KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Fr 23. Juni 2017

MdM Salzburg zeigt Auf/Bruch. Vier Künstlerinnen im Exil

Das Museum der Moderne Salzburg startet eine Reihe über Künstler_innen mit Exilhintergrund, die wiederentdeckt und neu positioniert werden sollen. Unter dem Titel Auf/Bruch werden in der ersten Ausstellung drei Fotografinnen – Ellen Auerbach, Grete Stern und Elly Niebuhr – sowie die Künstlerin und Pädagogin Friedl DickerBrandeis vorgestellt.

Salzburg, 30.6.2017. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 verließen Tausende von Kulturschaffenden Deutschland, ab dem „Anschluss“ 1938 auch Österreich. Die unfreiwillige Auswanderung bedeutete für die Exilant_innen nicht nur Verlust und Isolation, sondern auch die Notwendigkeit, unter völlig neuen Bedingungen zu arbeiten und sich gleichsam neu zu erfinden. Während sich die vier aus jüdischen Familien stammenden Künstlerinnen Ellen Auerbach, Grete Stern, Elly Niebuhr und Friedl Dicker-Brandeis, die alle im Bereich der Gestaltung tätig waren, in ihren jeweiligen Disziplinen professionalisierten, wurden sie durch die Emigration zu beruflichen und persönlichen Neuanfängen gezwungen. Teils durch die Umstände genötigt, teils aus dem Bedürfnis heraus, das Erlebte zu verarbeiten, entwickelten sie im Exil jeweils eine neue künstlerische Sprache. Weiterlesen »




Fr 23. Juni 2017

Erwin Wurm in Duisburg oder #wurminduisburg

Ja der Mann hat die Absurdität unseres Lebens durchdrungen und die Vermarktung sowieso. Und dann ist der große Spaß und tiefe Erkenntnis und die Demut vor dem Leben immer drin in seinen Arbeiten. Spaß und Ernst, aber anders als alle anderen diese Pole definieren. Duisburg kann sich auf die kommende Ausstellung freuen.

Und das sagen die Verantwortlichen dazu: Die Erforschung vorstellbarer und unvorstellbarer formaler Dimensionen war und ist für ihn nur im Dreidimensionalen lösbar und darüber hinaus. Es geht um die grundsätzliche Frage nach dem Wesen von Skulptur. Was kann sie? Ist sie räumlich und materiell begrenzt? Welche Möglichkeiten hat der Betrachter, mit Skulptur umzugehen? Sie anschauen und umrunden – das reicht Erwin Wurm nicht. Er schafft eine Parallelwelt, in der das Paradoxe zum Prinzip erhoben wird, Alltagsgegenstände ein alternatives Leben führen und Gegenstände allzu menschliche Schwächen offenbaren.

Bid: Plakat der Ausstellung

In seinen One Minute Sculptures lädt der Bildhauer die Besucher ein, für 60 Sekunden selbst zur lebenden Skulptur zu werden. Er stellt ihnen im MKM Requisiten und Handlungsvorschläge bereit und überlässt ihnen die künstlerische Bühne. Sie stellen den gängigen Skulpturenbegriff ebenso zur Disposition wie die Drinking Sculptures, die die Besucher des Lehmbruck Museums in Versuchung führen sollen. Die umgebauten Möbelstücke erscheinen zunächst harmlos, in den Barfächern aber ist Alkohol versteckt. Kurze, handgeschriebene Anweisungen fordern die Besucher auf, sich zu betrinken. So unterlaufen sie jegliche museale Förmlichkeit und lassen – bei richtiger Nutzung – die kognitiven Fähigkeiten ins Bodenlose sinken.

Wurm sieht sich selbst als eine Art Gesellschaftsforscher, der aus ungewöhnlicher Perspektive auf unsere Zeit blickt, auf die Art, wie die Gesellschaft konsumiert, ihren Alltag organisiert oder sich präsentiert. Von Konsumwahn bis Adorno, von Fettsucht bis zu körperloser Kleidung – die Themen sind unbegrenzt und als Material eignet sich im Grunde die ganze Welt.

„Es geht um die Schwierigkeit, das Leben zu meistern. Egal, ob mit einer Diät oder mit einer Philosophie“, so Erwin Wurm und so sind die Dinge beim ihm nicht das, was sie scheinen.

ERWIN WURM ist ein Ausstellungsprojekt des MKM Museum Küppersmühle und des Lehmbruck Museums. Verantwortlich für die Ausstellung im MKM ist die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Ermöglicht wird das Projekt durch die großzügige Unterstützung der Evonik Industries AG (für das MKM) sowie der Sparkasse Duisburg und der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland (für das Lehmbruck Museum).

Laufzeit der Ausstellung: 7.7. bis 3.9.2017 im MKM Küppersmühle und vom
7.7. bis 29.10.2017 im Lehmbruck Museum




Do 22. Juni 2017

Rebecca Horn bekommt den Wilhelm-Lehmbruck-Preis für ihr Lebenswerk

Die Stadt Duisburg und die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum freuen sich, mitteilen zu können, dass eine international besetzte Jury die Künstlerin Rebecca Horn zur Wilhelm-Lehmbruck-Preisträgerin der Stadt Duisburg gekürt hat. Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis, der zu den international renommiertesten Auszeichnungen für Bildhauerinnen und Bildhauer gehört, würdigt Rebecca Horn für ihr Lebenswerk, mit dem sie die Skulptur des 20. und 21. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat. Glückwunsch!

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Di 13. Juni 2017

KÄTHE-KOLLWITZ-PREIS 2017 AN KATHARINA SIEVERDING

Katharina Sieverding erhält den Käthe-Kollwitz-Preis 2017. Mit der Auszeichnung ehrt die Akademie der Künste eine deutsche Künstlerin, die seit den 1960er Jahren das Zeitalter der großformatigen Fotokunst einleitete. Die mit 12.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 11. Juli 2017 um 19 Uhr in der Akademie der Künste, Berlin, verliehen. Bei der Preisverleihung sprechen Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie der Künste, Alexander Wüerst, Vorsitzender des Vorstandes der Kreissparkasse Köln, Jochen Gerz und Hans-Jürgen Hafner.

Anlässlich der Ehrung eröffnet die Akademie eine Ausstellung in zwei Hallen am Hanseatenweg mit rund 20 großformatigen Arbeiten von Katharina Sieverding im Format 252 x 356 cm, die zum Teil seit den 1990er Jahren im städtischöffentlichen Raum großflächig plakatiert wurden: u.a. sind Werke zu sehen wie Schlachtfeld Deutschland, das anlässlich der RAF-Debatte 1978 entstanden ist, Bombensicher Kunsthalle Bonn, 1983 in einer Plakatmappe namhafter Künstler für die Bürgerinitiative Bonn gefertigt, Deutschland wird deutscher und Die Pleite 1993 und 2005 beide in Berlin großflächig im öffentlichen Raum plakatiert, oder auch ART GOES HEILIGENDAMM, 2007/2008 als Teil künstlerischer Interventionen vor Ort anlässlich des G8-Gipfels entstanden.

Herzlichen Glückwunsch an Katharina Sieverding

Preisverleihung und Ausstellungseröffnung Dienstag, 11. Juli, 19 Uhr geladene Gäste
Ausstellung: 12. Juli – 27. August 2017
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin




Di 13. Juni 2017

Haus der Kunst zeigt Frank Bowling Mappa Mundi

Mit „Frank Bowling: Mappa Mundi“ widmet das Haus der Kunst dem 1934 in Bartica in Britisch-Guayana geborenen Künstler seine bisher umfassendste Überblicksausstellung, mit teils monumentalen Gemälden aus fünfzig Jahren künstlerischen Schaffens.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Zuge der großen Migrationsbewegungen der englischsprachigen Bevölkerung von Westindien und der Karibik, verließ auch Frank Bowling seine Heimat. Im Alter von 19 Jahren gelangte er 1953 nach London. Er studierte Malerei an der Slade School, dem University College London und dem Royal College of Art. 1962 wurde er in seiner dortigen Abschlussklasse neben David Hockney mit der Silbermedaille für Malerei ausgezeichnet.

Mitte der 1960er-Jahre begann Bowling in seiner Malerei die strikten Geometrien des Bildfeldes zu überschreiten. Ausschlaggebend für sein künstlerisches Reifen war sein Umzug von London nach New York im Jahr 1966. New York war nach dem Krieg Schauplatz einer vielfältigen und ehrgeizigen abstrakten Malerei geworden. Seine malerischen Experimente führten Bowling zu der Frage, wie abstrakte Kunst mit gesellschaftlicher, kultureller und persönlicher Bedeutung aufgeladen werden könnte, ohne die formalen Prinzipien dieses Mediums einzubüßen.

Bahnbrechend hierbei war seine Serie von Landkartengemälden, die ihn von 1967 bis 1971 beschäftigte. In diesen „Map Paintings“ drückte sich sein Verständnis von Identität aus. Als Humanist, Internationalist und gleichzeitig afrikanischstämmiger Künstler, der unter kolonialen Bedingungen in Südamerika geboren war und in New York lebte, war dieses Thema bei Bowling entsprechend komplex – zumal die späten 1960er-Jahre auch die Blütezeit der schwarzen Bürgerrechtsbewegung waren. Die Darstellung der Landkarte, etwa Südamerika in „South America Squared“ (1967), wurde zu einer Metapher für Heimat und Exil. Dabei entwickelte er eine Palette von grellen und gedämpften Farben, von kontrapunktischen Schichten, die schillernde Meereslandschaften, geologische Formationen und flüssiges Magma beschwören.

An den Debatten über die institutionelle Ausschließung und mediale Marginalisierung der Arbeit schwarzer Künstler beteiligte sich Bowling auch als Essayist, u.a. für Arts Magazine. Als Maler und Autor erschloss sich Bowling eigene Wege zur Neudefinition von Raum und Territorium. Ihn interessierte der Idealismus, mit dem Reisen und Expeditionen kartiert wurden, die letztlich jedoch zu Kolonialisierung und Raumdominanz führten.

„Von der Zeit ihrer Entstehung bis heute haben Bowlings Bilder nichts von ihrer erstaunlichen physischen Kraft und visuellen Dramatik eingebüßt“, sagt Okwui Enwezor. „Die imposante Präsenz seiner Gemälde mit ihren Nebeln gedeckter Farben erweckt im Betrachter ein Gefühl der ozeanischen Gegenwärtigkeit.“ Wasser war in Bowlings Biografie überall präsent: in den Sumpfebenen seines Geburtsorts in Britisch-Guyana, im Sog der Karibik, die er überqueren musste, um seiner Inselexistenz zu entkommen, in London durch die Ufer der Themse, und im großstädtischen New York, wo er seine künstlerische Stimme feinstimmte.

Außer den „Map Paintings“ werden die Serien „Great Thames“ sowie „Bartica Flats“ und „Wintergreens“ gezeigt. Eine Auswahl von Briefen (z.B. die umfangreiche Korrespondenz mit dem bedeutenden Kunstkritiker Clement Greenberg), Ausstellungskatalogen, Besprechungen und Fotografien illustriert Bowlings Teilnahme an den Black Arts-Debatten in New York Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre.

„Frank Bowling: Mappa Mundi“ wird von Okwui Enwezor mit Anna Schneider kuratiert. Die Ausstellung wird vom Haus der Kunst organisiert und ist anschließend im Irish Museum of Modern Art (IMMA) sowie in der Sharjah Art Foundation zu sehen.

Frank Bowling: Mappa Mundi
23. Juni 2017 – 7. Januar 2018

Der Katalog „Frank Bowling: Mappa Mundi“ erscheint bei Prestel, hrsg. von Okwui Enwezor, mit Beiträgen von Frank Bowling, Okwui Enwezor, Rose Jones, Kobena Mercer, Anna Schneider, Zoe Whitley und Lynette Yiadom-Boakye; Englisch, mit deutschem Booklet, 288 Seiten, 23 x 28,9 cm, Hardcover, 49,95 €.




Di 13. Juni 2017

Kunstkraftwerk Leipzig 1 Jahr am KunstMarkt

Kunstkraftwerk Leipzig auf Erfolgskurs mit HUNDERTWASSER-Experience und „WERK in Progress“

Aktueller Schwerpunkt sind immersive Kunstprojekte, die in eindrucksvoller Weise mit ihrer industriellen Umgebung korrespondieren, verschiedene Kunstformen und Technologien miteinander verknüpfen und zugleich die Interaktion zwischen Künstler, Kunstwerk und Betrachter herausfordern. Beispielhaft dafür stehen die Erfolgsprojekte „HUNDERTWASSER-Experience“ und „WERK in Progress“ der italienischen Künstlergruppe „Immersive Art Factory“. Für raumgreifende Erlebnisse sorgt dabei das größte immersive Videoprojektionssystem Deutschlands.

Das Kunstkraftwerk feiert mit einem Tag der Offenen Tür sein 1-jähriges Jubiläum

(Leipzig, 13. Juni 2017) Diese Bilanz kann sich sehen lassen. Rund 50.000 Besucher aus Deutschland und der Welt konnte das Kunstkraftwerk Leipzig seit seinem offiziellen Start im Juni 2016 begrüßen. Mit 20 vielbeachteten Ausstellungen und jungen wie arrivierten Künstlern aus 25 Ländern hat sich das Kulturzentrum im Leipziger Westen nicht nur als fester Anlaufpunkt für die Freunde moderner Kunst in Leipzig etabliert, sondern zugleich auch in der internationalen Kunstszene für Eindruck gesorgt. Nationale wie international große Resonanz fanden in den letzten zwölf Monaten in besonderer Weise die zweiteilige „Illusion“-Ausstellung, die Installation „#SELFIE_LEIPZIG“ der spanischen Lichtkünstlerin Darya von Berner, die Ausstellung „Blick zurück nach vorn“ zur aktuellen Marx-Renaissance sowie die interdisziplinäre Ausstellung „Hybrid Bodies“ zum Thema Herztransplantation.

In gleichem Maße hat sich das Kunstkraftwerk als begehrter Standort für Konzerte, Kulturfestivals, Lesungen und Firmenveranstaltungen einen Namen gemacht. Höhepunkte waren hier in den letzten Monaten u.a. die Konzerte „BILDER EINER AUSSTELLUNG – The jazz-version“ mit dem Stephan König Jazz Quartett, die Klangfabrik mit dem Orchester amici musicae, die Symphonic Selection „Video Game Music“ des sächsischen Landesjugendorchesters, das Kurzfilmfestival „Kurzsüchtig“ oder die Lesung mit italienischen Bestsellerautoren im Rahmen der Leipziger Buchmesse.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung ist sich sicher: „Leipzig punktet in der Welt immer wieder mit weichen Standortfaktoren. Das Kunstkraftwerk gehört jetzt definitiv dazu.“

Am 25. Juni 2017 lädt das Kunstkraftwerk-Team Leipziger und Leipzigerinnen zu einer gemeinsamen Jubiläumsfeier ein. Am Tag der Offenen Tür können alle Gäste bei freiem Eintritt die Jahresausstellung „Illusion – Moving Space“ besuchen, ein Best of…der immersiven Shows erleben und an Hausrundgängen und Führungen mit VR-Brille teilnehmen. Auf Familien wartet ein Kinderprogramm, zum Anstoßen gibt es die „Hundertwasser-Bowle“.

Hotspot für Medienkunst

Das Kunstkraftwerk Leipzig profiliert sich zunehmend als europäischer Hotspot für zeitgenössische Medienkunst (New Media Art) und übernimmt als Kunstraum die Vermittlung zwischen Medienkunst und Öffentlichkeit sowie der Vernetzung der Medienkünstler. Gleichzeitig initiiert es in Formaten wie den Artist Talks den Diskurs über die sozialen, technologischen und ästhetischen Parameter zeitgenössischer bzw. zukünftiger Kunstformen.

„Im Kunstkraftwerk begegnen sich Kunst, Architektur, Technologie und Wissenschaft auf Augenhöhe“, sagt Markus Löffler, einer der Initiatoren des Kunstkraftwerkes. „Uns geht es um die Symbiose zwischen einzelnen Genres, Disziplinen und Lebenswelten. Im Mittelpunkt stehen dabei immer unsere Besucher. Sie sollen entdecken, lernen, staunen, teilhaben, aktiv an unseren Kunstprojekten teilnehmen und sie im besten Falle mitgestalten.“

Kunstkraftwerk Leipzig

Das heutige Kunstkraftwerk, im Jahr 1900 als Elektrizitätswerk für die Leipziger Straßenbahn erbaut und ca. drei Jahrzehnte bis zur Stilllegung 1992 als Heizkraftwerk genutzt, hat sich binnen kurzer Zeit als vielgefragtes Zentrum für zeitgenössische Kunst und Kultur, zeitgenössisches Design und Kommunikation im Leipziger Westen etabliert. In privater Trägerschaft präsentiert es Kunst, Theater, Bildung, Tanz, Musik, Kunsthandwerk und Design – spartenübergreifend und international. 2.300 Quadratmeter Fläche bieten Raum und Räume für Ausstellungen, Kunstprojekte, Meetings, Multimediashows, Symposien und Workshops. Erlebnisgastronomie, die Vermietung für private Events gehören ebenso zum Konzept wie Konzerte und Theateraufführungen. Aktueller Themenschwerpunkt ist IMMERSIVE ART, in der die Besucher via multimediale Shows und Installationen in die Kunstwerke eintauchen und Teil davon werden können. Die aktuellen Jahresausstellungen „HUNDERTWASSER Experience“ und „Illusion – Moving Space“ laufen bis November 2017 (Di.-So. 10:00-18:00 Uhr). Saalfelder Straße 8b, 04179 Leipzig.




Fr 9. Juni 2017

Biennale momentum 9 in Moss, Norwegen

Im Norwegischen Moss findet am dem 17. Juni 2017 zum 9.ten Mal eine Kunstbiennale statt. Die momentum 9: hat das Motto: alienation

Vom 17. Juni bis 11. Oktober zeigen die fünf Kuratoren Ulrika Flink (SE), Ilari Laamanen (FI), Jacob Lillemose (DK), Gunhild Moe (NO) und Jón B.K. Ransu (IS)

über 33 internationale Künstler zum Thema “Alienation” in Moss (Norwegen). Alleine schon die Website der Veranstaltung ist abgefahren und sehenswert.

Mit dem Begriff „Alienation“ setzen sich die Kuratoren der Biennale mit unserer Gegenwart auseinander, in der fremde Lebensformen und Prozesse und die damit verbundenen technischen, ökologischen und sozialen Veränderungen fester Bestandteil unseres Lebens sind. Momentum 9 setzt sich nicht nur mit den Konsequenzen dieser Realität auseinander, sondern zeigt auch facettenreiche Ansätze auf,

diese Realität neu erfahren, verstehen und deuten zu können. Im Kunstsommer mit documenta, biennale in Venedig, Skulpturenprojekte Münster noch eine bestimmt sehenswerte Destination

CONTRIBUTORS
Abigail deVille (US), Atelier Cyberspace (DK), Búi Aðalsteinsson (IS), H.R.
Giger (CH), Johannes Heldén (SE), John Duncan (US), Jone Kvie (NO), Jussi
Kivi (FI), Jenna Sutela (FI), Kapwani Kiwanga (CA), Kjersti Vetterstad (NO),
Levi van Veluw (NL), Linda Persson (SE), Mediated Matter (US), Museum of
Nonhumanity (FI), Olga Bergmann & Anna Hallin (IS), Patricia Piccinini
(AU), Patrick Jackson (US), Pinar Yoldas (TR), Public Dreaming (NZ), Ragnar
Þórisson (IS), Rana Hamadeh (LB), Rolf Nowotny (DK), Serina Erfjord (NO), Sonja
Bäumel (AT), Stathis Tsemberlidis (GR), Third Ear (DK/US), Trollkrem (NO),
Tuomas Kortteinen & Heikki Lotvonen (FI), Wael Shawky (EG), Ylva Westerlund (SE)

JUNE 17 – OCTOBER 11 2017
GALLERY F 15 AND MOMENTUM KUNSTHALL
MOSS, NORWAY




Do 8. Juni 2017

documenta 14 – Brennglas der Zeit 1

Kommunikation kann anstrengend sein. Viel und lange und oft über Gedanken reden, schreiben und als Publikum lesen. Viele, viele Seiten sind so im Vorfeld zusammen gekommen. Aber jetzt geht es los, jetzt ist in Kassel fast alles gerüstet für den 100 Tage Marathon in Sachen Kunst.
Und es ist wirklich ein Großereignis. Alleine die Orte die dazu gehören über 30 Stück in der Stadt verteilt und dann die verschiedenen Ausstellungen die parallel passieren, Münster, Hannover, Bielefeld, Bad Driburg und viele kleine Orte um nur etwas zu nennen.

Beim ersten Besuch ist „nur“ das Fridicianum, die documenta Halle, die Aue, Friedrichsplatz, Elisabeth Kirche, Belvedere, neue Galerie „geschafft“. Die Torwache ist außerhalb beim reinfahren zu sehen und der Königsplatz und der Kulturbahnhof ergibt sich, je nach dem wie man anreist.

Das Parthenon der Bücher, auch wenn es noch nicht fertig ist ist gewaltig und natürlich das „Gesicht“ der documenta 14.

Bild: Parthenon der Bücher noch nicht fertig, von Marta Minujin

Die Tiefbauröhren ebenfalls auf den Friedrichsplatz, die das Thema leben in der Stadt, wenn kein Geld für menschenwürdigen Wohnraum ausgegeben werden kann (von den armen „Mietern“ oder dem öffentlichen Wohnungsbau) und nur noch Luxuswohnungen entstehen ist ebenfalls erschreckend real. Bürgerliches Wohnen in bekanntem Maße in den Untergrund gedrängt, krass und real zu gleich. Eine Realität die nichts mit dem „obdachlosen, Almosenempfängern“ mehr zu tun hat. Sehr politisch und sehr richtig. Die politische Aussage über die Menschenwürde, Verteilung von Reichtum in Europa. Auch ein Bild der documenta 14.

Bilder: Tiefbauröhren Gesamt und Detail auf dem Friedrichsplatz, Hiwa K.

Die documenta Halle mit den aufgehängten Flüchtlingsbooten ist das Bild der zweiten großen Thematik: Fluchtströme. Hier ist viel Raum, vielleicht die Weite des Ozeans spiegelnd, so wie die aufgehängten Totenhemden und Leichentücher unter der Decke. Die Halle will größe zeigen, aber es mag nicht so ganz gelingen. Vielleicht der schwächste Raum der documenta 14.
Die Aue ist fast „unbespielt“ weit verteilt die Beiträge dort. Nichts für schlechtes Wetter. Mehr ein Spaziergang.

Die Neue Galerie fast das Thema „Beutekunst, Arisierung und Kolonialismus“ an. Auch durch größe und viel Textil. Durch die Tageslichtöffnungen entsteht eine Wirkung die nicht verfehlt. Die Welten der Gier und der Opfer werden zusammen gezeigt und ihre Vermischung. Sehr interessant und auch wieder sehr klar, auch im kleinen ist man Teil an dem Tun, dass zu arm und reich, führt.

Das Fridrizianum ist der klarste Ausstellungsort durch seine vielen Flügel und Räume. Der Panzer in Originalgröße aus Polstern mit Tarnfarbenstoffen bezogen ist skurill und schrill und so herrlich Utopisch wie die Cosmatenböden aus Beamern direkt im Eingangsbereich. Großer Start dort.

Bild: Panzer aus Polstern, Kassel documenta 14, Fridrizianum

Der heimliche Star ist der selten einbezogene Turm, in dem eine Glasarbeit den Zustand der EU zum Thema hat. Zerschlagene, gläserne Landesfahnen der Mitgliedsländer übereinander und wild durch einander. Aber noch erkennbar. Da muss der Aufbau, der das Zerschlagen wohl live erlebt hat ein höllen Lärm gewesen sein. Vermutlich wird der Raum ob seiner schwierigen Erreichbarkeit über die Wendeltreppe vielen verborgen bleiben.

Bildquelle: Arbeit im Turm des Fridricianums

In der Villa Belvedere vor der Neuen Galerie ist die Videoarbeit zum Thema Dyson-Staubsauger der Star. Schrill, skuril und schräg. Eine herrliche Karikatur was man für „körperliche“Liebe und Öffentlichkeit tut. Und wofür Staubsauger immer schon eine Projektionsfläche boten. Frei nach Loriot : “ es saugt und blässt der Heinzelmann,…“

Das vielleicht umfänglichste Kunstwerk ist eigentlich nicht Teil der documenta 14 sondern ebenan. In der Elisabethkirche hat die Künstlerin Anne Gathmann eine Installation verwirklicht, die den ganzen Innenraum füllt. Und der Kirchenraum wird eine Oase der Ruhe bleiben, die 100 Tage.

Die documenta 14 ist politisch und aufwühlend, aber sie gibt keine Richtung vor. Das ist anstrengend und schwierig, weil sogar der „Parcour“ durch die Stadt nicht „von selber“ gelingen will. Spaziergänge anstatt Führungen, sich treiben lassen, entdecken ist das Credo der Macher. Aber schon alleine die Farbwahl der Infrastruktur, schwarz auf Gold in kleinen weniger als 1 Meter hohen Schildern. Überhaupt ist durch das Fehlen eines Gesamtkataloges die Namensrecherche der Künstler und der Werktitel kaum zu bewerkstelligen. Schade

Teil 2

Teil 3




Do 8. Juni 2017

documenta 14 – Brennglas der Zeit 2

Die documenta 14 ist politisch und aufwühlend, aber sie gibt keine Richtung vor. Das ist anstrengend und schwierig, weil sogar der „Parcour“ durch die Stadt nicht „von selber“ gelingen will. Spaziergänge anstatt Führungen, sich treiben lassen, entdecken ist das Credo der Macher. Aber schon alleine die Farbwahl der Infrastruktur, schwarz auf Gold in kleinen weniger als 1 Meter hohen Schildern vor die Gebäude gestellt, sind von Weitem nicht zu sehen. Die großen Hinweistafeln an den Containern für Garderoben, Kasse, Info, sind auch schlecht von Ferne zu lesen, so dass man auch gerne mal vorbei läuft.


Bild: Fridricianum Kassel

Pläne, Karten, Außenhinweise leider Fehlanzeige. Man fragt sich durch, das strapaziert die Hilfskräfte arg. Mal sehen wie das so weiter geht.
Es gibt sie die Themen Flüchtlinge, Kolonialismus, gemachte Armut, Gentrifizierung und die Macht des Geldes.

Unterdrückung und Entrechtung wird z.T. sehr subtil künstlerisch untersucht. Die Arbeiten, die das zum Thema haben und groß inszeniert sind, schaffen Emotionen und zeigen das die Welt eben ein Planet ist, in dem die Region „ausbeutender Westen“ eben auch zu „Microcosmen“ der „Armen und Reichen“ wird. So wie die großen Tiefbauröhren auf dem Friedrichsplatz, die bürgerliches Wohnen zeigen, aber nicht in Wohnungen sondern im Untergrund der Megastädte, da sich eigener Wohnraum nicht mehr für alle erreichen lässt. Gentrifizierung, Gier, Luxusimmobilien versus sozialem Wohnungsbau, hier fliessen viele Erzählstränge zusammen und der Täter wird Opfer, wird wieder Teil des Problems.

Bild: Tiefbauröhren Gesamt Kassel, Friedrichsplatz

Das rührt Tief und zeigt, was Kunst kann: berühren jenseits des eigenen Raumes.
Politisch ist sie die documenta, aber auch so wie sich die „Erfolgreichen der Welt“ die Lebenswirklichkeit von Kreativen vorstellen: Chaotisch, unorganisiert, unlogisch, arm, verteilt und wenig Substanz viel Kommunikation.

Nur eine Sequenz, die sich durchzieht ist für die „Erfolgreichen der Welt“ nicht einfach zu knacken: Griechenland. Und das liegt einmal an der Schrift und Sprache, die überall zu finden ist. Wer kann schon Griechisch lesen und war in Athen? Und immer wieder kommt Athen vor, meist mit dem Hinweis: ist aus Athen, war in Athen zu sehen, ist jetzt hier und dann wieder in Athen.
Dadurch kann ein Gefühl des „VERPASST“ entstehen. Eine andere Welt wird beschworen, die es vielleicht auch gegeben hat, aber eigentlich ist es die andere, fremde Seite der Welt.
Dort, wo man selber keine Ahnung von hat, auch wenn man gutwillig, weil Kulturinteressiert ist.
Athen wird so zum immerwährenden und müde machenden Mentekel. Bis zur Beschriftung, die in griechisch und deutsch gehalten ist. Meist auch noch in englisch, weil die meisten Titel in englischer Sprache sind. Dadurch wird sich in den Beschriftungen pausenlos wiederholt. Und das strengt an.

Vermutlich ist diese Kombination gewollt (dann genial) oder ungewollt (dann fast genial) das was Kunst jetzt im weltweiten Dialog schaffen kann.
Selbst im kleinen Europa ist die Kommunikation und das vertraute Illusion, da selbst hier die Sprache an grenzen stößt. Hier ist die Geschichte eines wie auch immer christlich geprägten Abendlandes dicht aber auch so vielschichtig, dass langes Studium kaum reicht die Inhalte zu verstehen.

Und wie soll das dann erst mit vielen weiteren Gegenden möglich sein, die ganz anders kulturell geprägt sind. Asien, Afrika aber auch in den religiösen Räumen.
Viel Afrika, Europa (Griechenland), etwas weniger der Nahe Osten und wenig Asien so ist das Gefühl der Verteilung der Künstler die an der documenta 14 teilnehmen.

Was ist sie also die documenta 14? Natürlich würde auch die Kernausstellung reichen, dann wäre die documenta 14 aber eine Kunstausstellung wie viele. Die Größe ist auch Teil des Events. Das Performative der Kunst ist Ausdruck der medialen Möglichkeiten und der dadurch geschaffenen „Filterblasen“, die den Spieltrieb und das Dazugehören-Wollen eben befeuert. Die großen Bilder und die installativen Elemente sind gut, anrührend und bleibend, wenn sie gut durchdacht sind. Dann sind sie auch mehr als technische Gimiks. Aber auch die gibt es reichlich.

Teil 1

Teil 3




Do 8. Juni 2017

documenta 14 – Brennglas der Zeit 3

Die besonderen Orte der documenta 14 sind manchmal überraschend anders. Aber dann auch fast keine Kunst im klassischen Sinne.
Der wieder geöffnete aufgegebene U-Bahnschacht am Bahnhof, der 2005 geschlossen wurde und seit dem keine Funktion mehr hat, außer dass man von oben nicht reinfallen soll, ist wieder geöffnet worden.
Bild: Glasfenster im aufgegeben U-Bahnhof Kassel

Der Zugang wirkt daher Bunkerartig und das lange Glasfenster mit dem Herkules ganz links zu erkennen wirkt seltsam kirchlich. Dieser „Zwischenraum“ wird geöffnet durch die Rolltreppenanlage die auf den leeren Bahnsteig führt. Die alte Reklame von 2005 ist noch ganz gut in Schuss und so sieht man sich in einer wie aus der Zeit gefallenen Wirklichkeit wieder.
Kunst oder Stadtarcheologie. Jedenfalls seltsam offen unten, da die Gleise ins Licht unter dem neuen Polizeigebäude führen und man den Bereich verlassen kann um wieder an die Luft zukommen. Und oben ist es zu, dort wo die Treppenanlage nach oben führt. Bis zum Eingangscontainer, der über die geöffnete Bodensituation Eingang und Schutz zu gleich bildet.

Bild: Treppenanlage des U-Bahnhofes

Alles seltsam vertraut und doch entrückt.

Die documenta Halle, die sich am plakativsten mit der Flüchtlingspolitik und dem Elend der Menschen auseinandersetzt ist merkwürdig ruhig. Vielleicht liegt das am maritimen Charakter der Exponate und an der wenig gefüllten Halle.

Bild: Gesamtansicht documenta Halle

Seltsam weggerückt.

Die Thematik des Klimawandels, die auch in den Kunstwerken vorkommen sollte war schlecht zu erkennen und kommt hier daher nur als Erwähnung vor. Die Performances und die Klangkunst, die über die Stadt verteilt überalle anzutreffen sind, wenn man den passenden Timeslot hat, ist wirklich flüchtig. Wenn „Geräusch“ da ist, kann man verwundert bis erschreckt sein, da die Quelle in der Lautstärke überrascht, aber wenn es nicht ist, ist es auch gut. So ähnlich ist der von außen sichtbare weiße Qualm vom Fridricianum-Turm, der an einen Kühlturm erinnert. Stetig, aber nur beim langsamen Betrachten der äußeren Szenerie ins Auge fällt. Wieder diese Entschleunigung, die so gar nicht zu einem Blockbusterevent wie der documenta paßt.

Nach dem ersten Besuch herrscht Ratlosigkeit und der Ärger über die Verweigerung der Macher eine enzyklopädische Nachbereitung schaffen zu können. Namen der Künstlerinnen und Künstler nur Schall und Rauch? Im Zeitalter der Urheberrechte eine gewagte These.
Geht es wirklich nur um das Erleben? Das Hinnehmen das man etwas (Athen) verpasst hat? Ein Sommerausflug mit etwas kunstlastigem Thema? Sind die ernsten Themen der Menschheit im 21. Jahrhundert wirklich nur ein Interessenhauch? Erklärt uns Kunst nicht länger die Welt? Das der einzelne Mensch wieder Verantwortung übernehmen muss, ist als Quintessenz doch überraschend wenig. Das Kaufen von Wasser in Glasflaschen nicht vom multinationalen Konzern erscheint da klarer. Kunst nur noch als Großevent mit Unterhaltungscharakter dann aber wieder überraschend wenig.
Da hilft nur der Selbstversuch und weiter Kunst gucken. Vielleicht dann die ebenfalls startende Nordart in Büdelsdorf.

Teil 1
Teil 2