprechend über eine rein motivische Gruppierung hinaus und fokussiert zentrale Aspekte von Schieles Ideenwelt. Identität und des Naturverständnis, Reflexion über die Wahrnehmungsprozesse. Durch die Gegenüberstellung von Bildern und Auszügen aus Schieles poetischen Schriften wird seine Beschäftigung mit diesen Themenkomplexen in unterschiedlichen Medien aufgezeigt, wodurch sich bisher wenig beachtete Perspektiven auf seine Bilder eröffnen.
Daher machen die Münchner mit den Selbstporträts eine erstaunliche Neudeutung: als Versuche, das eigene Ich als variable Größe zu begreifen.
Ein Aspekt, der den Künstler auch in manchen Gedichten beschäftigt hat und der mit damaligen Vorstellungen von wandelbarer Identität übereinstimmt.

Die Schiele-Ausstellung ist nicht die Erste im Lenbachhaus. Bereits im Frühjahr 1912 veranstaltete der Münchner Galerist Hans Goltz gleichzeitig zwei Ausstellungen: Eine war dem „Blauen Reiter“ gewidmet (2. Ausstellung „Schwarz-Weiß“), die andere Schiele – seine erste Einzelpräsentation im Ausland überhaupt.