KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Di 28. Juli 2015

Ingelheim zeigt Ausstellung Feininger-Kubin eine Künstlerfreundschaft

Die Schau der Grafischen Arbeiten von Lyonel Feiniger und Alfred Kubin im Alten Ingelheimer Rathaus wurde nicht nur in Fachkreisen sehr gut aufgenommen, da sie bislang Unbekanntes hervorgehoben hat, sondern auch das Publikum lobte die von Ulrich Luckhardt kuratierte und mit Überraschungen gespickte Auswahl an Werken zweier Ausnahmekünstler des 20. Jahrhunderts.

Ingelheim Bildquelle: Blick in die Ausstellung Ingelheim, artefakte

Durch die Publikation der gesamten Korrespondenz von Lyonel Feininger und Alfred Kubin wurde eine wichtige Primärquelle erschlossen, die tiefe Einblicke in beider Werk und Leben gibt. Auch bislang unbekannte Informationen zu der bedeutendsten Ausstellung der Moderne in Deutschland – dem Ersten Deutschen Herbstsalon in Berlin 1913 – werden im Ausstellungskatalog (Hatje Cantz) dargelegt und erörtert. Die Ingelheimer Ausstellung zeigt die enge und intensive Verbindung des als kühlen und klaren Bauhaus-Meister bekannten Feininger mit dem Zeichner dämonisch und grotesker Sujets.

In Ingelheim am Rhein ist die Schau noch bis kommenden Sonntag, dem 2. August im Alten Rathaus am François-Lachenal-Platz zu erleben und wechselt im Anschluss in die Albertina nach Wien (4. September 2015 bis 10. Januar 2016).




Mo 27. Juli 2015

3D-Rekonstruktion in der Restaurierung – Beispiel Lenbach Haus München

Das ist ja mal sehr interessant, was die 3D Scan und Druckertechnik auch für die Restaurierung bzw. die Rettung von kunsthistorisch wertvollen Objekten leisten kann. Oft sind diese Objekte ja immer wieder, natürlich zeitlichbezogenen Restaurierungen unterzogen worden. Diese haben nicht immer das Original und die Entstehungszeit beachtet, gerne aber den eigene Zeitgeschmack. Daher sind die Objekte oft weit entfernt von den Ursprüngen.
Und Teile fehlen oft ganz, so dass entweder etwas weiter Fehlt (Hand, Arm, Kopf etc.) oder es wird rekonsturiert. Die neuen Möglichkeiten von Scanverfahren und 3D-Druck sind schon erfreulich weit, wie jetzt das Lenbach Haus in München mitteilt.
Dort wird immer mal in Ausstellungen die eigene Sammlung die Franz von Lenbach als Kunstsammler zusammengetragen hat gezeigt. Künstler, auch Zeitgenossen von Lenbach waren oft kundige Sammler alter Kunst, nicht nur als Vorbilder oder Motivfundus für das eigene Werk, sondern oft auch als bewundernde Betrachter, die Werke vergangener Epochen zu schätzen wußten, als der zeitgenössische Mainstream diese nicht schätzte. Denkmal und Objektpflege sozusagen gleich mit.
Seid Juni 2015 wird nun erstmals in München ein lebensgroßes Kruzifix präsentiert, das 2014–15 im Zentrum der Restaurierungsaktivitäten des Lenbachhauses stand.

Lenbachkruzifix Bildquelle: Lenbach Haus, München

Die Skulptur ist durch Ausdrucksstärke, klare Formensprache und Feinheit des Schnitzwerks unverwechselbar und zählt zu den bedeutendsten Beispielen spätmittelalterlicher Kruzifixe aus dem süddeutschen oder Tiroler Raum.

Das Werk zeigt Spuren einer bewegten Geschichte: Es gelangte vom Kirchenraum ins Freie, von dort in den Kunsthandel und letztlich in Lenbachs Sammlung. Diese Vergangenheit ist am heutigen Erscheinungsbild der Skulptur deutlich ablesbar. Die ursprüngliche polychrome Fassung ist weitgehend verloren gegangen, mit ihr mehrfache spätere Überarbeitungen. Das Holz liegt großflächig frei, womit nicht mehr die Farbe, sondern die herausragende bildhauerische Qualität den Gesamteindruck prägt.

Durch eine intensive Untersuchung und Konservierung konnten fragmentarisch erhaltene Farbfassungen sichtbar gemacht und zeitlich zugeordnet werden. Damit wissen wir heute, dass das Kruzifix insgesamt drei Mal überfasst war. Jede dieser Überfassungen war farbig anders gestaltet, insbesondere die letzte wich deutlich vom originalen Stil ab.

Um das Kruzifix zu rekonstruieren und die verloren gegangenen Farbgebungen zu visualisieren, kam im Lenbachhaus erstmalig modernste 3-D-Technik zum Einsatz. Im Rahmen einer Kooperation mit Prof. Joerg Maxzin und Gerd Brändlein von der Technischen Hochschule Deggendorf wurde die originale Skulptur gescannt, virtuell teilrekonstruiert (Finger und Zehen) und in verkleinertem Maßstab 3-D-gedruckt. Auf Grundlage der Untersuchungsbefunde konnten in einem weiteren Schritt die Grundierung, Vergoldung und farbige Fassung auf den 3-D-Modellen ausgeführt werden: Modell 1 zeigt die originale, spätmittelalterliche Fassung, Modell 2 zeigt die dritte und letzte Überfassung. Beide Rekonstruktionen machen die Bedeutung der Farbgestaltung für die Wirkung des Kruzifixes auf eindrückliche Weise nachvollziehbar.

Im Rahmen der Konservierung wurde die äußerst gefährdete Skulptur erfolgreich in einen stabilen Zustand gebracht. Alle Fassungsreste sowie einige Holzpartien wurden gefestigt und lose Holzteile angebracht. Die Ergebnisse der Oberflächenreinigung ermöglichten wertvolle Hinweise für die Rekonstruktion der Farbgebungen. Unsere Rekonstruktionen stützen sich auf eine Vielzahl an Hinweisen, die hauptsächlich am Original gewonnen, aber auch durch Vergleichsbeispiele und den Austausch mit Experten ergänzt wurden.

Beispielsweise leitet sich die Formgebung der Finger und Zehen von der Schnitztechnik eines noch erhaltenen Fingers ab. Die Darstellung der Dornenkrone und des Strahlenkranzes basiert auf einer historischen Aufnahme des Kruzifixes um 1900, die noch beide Attribute zeigt.
Unsere Präsentation erlaubt die Zusammenschau von Original und Modell. Im Ergebnis stellen die zwei Modelle eine weitgehende Annäherung an die früheren Erscheinungsbilder dar. Der markante Unterschied der beiden Fassungen verdeutlicht die Rolle, die der Farbe als Gestaltungselement in der Gattung Skulptur zukam. Ein Element, das heute durch die Spuren der Geschichte verändert und sogar oft verloren ist.

Öffnungszeiten: Di 10-21 Uhr // Mi – So 10 – 18 Uhr
www.lenbachhaus.de




Fr 24. Juli 2015

Das Victoria & Albert Museum London zu Gast in der Kunstkammer Würth

Da ist der englische Humor nicht weit, wenn man den Titel der sehenswerten Sonderschau in der Kunstkammer Würth liest: Silberhirsch & Wunderprunk
Dahinter verbirgt sich einmal imperiale Prachtentfaltung an höfischen Tafeln der Hautevolee der vergangenen Zeiten und ein Sammlungsausschnitt des weltweit älteste und größte Museum für Design und Kunstgewerbe: Das Victoria & Albert Museum, London.
Es ist die Adresse wenn es um berühmten Silbersammlungen geht. Einige Hauptwerke sind jetzt zu Gast in der Kunstkammer Würth. Da in der Sammlung Würth auch einige exquisite Stücke zu finden sind, ist die Sonderschau jetzt die Gelegenheit diese tollen Stücke mal zusammen zu sehen.
Die Ausstellung ist daher wirklich interessant und spielt mit den Erwartungshaltungen der Besucher.
Die Ausstellung Silberhirsch & Wunderprunk Das Victoria & Albert Museum ist noch bis zum 10. Januar 2016
täglich 10 – 18 Uhr in der Kunstkammer Würth zu sehen.

Was steht dahinter: Weiterlesen »




Fr 24. Juli 2015

Sammlung Würth in Berlin zu Gast

Meisterwerke aus der Kunstkammer Würth sind im Berliner Bode-Museum auf der Museumsinsel zu sehen.

Unter dem Titel „Das Expressive in der Kunst“ ist eine frühneuzeitliche Kreuzigungsszene und mehr aus der Sammlung Würth in Berlin zu Gast. Diese Leihgabe steht im Zusammenhang mit dem Ausstellungsbesuch des Victoria und Albert Museums in der Sammlung Würth unter dem Titel: Silberhirsch & Wunderprunk zu sehen ist.

Ein Hauptakteur dieser neuen expressiven Strömung ist ein anonymer Künstler, der durch den Hauptaltar der Pfarrkirche St. Martin in Meßkirch bekannt ist. Wo der Künstler gearbeitet hat, ist unbekannt. Seine Malerei knüpft sowohl an die Nürnberger als auch an die Ulmer Malerei des frühen 16. Jahrhunderts an. Bis Januar 2016 ist seine monumentale Kreuzigung als Leihgabe der Sammlung Würth zu Gast im Bode-Museum. In dieser Sonderpräsentation wird sie gemeinsam mit stilistisch und thematisch verwandten Werken der Staatlichen Museen zu Berlin aus dem süddeutschen Raum ausgestellt.

Kabinettausstellung Das Expressive in der Kunst mit der Kreuzigung des Meisters von Meßkirch aus der Sammlung Würth im Bode-Museum, Berlin vom 23. Juli 2015 bis 3. Januar 2016

Hintergrund: In den ersten Jahren der Reformation im 16. Jahrhundert, als die Verehrung religiöser Bilder zunehmend den Verdacht der Götzenanbetung auf sich zog und vielerorts zum Bildersturm führte, schufen Maler, Bildhauer und Grafiker im süddeutschen Raum Kunstwerke von einer zuvor nicht gekannten Direktheit. Durch komplexe Bildräume, bewegte Draperien, Verzerrungen und starke Farbkontraste sollen die Werke den Betrachter emotional aufwühlen. Sie wecken das Mitgefühl des Betrachters und gewinnen den Themen, die zum Teil bereits seit Jahrhunderten künstlerisch umgesetzt wurden, ganz neue Akzente ab.

Und was im Bode-Museum oder in der Sammlung Würth so passiert:

Seit der Wiedereröffnung des Bode-Museums 2006 ergänzt die „Kunstkammer Würth“ im Bode-Museum mit ca. 30 Werken aus der Sammlung des Unternehmers, Kunstsammlers und Mäzens Reinhold Würth in idealer Weise die Bestände des Museums. Die üblicherweise hier präsentierten Kunstwerke werden zurzeit anlässlich der Ausstellung „Silberhirsch und Wunderprunk – Das Victoria & Albert Museum zu Gast in der Kunstkammer Würth“ in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall gezeigt. Bis zu ihrer Rückkehr im Januar 2016 ist ein Hauptwerk der altdeutschen Malerei aus der Sammlung Würth zu Gast im Bode-Museum: Die Kreuzigung Christi des Meisters von Meßkirch. Weitere Highlights der Sammlung Würth sind ab 11. September 2015 in der Ausstellung „Von Hockney bis Holbein“ im Martin-Gropius-Bau zu sehen.




Do 23. Juli 2015

Saarlandmuseum zeigt Max Slevogt – Ali Baba und Sindbad

Im Rahmen der Ausstellung Max Slevogt – Ali Baba und Sindbad werden rund 60 Arbeiten auf Papier aus den Beständen des Saarlandmuseums erstmals geschlossen gezeigt und wissenschaftlich erschlossen: Buchillustrationen Slevogts zu „Ali Baba und die vierzig Räuber“ sowie „Sindbad, der Seefahrer“. Max Slevogt, dessen Schaffen außerordentlich prominent in den Sammlungen des Saarlandmuseums vertreten ist, galt schon früh als „König der
Illustration“. Um 1900 entdeckte er die orientalischen Märchen aus 1001 Nacht für sich. Die Fantasie der Märchenerzählerin Scheherezade inspirierte ihn zu einer Fülle von kompositionellen Einfällen. 1903 wurde „Ali Baba und die vierzig Räuber“ als erstes von ihm illustriertes Buch veröffentlicht, 1908 erschien der Band „Sindbad, der Seefahrer“.

Slevogt - Skizzenblatt Morgiane Ali Baba

Bildquelle: Max Slevogt: Skizzenblatt mit dem Kopf der Morgiane, der stehenden Morgiane, dem stehenden Ali Baba und zwei Räuberköpfen, um 1898-1903 (aus „Ali Baba und die 40 Räuber“), Saarlandmuseum Saarbrücken, Stiftung Saarländischer Kulturbesitz

Die Graphische Sammlung beherbergt Schlüsselwerke rund um die beiden Buchproduktionen: 33 Illustrationen zu „Ali Baba“ sowie 15 Vorzeichnungen zu „Sindbad“, welche Slevogt in einem kunstvollen Album seinem Verleger, Bruno Cassirer, gewidmet hat. Zu Sindbad liegen des Weiteren 18 Lithografien und die gedruckte Erstausgabe des Buches mit Originallithografien vor.
Die Art, in der Slevogt sich dem Märchen „Ali Baba und die vierzig Räuber“ annäherte, ist maßgeblich geprägt von seiner Begegnung mit der Kunst Rembrandts. Wie diesem geht es Slevogt um das Fühlen und die Leide
nschaften der Menschen, die im Zentrum seiner Darstellungen stehen. Seine Illustrationen lösen sich aus der bis dahin in der Buchkunst gültigen dienenden Form und behaupten ihre Eigenständigkeit neben dem erzählenden Text.
Stilistisch reichen die Entwürfe von einfachen Umrisszeichnungen bis hin zu ausgearbeiteten
farbstarken Aquarellen und Gouachen. Der Künstler nutzte verfügbare Papiere unterschiedlichster Qualität und Größe, schnitt Gelungenes aus, klebte es neu auf und korrigierte ungeniert mit Deckweiß über Tusche. Vor der Veröffentlichung wurde das Arbeitsmaterial handschriftlich mit Hinweisen für die zu erstellenden Reproduktionen im Buch versehen.

Laufzeit der Ausstellung: 24. Juli bis 1. November 2015




Do 23. Juli 2015

Caritas – Nächstenliebe in der Kunst – Ausstellung in Paderborn

Das Diözesanmuseum Paderborn startet jetzt die Ausstellung „CARITAS – Nächstenliebe von den frühen Christen bis zur Gegenwart“ . Mit dieser Ausstellung wird die Mittelalterreihe des Museums prominent fortgesetzt.
Die vorangegangenen Ausstellungen waren: „799 – Kunst und Kultur der Karolingerzeit“ (1999), „Canossa 1077 – Erschütterung der Welt“ (2006), „Franziskus – Licht aus Assisi“ (2011/12) sowie „CREDO – Christianisierung Europas im Mittelalter“ (2013). Die Laufzeit der Ausstellung ist bis zum 13. Dezember 2015.

 

 

stiegemann-caritas-plakat-klein-_D752286-320x217Bildquelle: Prof. Christoph Stiegemann mit Plakat der Ausstellung

Rund 200 teils noch nie gezeigte, hochkarätige Leihgaben aus deutschen und europäischen Sammlungen und den USA zeichnen ein umfassendes Bild der verschiedenen Formen tätiger Nächstenliebe und ihrer Institutionalisierung bis in die unmittelbare Gegenwart. Dabei spannt sich der Bogen von antiken Sarkophagen und Zeugnissen früher Christen, Kostbarkeiten mittelalterlicher Buchmalerei und Schatzkunst über Gemälde bedeutender Künstler wie Raffael, Lucas Cranach d.Ä., Peter Paul Rubens, Eugène Delacroix, Ernst Ludwig Kirchner, Pablo Picasso und Käthe Kollwitz bis zu Foto- und Videoarbeiten von Vanessa Beecroft und Bill Viola. Zu den Leihgebern zählen etwa die British Library, der Louvre, das Metropolitan Museum, die Ungarische Nationalgalerie und die Vatikanischen Museen.

Von der Antike bis zur Gegenwart

Zu Beginn der Ausstellung erwartet den Besucher ein zentrales Dokument der Christenheit, der kostbare Papyrus 46 aus der Chester Beatty Library in Dublin (175-225 n. Chr.). Es ist eine der ältesten Abschriften des berühmten Briefes, den der Apostel Paulus an die Korinther schrieb: „[…] Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1. Kor. 13,13). Die Liebe wird hier zur höchsten der christlichen Tugenden ernannt. Die frühen Christen waren der festen Überzeugung, dass alle Menschen, gleich welcher Herkunft, Kinder Gottes seien und somit einander lieben und einander helfen sollen. Konsequent erhoben sie dieses neue Menschenbild zur Maxime ihres Handelns. Ein Gedanke, der im Römischen Reich geradezu revolutionär war, dienten hier Wohltaten doch eher zur Untermauerung des Führungsanspruchs hochgestellter Persönlichkeiten, wie das kostbare Konsulardiptychon aus dem National Museum in Liverpool vor Augen führt (513).

Anschließend wendet sich die Schau der Institutionalisierung der Caritas in den Herrschaftsgebieten römischer Kaiser, mittelalterlicher Könige und Bischöfe sowie in den entstehenden Städten zu und zeigt die Gründung der ersten Hospitäler, Armen- und Waisenhäuser in Zeiten von Hungersnöten, Pest und Krieg. Die Vorstellung, dass jeder für seine guten Werke auf Erden im Himmel entlohnt würde, spielte eine wichtige Rolle und schlug sich künstlerisch u.a. in zahlreichen bildlichen Fassungen der „Sieben Werke der Barmherzigkeit“ nieder. Mit dem prachtvollen elfenbeinernen und edelsteinverzierten Einband des Psalters der Königin Melisende aus der British Library ist eine der ältesten Darstellungen der „Werke der Barmherzigkeit“ zu sehen (1131-1143).

In der Zeit von Humanismus und Aufklärung seit dem 16. Jahrhundert änderte sich das Menschen- und Weltbild grundlegend: man suchte das Wirken Gottes in der Ordnung der Welt zu erkennen, diese in ihren Gesetzen sichtbar zu machen und zu erklären. An die Seite der Klöster trat zunehmend die institutionalisierte städtische bzw. frühstaatliche Fürsorge mit ihren Versorgungseinrichtungen. In dieser Zeit entsteht auch der Bildtypus der Caritas als liebende Mutter mit ihren Kindern, dem die Ausstellung eine eigene Abteilung widmet. Als einer der Höhepunkte kann das Museum eine einzigartige Altartafel von Raffael zeigen (1507), eine Leihgabe der Vatikanischen Museen.

Den Herausforderungen durch Massenverelendung im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurden neuen Formen karitativer Hilfeleistung in staatlichen und kirchlichen Initiativen entgegengesetzt. Ein eigenes Kapitel stellt das Wirken karitativer Verbände, aber auch internationaler Hilfsorganisationen vor der Folie der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts dar. Auf eindringliche Weise wird diese Zeit in Werken illustriert wie dem Ölgemälde „Ausgabe der Morgensuppe“ von Norbert Goeneutte aus dem Musée d’Orsay in Paris (1880), den Radierungen von Käthe Kollwitz aus „Ein Weberaufstand“ (1893-1897) sowie die vom Schrecken der Schützengräben gekennzeichnete Interpretationen des „Barmherzigen Samariters“ von Ferdinand Hodler, Ernst Barlach und Erich Heckel.

Ausgewählte Positionen der Gegenwartskunst verdeutlichen, dass Mensch- und Mitmenschlichkeit auch heute Thema künstlerischer Auseinandersetzungen sind. Die Videoarbeit „Observance“ von Bill Viola (2002) sowie die Fotoarbeiten „Sourround“ von Danica DakiÄ (2003/2008) und „South Sudan“ von Vanessa Beecroft (2006). In einer multimedialen Filminstallation begegnen die Besucher schließlich Menschen, die sich heute für andere einsetzen: etwa einem ehrenamtlichen Mitarbeiter der Welthungerhilfe, dem rappenden Altenpfleger Idref oder der Gründerin der Bielefelder Initiative für „Unbedacht Verstorbene“. Sie erzählen von den persönlichen Beweggründen ihres Handels und laden zum Nachdenken ein.

Das Begleitprogramm
Auch das umfassende Begleitprogramm setzt sich mit der Gegenwart auseinander. So liest der diesjährige Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Navid Kermani aus seinem Roman „Ungläubiges Staunen“, in dem er als Muslim einen Blick auf die Bildwelt des Christentums wirft (29.10.) und in der Podiumsdiskussion „Die Welt iSst nicht gerecht“, die gemeinsam mit der Welthungerhilfe durchgeführt wird, sprechen Experten wie Filmemacher Valentin Thurn über Nahrungsmittelverschwendung (16.10.). Die inklusive Autorengemeinschaft „(k)EIN Kommentar“ stellen ihre selbstverfassten Texte zur Ausstellung vor (20.9.) und Flüchtlinge von 1945 und von heute berichten, was es bedeutet, alles hinter sich zu lassen (26.11.).

Neben dem breiten Führungsangebot mit u.a. öffentlichen Führungen, Angeboten für Gruppen, Familien und Schulklassen werden auch besondere Programme für Menschen mit Behinderung angeboten. Weitere Infos auch unter blog.caritas-ausstellung.de, und #DioezMuseum_PB

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Oscar Andrés Kardinal Rodríguez Maradiaga, SDB, Präsident von Caritas Internationalis. Der Kardinal zählt zu dem achtköpfigen Kardinalskollegium um Papst Franziskus und wird im September nach Paderborn kommen. Zudem wird die Ausstellung in Kooperation mit dem Caritasverband im Erzbistum Paderborn e.V. durchgeführt, der im Jahr 2015 unter dem Titel „Caritas ist Liebe“ sein 100jähriges Bestehen feiert.

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Mi 22. Juli 2015

Otto Piene Licht – und Feuer in Münster

Eines der speziellen Highlights der laufenden Ausstellung Otto Piene – Licht im Landesmuseum Münster ist das Kunstwerk „Schwarzer Komet“ (1989/90) von Otto Piene. Es ist nicht nur Teil der Ausstellung es schmückt neben weiteren großformatigen Feuerbildern und Gemälden die Wände des Raums „Licht und Farbe“. Seine früheren Experimente mit Rastersieben inspirierten den Künstler ab 1959 zu der Arbeit an Rauchzeichnungen. In dieser Zeit arbeitete er erstmals mit dem Element Feuer und seiner „natürlichen Wirkform“, dem Rauch. Pienes Ziel war es, eine weitere Facette des Lichts, mit dem er sich so verbunden fühlte, zu inszenieren.

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Bildquelle: Otto Piene, Schwarzer Komet, 1989/90, Leihgabe der Westfälischen Provinzial, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015.Foto: LWL/Neander

Piene entwickelte diese experimentelle Malweise weiter und so entstanden um 1961 die ersten durch Feuer verursachten Bilder. Die Feuerbilder bestehen oft aus einem schwarzen Zentrum mit einer helleren, zu den Rändern hin auslaufenden Fläche und einem Bildhintergrund in leuchtenden Farben, wie das strahlende Sonnengelb des „Schwarzen Kometen“. Durch das Aufbringen von dunkler Farbe auf einer Leinwand, die Piene zusätzlich mit einer Firnis behandelte und mit Streichhölzern entzündete, entstanden die Feuerbilder. Während des Brennvorgangs bewegte er die Leinwand, damit sich die wieder flüssig gewordene Farbe verteilen konnte. Frei von äußeren Einflüssen, wie zum Beispiel den Stimmungen des Künstlers, hinterließen das Feuer und der Rauch so ganz eigene Spuren auf der Leinwand. Für Piene war klar: „Nicht ich male sondern das Licht“.

Das Medium Feuer ermöglichte dem Künstler, im Schaffensprozess eine gewisse Distanz zu seinen Kunstwerken aufzubauen.

Laufzeit der Ausstellung Otto Piene. Licht 13. Juni bis 20. September 2015

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Sa 18. Juli 2015

An der Belgischen Küste mit Beaufort 2015 unterwegs sein

Seit Jahren kann man die belgische Künste wunderbar mit der Straßenbahn erkunden. (Die Kunsttram verbindet die Künstenorte schon seit 125 Jahren miteinander und ist als Verkehrsmittel und als Sightseeinggefährt unschlagbar. Immer ma Wasser lang). Für Kunstfreunde und Kunstfreundinnen ist ein besonderes Highlight die alle drei Jahre statt. Die Kunsttriennale Beaufort.

Oostende Beaufort Bildquelle: Projekt Water in Oostende, Plakat im Rahmen von Beaufort 2015

Vom 21. Juni bis einschließlich 21. September pulsiert die Küste wieder im Rhythmus der Kunsttriennale Beaufort 2015. Diesmal sind die Naturschutzgebiete Zwin, Raversyde und Nachtegaal als Kulisse für jeweils eine Gruppenausstellung einbezogen. Letztere stehen wiederum über 10 Kunstwerke in 10 Küstengemeinden miteinander in Verbindung. Wenn man nicht nur umsonst und draussen unterwegs ist, sondern auch einige der Museumspunkte besuchen will, gibt es für 5€ eine Eintrittskarte die den Sommer (Laufzeit der Ausstellung) über gilt. Schön ist, dass es auch fertigte Programme gibt, z.B. 48 Stunden, die mit wenig Zeit, doch fast alle Highlights erreichbar machen.
Siehe www.beaufort2015.be. – See more at:

Bildquelle: Fotoimpression von Beaufort 2015

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler:

Scott King, Katinka Bock, Marti Anson, Thomas Galler, Marti Anson, Marc Bijl, Otto Berchem, Alessandro Pessoli, Ingrid Luche, Lucile Desamory, Katinka Bock, Nicoals Provost, Mark Manders, Kasper Bosmans, Charis Benhelima, Matias Faldbakken, Domenico Mangano, Zhou Tao en Superflex




Fr 17. Juli 2015

Picasso Museum Münster zeigt Ausstellung Jean Cocteau trifft Pablo Picasso

Im Picasso Museum Münster startet die Ausstellung Jean Cocteau und Pablo Picasso ab dem 18.7.2015. Jean Cocteau öffnete Pablo Picasso die Türen der mondänen Pariser Welt, beide reisten 1917 mit dem Ensemble des „Ballet russes“ nach Italien und durch ihre schöpferische Zusammenarbeit entstand im selben Jahr nach einer Idee von Cocteau das legendäre Ballett „Parade“, für das Picasso kubistisch inspirierte Kostüme und das Bühnendekor entwarf. Die zwei Künstler teilten die Leidenschaft für griechische Mythologie und in Cocteaus Film Le testament d’Orphée erscheint Picasso sogar kurz vor Cocteaus Kamera.

Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller beschreibt Jean Cocteau als schöpferischen Tausendsassa: „Cocteau war Dichter, Dramatiker, Essayist, Maler, Zeichner und Keramiker in einer Person. Schreiben ist für ihn Zeichnen und Zeichnen wiederum eine Art zu schreiben.“ Wortgewaltig verteidigte Cocteau die Kunst Picassos, der sich im Gegenzug von dessen Sprachwitz künstlerisch inspirieren ließ und auch selber literarisch aktiv war, indem er surrealistische Gedichte und mehrere Bühnenstücke schrieb.

Die Ausstellung „Cocteau trifft Picasso“ stellt das Schaffen der beiden Freunde und ihre wechselseitige Befruchtung dialogisch gegenüber: Von der Porträtkunst über mythologische und erotische Themen zu Stierkampf, Zirkus und Theater präsentiert die Schau die gemeinsamen Leidenschaften der beiden, die sie in ganz unterschiedliche Bildsprachen übersetzten. Die Werke stammen aus dem Kunstmuseum Pablo Picasso Münster und aus der privaten Cocteau-Kollektion des griechischen Sammlers Ioannis Kontaxopoulos, deren Arbeiten bisher noch nie in Deutschland gezeigt wurden. „Einen Teil dieser Sammlung möchte ich Markus Müller für das Picasso-Museum im Anschluss an die Ausstellung als Dauerleihgabe übergeben“, kündigt Kontaxopoulos an. So werden zukünftig 50 Originalzeichnungen von Cocteau die Grafikbestände des Museums erweitern und neben Picasso, Braque und Chagall ein neues Zuhause in Münster finden.

Beide waren fast ein halbes Jahrhundert miteinander befreundet. Ihr Kennenlernen 1915 in Paris verglich Cocteau mit einem Stromschlag, der das Leben und Schaffen der beiden für immer verändern sollte. Hundert Jahre nach ihrer ersten Begegnung erinnert das Picasso-Museum in der großen Ausstellung „Cocteau trifft Picasso“ (18.7.-18.10.2015) mit rund 400 Grafiken, Zeichnungen und Künstlerbüchern an die facettenreiche und äußerst kreative Freundschaft zwischen den beiden Künstlern.

Parallel dazu präsentiert das Picasso-Museum zwei weitere große Künstler in der Ausstellung „Moderne Zeiten – Léger trifft Chaplin“. Fernand Léger war zeitlebens ein großer Bewunderer Charlie Chaplins. In seinem Film „Ballet Mécanique“ – einem der Meilensteine des Experimentalfilms – setzt Léger Chaplin durch die Kreation einer tanzenden Holzpuppe, die er auf den Namen „Charlot cubiste“, also „kubistischer Tramp“ taufte, ein avantgardistisches Denkmal. Insbesondere das Spätwerk von Fernand Léger, der in den 1930er- und 40er-Jahren in New York lebt, scheint immer wieder ein zentrales Thema aus den Filmen Chaplins aufzugreifen: das Leben im modernen Großstadtalltag. So bevölkern Bauarbeiter auf Stahlgerüsten in schwindelerregender Höhe, Nachtschwärmer im Lichte gigantischer Reklametafeln, Menschen im Schwimmbad und modisch gekleidete Radfahrer seine Bildkompositionen. „Die Ausstellung präsentiert neben dem zeitlosen Experimentalfilmklassiker „Ballet Mécanique“ Fernand Légers leuchtend- farbenfrohe Lithografien seines Spätwerks, die in einen spannenden Dialog mit dem filmischen Schaffen Charlie Chaplins treten“, kündigt Museumsmitarbeiter und Kurator Alexander Gaude an.

Öffnungszeiten:  Di-So, Feiertage 10-18 Uhr, montags geschlossen, Geschlossen am 3.10., 24.12., 25.12 und 31.12.2015




Fr 17. Juli 2015

Skulpturenpark Waldfrieden Wuppertal zeigt Ausstellung von Lynn Chadwick

Chadwick? Wer? diese Frage wurde 1956 beantwortet, als der damals junge Bildhauer im Alter von nur 42 Jahren den Preis für Skulptur der Biennale von Venedig bekam.

Der Künstler gehörte damals zu einer jungen Generation englischer Bildhauer, die mit vielen ästhetischen Konventionen gebrochen hatten. Statt mit traditionellen Materialien wie Holz, Stein oder Ton arbeiteten sie mit Gips, Eisen und industriellen Werk­stoffen. Die zerklüfteten Ober­flächen ihrer Skulpturen waren Ausdruck des Bemühens um eine Dematerialisierung der Masse und eine Lebendigkeit der Linie. Das raue England, dass auch in der Malerei zu finden ist und in Ausstellungen z.B von Frank Auerbach in Bonn oder letztens in Münster zu sehen war.

Die Ausstellulng von Lynn Chadwick (1914-2003) die jetzt im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal zu sehen ist, zeigt eine Auswahl von Bronze­arbeiten des Künstlers aus den 50er und 60er Jahren.  Seine Metall­skulpturen, die sowohl vom menschlichen Körper als auch von der Natur inspiriert wurden und deren Formen­sprache der reinen Abstraktion zum Teil sehr nahe kommt werden jetzt in Wuppertal bis Oktober zu Gast sein. Die Ausstellung entstand in Zusammen­arbeit mit der Galerie Blain|Southern.

Laufzeit der Ausstellung: 18. Juli bis 18. Oktober 2015

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