KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mi 10. März 2010

Buchtipp – Sarah Thornton – Sieben Tage in der Kunst

Schon seit einer Weile haben immer wieder gutmeinende Menschen zur Lektüre von Sarah Thorntons “Sieben Tage in der Kunstwelt” geraten oder regelrecht aufgerufen.

Tenor, wenn man die Kunstwelt verstehen will, könnte man das mit diesem Büchlein am Besten. Ich war etwas skeptisch, bis ein erholsamer Inselurlaub die nötige Musse zum Lesen verschaffte.

Cover der deut. Ausgabe

Der Plot, sieben Tagen in der Kunst zu beschreiben, ist ja ganz nett. Spielt auf den biblischen Schöpfungsmythos an und lässt vor der Lektüre das ganze leicht und locker erscheinen.

Die Autorin jettet um die Welt (huch was sind wir wichtig, fast wie die “richtigen Akteure der Millionenkunst” ) um an den unterschiedlichsten Orten dem Kunstbetrieb auf die Spur zu kommen.

Vielleicht ist das investigativer Journalismus, aber leider sehr zäh zu lesen. Vielleicht liegt es an der Übersetzung, aber die einzelnen Kapitel sind weder spannend  noch unterhaltsam und da kommt die Soziologin einfach durch. Ok, Soziologin und Kunsthistorikerin, aber wenn man vergleichendes Material nimmt wie z.B. Piroschka Dossis “Hype” oder Saehrendt u. Kittl “Das kann ich auch” sind diese bei weitem unterhaltsamer auch wenn Kunsthistoriker dort schreiben.

Wirklich interessant, nach dem Platzen der Blase “”Kunst” in Millionenbeträgen” und dem Offenlegen der Intentionen der Beteiligten, wäre die Frage, die bei Thornton immer als eine Art “Feigenblatt” der geldgierigen Spekulanten und sozusagen – Sammler vorkommt. “Kunst ist unser Leben!” Schön wärs, wenn dann auch mal weniger die Zockerei sondern das dauerhafte Interesse an Kunst untersucht würde.

Bei dem Kapitel ArtCrit hat man beim Lesen jedenfalls den Eindruck einer stundenlangen, schmerzhaften Prozedur, die Kunst heißt. Und das ist ja oft eben nicht die Triebfeder, sondern die Freude, die Bereicherung, der freudige Lernprozess.

Wahrscheinlich haben hier inklusive der Autorin zu viele junge Kreative das Vincent van Gogh-Leidensthema für sich entdeckt. Gut das es auch noch die andere Kunst gibt.

Fazit zu Buch: Es gibt bessere Bücher, die unterhaltsamer die Mechanismen des Kunstbetriebes offenlegen. Nur wer Soziologie mag ist hier gut beraten.




Mo 8. März 2010

James Rizzi goes Nord- Rizzi in der Messe in Bremen

Das ist doch schön, dass der beliebte amerikanische Künstler James Rizzi wieder mit einer großen Ausstellung nach Deutschland kommt. Nach der großen Ausstellung in Mainz 2008 wird Rizzi jetzt nach Bremen in die dortige Messe kommen und die gesamte Halle 6 des Messekomplexes in ein Farbenmeer tauchen.

Laut Veranstalter wird es die weltgrößte Ausstellung des New Yorker Künstlers sein und findet vom 21. Mai bis 4. Juli 2010 statt.

Bei der Menge von über 1200 Werken des Künstlers, kann man nur hoffen, das er vor lauter Basteln und Kleben noch Zeit hat für die schönen Dinge des Lebens,…

Bildquelle: Bremen: Rizzikunstwerk

Die Ausstellung versteht sich auch ein bisschen als Geburtstagshommage, da Rizzi in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert. Der New Yorker startete seine Karriere als Straßenmaler und ist heute ein wirtschaftlich sehr erfolgreicher und umjubelter Künstler, der auch mit ausgefallenen Projekten auf sich aufmerksam macht.

James Rizzi bei hat in Vorbereitung der Ausstellung selbst Bremen besucht und hat extra für die Ausstellung ein Bild der Bremer Stadtmusikanten entworfen. Zur Zeit ist sogar noch eine weitere Zeichnungen des Bremer Rolands und des Rathauses geplant.

Auf der Ausstellung, die am 21. Mai startet, werden zahlreiche Gemälde und Zeichnungen des Künstlers zu sehen sein und sogar einige bisher unveröffentliche Werke präsentiert. Auch ein großes Modell seines gestalteten Flugzeuges, einen bemalten VW-Beetle, gestaltete Plattencover, Filme und ausführliches biografisches Material warten auf die Besucher der Ausstellung. Rizzi Allround sozusagen.




Mo 8. März 2010

C/O Berlin gibt die Gewinner und Gewinnerinnen des Talents 2010 bekannt

Das C/O Berlin im alten Postfuhramt hat die Gewinner und Gewinnerinnen des Wettbewerbs Talents 2010 bekannt gegeben.  

Talents ist ein in Europa einzigartiges Programm der Nachwuchsförderung, das junge Fotografen und Kunstkritiker zusammen bringt. In 2010 steht die Talents-Reihe unter dem Thema Me, Myself & The Others.

Die Gewinner und Gewinnerinnen sind: Friederike Brandenburg, Esther-Judith Hinz, Iris Janke  und Markus Klingenhäger

Alle werden in diesem Jahr ihre Fotografien in einer Einzelausstellung bei C/O Berlin und in einem Katalog der Öffentlichkeit präsentieren.

Während Friederike Brandenburg Artefakte der Wegwerfgesellschaft als Spuren unserer hochmobilen Kultur sichert, hält Esther-Judith Hinz ihre Suche nach Heimat fotografisch fest – eine Suche nach Identität jenseits von Zeit und Ort. Die Arbeiten von Iris Janke zeigen ihr persönliches Umfeld in seinem stetigen Wandel und sind der schmerzliche und zugleich freudige Versuch, unspektakuläre Fragmente des Alltags aufzuzeichnen. Markus Klingenhäger beschäftigt sich in seiner Serie über die Native Americans mit dem Verlust der Identität im Spannungsfeld zwischen eigener Tradition und fremder Kultur und Lebensweise.

Diese vier Positionen konnten die Fachjury überzeugen. Anfang des Jahres haben Anne-Marie Beckmann, Deutsche Börse Group, Marloes Krijnen, Direktorin des FOAM, Ingeborg Wiensowski, Redakteurin beim Spiegel, Thomas Olbricht, Sammler, Ricarda Roggan, Fotografin, Ellen Regensburger, Sammlerin, und Felix Hoffmann, Kurator C/O Berlin aus 290 Bewerbungen die stärksten Arbeiten ausgewählt.

Nachwuchs fördern und ihm eine erste Chance für die Zukunft geben – Talents ist kreativer Campus für junge internationale Gegenwartsfotografie und Kunstkritik. Seit 2006 fördert der C/O’s e.V. mit dieser Ausstellungsreihe angehende Fotografen und Kritiker, die sich an der Schwelle zwischen Ausbildung und Beruf befinden. Begleitet wird jede Einzelausstellung von einer Publikation, in der Bild und Text einen Dialog eingehen. Talents ist ein internationaler Wettbewerb, der jährlich ausgeschrieben wird.

Es sollte mehr davon geben und herzlichen Glückwunsch den Gewinnerinnen und dem Gewinner.




Mi 3. März 2010

Die Erde verrutscht – was können wir tun – Kunst ist auch Klimakunst

Nach dem Erdbeben in Chile ist die Erde verrutscht. Das kann man als Erdenbewohner und Erdenbewohnerin nicht merken, nur errechnen. Da kann man und frau sich vorstellen, was das für ein Triumph des Geistes sein muß, das es Menschen gibt die das können. Ich kann es nicht. Aber ich kann mich fragen, was kann ich zur Rettung der Erde tun. Immer an meiner Stelle vielleicht wenig, aber hier kann ich was tun. Petitionen unterstützen. Nachhaltig Leben, klimafreundlich bloggen,…

Und Menschen animieren mehr Kunst zu kaufen. K-A-U-F-T M-E-H-R K-U-N-S-T, lasst Euch durch Kunst hineintragen in die Sphären des Geistes, der Kreativität und bereichert Euch innerlich und nicht ausschliesslich äußerlich. Oder wie ich heute mit einem befreundeten Künstler über Verkaufsstrategien im Galeriegeschäft sprach. Leute betroffen machen: “Sie sind mein Kunde”, “Sie können konkret und direkt diesem Künstler helfen”, “Dieser Künstler hängt von Ihrem Kauf ab”, “Retten Sie Ihre Seele, kaufen Sie das Bild das Sie gut finden, es lässt Sie sowieso nicht los”, oder “Ihr Auto kostet nicht mal die Hälfte des Bildes”. Je nach Betonung, kann auch die Kunstdomina herausgelassen werden: “Kauf! das! jetzt!”

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Mo 1. März 2010

ruhr2010 heute – burgenland gestern – Archäologisches Museum Herne zeigt Aufruhr 1225

Das hätte sich Friedrich von Isenberg bestimmt nicht gedacht, dass er Einestages doch noch Held und ausversehen Mörder mit einer großen Mittelalterausstellung wird. Das LWL Museum für Archäologie in Herne sich des Kriminalfalls 1225 annimmt und daraus eine riesige Ausstellung macht. In drei Ausstellungshallen präsentiert das Museum für Archäologie die faszinierende Welt des hohen Mittelalters. Auf 1400 Quadratmetern erwartet den Besucher eine supergroße Objekt und Ausstellungsschau. Über 1000 Ausstellungsstücke wie das Museum mitteilt. Bühnenartige Themenräume und opulente Inszenierungen versetzen die kleinen und großen Gäste in das 13. Jahrhundert. Auf dem Außengelände wartet eine echte Turmhügelburg darauf, entdeckt zu werden – und um zu zeigen, dass das Ruhrgebiet auch heute noch Burgenland ist, haben sich elf Burgmuseen der Region der Ausstellung als Satelliten angeschlossen.  

Bildquelle: Plakat der Ausstellung

Das Mittelalter an Rhein und Ruhr wird in einer eigenen Ausstellungshalle präsentiert. In elf Themenbereiche gegliedert, werden die Lebensgeschichten Erzbischof Engelberts und seines Kontrahenten Friedrich von Isenberg  gezeigt. Nachfahren des Isenberges gibt es bis heute und sie besitzen die Burg Hohenlimburg bei Hagen, ganz in der Nähe von Gevelsberg.

Thematisiert werden das Familienleben und Ständewesen, Rechtsprechung und Gesetzgebung, von der Bedeutung der Kirchen und Klöster, vom Reisen und Rittertum, dem Burgenbau und die letzte große Ritterschlacht. Mittelalter wird versucht von den Ritterfilmen ala Hollywood näher ans sehr ernüchternde Original zu holen.

Das Leben auf einer mittelalterlichen Burg nimmt ebenfalls einen großen Raum der Ausstellung ein. Hier wird vorallem auf die jungen Gäste der Ausstellung spekuliert: Wie lebte man auf einer Burg? lautet daher die Leitfrage, die mit einigen Mitmachstationen ausgestattet ist.

Dass das Ruhrgebiet Burgenland war und ist beschreibt den letzten Fragekomplex der Ausstellung. Über 400 Burgen, die heute zum Großteil nicht mehr oder nur noch rudimentär erhalten sind, werden hier wieder sichtbar gemacht. Eine Familienausstellung im besten Sinne.




Mo 1. März 2010

Kunstausstellung Frida Kahlo im Martin-Gropius-Bau in Berlin

Nach ein paar Jahren kommt endlich wieder eine Frida Kahlo Ausstellung nach Deutschland. Nach der letzten großen Retrospektive in Hamburg, ist jetzt der Martin-Gropius-Bau Schauplatz der Ausstellung. Vom 30. April bis zum 9. August 2010 wird die umfangreiche Retrospektive, die später im Jahr nach Wien wandern wird in Berlin gezeigt.

Wohl wenige Künstlerinnen des 20. Jahrhundert haben die Phantasie vieler Künstlerinnen und Künstler und auch vieler Frauenrechtlerinnen bewegt, wie Frida Kahlo. Ihre Beziehung zu dem mexikanischen Dichter Diego Rivera, ihr Leid durch den tragischen Unfall, ihre Kunst und ihr Liebensleben haben immer wieder andere Künstlerinnen und Künstler inspiriert.

Die in Coyoacán, Mexiko-Stadt geborene Kahlo zählt zu den großen Identifikationsfiguren der mexikanischen und der ganzen lateinamerikanischen Kunst. Infolge eines Busunglücks im Jahr 1925 vor deren Folgen die Künstlerin sich nie wieder ganz erholte, litt Frida Kahlo zeitlebens an Schmerzen und den Folgen ihrer häufigen Operationen. Diese tiefgreifenden Erfahrungen prägten ihr Werk und ihre Welt.

Ihre Bekanntschaften mit Berühmtheiten ihrer Zeit wie Leo Trotzki, André Breton oder Nickolas Muray beeinflussen ihr ereignisreiches Leben. 1929 heiratete sie den berühmten mexikanischen Maler Diego Rivera, der sie in ihrem künstlerischen Werdegang unterstützte. In ihren Werken bezieht sich Frida Kahlo auf die frühe Kunst Mexikos, die der Azteken und der Mayas. Der Film “Frida” mit Selma Hayek in der Titelrolle hat die Frida-Rezeption der letzten Jahre massgeblich beeinflußt.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau wird mit circa 150 Arbeiten (Gemälde und Zeichnungen) die umfassendste Werkschau Frida Kahlos überhaupt sein.

Besondere Höhepunkte sind annähernd 90 zum Teil bislang unveröffentlichte Zeichnungen und ihre letzten Arbeiten aus dem Jahr 1954: Das in Öl gemalte Selbstportrait als Sonnenblume – es galt bislang als zerstört – sowie das gezeichnete Selbstportrait; beide sind erstmalig in Europa zu sehen.

Interessant wird auch der fotografische Aspekt in der Ausstellung sein. Es werden Fotos aus unterschiedlichen Lebensphasen der mexikanischen Ausnahmekünstlerin zu sehen sein: Frida als junges Mädchen, Frida mit ihrem Ehemann Diego Rivera, Frida im Bett liegend und ihr Korsett bemalend und etliche Einzelportraits, die sie als faszinierende Frau mit prächtigem Schmuck, folkloristischer Kleidung und selbstbewusstem Blick zeigen.

Anzeige:

Tipp: Agentur Korona in Zusammenarbeit mit der Kunstagentur Hoffmann bieten eine Kunstreise nach Berlin mit dem Besuch der Ausstellung Frida Kahlo an.




Mo 1. März 2010

Bundeskunsthalle zeigt die Schätze des untergegangenen Byzanz

Unermesslicher Reichtum, Zivilisation und Kultur, Gold und Handelsbeziehungen, so oder so ähnlich kann das Byzantinische Reich  während seiner fast 1000jährigen Geschichte beschrieben werden. Aber es war noch viel mehr und das zeigt jetzt die Bundeskunsthalle in seiner noch bis zum 13. Juni 2010 in Bonn. Es war lebendig, wandlungsfähig und multiethnisch. Es hatte eine funktionierende Verwaltung und ein klares Rechtswesen, Militär und Flotte waren gefürchtet. Klassische Bildung und Unterricht spielten eine große Rolle, Frauen konnten auch einflussreiche Positionen einnehmen. Das Byzantinische Reich, die glanzvollste Erscheinung des mittelalterlichen Europa, bewundert und beneidet von den Zeitgenossen, war eine Brücke von der Antike in die Moderne und verband gleichzeitig den Westen mit dem Orient.

Medaillon mit dem hl. Theodor, Museum KievBildquelle: Medaillon mit dem hl. Theodor, 1. H. 12. Jh., Museum of Historical Treasures of Ukraine, Kiev; © Museum of Historical Treasures of Ukraine, Kiev

Das Byzantinische oder Oströmische Reich hat eine mehr als 1000jährige Geschichte, von der Gründung Konstantinopels durch Konstantin den Großen (324) bis zur Eroberung durch die Osmanen (1453). Byzanz nimmt eine besondere Stellung unter den frühmittelalterlichen Staaten ein: Es war keine Neugründung, sondern die Fortsetzung des Römischen Reiches, das 395 in ein Ost- und Weströmisches Reich geteilt wurde. Während anstelle des Weströmischen Reiches die romano-barbarischen Reiche entstanden, blieb im Osten das Oströmische Reich bestehen. Erst seit der Neuzeit trägt es die Bezeichnung Byzanz.

Das besondere Charakteristikum des Byzantinischen Reiches war die ungewöhnliche Verbindung zwischen der Antike und dem Christentum: Während der christliche Glaube das religiöse Fundament des Reiches bildete, setzten die Byzantiner in ihrer Kultur, dem Rechtssystem und der Verwaltung die Traditionen der griechischen und römischen Antike fort. Bis zur Eroberung durch die Kreuzfahrer im Jahr 1204 hatte das Byzantinische Reich eine reiche und vielfältige Kultur und galt als Standard, an dem sich der Westen Europas gemessen hat.

Die Ausstellung „Byzanz – Pracht und Alltag“, die eigens für die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland entwickelt wurde, zeigt mit über 600 Leihgaben aus der ganzen Welt eine archäologisch-kunsthistorische Präsentation, mit dem Ziel, ein aktuelles Bild des Byzantinischen Reiches zu zeichnen. Anhand herausragender Kunstwerke, archäologischer Funde und neuester Forschungsergebnisse rekonstruiert die Ausstellung die byzantinischen Lebenswelten und beleuchtet die faszinierende Geschichte und Kunst des Byzantinischen Reiches. Im Zentrum steht die Blütezeit des Reiches von der Herrschaft Justinians I. (527–565) bis zur Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer (1204).




Mi 24. Februar 2010

Ich weiß gar nicht, was Kunst ist – Katalog für Ausstellung im MARTa Herford erschienen

Provokation, ehrliches Statement oder einfach ein Wink mit dem Zaunpfahl, wenn eine der aktuellen Schauen im Herforder MARTa überschrieben ist mit dem Titel: “Ich weiß gar nicht, was Kunst ist”.

Ein anonymer Sammler hat seine Kunstsammlung für diese Ausstellung im MARTa zur Verfügung gestellt. Es sind fast ausschließlich große Namen, die der ungenannte Privatsammler für eine Aus­stel­lung im Marta Herford zur Verfügung stellte. Da sind dann z.B. ein großartiges Rakelbild von Gerhard Richter oder ein erstaunlich frühes Pool-Bild von Luc Tuymans zu sehen, oder das berührende Mädchen-Porträt von Marlene Dumas oder das riesige Traumbild des viel zu früh verstorbenen Michael Buthe: Immer wieder überrascht die Ausstellung mit hochkarätigen Werken zeit­ge­nössischer Künstler, die bisher kaum zu sehen waren. 80 zum Teil erstmals öffentlich ge­zeig­te Gemälde, Skulpturen und sogar ein Super-8-Film von Marcel Broodthaers gibt es derzeit im Marta Herford zeitgleich (bis 18. April 2010) zur gewaltigen Werkschau von Martin Walde zu entdecken.

Der Titel lehnt sich an das Selbstverständnis des Sammlers an, der seine Freude an der zeitgenössischen Kunst immer nachgegeben hat, aber selber nicht als “wortgewaltiger Kunstkritiker” auftritt. Mäzenatentum mal anders und sehr wohltuend. Anscheinend gibt es sie noch die Menschen die auch Still Freude an ihrer Passion des Kunstsammlens ausleben können.

Nun ist für diese bemerkenswerte Schau, ein reich bebilderter Katalog erschienen, den man als preiswerte Broschüre wie ein kommentiertes Flanieren durch die Ausstellung lesen kann. Viele der präsentierten Werke werden in kurzen Erläuterungen besprochen und in einen größeren thematischen Zusammenhang gesetzt.

Daneben beschäftigt sich das Vorwort mit der Idee der Leidenschaft des privaten Sammelns, und ein lesenswerter Essay behandelt die Frage, was eigentlich “relevant” ist. Zum Nachschlagen gibt es außerdem ein vollständiges Verzeichnis der ausgestellten Werke.

Dieser Katalog ist für 4 Euro im Marta Bookshop erhältlich und natürlich liegt er zum anregenden Begleiten auch in der Ausstellung selbst aus. “Ich weiß gar nicht, was Kunst ist.” Einblicke in eine private Sammlung Katalogheft, 14,8 x 21 cm, Rückendrahtheftung 40 Seiten, 60 Farbabbildungen Autoren: Michael Kröger, Roland Nachtigäller, Thomas Niemeyer Herausgeber: Marta Herford gGmbH ISBN 978-3-938433-17-1, Preis: 4 Euro




Mi 24. Februar 2010

Gewinner des Berlinale-Foto-Nachwuchs-Projektes „Close Up!” stehen fest

Auf Initiative von C/O Berlin haben sich während der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin 18 junge Fotografen als professionelle Fotojournalisten auf die Jagd nach den besten Bildern rund um das Filmspektakel begeben. Alles war freigstellt, egal ob Starporträts, Ticketverkäufer der Berlinale oder der selbstkritische Blick auf die Eventfotografie – jeder der Nachwuchsfotografen sollte ein selbstgewähltes Thema visuell einfangen.

Die Serien wurden am Sonntag, den 21. Februar 2010, von einer Fachjury bei C/O Berlin gesichtet. Anschließend zeichnete der Schirmherr des Projektes Dieter Kosslick die Fotografien von Philipp Külker mit dem ersten Preis, einer professionellen Kameraausrüstung von Canon, aus. In seiner Serie „parallels” verbindet Philipp Külker, geboren 1986, fiktive mit realen Welten. Durch die Kombination von Filmplakaten mit echten Berliner Szenen wird die besondere Atmosphäre der Berlinale 2010, angesiedelt zwischen Promikult und Minusgraden, plastisch. Durch Reflektionen in den ausgestellten Filmplakaten verschwimmen dabei die Grenzen zwischen den beiden Ebenen und bilden ein subjektives Gesamtbild.

Sarah Brück und Milan Padilla haben den zweiten und dritten Platz belegt. Die Bilder aller teilnehmenden Fotografen werden bis 16. März 2010 in einer Ausstellung bei C/O Berlin präsentiert.

Dieses Projekt ist erfolgreich in der Nachwuchsförderung von Fotojournalisten – so ist der Gewinner von Close Up! aus dem Jahr 2007, Alexander Janetzko, seit diesem Jahr einer der drei offiziellen Berlinale-Fotografen.




Fr 19. Februar 2010

Thomas Dworzak im C/O Postfuhramt in Berlin

In Lagos‘ Broadstreet und New Yorks Wall Street herrscht die gleiche Atmosphäre globalen Glücksrittertums – eine Mischung aus kühlem Finanzpoker, überschwenglichem Amüsierwillen und einer All-you-can-get-Attitude. Dabei war Lagos lange Zeit keine Megacity wie New York.

Die größte Stadt Nigerias zählte 1901 gerade mal 37.000 Menschen, zwanzig Jahre später waren es bereits 100.000 und 1971 schon 1,2 Millionen. Heute leben im gesamten Bundesstaat 9 Millionen Einwohner, im Jahr 2020 werden es über 14 Millionen sein. Immer neue Satellitenvororte entstehen, lassen das Gebilde aus Lagos Mainland und seinen sumpfigen Inseln zu einer wuchernden Krake werden, die aus den Tiefen des Meeres zu kommen scheint und alles verschlingt. Lagos ist eine von zur Zeit 19 Megacities weltweit, in zehn Jahren werden es fast 30 sein. Was haben wir von diesen Städten zu erwarten, welches sind die Trends, die sich schon jetzt abzeichnen, wie ist die Stimmung in ihnen, wie der Einfluss der Architektur auf den Einzelnen, gibt es so etwas wie eine sichtbare Jugendkultur, ein urbanes Sein, aus dem sich etwas über die Zukunft ablesen lässt?

Es ist diese Dynamik, die die heutigen Megacites kennzeichnet, die Schnelligkeit, die Kompromisslosigkeit, die Verrücktheit. Und inmitten des Overkills sind es die Menschen, die versuchen, in ihnen zu überleben, die Hoffnung haben und Visionen und eine unbändige Energie. Die Modernität als Chance begreifen, um der Zukunft ein Bild zu verleihen, in dem sie selbst gern Teil sein möchten. Davon erzählt Thomas Dworzak in seinen Fotografien im Rahmen der Ausstellungsreihe The Megapolis Tour.

C/O Berlin präsentiert den dritten Teil von The Megapolis Tour. Zusätzlich wird eine Auswahl aus den ersten beiden Ausstellungen gezeigt: New York von Peer Kugler und Bombay von Johann Rousselot.

The Megapolis Tour stellt die 14 Städte vor, die 2010 am größten sein werden: Von Tokio mit prognostizierten 36,4 Millionen Einwohnern über Bombay, Sao Paulo, Mexiko City, Delhi, New York, Dhaka, Kalkutta, Shanghai, Karachi, Kairo, Lagos, Manila bis hin zu Buenos Aires. Je ein Fotograf zeigt seine subjektive Sicht einer dieser Stadtlandschaften. Zu jeder Serie gibt es einen eigenen Katalog mit allen Fotografien.

Thomas Dworzak, geboren 1972 in Koetzing, Deutschland, reiste zu Ende seiner Schulzeit durch Europa und den Mittleren Osten und begann, erste Fotoarbeiten zu realisieren. Er lebte in Avila, Prag und Moskau, studierte spanisch, tschechisch und russisch. Der Bürgerkrieg im früheren Jugoslawien brachte ihn nach Tiblis, Georgien, wo er von 1993 bis 1998 lebte. In dieser Zeit dokumentierte er die Konflikte in Tschetschenien, Karabakh (Azerbeidschan/Armenien) und Abchasien und arbeitete an einem länger angelegten Projekt über die Kaukasus-Region und ihre Bewohner. Von Paris aus begleitete er ab 1999 die Kosovo-Krise, hauptsächlich für US News und World Report.

Seit 2004 lebt Dworzak in New York – sein Fokus liegt seitdem auf der amerikanischen Politik und ihren Einfluss auf den Krieg im Irak. Zur Zeit arbeitet er zudem an dem Projekt „Valiassr“, einem fotografischen Essay über Teherans Hauptsstraße. Die Ausstellung läuft vom 6. bis 28. Februar 2010 im C/O Berlin, altes Postfuhramt.