KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Do 12. Januar 2017

Deichtorhallen mit einer Hommage an Hanne Darboven

Hanne Darboven ist eine der international bedeutendsten Künstlerinnen, die sich mit ihren Werken in einer von Männern dominierten internationalen Konzeptkunst-Szene etablierte. Bekannt ist Darboven vor allem für ihre Zeit und Raum umfassenden Schreibarbeiten und den daraus resultierenden seriellen Blattfolgen, die mit Zahlenreihen, Schrift und später auch mit Bildmaterial gefüllt sind und oftmals durch dreidimensionale Objekte ergänzt werden. Darbovens raumübergreifende Installationen funktionieren wie kompensierende Zeitspeicher, die tausend und abertausende von Jahrhundertdaten in eine greifbare Form bringen. Ihr Werk wird somit zum Inbegriff für GEPACKTE ZEIT.

Hanne Darboven in ihrem Studio
Courtesy Galerie Crone, Berlin

Bildquelle: Hanne Darboven in ihrem Studio 1987/1988. Courtesy Galerie Crone

Einen besonderen Stellenwert in der Ausstellung nimmt die exemplarische Großarbeit Kinder dieser Welt ein, die sich über eine ganze Etage des Sammlungsgebäudes erstrecken wird. Anhand zahlreicher dokumentarischer Materialien wie frühe Konstruktionszeichnungen, Architekturmodelle, Briefe und Recherchematerialien wird es erstmals möglich sein, die Entstehungsgeschichte des Werkes Welttheater aus dem Bestand der Sammlung Falckenberg umfassend nachzuvollziehen – von der Inspirationsquelle bis zur vollständigen Ausformulierung in verschiedenen Medien und Ebenen der Darstellung.

Die Ausstellung legt einen weiteren Schwerpunkt auf den Dialog ausgewählter Arbeiten Hanne Darbovens mit Arbeiten von Künstlerfreunden wie Carl Andre, Sol LeWitt und Lawrence Weiner sowie weiteren Exponaten der Sammlung Falckenberg unter anderem von Vito Acconci, John Baldessari, Fiona Banner, John Cage, Sophie Calle, Guy Debord, Oyvind Fahlström, Richard Hamilton, Mike Kelley, Imi Knoebel, Olaf Nicolai und Ed Ruscha. Darüber hinaus gewährt die Ausstellung anhand von Künstler- und Tagebüchern Hanne Darbovens sowie Filmen einen außergewöhnlichen Einblick in die Werkentwicklung Darbovens und ihre Verbindung zu ihrem künstlerischen Umfeld insbesondere der Konzeptkunst der New Yorker Zeit und bestätigt darüber den großen Einfluss Hanne Darbovens auf internationaler Ebene.

Parallel zum Auftakt der Ausstellung in der Sammlung Falckenberg eröffnet die Hanne Darboven Stiftung das Dokumentationszentrum Am Burgberg. Es ist eine der Aufgaben der Hanne Darboven Stiftung, den Nachlass von Hanne Darboven an ihrem einstigen Schaffens- und Wirkungsort Am Burgberg in Rönneburg (Hamburg-Harburg) aufzubereiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Erstmals werden an diesem Ort dokumentarische Materialien ergänzend zur Ausstellung zu sehen sein.

HANNE DARBOVEN
GEPACKTE ZEIT
25. FEBRUAR – 3. SEPTEMBER 20167
SAMMLUNG FALCKENBERG/DEICHTORHALLEN HAMBURG

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Do 12. Januar 2017

Pieter Hugo. Between the Devil and the Deep Blue Sea in Wolfsburg

Wenn vom 19. Februar bis zum 23. Juli 2017 dasKunstmuseum Wolfsburg die Ausstellung „Pieter Hugo. Between the Devil and the Deep Blue Sea“ zeigt, geht es um das Verständnis der Welt, bzw. wie Menschen zusammen agieren, oder in Worten der Macher: Was trennt uns und was verbindet uns?

Bildquelle: Bild 1: Pieter Hugo, Zeng Mei Hui Zi, Beijing, aus der Serie „Flat Noodle Soup Talk”, 2015-2016, c-print. © Pieter Hugo, Priska Pasquer, Köln.

Der südafrikanische Fotograf Pieter Hugo, geboren 1976 in Johannes­burg, geht diesen Fragen in seinen Porträts, Stillleben und Landschaftsbildern mit besonderer Prägnanz nach. Erstmals in Deutschland zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg mit 254 Fotografien eine institutionelle Einzelausstellung des Künstlers, der weit über sein Land und seinen Kontinent hinaus Bedeutung hat. Aufgewachsen im postkolonialen Südafrika, wo er 1994 das offizielle Ende der Apartheid erlebte, hat Hugo ein feines Gespür für soziale Dissonanzen. Sensibel bewegt er sich mit seiner Kamera durch alle sozialen Schichten, nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in Ruanda, Nigeria, Ghana, China oder den USA. In seinen soziokulturellen Gesellschaftsporträts erfasst Pieter Hugo die sichtbaren Spuren und Narben gelebter Biografien sowie erlebter Landesgeschichte.

Seine Fotografien sind hierarchielos und zollen jedem den gleichen Respekt. Mehr Künstler als Anthropologe oder Dokumentarist, verfügt Hugo über eine prägnante Bildsprache, mit der er einerseits betont neutral und andererseits empathisch den „Augenblick des Zulassens freiwilliger Verletzlichkeit“ (Pieter Hugo) einfängt und so Porträts von eindringlicher Direktheit und Lebensnähe schafft. Nicht selten steht diese Menschlichkeit im Kontrast zur Härte der sozialen Realität, die die Menschen umgibt. Ganz in diesem Sinne wirken Pieter Hugos Stillleben und Landschaftsaufnahmen bisweilen wie gesellschaftliche Kommentare oder Metaphern und geben seinem Gesamtwerk eine aufklärerische Dimension.

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Do 5. Januar 2017

Cranach im Lutherjahr in Düsseldorf

Lucas Cranach der Ältere im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Warum Cranach? Weil der Meister zu den bedeutendsten Malern der Deutschen Renaissance zählt, aber auch weil ein enger Freund Martin Luthers war. Und nebenbei auch noch die nachfolgenden Künstlergenerationen über Jahrhunderte stark beeinflusst hat.Und daher heißt die Schau auch: Cranach. Meister – Marke – Moderne.

Bildquelle: Plakat der Ausstellung

Die Ausstellung folgt den Spuren Cranachs bis in die Kunst der Gegenwart und Moderne. Arbeiten von Pablo Picasso, Marcel Duchamp, Alberto Giacometti, Otto Dix, Andy Warhol oder Martial Raysse zeigen, welchen Einfluss Cranachs Bildsprache auf führende Wegbereiter der Moderne ausgeübt hat.

Neueste kunsttechnologische Forschungen und Archivrecherchen geben faszinierende Einblicke in die tägliche Praxis des bedeutenden und produktivsten deutschen Malers im 16. Jahrhundert. Cranachs Gemälde zeugen von einem immensen Spektrum innovativer Bildlösungen und völlig neuartiger Bildthemen, die der enge Weggefährte Martin Luthers im Spannungsfeld unterschiedlicher Glaubensvorstellungen entwickelte und die sich innerhalb kürzester Zeit über den europäischen Kontinent verbreiteten.
Rund 200 Werke aus internationalen Museen und Sammlungen, darunter das Metropolitan Museum of Art in New York, die National Gallery in London, das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, das Museum der Bildenden Künste in Budapest sowie das Nationalmuseum Stockholm, werden zum Höhepunkt der Lutherdekade 2017 in der Düsseldorfer Ausstellung zusammengeführt. Zu sehen sind hochkarätige Exponate wie die lebensgroße „Venus“ aus St. Petersburg, Christus und die Ehebrecherin aus Budapest und der sogenannte Prager Altar, dessen weitverstreute Teile für die Laufzeit der großen Schau in Düsseldorf vereint werden. Weitere bedeutende Tafelbilder, Zeichnungen und Drucke dokumentieren die maßgebliche Rolle Cranachs bei der Verbreitung der Reformation und sein geschicktes Agieren im Dienste der bedeutendsten fürstlichen Auftraggeber des 16. Jahrhunderts. In Gegenüberstellung mit Werken von Albrecht Dürer, Hans Holbein dem Jüngeren, Jacopo de´Barbari und Lorenzo Costa dem Älteren untersucht die Ausstellung Cranachs Position im Netzwerk der Künstler seiner Zeit.

Laufzeit der Ausstellung 8.4.bis 30.7.2017

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Fr 23. Dezember 2016

Alles Gute für 2017 und Frohe Weihnachten

Die Kunst und die Kreativen waren dieses Jahr wieder toll in Form und wir freuen uns auf das kommende Jahr. Ein schöner Weihnachtsgruß aus den Institutionen, die mal ganz nebenbei zeigen was unser kultureller Schatz und wie reich unser abendländisches kulturelle Erbe ist, kam vom Royal Museums of Fine Arts of Belgium Brussels. Europa ist mehr als Wirtschaft und die Abwesenheit von Krieg untereinander. Die Menschen sind vielfältig und bunt und bereichern einander. Friede, Liebe und Offenheit:

Danke nach Belgien und Danke an alle Leserinnen und Leser.
Frohe Weihnachten!




Mi 21. Dezember 2016

Magritte in Frankfurt

In Frankfurt wird ab dem 10. Februar eine Überblicksausstellung über den genialen Surrealisten René Magritte gezeigt. Seit 20 Jahren mal wieder. Die letzten großen Schauen fanden in Belgien und Frankreich statt. 2017 jährt sich der Todestag von Magritte zum 50ten Mal, deshalb haben auch die Belgier auch wieder große Ausstellungen in Planung.

Bildquelle: Plakat Frankfurt, Schirn

Magritte gehört zu den Schlüsselfiguren der Malerei des 20. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu den von den Pariser Surrealisten um André Breton postulierten Methoden von Traum und Automatismus wurzelt Magrittes einzigartige Bildsprache in der spezifischen Ausprägung des belgischen Surrealismus, der eine dialektische Methode und wissenschaftliches Denken forderte.

Der Ausdruck „dumm wie ein Maler“, der Ende des 19. Jahrhunderts zum gängigen Sprachgebrauch gehörte, verdeutlicht die philosophisch begründete Auffassung, dass die Poesie über der Malerei, die Worte über den Bildern stehen. Magritte wollte diese Hierarchie nicht akzeptieren. Zeitlebens forderte er die Anerkennung des geistigen Wertes seiner Kunst und verfolgte das Ziel, seine Malerei zuerst auf die Stufe der Poesie und schließlich auf die der Philosophie zu erheben. Mit quasi wissenschaftlichem Anspruch verlieh der Künstler seiner Bildsprache die Objektivität eines Vokabulars. Seine Motive, wie etwa Pfeife, Apfel, Hut, Kerze, Vorhang, Flamme, Schatten oder Fragment treten in seinen Gemälden in unterschiedlichen Kombinationen und Sinnzusammenhängen wiederholt auf. Magritte malte Bilder, deren Sinn sich dem Betrachter universell aufdrängen sollte. Er verstand seine Malerei als Gleichung, bei der er jedem Bild die Lösung eines „Problems“ zuschrieb und dabei einem dialektischen Prinzip folgte. In dem in der Ausstellung präsentierten Gemälde La Condition humaine (So lebt der Mensch) (1935) befasst er sich etwa mit dem Problem Fenster, indem er Innen und Außen, Gesehenes und Verborgenes, Natur und Kultur von Landschaft und Bild miteinander verbindet. Von Gemälde zu Gemälde zeichnet sich so seine Vorstellungswelt ab, die aus Gegensatzpaaren wie dem Natürlichen und Künstlichen, dem Innen und Außen, dem Trieb und der Vernunft besteht.

 

„Magritte. Der Verrat der Bilder“. Eine Ausstellung organisiert von dem Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, Paris, in Kooperation mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt.  Laufzeit vom 10. FEBRUAR – 5. JUNI 2017

Die Ausstellung steht unter der gemeinsamen Hohen Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck und von Seiner Majestät dem König der Belgier.

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Do 8. Dezember 2016

Briefmarken zeigen Designikonen – z.B. Schlaufenstuhl von Colani

Wenn man es auf eine Briefmarke der Deutschen Post geschafft hat, ist man tot oder bedeutend. Bei dem abgebildeten Schlaufenstuhl, den der Designer Luigi Colani 1968 entwickelte, wurden nur ca 10 Stück überhaupt produziert. Bedeutend ist der Stuhl aber trotzdem, da der Entwurf visionär und immernoch einzigartig ist. Der Stuhl wurde in den 60igern vom Meister selber in Handarbeit gefertigt, weil das Material, Polyester mit Fiberglas verstärkt, sehr schwer zu bearbeiten war. Colani entwickelte das Möbel für den Sitzmöbelhersteller COR, der auch für den Entwurf seines Sessels mit Namen Zyklus von Peter Maly (just 80 Jahre alt geworden) verantwortlich zeichnet. Die Ostwestfalen hatten eine Affinität für ungewöhnliche Entwürfe und trauten sich was. Beide Sitzmöbelentwürfe sind jetzt Briefmarken-würdig.

Der Colani Schlaufenstuhl der jetzt eine Briefmarke bekam, wurde nie maschinell oder industriell gefertigt, da die Nachfrage ausblieb. Colani der lange in Ostwestfalen und dem Münsterland lebte hatte die Möbler-Szene dort, bis heute eine der Möbelschmieden Deutschlands, sehr berreichert. Der Sitzmöbelhersteller COR, für den Colani das Möbel entwickelte hat in seiner Sammlung immerhin noch ein Exemplar, das in seinem firmeneigenen Designmuseum zu sehen ist.

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Bildquelle: COR-Museum, Sitzmöbel COR Rheda-Wiedenbrück

Um so spannender ist es, das dieses unikatverdächtige Möbel bis heute von seiner Modernität nichts verloren hat. Wie aus einem Science Fiktion Film und doch für den normalen bis wohlhabenden, designorientieren Haushalt gedacht. Das der Stuhl in den 70er Jahren nicht ankam verwundert bis heute. Spacig anzusehen, aber leider sehr unbequem, wie Zeitzeugen berichten. Und hier kommt er her, der Schaufenstuhl von Luigi Colani, made by COR:

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Bildquelle: COR-Museum, Sitzmöbel COR Rheda-Wiedenbrück

Aber jetzt hat er es immerhin auf eine 70 ct Briefmarke der Post geschafft. Im Dezember 2016 wurde die Marke vorgestellt

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Bildquelle: Deutsche Post, efiliale

Nassklebende Briefmarken zu je 70 ct im 10er-Bogen, Größe der Einzelmarke: 33,00 x 39,00 mm. Diese Briefmarke ist ein Sonderpostwertzeichen aus der Serie „Design aus Deutschland: Möbel“. Das Motiv dieses Sonderpostwertzeichens ist von Sibylle Haase und Professor Fritz Haase aus Bremen entworfen worden. Motiv: Luigi Colani: Schlaufenstuhl magenta © Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln. Erstausgabetag: 08. Dezember 2016.

Ob dieser kühne Entwurf, der Irre aussieht, noch mal zurück in die Möbelgeschäfte kommt, bleibt abzuwarten. Immerhin dürften die heutigen Bearbeitungsmethoden eher geeignet sein das Designstück wieder zu beleben. Der Entwurf ist fast als Biomorph zu bezeichnen und besticht durch seine Einfachheit. Eine nach hinten offene Sitzschale ist mittig nur mit einem Bein ausgestattet. Das Bein mündet in eine ovalgeschwungenen Fußplatte, die eine stabile Auflage schafft. Scheinbar einfach und doch hochkomplex. Und anscheinend immer etwas schneller als der Rest unterwegs. Für Designfreunde ein Muss.

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Fr 2. Dezember 2016

Potsdam Museum zeigt „Die wilden 80er Jahre in der deutsch-deutschen Malerei“

In der Ausstellung „Die wilden 80er Jahre in der deutsch-deutschen Malerei“ werden im Potsdam Museum wesentliche Kunstwerke aus Ost- und Westdeutschland der 80er Jahre einander gegenübergestellt. Die Zeit in der die Deutsch-Deutsche Teilung „normal“ und für „ewig“ angesehen wurde. Die Schau umfasst Bestände des Potsdam Museums und wichtige Leihgaben aus bedeutenden Sammlungen aus ganz Deutschland. Sie treten erstmals unter dieser Thematik in einen Dialog.
In der Werkschau werden Porträt- und Gruppenkompositionen, szenische Darstellungen von Musikveranstaltungen und Happenings sowie Alltagsszenen aus dem großstädtischen Umfeld oder der Subkultur gezeigt. Eine jüngst erhaltene Dauerleihgabe von Werken Bernhard Heisigs – dem Leipziger Altmeister der figurativen Malerei – steht am Anfang der Präsentation. Es folgen Werke von Elvira Bach, Ina Barfuss, Rainer Fetting, Hubertus Giebe, Angela Hampel, Klaus Killisch, Bernd Krenkel, Markus Lüpertz, Helmut Middendorf, Neo Rauch, Hans Scheuerecker, Stephan Velten und vielen anderen. Die Ausstellung lässt ein Jahrzehnt in 90 Werken Revue passieren.

potsdam-museum-wilde-80er Bildquelle: Potsdam Museum Einladung

Dabei wird deutlich, dass die damals jüngere Künstlergeneration auf beiden Seiten der Mauer den etablierten, bzw. von der Politik vorgeschriebenen Formen- und Ausdruckskanon verneinte. In Ostdeutschland war es der Kampf gegen den Sozialistischen Realismus. In Westdeutschland stellte man sich gegen das Vorhergewesene: die Pop-Art, den Minimalismus und die Konzeptkunst. Überraschend ist, dass die eigene Persönlichkeit, das Selbst in den getrennten deutschen Staaten zu dieser Zeit in den Mittelpunkt des künstlerischen Interesses rückte.
Laufzeit der Ausstellung: 3.12.2016 – 12.03.2017

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Fr 2. Dezember 2016

Marta Herford zeigt Fotografieausstellung – Anders Petersen

Freunden der Fotokunst ist der Schwede Anders Petersen (*1944) längst ein Begriff. Schön dass das Marta Herford diesen international einflussreichsten Fotografen nach Westfalen zu holen.

Petersen erlangte Bekanntheit durch seine speziellen Fotofelder: Milieus an den gesellschaftlichen Rändern: Gefängnisse, psychiatrische Anstalten, Rotlichtviertel, Pflegeheime. Kultstatus erreichte er mit seinen in den 1960er Jahren entstandenen Schwarzweißporträts von sozialen Außenseitern auf der Reeperbahn in Hamburg. Bis heute verströmen seine eindringlichen Fotoessays eine rastlose Lebensenergie und einen fast lyrischen Klang. In eigenen Welten.

Bis in die Gegenwart seiner jüngsten Werkgruppen wie „City Diary“(2012) und „Rome“ (2012) ist der empathische Blick des Fotografen auf sein Gegenüber zu spüren. Seine Bilder sind erfüllt von Respekt gegenüber dem Anderen, seinen Aggressionen wie auch seinen Sehnsüchten. „Ich suche eine Beziehung zu den Menschen, die ich fotografiere. Und das hat viel zu tun mit dem Verlangen, den Träumen, den Geheimnissen. Vielleicht auch mit unseren Alpträumen und Ängsten.“ (Anders Petersen)

Anders Petersen – Retrospektive
4. Dezember 2016 – 12. März 2017, Marta Herford (Lippold-Galerie, 1. Stock), Eröffnung: Sonntag, 4. Dezember, um 11.30 Uhr

eventfotografie duesseldorf




Fr 2. Dezember 2016

Auktionsherbst auch für Museen immer wieder wichtig

Am Freitag, den 2. Dezember wurden im Berliner Auktionshaus Grisebach zwei bedeutende Werke von Peter August Böckstiegel versteigert. Die Gemälde „Mühle in Deppendorf“ von 1912 und die „Landschaft II“ von 1913 erzielten dabei die höchsten für den Künstler jemals bei einer öffentlichen Auktion gezahlten Preise, nämlich 90.000 € und 98.000 € plus Aufgeld.

paboeckstiegel-deppendorfer-muehleBildquelle: Peter August Böckstiegel, Deppendorfer Mühle

Beide Werke stehen exemplarisch für das frühe Schaffen von Peter August Böckstiegel. Sie zeigen seine Begeisterung für das Werk von Vincent van Gogh und seine Vorliebe für Motive aus der unmittelbaren Umgebung seines Elternhauses in Arrode. Der sehr pastose Auftrag der Ölfarbe und die expressiv und starkfarbig wiedergegebenen Motive sind typisch für das Schaffen des Künstlers vor dem Ersten Weltkrieg.

paboeckstiegel-landschaft-2Bildquelle: Peter August Böckstiegel-Landschaft II

Beide in Berlin angebotenen Gemälde hatten für die interessierten Bieter einen besonderen Reiz: Einerseits befanden sich beide Werke seit Jahrzehnten in einer Bielefelder Privatsammlung, die „Deppendorfer Mühle“ war zuletzt 2001, die „Landschaft II“ zuletzt 1989 öffentlich ausgestellt. Andererseits kamen mit beiden Gemälden zum ersten Mal Böckstiegel-Werke von besonders hoher Qualität und großer Seltenheit zum Aufruf.

Das bislang teuerste versteigerte Werk des Künstlers war das große Stillleben „Glockenblumen“ aus dem Jahr 1927, es befindet sich in einer Berliner Privatsammlung. Es wurde im Jahr 2000 für über 35.000 Euro versteigert. Der Käufer der jetzt versteigerten „Mühle in Deppendorf“ erhält dabei sogar zwei Bilder zum Preis von einem: So befindet sich auf der Rückseite der Mühlen-Darstellung das Bild „Blühende Bäume“. Wer die Bilder ersteigert hat, ist noch nicht bekannt. Das Böckstiegel-Haus bei dem jetzt ein Museumsneubau in Werther entsteht, hofft, dass beide Werke für zukünftige Ausstellung zur Verfügung stehen.




Do 1. Dezember 2016

Cornelia Schleime im IBB-Videoraum in der Berlinischen Galerie

Im IBB-Videoraum der Berlinischen Galerie werden über den Zeitraum eines Jahres zwölf Künstlerinnen und Künstler präsentiert, die durch ihren innovativen Umgang mit den Medien Film und Video aufgefallen sind. Die Reihe wird im Dezember mit Super-8-Filmen von Cornelia Schleime fortgesetzt (30.11.2016–02.01.2017). Die Präsentation im IBB-Videoraum begleitet die Ausstellung „Cornelia Schleime. Ein Wimpernschlag“, die anlässlich der Verleihung des Hannah-Höch-Preises an die Künstlerin in der Berlinischen Galerie zu sehen ist (Laufzeit der Ausstellung: 25.11.2016– 24.04.2017).
Die zwischen 1982 und 1984 entstandenen vier Super-8-Filme Cornelia Schleimes (*1953 in Ost-Berlin) stellen ein wichtiges Kapitel ihrer Werkbiografie dar. Noch während ihres Studiums der Grafik und Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden 1975 bis 1980 gehörte die Künstlerin dort der alternativen Kunstszene an. Ihre unkonventionellen Werke und Ausstellungen führten 1981 dazu, dass sie ihre Arbeiten offiziell nicht mehr zeigen konnte. Sie ging nach Ost-Berlin zurück und begann unter anderem mit Super-8-Filmen zu experimentieren. Mehrere Ausreiseanträge folgten. „Die Super-8-Filme“, so Schleime, „sind jetzt für mich wie ein Zettelkasten für meine Bilder, die ich ja kaum noch male, da ich ja schon über ein Jahr auf gepackten Koffern sitze und einen Ausreiseantrag nach dem nächsten stelle.“ Als ihr 1984 die Ausreise in den Westen genehmigt wurde, gehörten die Super-8-Filme zu den wenigen frühen Arbeiten, die sie in den Westen retten konnte. Der Großteil ihres Frühwerkes blieb in Ost-Berlin zurück und ist bis heute verschollen.

berlinische-galerie-cornelia-schleime Bildquelle: Berlinische Galerie, Cornelia Schleime

Der Filmwissenschaftler Claus Löser ordnet die Filme wie folgt ein: „Alle vier überlieferten Super-8-Werke der Künstlerin zeugen von einer außerordentlichen filmischen Begabung, die sich in einem ganz bestimmten, biografisch von einschneidenden Erlebnissen geprägten Zeitraum [1982 bis 1984] niederschlug. […] Ihre technische Basis war dabei eher provisorisch. Doch Schleime ging es (ebenso wie anderen in der filmischen Subkultur arbeitenden Künstlern) ja nicht um eine Imitation des „richtigen“, das heißt des professionellen Kinos.“ Sie nutzte die Filme einerseits zur „Überwindung privater und kreativer Krisenzustände. Andererseits schuf sie eigenständige Kunstwerke, die sich nachdrücklich von den ästhetischen und inhaltlichen Konventionen der DEFA abhoben und bis heute ein wichtiges Korrektiv zum realsozialistischen Bilderkanon darstellen.“ (Auszug aus dem aktuellen Katalog der Berlinischen Galerie: Cornelia Schleime – Ein Wimpernschlag)
In der Sanduhr, 1982 Cornelia Schleimes erster Film Die Spiegelfalle (1982) ist verschollen. Noch im selben Jahr stellt sie den Film In der Sanduhr fertig. Anders als die drei weiteren erhaltenen, in sich geschlossenen filmischen Arbeiten ist dieser Film, so Schleime selbst, eher eine „Collage aus Postkartenübermalungen und in Szene gesetzten Bildern“. Die Schauspieler, darunter Cornelia Schleime selbst, agieren vorrangig in einem Hinterhof. Zwischen die verspielt-surrealen Szenen sind von der Künstlerin übermalte Ansichtskarten aus Kleinasien geschnitten.
Das Nierenbett, 1983 Maskierte Darsteller führen bruchstückhafte Handlungen mit ritualisiert anmutenden Bewegungen aus. Als Zeremonienmeister fungiert ein junger Mann, der von Schleime wie ein Prinz aus fernen Landen inszeniert wird. Die Musik für Das Nierenbett wurde von der Künstlerin selbst eingespielt. Die filmische Sprache wirkt konzeptionell gereifter als beim Film zuvor.
Unter weißen Tüchern, 1983 Cornelia Schleime skizziert in dem Film ein Beziehungsgeflecht und verzichtet darauf, eine Geschichte zu erzählen. Eine junge Frau kleidet sich an und schmückt sich wie zur Vermählung. Sie bewegt sich durch Innenräume scheinbar in Erwartung eines Ereignisses. Sie trifft auf Männer, die in ihrer eigenen Gedankenwelt gefangen wirken, und auf weiß bandagierte Wesen. Schließlich findet auch sie sich wie in einem Kokon an eine Tür gefesselt. In den verschlüsseltsurreal wirkenden Szenen entsteht ein Gefühl des gleichzeitig Ein- und Ausgeschlossenseins.
Das Puttennest, 1984 Für die Dreharbeiten fuhr die Künstlerin an die Ostsee, nach Potsdam-Sanssouci und an einen Baggersee bei Erfurt. Der Film ist eine assoziative Collage mit dokumentarischen Einschüben. Die melancholische Grundstimmung des Films wird musikalisch durch eine verlangsamte Interpretation von Erik Saties Gymnopédies untermalt.
Der IBB-Videoraum Im IBB-Videoraum werden über den Zeitraum eines Jahres zwölf Künstlerinnen und Künstler präsentiert, die in den letzten Jahren durch ihren innovativen Umgang mit den Medien Film und Video aufgefallen sind. Dokumentarische Herangehensweisen reihen sich dabei an Strategien, die das Medium hinterfragen und nach neuen Formen der filmischen Erzählung suchen. Das Programmformat stellt nicht nur etablierte Vertreter der zeitgenössischen Videokunst vor, sondern auch junge Künstler, deren Werke bisher kaum in Museen zu sehen waren. Im monatlichen Wechsel wird jeweils ein Programm aus verschiedenen Filmen zusammengestellt. Die Realisierung erfolgt mit Unterstützung der Investitionsbank Berlin (IBB).
Programm im 1. Quartal 2017: 04.01.–30.01.2017: Annika Larsson 01.02.–02.03.2017: Christian Falsnaes 05.03.–03.04.2017: John Bock

Die Präsentation im IBB-Videoraum begleitet die Ausstellung „Cornelia Schleime. Ein Wimpernschlag“, die anlässlich der Verleihung des Hannah-Höch-Preises an die Künstlerin in der Berlinischen Galerie zu sehen ist (Laufzeit der Ausstellung: 25.11.2016–24.04.2017).