KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Do 17. April 2014

Meister von Liesborn im Stadtmuseum Münster

Auch im Stadtmuseum Münster wird den kommenden Festtagen entsprechend auf die Passionsgeschichte verwiesen. Im Kabinett “Spätmittelalter” der Dauerausstellung ist das Tafelgemälde “Kalvarienberg” zu sehen (Foto).

Meister von Liesborn

Zugewiesen wird das aus der Zeit um etwa 1490/1500 stammende Gemälde dem Maler Johann von Soest, dem sogenannten Meister von Liesborn. Es schmückte einst als zentrale Altartafel einen großen Flügelaltar. In der ehemaligen Abtei Liesborn ist heute ein sehenswertes Museum mit der weltweit größten Kruzifixsammlung zu Hause

Dargestellt ist Christus am Kreuz zwischen den beiden Schächern vor einem Landschaftshintergrund. Unter dem Kreuz ist auch Maria, Johannes, der gute Hauptmann oder der blinde Longinus zu sehen. Im vierten der 33 Kabinette im Stadtmuseum sind noch weitere Bilder aus der Passionsgeschichte zu sehen.

Öffnungszeiten: Karfreitag bis Ostermontag (18. bis 21. April) jeweils von 11 bis 18 Uhr, am 22. April bleibt das Museum geschlossen. Der Eintritt ist frei.




So 13. April 2014

Unendlicher Spaß in der Frankfurter Schirn

Immer schneller, höher, weiter – so lautet das Credo einer grenzenlosen Gesellschaft. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bewegt sich der Mensch zwischen Euphorie und Depression, ist konfrontiert mit verheißungsvollen Möglichkeiten einer globalen und virtuellen Welt und der Herausforderung, das eigene Leben ständig zu verbessern, zu optimieren und effizienter zu gestalten. Diesem Phänomen widmet die Schirn Kunsthalle Frankfurt vom 5. Juni bis 7. September 2014 eine umfassende Ausstellung. Die Präsentation entwirft mit Arbeiten von 18 zeitgenössischen Künstlern, darunter Maurizio Cattelan, Peter Coffin, Judith Hopf, Andrea Fraser, Claire Fontaine, Alicja Kwade, Ryan Trecartin oder Daniel Richter, ein Bild dieser Gegenwart, in deren Zentrum das Individuum selbst steht. Analog der Erzählstruktur des titelgebenden Jahrhundertromans von David Foster Wallace „Unendlicher Spaß“ („Infinite Jest“) betrachtet die Ausstellung die unterschiedlichen Anforderungen, die an das Ich heute gestellt werden und in denen sich die Widerstände und Widersprüche einer solchen, gerne als alternativlos bezeichneten Wirklichkeit bemerkbar machen.

Schirn_Presse_Unendlicher_Spass

Lara Favaretto

Tutti gìu per terra (We all fall down), 2004

Konfetti, Industrie-Ventilatoren
Maße variabel
Installationsansicht, Sharjah Art Foundation
Privatsammlung, Vancouver
Courtesy the artist und Galleria Franco Noero, Turin

Ebenso wie der in einer nahen Zukunft spielende Roman von Wallace seismografisch mögliche Ergebnisse und Folgen der Erlebnis- und Spaßgesellschaft aufzeichnet, die sich gleichzeitig als Leistungsgesellschaft darstellt, zeigen die Kunstwerke der gleichnamigen Schirn-Ausstellung, wie die Auswirkungen und Auswüchse der Gegenwart zu einem schier endlosen Kreisen des Menschen um sich selbst führen. Welche Methoden und Wege finden und erfinden wir, um uns stetig zu optimieren und zu perfektionieren und somit den Anforderungen der modernen Gesellschaft zu genügen? Themen wie Sucht in ihren unterschiedlichsten Ausformungen, die Verortung des Ichs, Depression, Sinnentleerung oder auch Absurdität, Irrationalität und eine bis ins Tödliche führende Ironie werden zur Diskussion gestellt. Der vor einigen Jahren in der Literatur aufgekommene Begriff des „hysterischen Realismus“ wird in den gezeigten Arbeiten visuell und konzeptionell nachvollziehbar.

„Begriffe wie ‚Quantified Self‘, ‚Bodyhacking‘, aber auch ‚Burnout‘ geistern durch die Medien. Absolute Optimierung und Perfektion sind in der heutigen globalen Welt von jedem Einzelnen gefordert, rund um die Uhr. Welche Kehrseiten und Folgen hat dieses stete Zirkulieren des Menschen um sich selbst? In unserer diesjährigen Sommerausstellung wollen wir diese gesellschaftlichen Phänomene aufgreifen und Raum für eine künstlerische Auseinandersetzung bieten“, so Max Hollein, Direktor der Schirn.

Matthias Ullrich, Kurator der Ausstellung: „So viel Ich war nie: Wir drehen uns unentwegt um uns selbst. Und alles um uns herum dreht sich mit. Jeder Einzelne muss mit den Geschehnissen in der momentanen Lebenswelt zurechtkommen, sich persönlich verorten oder vielleicht sogar Überlebensstrategien hierfür entwickeln. Die in der Ausstellung präsentierten Künstler zeigen ihre Bilder von der unendlichen Kreisbewegung um das Individuum. Sie werfen Fragen auf, die uns alle beschäftigen, und spielen mit Situationen, in denen wir uns alle wiederfinden.“

David Foster Wallace gibt in seinem Roman „Unendlicher Spaß“ keine Ratschläge, wie sich der Einzelne in der harten Realität des Lebens, im absurden Wahnsinn des Alltäglichen, in diesen durch Internet, virtuelle Welten und unterschiedlichste Kommunikationskanäle gekennzeichneten schnelllebigen Zeiten zurechtfinden kann. Seine Gesellschaftsdiagnose bleibt negativ. Er entwirft Bilder und Geschichten, in denen etwa Lust und Schmerz, Vergnügen und Sucht, Religion und Wahnsinn, Privat und Öffentlich, Traum und Wirklichkeit, Ernsthaftigkeit und Ironie, Unterhaltung und Tod für jeden nahe beieinander liegen und um die sich im Alltäglichen alles dreht.

Die 18 nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstler der Schirn-Ausstellung „Unendlicher Spaß“ reflektieren in ihren Werken diese im Roman thematisierten Vernetzungen, zwischenmenschlichen Beziehungsstrukturen und subtilen Zusammenhänge, in denen es stets vorrangig um das Individuum geht. Jedem von ihnen steht innerhalb der Ausstellungsarchitektur ein eigener Raum zur Verfügung. Die Räume sind labyrinthartig miteinander verbunden – ähnlich dem literarischen Aufbau des Romans. In unterschiedlichen künstlerischen Gattungen, wie Installation, Film, Gemälde oder Performance, halten die in der Gruppenausstellung vertretenen Künstler unserer Gesellschaft im Ganzen, aber auch jedem Einzelnen den Spiegel vor. Sie begeben sich an die Schwelle eines neuen Zeitalters, in dem der sogenannte gläserne Mensch vielmehr im digitalen, sozialen Netzwerk lebt, als sich dessen nur bedient, und in dem das Leben selbst zum Optimierungs- und Erlebnisprojekt wird.




So 13. April 2014

Kunstprojekt TATORT PADERBORN – Phänomen Fußgängerzone

Das Kunstprojekt „Tatort Paderborn“ ist ein künstlerischer Blick auf die Eigenheiten im Inneren unserer Städte. Im Fokus: Die Fußgängerzone. Zur Zeit entstehen die Arbeiten von 12 Künstler/innen und Künstlergruppen, die ganz unterschiedliche Aspekte beleuchten. Kurator Florian Matzner hat vor allem Vertreterinnen und Vertreter einer jungen, international agierenden Künstlergeneration eingeladen. Ihre Arbeiten werden ab dem 29. Mai 2014 als Installation oder Performance, als Skulptur oder Intervention rund 100 Tage in der Paderborner Innenstadt präsent sein.

Tatort PaderbornEntwurf für Wäschespinne am Rikus-Brunnen – Arbeit von Benjamin Bergmann

Während Clea Stracke und Verena Seibt (München) performativ das Pflaster vergolden, trägt Markus Ambach (Düsseldorf) Werbeschilder und Stadtmöblierung zu einer Skulptur zusammen. Ooze Architects (Rotterdam) legen einen Heilkräutergarten in großen Kisten vor der Marktkirche an, Benjamin Bergman (München) hinterfragt das Private und das Öffentliche in dem er einen vorhandenen Brunnen mit seiner absurden Wäschespinne krönt. Die Künstler_innen des diletanntin produktionsbüros (Bremen) tauchen subversiv und an unterschiedlichen Orten mit einem ungewöhnlichen Verkaufswagen auf.

Dorothea Golz (Wien) lässt uniforme Sitzbänke gegen ihr Kommunikationsmöbel „Chair to share“ austauschen. Huang Yong Ping (Paris) spielt mit christlicher und zugleich fernöstlicher Symbolik, wenn er einen riesigen Schlangenkäfig neben die Shoppingmeile stellt. Silke Wagners (Frankfurt a.M.) große Neon-Arbeit in Form eines Pfaus leuchtet erst nach Münzeinwurf und entzieht sich der Vereinnahmung als Stadtdekoration auf subtile Weise. Das Lebenszeichen an sich, die Atmung, ist das tragende Element der zweiteiligen Video- und Klanginstallation von Claudia Brieske (Berlin), die eine Senke am Dom mit einer Tiefgarage verbindet. Um radikale Abkehr vom Reichtum geht es in der Videoarbeit von M+M, Martin De Mattia und Marc Weis (München), die eine zentrale Szene aus der Geschichte des Hl. Franziskus aufnimmt.

Der mitten in der Innenstadt gelegene Raum für Kunst, ein Paderborner Künstlerkollektiv, wird mit wechselnden Ausstellungen und Aktionen im Innen- und Außenraum vertreten sein. „später sein wird“, die Arbeit von Christian Hasucha (Berlin), wurde bereits Mitte 2013 realisiert. Seiner großen Skulptur im Umriss eines Apfelbaums wächst von innen ein natürlicher Baum entgegen.

 




Mo 7. April 2014

Marta Preis der Wemhöner Stiftung 2014 geht an Heike Mutter und Ulrich Genth

Der Marta Preis der Wemhöner Stiftung 2014 geht an Heike Mutter und Ulrich Genth. Mit zum Teil spektakulären Installationen erkundet das Künstlerpaar in ihrem Werk das Spannungsverhältnis von öffentlichem Raum und künstlerischer Intervention. Dabei sind die beiden Künstler mit einer Forscherhaltung unterwegs, die die örtlichen Gegebenheiten ebenso befragt wie die skulpturalen Möglichkeiten des Materials. Ihr bekanntestes Projekt wurde sicherlich „Tiger & Turtle“ in Duisburg, eine weit sichtbare zur Achterbahn gewundene Treppe. In Wolfenbüttel wiederum rätselten die Bürger wochenlang, was es mit der plötzlich aufgetauchten zusätzlichen Figur auf einem Reiterstandbild auf sich haben könnte. Und die „Garten_Landschaft OWL“ bereicherten sie 2013 mit einem höchst eigenwilligen „Pavillon“ im Schlosspark Wendlinghausen.

„Mit der Auszeichnung von Heike Mutter und Ulrich Genth wurde ein weiterer wichtiger Schritt für den Ausbau der noch jungen Sammlung Marta gemacht. Im Jubiläumsjahr zum 10-jährigen Bestehen des Museums 2015 wird ein Werk Einzug in die Sammlung halten, das mit präzisem Blick und sinnlicher Erfahrbarkeit sein Thema höchst intelligent bearbeiten wird,“ ist sich Roland Nachtigäller, Künstlerischer Direktor des Hauses sicher.

Die sieben köpfige Jury, bestehend aus Heiner Wemhöner, Annabelle Gräfin von Oeynhausen- Sierstorpff, Dr. Hannes Frank, Dr. h.c. Lutz Teutloff, Dr. Reinhard Spieler, Dipl.-Hdl. Margrit Harting und Roland Nachtigäller, war sich trotz der hohen Qualität aller nominierten Künstler bald einig und votierte einstimmig.

Der „Marta Preis der Wemhöner Stiftung“ ist mit 25.000 Euro dotiert und sieht in zweijährigem Rhythmus die Beauftragung eines hochrangigen künstlerischen Werks für die Sammlung Marta vor. Dieses soll mit Blick auf den Sammlungs- und Ausstellungsschwerpunkt des Museums – die lebendige Auseinandersetzung mit internationaler Gegenwartskunst und Fragen zu Design und Architektur – vor Ort entwickelt werden.




Mo 7. April 2014

Erwin Wurm in Frankfurt – One Minute Sculptures

Liegestütze auf Kaffeetassen, Balancieren auf Orangen oder auf einem Besen fliegen, alles ist möglich – für eine Minute. Das Städel Museum zeigt vom 7. Mai bis 13. Juli 2014 die Ausstellung „Erwin Wurm: One Minute Sculptures“. Im Städel Garten, im Metzler-Saal, in der Sammlung der Alten Meister und der Kunst der Moderne platziert der österreichische Künstler Erwin Wurm (*1954) ältere sowie spezifisch für die Städel Sammlung entwickelte Werke aus seiner Serie der One Minute Sculptures. Die interaktiven Arbeiten fordern die Besucher dazu auf, die sie umgebenden Kunstwerke des Museums nicht mehr nur zu betrachten, sondern diese und sich selbst neu zu erfahren. In Form von Zeichnungen oder kurzen schriftlichen Anleitungen werden sie instruiert und dazu ermutigt, für die Dauer von 60 Sekunden zum Kunstwerk, zur One Minute Sculpture, zu werden. Seit 1997 entsteht diese Werkreihe von Erwin Wurm und wird vom Künstler in Fotografien und Videos dokumentiert. Zusätzlich zu den lebenden Skulpturen, mit denen die Besucher temporärer Teil der Städel Sammlung werden, sind im Metzler-Foyer rund 20 ausgewählte Fotografien und Filme aus dieser Serie zu sehen. Die Präsentation wird am 6. Mai 2014 um 19.00 Uhr mit einem öffentlichen Vortrag des Künstlers im Metzler-Saal eröffnet.

Erwin Wurm

Foto: Erwin Wurm (*1954) – Erwin Wurm, Performance Grammaire Wittgensteinienne de la culture physique

Erwin Wurm, geboren 1954 im österreichischen Bruck an der Mur, ist einer der erfolgreichsten Gegenwartskünstler seiner Generation. Seit mehr als zwei Jahrzehnten hinterfragt er aus verschiedenen Blickwinkeln unseren traditionellen Skulpturbegriff. Von seinen frühen minimalistischen Kleiderskulpturen (seit den späten 1980ern) über die immateriell-ephemeren One Minute Sculptures bis hin zu den grotesk verzerrten oder aufgedunsenen Objekten wie Fat Car (2000/2001) oder Fat House (2003) arbeitet Wurm sich konsequent an der Erweiterung unserer Vorstellung davon ab, was eine Skulptur sein kann, wenn sie nicht mehr aus Bronze gegossen oder aus Marmor gemeißelt wird. Mit seinen Arbeiten, die in den letzten Jahren weltweit in umfangreichen Einzelausstellungen gezeigt wurden, ist er in internationalen Sammlungen wie jener des Guggenheim Museums in New York oder des Centre Pompidou in Paris vertreten.

Im Städel Museum wird der Besucher bereits am Haupteingang von der ersten One Minute Sculpture empfangen, die dazu einlädt, sich auf allen Vieren auf ein Podest zu knien. Folgt der Besucher dieser Anweisung, wird er zum wartenden Hund vor dem Museum und zitiert somit eine frühe Arbeit der österreichischen Aktionskünstlerin Valie Export (*1940), in der die Künstlerin in der Tradition des Wiener Aktionismus Peter Weibel als Hund durch die Wiener Innenstadt führte. Auf seinem Gang durch die Städel Sammlung mit Werken aus 700 Jahren Kunstgeschichte findet der Besucher eher zufällig weitere Sockel, Stühle und andere Displays mit Handlungsanweisungen vor. Die von Erwin Wurm platzierten Aufforderungen stehen etwa in den Räumen der Altmeistersammlung vor niederländischen Gemälden und italienischer Kunst des Spätmittelalters oder in der Sammlung der Moderne vor impressionistischen Werken und neben expressionistischen Skulpturen. Im Metzler-Saal, umgeben von Thomas Demands Rauminstallation Saal (2011), treffen die One Minute Sculptures schließlich auf zeitgenössische Kunst. Von dort eröffnet sich auch der Blick in den Städel Garten, wo Besucher hockend, hüpfend oder, mit dem Finger in der Nase, auf einem Bein stehend als One Minute Sculpture weiteren Handlungsanweisungen Erwin Wurms folgen können.

Während 60 Sekunden als Lebenszeit einer Skulptur im klassischen Sinne überaus kurz erscheinen, ist das Verharren eines lebendigen Körpers in einer einzigen Position über diesen Zeitraum eine wahre Herausforderung. Das Bewusstwerden über den eigenen Körper, seine Möglichkeiten und seine Grenzen sowie die Beherrschung desselben sind wichtige Aspekte im Werk Erwin Wurms. Durch die aktive Teilnahme des Besuchers, der als One Minute Sculpture gleichzeitig lebendes Kunstwerk und Modell, Performer und Assistent des Künstlers sowie dessen Material ist, hinterfragt Wurm nicht nur den traditionellen Skulpturbegriff, sondern darüber hinaus auch die Schnittstellen zwischen Performancekunst und Alltag, die Rolle des Betrachters und die Grenzen der Gegenwartskunst. Während nach Auflösung der temporären Skulptur nichts als die Erinnerung daran bleibt, verweisen die Fotografien und Videos im Metzler-Foyer des Städel Museums auf die Anfänge der One Minute Sculptures von Erwin Wurm 1997.




Mo 7. April 2014

Kunst im öffentlichen Raum – Beethoven von Markus Lüpertz

Mit der eigens für Bonn geschaffenen Bronzeskulptur von Markus Lüpertz startet die Stiftung für Kunst und Kultur ihre Initiative für Kunst im öffentlichen Raum.

Markus Luepertz BeethovenFoto: Stiftung für Kunst und Kultur e.V. – während der Enthüllungsverein in Bonn

 „Beethovens dramatische Lebensumstände, sein Genie, seine Verletzlichkeit verlangen eine dramatische Interpretation dieses Giganten. Ich habe einen Versuch gestartet, Beethoven mit einem intensiven Kunstwerk gerecht zu werden“, so Markus Lüpertz zu seinem Werk und erläutert weiter: „Darüber hinaus ist es für einen Künstler eine wunderbare Aufgabe, den großen Sohn einer Stadt wie Bonn in seiner Kunst zu feiern. Beethoven ist Bonner und die Stadt hat immer lebhaftes und aktuelles Interesse an Beethoven und seinem Werk gezeigt. Sich da einzureihen und mitzuwirken, ist für mich eine große Ehre.“

Kunst im öffentlichen Raum als Impulsgeber

Als Kulturstadt und wichtige Rheinmetropole zeigt Bonn immer wieder aufs Neue, dass sie die Gegenwart im Einklang mit der Tradition definiert und sich als Forum für internationale Kunst- und Kulturprojekte bewährt hat. Die Umsetzung des Projektes »Kunst im öffentlichen Raum« der Stiftung für Kunst und Kultur ist auch ein besonderes Zeichen für Privatengagement und versteht sich als Beitrag zur kulturellen Vielfalt der Stadt mit der Absicht, der Auseinandersetzung um die Rolle Bonns als Kulturstadt innovative Impulse hinzufügen.

„»Kunst im öffentlichen Raum« bedeutet Auseinandersetzung und Diskussion und wir sind uns im Klaren darüber, dass die öffentliche Inszenierung von Kunst mit derart hochkarätigen Künstlern nicht ohne Reibungsverluste ablaufen kann. Gerade diese Art der Auseinandersetzung ist eine wünschenswerte Konsequenz, die das Projekt mit sich bringt. Denn Kunst verliert nie ihren Anspruch, aufregend zu sein“, fasst Walter Smerling, Vorsitzender der Stiftung für Kunst und Kultur, die Anstöße, die insbesondere von Kunstprojekten im öffentlichen Raum ausgehen, zusammen und erklärt: „Die Enthüllung des „Beethovens“ von Markus Lüpertz soll die Auseinandersetzung zwischen Kunst und Musik fördern und versteht sich als konstruktiven Beitrag, aktuellen kulturpolitischen Fragen nachzugehen. Wir erhoffen uns davon notwendige Denkanstöße, die die Stadt braucht, um in einem permanenten Prozess ihre gegenwärtige Position und ihre zukünftige Rolle neu zu bestimmen.“

Der Künstler und sein Werk

Markus Lüpertz (*1941) – Maler, Bildhauer, Grafiker, Dichter – ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Künstler. Seine Skulpturen stellen keine Illustrationen dar, sondern sind vielmehr freie Interpretationen des jeweiligen Themas. So ist die eine Portraitbüste der zwei-köpfigen, 2,70 m-hohen und ca. 1.100 kg-schweren „Beethoven“-Skulptur der Persönlichkeit und dem Genie des berühmten Komponisten gewidmet, wohingegen die andere dessen Werk visualisiert. Damit erhält Bonn einen neuen „Beethoven“, der die Riege der vorhandenen Skulpturen und Büsten durch ein zeitgenössisches Werk abrundet und das Bild des Stadtgartens bereichern wird.

Fortsetzung im Mai mit Anthony Cragg

Die Stiftung für Kunst und Kultur, seit der Gründung 1986 in Bonn ansässig, beabsichtigt, ihre Initiative für die Kunst im öffentlichen Raum ihrer Heimatstadt fortzusetzen. Geplant ist, weitere Künstler nach Bonn einzuladen, die mit Arbeiten, die eigens für ausgewählte Plätze im Stadtraum entstehen, zeitgenössische Antworten der Kunst auf die Rheinmetropole formulieren. Als nächstes Projekt wird eine Skulptur des englischen Bildhauers Anthony Cragg mit dem Titel „Mean Average“ für den Remigiusplatz der Öffentlichkeit vorgestellt. Durch das Engagement der Mitglieder der Stiftung und die bereitwillige Unterstützung durch private Förderer konnten damit bereits zwei international renommierte Künstler für die Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Bonn gewonnen werden. Die Aufstellung von „Mean Average“ ist für Mai 2014 geplant.




Mi 2. April 2014

Kunstverein Bielefeld erhält den ADKV-ART COLOGNE Preis 2014

Der Bielefelder Kunstverein wurde durch eine unabhängige Jury zum diesjährigen Träger des mit 8.000 Euro dotierten Preises für Kunstvereine gewählt.

BKV_Team_Vorstand_2012-2014

Vorstand und Team des Bielefelder Kunstvereins: Hintere Reihe (v.l.n.r): Laura von Schubert, Thomas Thiel (Direktor), Andreas Wannenmacher (Vorsitzender), Uli Horaczek, Michael Fröhlich (Schatzmeister), Dr. Frank Duwe; Vordere Reihe (v.l.n.r.) Sarah Kindermann, Christine Jodar, Anna Jehle
Foto: Philipp Ottendörfer

Die Jury hebt mit ihrer Entscheidung die entschlossene und konstante Auseinandersetzung mit Fragen des institutionellen Auftrags und der Bedeutung partizipatorischer, gesellschaftlicher Formate hervor. Sie betont in ihrer Begründung:

»Der Bielefelder Kunstverein besticht mit seinem Gespür für neue künstlerische Positionen und seinem Mut diese in überraschenden Formaten darzustellen. Er ist damit ein hervorragender Reflexionsort innerhalb der zeitgenössischen Kunst in Deutschland. Mit Innovationsreichtum und einer poliperspektivischen Herangehensweise zeigt er früh ganz ungesicherte neue Gedanken und produziert komplexe und konsequente Konzepte, die lokal und international verankert sind. Veranstaltungen, die den Wirkungsraum des Kunstvereins nach außen erweitern, interdisziplinäre Netzwerke schaffen und dabei den Ortsbezug als elementaren Vermittlungs- und Partizipationsauftrag begreifen, prägen das Profil des Preisträgers. Im Diskurs um die Zukunft von Wissensproduktion und die Rolle der Institution, wie zuletzt im Projekt »Museum Off Museum«, zeigt sich der Kunstverein als offener und dialogischer Raum, der mit Weitblick un d Präzision wirkt.«

Der Preis wird am Samstag, 12. April 2014, um 16 Uhr auf der ART COLOGNE-Stage in Halle 11.3 der ART COLOGNE verliehen.

Begrüßung: Daniel Hug, Direktor der ART COLOGNE und Gerrit Gohlke, ADKV-Vorstand.

Laudatio: Rein Wolfs, Intendant der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland




Fr 21. März 2014

Katja Seib und Benjamin Zanon erhalten mfi-Stipendium

Die Studierenden Katja Seib und Benjamin Zanon der Kunstakademie Düsseldorf erhalten das mfi Stipendium 2013. Das Essener Immobilienunternehmen management für immobilien AG (mfi) vergibt das Stipendium alle zwei Jahre. Mit dem Stipendium in Höhe von 20.000 Euro werden Kunststudenten aus den Bereichen Malerei und Bildhauerei gefördert. „Mit dem Stipendium möchte mfi vielversprechende, künstlerische Ansätze und die Weiterentwicklung außergewöhnlicher Begabung fördern“, sagt Dr. Marion Agthe, Kunstbeauftragte der mfi AG. „Die Stipendiaten können sich damit ohne Sorge um ihr Einkommen weiter entwickeln und künstlerisch betätigen.“

SeibKatja Seib

 Professor Dr. Robert Fleck, Prorektor der Kunstakademie Düsseldorf, zeigt sich über die Stipendiaten des mfi Stipendium 2013 begeistert: Katja Seib, seit vergangenem Jahr Meisterschülerin bei Professorin Tomma Abts an der Kunstakademie Düsseldorf, verbindet in ihrer Malerei Elemente der Figuration, der Abstraktion und des Dekorativen zu Bildern, die – auf verführerische und provokante Weise zugleich – die Rolle der Frau und Künstlerin in den Geschlechterverhältnissen der Gegenwart befragen. Das Besondere der Malerei Seibs: Die von Werk zu Werk neue Einfachheit und die selbstironische Provokation bringen Elemente der Frische in eine mit Bildern überfrachtete Lebensumwelt.

ZanonBenjamin Zanon

Benjamin Zanon, der seit 2009 Student des Fachs „Freie Kunst“ bei Professor Richard Deacon an der Kunstakademie Düsseldorf ist, verwendet in seiner künstlerischen Arbeit die Medien Radierung, Tuschemalerei, Zeichnung und Holzbildhauerei in einer gleichwertigen, sie in einen ständigen Dialog setzenden Weise. Zanon entwickelte mit der Zeit in der Klasse von Deacon ein eigenständiges, bildnerisches Vokabular: Es entstand seine einzigartige zellenartige Formensprache, die er auf abstrakte Holzskulpturen übertrug. Seine neuesten künstlerischen Arbeiten sind Tuschemalereien aus feingliedrigen Tannenast-Formationen, die „unmögliche“ pflanzliche Gebilde darstellen. Bedeutsam bei Zanon ist nach Professor Fleck, dass in seiner sehr poetischen Kunst die Befragung des Naturbegriffs als eigenständiges Thema hervortritt.

Das mfi Stipendium wurde erstmals 2011 vergeben. Claudia Mann, seit 2008 Studentin bei Professor Didier Vermeiren an der Kunstakademie Düsseldorf, erhielt das Stipendium für ihre künstlerische Leistung im Bereich der Bildhauerei. Das mfi Stipendium 2011 für Malerei wurde an Julia Rothmund, die seit 2003 bei Professor Herbert Brandl an der Kunstakademie Düsseldorf studiert, vergeben.

Die offizielle Vergabe an Seib und Zanon wird Anfang Mai dieses Jahres im Museum Folkwang in Essen stattfinden – zusammen mit der Verleihung des mfi Preises 2013 an den in München lebenden Künstler Olaf Metzel. Er erhält den mfi Preis, der mit 50.000 Euro zu den höchstdotierten Kunstpreisen Deutschlands zählt, für seine Installation „Noch Fragen?“.

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Fr 21. März 2014

Im Dialog: Wiener Aktionismus im Museum der Moderne Salzburg

Das Museum der Moderne Salzburg widmet erstmalig eine eigene Ausstellung Künstler_innen und Werken aus der Sammlung, die mit dem sogenannten Wiener Aktionismus assoziiert werden. Zusätzlich werden in einem Raum Werke von Künstlerinnen gezeigt, die einen gänzlich anderen Körperbegriff und ein neues Frauenbild ins Zentrum rücken und in Zusammenhang damit eine Medienkritik einbringen. Dieser spezielle Fokus auf die Sammlung des Museum der Moderne Salzburg erschließt überraschende Bestände, die durch ihren Umfang und mit bislang kaum gezeigtem Material beeindrucken. Aus dieser Vielfalt kann eine Geschichte der Repräsentation von körperbezogener Kunst abgelesen werden, die deren Entwicklung in den letzten Dekaden verdeutlicht.

Diese Ausstellung findet zeitlich parallel zur Retrospektive von Ana Mendieta und inhaltlich in Dialog mit ihrem Werk statt. Während ihres Studiums bei Hans Breder am Intermedia Program an der School of Art and Art History der University of Iowa, USA, das dieser ab 1968 mehr als drei Dekaden lang geführt hatte, wurde Mendieta mit der Arbeit von Künstler_innen wie Vito Acconci, Mary Beth Edelson, Hans Haacke, Allan Kaprow oder Robert Wilson, aber auch mit den Wiener Aktionisten vertraut. Das hat in den Performances und der künstlerischen Praxis von Mendieta einen deutlichen Widerhall gefunden. Die teilweise radikale Auseinandersetzung mit dem Körper als künstlerischem Medium, die gezielte Auswahl von Fotografien, denen die Aufgabe zukommt, ein performatives Werk im Galerienkontext zu vermitteln, sowie der experimentelle Umgang mit Konzepten und Disziplinen sind nur einige dieser Verbindungen, die wir heute erkennen können.

Im Dialog: Wiener Aktionismus
Eröffnung: Samstag, 29. März 2014, 11 Uhr
Ausstellungsdauer: 15. März bis 6. Juli 2014
Mönchsberg 3

Mit Renate Bertlmann, Günter Brus, VALIE EXPORT, Adolf Frohner, Anestis Logothetis, Otto Muehl, Hermann Nitsch, Friederike Pezold und Rudolf Schwarzkogler




Fr 21. März 2014

Frank Badur im Saarlandmuseum

Vomm 10. Mai bis 12. Oktober 2014 würdigt das Saarlandmuseum, Moderne Galerie in Saarbrücken, mit Frank Badur einen der interessantesten Exponenten einer zeitgenössischen Konkreten Malerei. Die konzentrierte Werkschau umfasst rund 60 Arbeiten, Gemälde und Zeichnungen bzw. Aquarelle aus unterschiedlichen Schaffensphasen. Sie stammen aus einer saarländischen Privatsammlung und aus dem Atelier des Künstlers.

Flankiert wird die Ausstellung von einer Auswahlpräsentation der hochrangigen, zumeist langjährig nicht mehr gezeigten Sammlungsbestände an Konkreter Kunst. Weiterlesen »