KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Do 23. Februar 2017

Museum Abtei Liesborn zeigt „Kreuzphänomene“ von Bernard Langerock

Während der diesjährigen Passionszeit wird in der Kreuzsammlung des Museums Abtei Liesborn eine Fotoinstallation präsentiert. Die Installation trägt den Titel “Kreuz-phänomene” und besteht aus 43 gerahmten Fotografien, die zwischen 2008 und 2015 von Bernard Langerock (*1953 in Belgien, lebt und arbeitet in Düsseldorf) geschaffen wurden. Die Arbeiten liegen auf weißen Kissen auf dem Boden, was ihnen etwas Schwebendes verleiht. Sie scheinen sich zwischen Himmel und Erde zu befinden.

Bildquelle: Museum Abtei Liesborn

Bernard Langerock entdeckt in alltäglichen Kontexten Kreuzformen. Seine Fotoarbeiten spielen mit der Wahrnehmung des Betrachters. Eine Horizontale, die eine Vertikale im oberen Drittel kreuzt wird von Menschen, die christlich geprägt sind, als lateinisches Kreuz bzw. als Kreuz Christi gedeutet. Zufällige Erscheinungen – vom Künstler als Kreuzphänomene bezeichnet – werden durch den deutenden Blick des Fotografen und des Betrachters mit komplexen inhaltlichen Assoziationen aufgeladen.

Eine Kreuzerscheinung in Bremerhaven besteht aus einer schweren, gespannten Kette, welche den horizontalen Balken des Kreuzes darstellt und einer unscharfen Vertikalen. Die gespannte Kette weckt die Assoziation, dass es Christus durch seinen Kreuzestod gelungen ist, die Ketten des Todes zu sprengen. Die unscharfe, Erde und Himmel verbindende Vertikale steht in starkem Kontrast zur schweren Kette und verweist auf die transzendent-spirituelle Dimension des Kreuzigungsgeschehens. In dieser Ambivalenz erinnert die Arbeit an die „alten“ Kreuze, die in Liesborn zu sehen sind. Nicht wenige von ihnen thematisieren die zwei Naturen Jesu: die menschliche und die göttliche. Als Mensch hat er gelitten und ist gestorben. Seine göttliche Natur ermöglichte die Überwindung des Todes und die Auferstehung.

Dieses exemplarische Bildbeispiel verdeutlicht, dass sich die Besucher der Ausstellung auf eine individuelle Entdeckungsreise begeben, deren Verlauf von ihren eigenen Assoziationen geprägt wird.
Laufzeit der Ausstellung „Kreuzphänomene“ – Installation mit Fotografien von Bernard Langerock ist vom 1. März bis 15. April 2017

Öffnungszeiten des Museums Abtei Liesborn:
Di-Fr: 9-12 und 14-17 Uhr
Sa. + So.: 14-17 Uhr
Karfreitag geschlossen

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Do 23. Februar 2017

Skulpturenprojekte Münster startet in die 5te Auflage

Zum fünften Mal gönnt sich die Stadt Münster eine große Sommer Kunst Schau. Die Skulptur Projekte werden von 35 Künstlerinnen und Künstlern bestritten, die auf Einladung eine Arbeit in Münster realisieren. Das spannende ist, dass die meisten Arbeiten draussen zu sehen sind. Irgendwo im Stadtgebiet. Aber auch in den Museen, die die Veranstaltung vom 10. Juni bis zum 1.10.2017 ebenfalls mit ausrichten. War die Ausstellung 1977 noch sehr umstritten, mit den normalen „Provinzpossen“ im Verhalten der Einwohner, hatte sich die Ausstellung in den vergangenen Jahren zu einem Magneten für Kunstfreunde und Kunstfreundinnen und auch zu einem Renommierstück für die Einwohner gemausert.

Bildquelle: Sklupturenprojekte 2007 Plakat

Für die kommende Ausgabe fließen Themen der globalen Gegenwart und Reflexionen über zeitgenössische Begriffe von Skulptur in die künstlerischen Auseinandersetzungen genauso mit ein wie Fragen zum Verhältnis von öffentlichem und privatem Raum in Zeiten zunehmender Digitalisierung. Die Künstlerliste ist eine Mischung aus wirklich jungen Positionen aus der ganzen Welt, einigen bekannten europäischen und Deutschen Künstlern der älteren Generation und ein paar Kooperationen. Sogar ein aus Münster gebürtiger hat es in die Auswahl geschafft. Die angedachten Fragestellungen zu der globalen Gegenwart, werden sicher auch durch Positionen die die Brennpunkte der Welt in den Blick nehmen hinterfragt.

35 neue künstlerische Positionen zwischen klassischer Bildhauerei und performativer Kunst werden vom 10. Juni bis zum 1. Oktober 2017 in Münster zu sehen sein. Bei freiem Eintritt lockt das internationale Kunstereignis Besucher aus der ganzen Welt an.

Zwei junge Positionen die schon im Kunstverein Bielefeld und in Rheda-Wiedenbrück (Brachum Kunstpreis) auf sich aufmerksam machten dabei: Andreas Bunte und Christian Odzuck. Herzlichen Glückwunsch von dieser Stelle.

Veranstalter der Skulptur Projekte ist das LWL-Museum für Kunst und Kultur, Träger sind der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stadt Münster.

Hier ist die komplette Künstlerliste:

ARAKAWA, EI, BARTHOLL, ARAM, BAGHRAMIAN, NAIRY, VON BONIN, COSIMA, BUNTE, ANDREAS, BYRNE, GERARD, CAMP =(Anand, Shaina Sukumaran, Ashok ), MICHAEL DEAN, DELLER, JEREMY, EISENMAN, NICOLE, ERKMEN, AYŞE, FAVARETTO, LARA, FRIÐFINNSSON, HREINN, GINTERSDORFER / KLASSEN=(Gintersdorfer, Monika Klaßen, Knut ), HUYGHE, PIERRE, KNIGHT, JOHN, LE ROY, XAVIER , MATHERLY, JUSTIN, SANY (NYHOLM, SAMUEL), ODZUCK, CHRISTIAN, OGBOH, EMEKA, PELES EMPIRE =(Barbara Wolff ,Katharina Stöver )PIRICI, ALEXANDRA, ROTTENBERG, MIKA, SCHNEIDER, GREGOR, SCHÜTTE, THOMAS, SCHULTZ, NORA, SMITH, MICHAEL, STEYERL, HITO,TANAKA, KOKI, TUAZON, OSCAR, TUERLINCKX, JOËLLE, WYN EVANS, CERITH, YOUMBI, HERVÉ, WAGNER / DE BÚRCA (Wagner, Bárbara, Benjamin DE BÚRCA)

 

Bildquelle: Einweihung des Odzuck-Pavillions 2014

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Mi 22. Februar 2017

Emil Schumacher – Orte der Geborgenheit in Hagen

Unter dem Titel EMIL SCHUMACHER – ORTE DER GEBORGENHEIT wird das Schumacher Museum Hagen eine neue Ausstellung mit Werken des Meisters zeigen. AB dem 5. März bis zum 28. Mai 2017 wird in Hagen dass Haus als Ort der Geborgenheit als Hauptmotiv der Ausstellung zu sehen sein.

Bildquelle: Emil Schumacher Museum Hagen

In der Landschaft bietet es Schutz vor der unbändigen Natur, in der Stadt ist es Rückzugsraum für das von täglicher Mühe und Aufregungen der Zivilisation geschundene Individuum. Im Frühwerk beobachtete Emil Schumacher das Haus als Heim der Familie, wo Kinder die Fürsorglichkeit der Eltern erleben, und als Ort, der Erinnerungen an die Großelterngeneration birgt. Die Werkschau gibt zudem seltene Einblicke in das ganz private Familienleben des Malers, dessen Erleben er in Bilder von allgemeingültiger Aussagekraft übertrug. Im materialintensiven und farbgewaltigen Spätwerk wird das Haus zum symbolhaft konzentrierten Bildelement.

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Fr 17. Februar 2017

Jana Sterbak im Lehmbruck Museum Duisburg

Unter dem Titel Jana Sterbak – Life-Size. Lebensgröße zeigt das Lehmbruckmuseum in Duisburg eine große Schau zum Werk der tschechisch-kanadischen Künstlerin Jana Sterbak (*1955 in Prag).

Laufzeit der Ausstellung vom 11. März bis 11. Juni 2017.

In ihrem poetischen Werk begegnen uns Fleisch, Haut, Haare, Leder, Brot und Eis – Materialien, die unsere eigene Vergänglichkeit spürbar machen. Unter dem Titel „Life-Size. Lebensgröße“ stellt die umfassende Retrospektive im Lehmbruck Museum den Körper und sein Maß in den Mittelpunkt.

In ihrer legendären Arbeit „Vanitas. Flesh Dress for an Albino Anorexic“ von 1987, die im Zentrum der Schau steht, vernähte Jana Sterbak rohes Fleisch zu einem Kleid. Das Motiv des Fleischkleides wurde 2010 international bekannt durch die Popkünstlerin Lady Gaga.

Die Ausstellung, die in Kooperation mit der Galerie im Taxispalais Innsbruck entstanden ist, gibt erstmals seit 2002 im deutschsprachigen Raum einen retrospektiven Überblick über das Werk einer der bedeutendsten Protagonistinnen der Konzeptkunst. Nichts für schwache Nerven, kann man da sagen.




Fr 17. Februar 2017

Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten startet neu

Der hochdotierte Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten gekoppelt mit einer Ausstellung im Kunsthaus Nürnberg wird zum 25.Mal ausgeschrieben. Der Wettbewerb 2017. Es werden Preisgelder in Höhe von € 38.000 vergeben. Damit ist er einer der hochdotiertesten in Deutschland.
Der Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten richtet sich erneut sowohl an Künstlerinnen und Künstler, die in Franken und der angrenzenden Oberpfalz leben und arbeiten oder von hier stammen. Er bildet einen anspruchsvollen Schwerpunkt im Bereich der zeitgenössischen, gegenständlich orientierten Kunst. Die Jury ist neu besetzt und besteht aus Vorsitz: Prof. Dr. Julia Lehner Kunsthistorikerin Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, Joachim Bleistein Ausstellungsgestalter bis 2009 Geschäftsführer im Kunsthaus Nürnberg, Sabine Schnell-Pleyer Nürnberger Nachrichten, Toni Schnell Nürnberger Nachrichten, Wolfgang Stolpe Verlag Nürnberger Presse, Geschäftsführer der FREUNDE der ADBK, Jürgen Durner Maler Preisträger 2016, Sonderpreis des Verlegers, Bärbel Schnell Nürnberger Nachrichten.

Bildquelle: Logo des Kunstpreises der Nürnberger Nachrichten

AUSSCHREIBUNG (Auszüge, für alles Bitte beim Veranstalter schauen)
Die Unternehmensgruppe VERLAG NÜRNBERGER PRESSE stiftet 2017 zum 25. Mal den KUNSTPREIS DER NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
Die Auszeichnung besteht aus: einem 1. Preis (E 8.500) einem 2. Preis (E 5.500) einem 3. Preis (E 3.000) sowie weiteren NN-Kunstpreisen (jeweils E 2.000). Die 25. Auszeichnung zum KUNSTPREIS DER NÜRNBERGER NACHRICHTEN 2017 wird im Rahmen einer Ausstellung vergeben, die vom 13. Juli bis 3. September 2017 im Kunsthaus Nürnberg im KunstKulturQuartier gezeigt wird.
In dieser Ausstellung werden die von der Jury nominierten Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern präsentiert. Aus dieser Auswahl ermittelt die Jury die Preisträger des Wettbewerbs. Außerdem wird wieder der mit E 8.500 dotierte, unjurierte „Sonderpreis des Verlegers der Nürnberger Nachrichten” vergeben.
Zu der Ausstellung (Eröffnung und Preisverleihung am 12. Juli 2017, 20.00 Uhr) erscheint ein umfangreicher Katalog.

Bewerbungen um den 25. KUNSTPREIS DER NÜRNBERGER NACHRICHTEN 2017 sind ausschließlich einzureichen, zwischen 1. März und 31. März 2017
Informationen zur Online-Anmeldung und Online-Upload unter: www.nordbayern.de/kunstpreis
Schriftliche Bewerbung an: Verlag Nürnberger Presse Büro Stolpe Stichwort: NN-KUNSTPREIS Marienstraße 11 90402 Nürnberg
Alle Informationen auch online: www.nordbayern.de/ kunstpreis




Fr 10. Februar 2017

Willkommen im digitalen Wahnsinn – Kunst vermitteln ohne Kunst zu zeigen

Vor wenigen Tagen, begann für uns sichtbar die Diskussion über den Irrwitz der Bildrechteverwertungsregelungen in digitalen Zeitalter in Deutschland. Roland Nachtigäller, der Künstlerische Direktor des MArta Herford beschrieb die irrwitzige Situation. In seinem Museum können eigentlich keine Bilder von Künstlerinnen und Künstlern, die durch die VG Bild-Kunst  vertreten werden, mehr auf den Webseiten des Museums gezeigt werden. Weder als Ausstellungsdokumentation noch als historische Aufnahme.

Institutionell können auch Jahre später noch hohe Summen von Museen, Kunstvereinen und auch von Galerien gefordert werden. Begründung: Die Institutionen zeigen Arbeiten von vertretenen Künstlerinnen und Künstlern. Im digitalen Zeitalter wird eine Institution, die dort aktiv ist und sich zeitgemäß auch dort für die Kunst einsetzt bestraft. Vermutlich ist das auch nur in Deutschland so, auch wenn die ganze Welt, die Künstlerinnen und Künstler über diese Arbeit wahrnimmt. Egal.

Nur zum Verständnis: Das Künstlerinnen und Künstler von ihrer Arbeit leben sollen, dass die sozialen Sicherungssysteme auch für diese Berufsgruppe wichtig sind, das ist unbestritten. Und es geht bei den Museen und Kunstvereinen um Kulturvermittlung. Bei den Galerien kommt zusätzlich hinzu, dass ihr Geschäftsmodell in aller Regel auf den Verkauf von Kunst aufgebaut ist. Eine Aufgabe der Galerie ist es u.a. den Namen und das Werk eines Künstlers bekannt zu machen, durch Ausstellungen, Messen und/oder andere Marketingaktivitäten, um letztlich auch dem Künstler zu Einnahmen zu verhelfen. Alle Kunstinstitutionen und Galerien sind der Motor, der Kunst in die Gesellschaft holt.

Die Forderung digital endlich die Verwendung von Bildern freizugeben, wie Roland Nachtigäller sie fordert, die in den Häusern, mit dem Einverständnis der zeitgenössischen Künstler gezeigt wird, ist überfällig. Gebt die Bilder frei! Egal ob für Galerie, Museum oder Kunstverein. Weg mit diesen Abgaben. Mit einer z.B. von Roland Nachtigäller angeregten Abgabe auf digitale Geräte, die dann auch die privaten Fotos, millionenfach in Galerien, Museen und Kunstvereinen aufgenommenen und ins Netz gestellten Abbildungen von Kunstwerken würden die Abgabeausfälle für die Künstlerinnen und Künstler mehr als kompensieren. Und auch für die Musiker und überall, wo sich die Handys in die Luft strecken und die Fotos im Netz landen.

Kompensation kann ganz einfach sein.

Aber zurück zum Thema. Digital Abgaben zu erheben trifft die Museen und auch die Galerien an ihrem zentralen Feld. Der Visualisierung, warum ein Besucher in einen Kunstort kommen soll. Er soll etwas tolles und wichtiges oder verstörendes erleben, sehen, erfahren können. Und die Künstlerinnen und Künstler, die oft erst in Galerien und dann auch in Museen gezeigt werden, brauchen diese Bühnen um gezeigt zu werden.

Das die Galerien auch z.B. von Schulen besucht werden, dass auch hier bildungsferne Schichten ohne Eintritt Berührung zu Kunst bekommen, ist meist nicht so im Blick. Und das sind nicht nur die jungen, dass sind auch die anderen Altersgruppen. Mit den Besuchen gehen natürlich auch Fotografieaktionen der ausgestellten Kunstwerke einher. Diese Fotos sind je nach Anlass Unterrichtsmaterial oder Dokumentation des Ausfluges etc. Und das findet sich oft auf den Internetseiten der Besucher, z.B. in privaten Blogs oder auf Schulseiten auf denen Schüler über ihre Projektwoche und der Auseinandersetzung mit Kunst berichten.

Hier wird das Ungleichgewicht deutlich: Die Institutionen, die nicht nur die unkalkulierbare Abgabenlast für die VG Bild-Kunst rückwirkend schultern müssen, sind dieselben die auch die Künstlersozialkasse mit ihren Abgaben füllen. Als Galeriebetrieb ist man natürlich auch mehrwertsteuerpflichtig (für die Galerien in Deutschland kürzlich erst auf 19 % angehoben).  (Nur zur Abrundung, bei Kunstverkäufen aus dem Atelier ist der Mehrwertsteuersatz beim Künstler aber bei 7 % geblieben).

Für die aktuelle und die zukünftige Situation scheint es sich für die Kulturinstitutionen Museum und Kunstverein auf eine abbildungsfreie Internetpräsenz  mit Fotoverbot in den Ausstellungen hin zu bewegen. Damit sind die Künstler und ihre Kunst immer weniger breit in der Öffentlichkeit zu sehen.  Dass auch von immer mehr Kunstbloggern zu hören ist, die abgemahnt werden zeigt wie vielfältig das Feld ist.

Für die Galerien wird es auf eine gänzliche Verdrängung vom Markt hinlaufen. Die digitale Abgabenlast macht eine adäquate Onlinepräsenz unmöglich. Dazu kommt die Möglichkeit für Künstler auch rückwirkend einer Galerie die Verwendung ihrer Abbildungen  zu untersagen. Das klassische Galeriegeschäft einen Künstler zu fördern, um ihn oder sie groß zu machen, kann dann beim Verlassen der Galerie durch den Künstler zur Instrumentalisierung der VG Bild-Kunst führen. Nachträglich alle Bilder löschen zu müssen, wird dann vom Künstler über die Verwertungsgesellschaft gefordert, egal ob die historischen Beiträge vereinbart waren oder nicht. Die Ausstellungsdokumentation, in der nicht ein einzelnes Bild sonderen mehrere gezeigt werden scheint ausgenommen. Das bedeutet dann: nur noch Gruppenausstellungen, im eigenen Haus und/oder als Messestand. Keine One-Artist Shows mehr.

Steuerlich bereits vom Gesetzgeber schlechter gestellt zu sein und dann durch die Künstler erpressbar zu sein, macht das Basisgeschäft einer Galerie fast unmöglich. Vom Bundesverband Deutscher Galerien ist in dieser Sache nichts zu hören, schade eigentlich. In Punkto Galerie bleiben dann eben nur die großen internationalen Galerien über, die nicht in Deutschland ansässig sind oder einen Briefkasten auf den Bahamas oder demnächst in London haben.

Es verlieren aber alle, da die Künstler und Künstlerinnen vielleicht kurzzeitig einen neuen Abgabenstrom für sich generieren können, langfristig, aber nicht mehr in der Öffentlichkeit stattfinden und die kulturelle Vielfalt auch an dieser Stelle verloren geht. Auch die Verwertungsgesellschaften verlieren, weil viele Abgabenzahler schlicht nicht mehr da sind. Oder werden die Weggefallenen durch die vielen Banken, Anwaltskanzleien usw. die in den lokalen Medien mit Kunstausstellungen werben, dann die neuen Abgabenzahler, da sie bisher nicht behelligt werden? Und die Künstler, die digital ebenfalls wenig unterwegs sind, finden auch nicht mehr statt. Vielleicht noch in privaten Instagram oder Pinterest Accounts, aber nicht mehr eingebettet in gesellschaftliche Inhalte.

Ein staatlicher Verdrängungswettbewerb im eigenen Land gegen die Kreativwirtschaft und auch gegen die eigenen staatlichen und bürgerschaftlichen Einrichtungen.  Noch kann der Kurs korrigiert werden. Gebt die Bilder frei!




Mi 8. Februar 2017

SomoS Art House Berlin zeigt Christopher Sperandio

Am 23. Februar 2017 präsentiert SomoS Art House den amerikanischen Künstler, Schriftsteller, Pädagoge und Fernsehproduzent Christopher Sperandio. Sperandio wird eine Einführung in seine Arbeit und geben, und den Prozess hinter der Schaffung seiner satirischen und politisch aufgeladenen Graphic Novels zeigen. “Pinko Joe or Run! The Old World is Behind You!” 

Bildquelle: Christopher Sperandio, Grab, Graphic Novels

Nostalgischen Reliquien einer vergangenen Zeit, werden hierbei kritisch bewertet und handwerklich neu belebt, um neue Geschichten zu erzählen, die die aktuellen gesellschaftspolitischen Themen – vor allem die der Trump-Ära, verarbeiten. Es geht um die angeblich unangreifbaren Rechte von Frauen und Minderheiten – Jetzt sind diese Rechte erneut auf höchster politischer Ebene bedroht.
Der Künstler präsentiert seinen neuesten politischen graphic novel Pinko Joe, sowie einen Künstlergespräch über seine Arbeit während seiner Residenz im SomoS Art House. Die Ergebnisse davon sind eine Fortsetzung und Erweiterung zu Pinko Joe namens Greenie Josephinie, entworfen und illustriert in den letzten drei Monaten. Die Besucher sind eingeladen, sich die Dokumentation und erweiterte Beschreibungen des Schaffungsprozesses anzusehen, und einen ersten Einblick in die bisher unveröffentlichte Arbeit zu erhalten, in Form eines limitierten Drucks mit dem Titel „Pinko Joe oder Run! The Old World is Behind You! „, das speziell von Christopher Sperandio für SomoS Art House gestaltet wurde.
 
Die Broadsheet-Publikation erscheint am 23. Februar, und ist in begrenzter Stückzahl bis zum Ende der Ausstellung am 28. Februar verfügbar.  Christopher Sperandio über den Prozess der Entstehung seines neuesten Grafik-Romans:
 
« Ich benutze Public Domain-Comics als Rohmaterial für eine neue Grafik-Roman-Serie, die zum Teil politische Satire, und zum Teil Slapstick Komödie ist.  Die Hauptfigur ist ein sozialistischer Kämpfer für Menschenrechte, der sich dafür einsetzt, das Übel des Kapitalismus, und der Habgier der Unternehmen auszumerzen.  Der Schaffungsprozess beinhaltet auch die Auswahl von Geschichten aus bereits existierenden Büchern, die in den USA zwischen den späten 1940er und 1960er Jahren produziert wurden, als Vorlagen. Die Geschichten werden umgeschrieben und umgestaltet, manchmal nahe treu am Original, manchmal mit nötigen Änderungen. »
 
Sperandios künstlerisches Schaffen hat seinen Ursprung in der konzeptuellen Kunst und dem
politischen Aktivismus der 1960er Jahre, und besteht aus Grafische Romane, sowie Fernsehproduktionen, und sogar Malereinstallationen. Er interessiert und begeistert sich für die Arbeit der Situationistischen Internationalen (SI), der antiautoritären internationalen Bewegung der Avantgardekünstler, Intellektuellen und politischen Theoretiker der 60er Jahre.
 
Der Künstler wird auch einige seiner Werke ausstellen, und über die Grafischer Romane und seine Beteiligung an “Social Art Practices” sprechen.

WAS: Eröffnung, Präsentation, Künstlergespräch, Publikationsvorstellung mit Christopher Sperandio

WANN: am 23. Februar 2017 von 19:00 bis 21:00 Uhr

und am 24, 25, 28 Februar 2017 von 14:00 bis 19:00 Uhr und nach Vereinbarung (Freier Eintritt)

WO: SomoS Art House – Kottbusser Damm 95, 1. OG, 10967 Berlin

U8 Schönleinstrasse, Ausgang Schinkestrasse

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Mi 8. Februar 2017

Klaus Rinke, DERZEIT im Skulpturenpark Waldfrieden Wuppertal

Der Künstler Klaus Rinke zählt zu den Vorreitern der Prozesskunst in Deutschland. Sein Thema ist Zeit und Raum als „Primärdemonstration“.
Seit seiner Kindheit, in der er viel Zeit auf dem Gelände eines Bahnhofs verbrachte, sind die Uhren für ihn Symbol für die Kürze des menschlichen Lebens. In anderen Arbeiten wird das Element des sich stetig bewegenden Wassers zum übertragenen Sinnbild für das Verfließen der Zeit.


Bildquelle: Klaus Rinke, Privat

Die zentrale Rolle seines Schaffens spielen die Urkräfte der Natur, insbesondere die Zeit, die in seinen großen Bahnhofsuhren in der Ausstellung „DERZEIT – Über Zeit und keine Zeit mehr zu haben“ im Skulpturenpark Waldfrieden thematisiert wird.

Klaus Rinke (geb. 1939 in Wattenscheid) studierte nach seiner Ausbildung zum Dekorations- und Plakatmaler Malerei an der Folkwangschule in Essen (1957 bis 1960). Von 1960 bis 1964 unterhielt er verschiedene Ateliers in Paris und Reims. 1962 hatte er seine erste Einzelausstellung in der Galerie Le Portulan in Le Havre. 1965 kehrte er nach Deutschland zurück und zog nach Düsseldorf. Er gab die Malerei auf, um sich ersten Wasserarbeiten („12 Faß geschöpftes Rheinwasser“, 1969) und ersten „Primärdemonstrationen“ zu widmen. Eine rege internationale Ausstellungstätigkeit begann. Von 1970 bis 1976 veranstaltete er Performances und gemeinsame Ausstellungen mit Monika Baumgartl. Von 1974 bis 2004 war Rinke Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie Düssedorf. 1980 gründete er ein Zentrum für Kontemplation in Haan und unterhält seit 1981 ein Atelier und Wohnung in Los Angeles. Von 1993 bis 1998 war Klaus Rinke Vorsitzender des Künstlerverein Malkasten. 2007 zog er von Haan (bei Düsseldorf), wo er seit fast 30 Jahren lebte und arbeitete, nach Neufeldern in Österreich.

Die Ausstellung: Klaus Rinke, DERZEIT – Über Zeit und keine Zeit mehr zu haben, läuft vom 25. März bis 25. Juni 2017 in Wuppertal, Skulpturenpark Waldfrieden

Skulpturenpark Waldfrieden
Hirschstraße 12
42285 Wuppertal
Tel. +49 (0) 202 47898120
Fax +49 (0) 202 478981220

www.skulpturenpark-waldfrieden.de

Öffnungszeiten:
November bis Februar: Freitag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr
März bis Oktober: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 19 Uhr

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Mi 8. Februar 2017

Dresden Monument von Manaf Halbouni eröffnet

Die Stadt Dresden hat das Monument von Manaf Halbouni, drei vertikal gestellte Busse als Mahnmal für den Krieg in Syrien und vorallem in Aleppo für 3 Monate vor der Frauenkirche realisiert. Dieser spacige Anblick vor der wiederhergestellten Frauenkirche ist genau das, was moderne Kunst stark macht. Ein Störer, ein Hinweis, was noch so in der Welt passiert. Was eben nicht so weit weg ist, wie die Entfernungskilometer zwischen der Stadt Aleppo und der Stadt Dresden. Alles hängt mit allem Zusammen.
Und das macht das Monument deutlich.
Das ist seine Aufgabe, dass ist die Aufgabe von einem kritischen Dialog zwischen dem ruhigen Leben hier und dem nicht ruhigen in Aleppo. An der Stelle an der es steht, war jahrzehnte lang eine Ruine zu sehen. Die zerstörte Frauenkirche. Diese konnte durch viel internationales Engagement und Geld wieder aufgebaut werden. Menschen kamen für eine Sache zusammen die sie verbannt.

Die Zerstörung, die mit dem Bombardement am 13. Februar 1945 begann war für Dresden eine Katastrophe, die auch viele andere Großstädte vorher getroffen hatte. In Großbritannien, Frankreich, Belgien, Russland, Holland, Polen und all die anderen europäischen und asiatischen Länder die im Krieg gegeneinandern standen. Millionen von Menschen sind betroffen gewesen und die Wirkungen sind bis heute zu spüren. Wieder gehörte alles zu allem.

Und aus diesem Wissen müsste klar sein, dass soetwas nicht wieder passieren darf. Und wenn es passiert, darf der Teil der gerade nicht betroffen ist durchaus mal an einer empfindlichen Stelle gefragt werden: „wie hälts Du´s mit“, frei nach Goethe.

Diese Fragen darf und muss Kunst stellen. Wer mit diesen Fragen konfrontiert wird und reagiert, ist von der Kunst berührt. Und die Reaktion kann von Kopfschütteln, bis Staunen, Weinen oder wüten sein. Ob sich der „Berührte“ das eingesteht ist eine andere Frage, aber Kunst hat und soll berühren. Dann setzt denken ein. Und ob das Kunstwerk temporär oder dauerhaft dort steht ist egal, weil es jetzt wirkt und wir im Jetzt sind. In keiner anderen Zeit.

Und dafür gebührt Dank dem Dresdener Oberbürgermeister und allen, die sich für die Realisation von Manaf Halbounis Kunstwerk eingesetzt haben. Ein Störer an einer verstörenden Örtlichkeit.

Dresden das Elbflorenz, dass für Dichter und Denker einen Musenhof darstellte, ist durch viele europäische Künstler von Rang so geworden wie es aussieht. Immer kamen viele Menschen zusammen, sie mischten sich und gingen ihrer Wege. So wie die Geschichte Europas, diese kleinen Fleckchens Erde immer in Bewegung war. Je nach Jahrhundert ging es der Gegend gut und es ging anderen Gegenden schlecht, oder umgekehrt. Nie war das Ergebnis nur einem Moment der Geschichte, nur einer Bevölkerungsgruppe geschuldet oder verdankt. Auch als das Hochwasser 2002 kam waren viele helfende Hände angereist, haben viele von Nah und Fern geholfen mit Geld oder Sachleistungen. Immer wieder waren nicht nur die hiesigen Leute die Helden und die anderen die Nutzniesser.

Aber lebenswert ist Dresden nicht durch seine Gebäude, seine Kunstwerke und seine Geschichte, sondern durch die Menschen die in allen Zeiten dort gelebt haben. Schade, dass die Kulisse Dresdens einigen nur noch wenig gilt, wenn Kunst und Moderne einer zum Glück friedlichen und pluralen Gegenwart im vereinten friedlichen Europa diesen Ort beanspruchen. Man kann auch im Dialog und ohne Wut Argumente tauschen. Die Wut der Generationen gehört betrauert und kann dann geheilt werden, wenn man den will. Das geht sehr unterschiedlich still, im Gespräch, durch Kunst, beim Therapeuten, beim Holzhacken, im Glauben, oder, oder, oder. Aber für diese Wut-Heilung helfen keine inszenierte Pöbelattacken, medienwirksam vor historische Kulissen. Da ist es nicht mehr als Krawall. Mal heißen sie Hooligans, mal „abgehängte Bürger“, egal, verbinden tut sie die eigenen Freude an ihrer Medienwirksamkeit. Aber mit dem kulturhistorischen Dresden hat dieses Verhalten nichts zu tun und mit Volk schon gar nichts.

Die vielfältigen Veranstaltung rund um den Gedenktag 13. Februar in Dresden sind hier zu finden.




Mo 6. Februar 2017

Museum Europäischer Kulturen (MEK) in Berlin zeigt 1000 Tücher

Das ehemalige Kongresszentrum in Berlin, mit seiner prägnanten Dachkonstruktion (die schwangere Auster genannt) ist nach der Sanierung wieder offen. Das dort befindliche MEK präsentiert sich ab sofort mit neuem kurzen Namen, einem neuen Corporate Design dort wieder.
Neben jährlich wiederkehrenden Attraktionen wie den Europäischen Kulturtagen zeigt das Haus 2017 insgesamt vier Sonderausstellungen, darunter ein intergenerationales Projekt zum Thema Wolle.
Am Eingang zum Museum entsteht zudem in Zusammenarbeit mit dem Restaurant eßkultur ein neues gastronomisches und literarisches Angebot. Auch vernetzt sich das MEK vor Ort in Berlin-Dahlem und Steglitz-Zehlendorf verstärkt mit anderen Museen und Ausstellungshäusern, um für „Berlins Grünen Museumsbezirk“ zu werben.

Ab dem 3. März bis zum 25. Juni 2017 wird eine Ausstellung gezeigt, die sich gegen das Vergessen richtet. Genauer gegen das Vergessen des Krieges im ehemaligen Jugoslawien.

Im Zentrum der Präsentation „1000 Tücher gegen das Vergessen“ steht die „Rolle des Gedenkens“ (Rola sjeÄanja), ein Projekt der Schweizer Künstlerin Anna S. Brägger für den Berliner Verein südost Europa Kultur e.V. Das textile Kunstwerk erinnert an die Menschen, die seit 1991 während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien getötet wurden. Geflüchtete Frauen, die ihre Angehörigen, Freunde und Nachbarn verloren hatten, stickten die Namen und Lebensdaten der Toten auf Taschentücher und schmückten sie individuell aus. Damit verliehen sie ihrer Trauer gestalterisch Ausdruck. Anna S. Brägger fügte die gestickten Taschentücher zu fünf großen Stoffbahnen zusammen und schuf damit ein bewegliches, textiles Denkmal, das derzeit 47 Meter misst.

Sehr poetisch und würdevoll mit der Trauer umzugehen. In Sachen Vergessen und Trauer ein bisschen aus der Sicht der Kinder in dem zerrissenen Land/den zerrissenen Ländern zeigt, ist der Film „Enklave“, der eine deutsch-serbische Produktion ist und für Serbien in das Oscarrennen geht. Sehenswert.