KUNSTFREUNDE das Blog über Kunst, Künstler und Ausstellungen

Mo 1. September 2014

Georg Baselitz – Damals, dazwischen und heute in München

Jetzt geht es bald los mit der aktuellen Ausstellung zum Werk von Georg Baselitz. Unter dem Titel – Damals, dazwischen und heute findet zwischen dem 19. September 2014 und dem 1. Februar 2015 die große Baselitzausstellung im Haus der Kunst München los.
Die Ausstellung steht in der Münchner Haustradition die seit 2008 monografische Überblicksausstellungen wichtiger zeitgenössischer Künstler organisiert und dabei jeweils spezifische Aspekte in deren Arbeit und Entwicklung hervorgehoben. (so z.B. Robert Rauschenberg, Gerhard Richter, Ellsworth Kelly)

Im Herbst 2014 wird das Haus der Kunst diese Reihe mit der Ausstellung Damals, dazwischen und heute fortgesetzt.
In den “Schwarzen Bildern” hat Baselitz seine Bildsprache weiter radikalisiert: Ziel ist die Eliminierung jedes sichtbaren Kontrasts. Dabei erlangt er eine nahezu schlafwandlerische Meisterschaft über sein Material. Sein fließender, kreisender Pinselstrich übt einen Magnetismus aus, in dessen Kraftfeld das Motiv völlig mit dem Hintergrund verschmilzt. Die eruptive Qualität seiner Malerei ist noch vorhanden, doch nun scheint sie auf magische Weise besänftigt, als sei sie von einer Membran bedeckt. Vehemenz wird zu Ruhe; doch verdrängt diese Ruhe keinesfalls die Erregung, sondern verfeinert sie. Die Arbeiten, die mit Ausnahme zweier querformatiger Bilder alle im identischen Hochformat ausgeführt sind, variieren das Adlermotiv auf subtile Weise, sodass seine Erkennungsmerkmale fast, aber nicht völlig verschleiert sind. Obwohl das Motiv in lichtschluckende Dunkelheit gehüllt ist, sind die Gemälde keinesfalls farblos. Das kopfstehende Bild eines fliegenden Adlers ist vielmehr in einer Klangfülle aus dunklen Farbtönen von Blau, Braun und Grau bis hin zu Schwarz ausgeführt.

Fotoquelle: LWL Kloster Dalheim

In den monumentalen, seit 2011 entstandenen Bronzeskulpturen zeigen sich formale und inhaltliche Rückbezüge, die neben figurativen Referenzen zugleich die bildnerische Funktion der bildlichen wie der fotografischen Umkehrung relativieren.

Die Ausstellung erkundet mithin die spezifischen Themen, die in den “Schwarzen Bildern” und Bronzeskulpturen bearbeitet wurden. Das Hauptgewicht liegt dabei auf der Frage, aufgrund welcher bildnerischer Überlegungen und Interessen – wie auch immer diese entstanden sind – Baselitz sich entschließt, einen Gegenstand wieder aufzugreifen, den er Jahre oder sogar Jahrzehnte früher schon einmal bearbeitet hat. Bei einer Wiederaufnahme werden die Motive von Baselitz auf der Grundlage seiner Werkentwicklung durchdekliniert. Das heißt, das Motiv wird nicht nur einer Neubetrachtung unterzogen, sondern aus vielfachen Perspektiven neu ergründet.

2005 begann Baselitz an seiner ‘Remix’-Serie zu arbeiten, welche diese Schlüsselmotive aufgreift. Die Bilder vollführen einen Zeitsprung zum Ende des letzten Jahrzehnts. Baselitz zitiert hier einerseits auf paradigmatische Weise aus den Helden-Arbeiten, andererseits ist die Entwicklung seiner bildnerischen Methode einer Beschleunigung formaler Ressourcen unterworfen, die einen völlig neuen Zugang zu früheren Themen erlaubt. “Vorwärts Wind” wird in einer relativ analogen Weise aufgegriffen. Wieder wird eine Person vor einem nackten Baumstumpf dargestellt, wobei die bildnerische Struktur aufgelöst und die bleiche Farbgebung durch die roten Epauletten und die fleischigen rosa Hände und Genitalien akzentuiert ist. Im Gegensatz dazu sind “Moderner Maler” und “Schwarz” in den Remix-Versionen mit Hakenkreuz-Motiven im Stil von Piet Mondrian kombiniert, wobei die ikonische Bedeutung dieses Motivs in der modernen Kunst in gewisser Weise seinen ideologischen Missbrauch durch die Nazis quasi ‘kompensiert’. Auch diese Kompositionen sind paradigmatisch für eine inhaltliche ‘Ausleerung’ des Gegenstands zugunsten eines abstrakten Formbegriffs als autonome Bildfunktion. Die Spontaneität und Entspanntheit dieser Arbeiten erlaubten Baselitz eine unprätentiöse Revision seines malerischen Vokabulars und seiner eigenen Geschichte.

In der Serie von Arbeiten, die als Negativ-Bilder bezeichnet werden, kehrt Baselitz nicht nur den Gegenstand um, sondern auch die Farbwerte. Diese Darstellung als fotografisches Negativ führt zu einer zusätzlichen Umkehrung des Bildes in Bezug auf die ‘natürliche’ Wahrnehmung seines Motivs. Die schwarzweißen Negativ-Bilder steigern den Grad der Abstraktion bereits in dreierlei Hinsicht. Damals hatte Baselitz das Potential der Entfremdung der äußeren Erscheinungsform des Gegenstands und die Möglichkeiten seiner bildnerischen Repräsentation fast schon ausgeschöpft. Das Selbstporträt “Zero” (2004) zeigt eine schlichte, unprätentiöse Ansicht, die in starken, ruhigen Pinselstrichen in einer Mischung differenzierter Grauwerte umgesetzt ist. Mit der formal analogen Arbeit “Negativ weiter links” (2004) hat sich Baselitz wieder “Elke I” zugewandt. Denselben fotografischen Prototypen variiert er in “Elke negativ blau” (2012), das die Charakteristika der schwarzweißen Version noch prägnanter zur Geltung bringt.

Georg Baselitz (Hans-Georg Kern) wurde 1938 in Deutschbaselitz bei Dresden geboren und wuchs in der DDR auf. Nachdem er wegen “gesellschaftlicher Unreife” von der Kunstakademie Ostberlin suspendiert wurde, bewarb er sich an der Westberliner Akademie. 1958 zog er nach Westberlin und schloss 1962 dort sein Studium ab. In dieser Zeit legte er sich nach seinem Geburtsort den Namen Baselitz zu.

In modifizierter Form reist die Ausstellung im Frühjahr 2015 zur Powerstation of Art in Shanghai.

Die Ausstellung wurde wesentlich unterstützt von der Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst e.V., der Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg/Paris, White Cube, London, sowie der Gagosian Gallery, New York.

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So 31. August 2014

Kunsthalle Emden zeigt Horizont Jawlensky – Beeilung

Noch bis zum 19.10.2014 zeigt die Kunsthalle Emden die Ausstellung “Horizont Jawlensky”. Die Ausstellung versteht sich als Schau die der Frage nach der künstlerischen Entwicklung Alexej von Jawlensky nachgeht. Gemeinsam mit dem Museum Wiesbaden ehrt die Kunsthalle Emden diesen wesentlichen Protagonisten der Klassischen Moderne aus dem Umfeld der Künstlervereinigung “Der Blaue Reiter” mit einer großen Ausstellung. Im Fokus der Schau stehen der junge Jawlensky und seine Verbindungen zu Künstlerkollegen wie Corinth, van Gogh, Gaugin, Matisse und Munch.

Jawlenskys vom unbekannten jungen Realisten zum weltberühmten Expressionisten mit ca. 70 Werken aus seiner populärsten Schaffensphase in den Jahren von 1900 bis 1914. Weiterlesen »




Sa 30. August 2014

Lehmbruckmuseum Duisburg zeigt Zeichen gegen den Krieg

2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Mit dem “Gestürzten” von Wilhelm Lehmbruck besitzt das Lehmbruck Museum ein Schlüsselwerk dieser Zeit. Die Ausstellung nimmt die Haltung Wilhelm Lehmbrucks zum Ausgangspunkt und zeigt Werke von insgesamt 21 Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit unterschiedlichen Erscheinungsformen und Begleiterscheinungen kriegerischer Konflikte beschäftigen.
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Abb.: Mona Hatoum, Hot Spot III, 2009, © Courtesy Fondazione Querini Stamparella, Foto: Agostino Osio

In Mutter Courage schreibt Bertolt Brecht: “Der Krieg ist wie die Liebe, er findet immer einen Ausweg”. Gemeint ist damit nicht allein der “Erfindungsreichtum” des Krieges. Brecht bezieht sich ebenso auf den Krieg als menschliche Konstante, die – wie auch die Liebe – untrennbar mit dem Menschsein verbunden ist.

Die Ausstellung im Lehmbruck Museum ist Teil des LVR-Verbundprojekts “1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“, mit dem der Landschaftsverband Rheinland (LVR) noch bis Mitte 2015 an die geschichtsträchtige Epoche vor rund 100 Jahren erinnert. Sie wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, der Kunststiftung NRW und dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

In Kooperation mit dem filmforum zeigt das Lehmbruck Museum Filme von berühmten Regisseuren wie Blake Edwards, Ernst Lubitsch oder Stanley Kubrick. Weitere Informationen finden Sie in Kürze auf der Museums-Website.
Spezielle Blind-Date-Führungen, die für Schulgruppen kostenlos buchbar sind, ermöglichen einen interessanten Austausch mit älteren Kunstfreunden, deren Blick auf die Kunst auf anderen Erfahrungen beruht. Weiterlesen »




Sa 30. August 2014

MKM Museum Küppersmühle mit neuen Räumen

Das MKM Museum Küppersmühle in Duisburg eröffnet im September zwei neue Räume mit Arbeiten von Anselm Kiefer und Peter Brüning aus der Sammlung Ströher.

Neben den Bildern gehören die Bücher für den in Frankreich lebenden Künstler Anselm Kiefer zu den elementarsten Ausdrucksmöglichkeiten seines Wirkens – Bücher aus Blei, Lehm, Pflanzen und Fotografien, gewidmet den unterschiedlichen Figuren und Ereignissen der Geschichte. Zwei solcher Bücher und zwei Gemälde sind nun in dem von Walter Smerling neu gestalteten Raum im MKM zu sehen, zusammen mit den Gemälden „Die goldene Bulle“ (1985) und „Johannisnacht“ (1981). Die neuen Werke ersetzen die Arbeiten „Die Treppe“ (1982) und „Dem unbekannten Maler“ (1983), die als Leihgaben auf längere Ausstellungstournee gehen, zunächst an die Royal Academy of Arts, London, und später ins Centre Pompidou, Paris.

Dominierende Aspekte von Peter Brünings Arbeit sind Raum und Landschaft, denen er in höchst unterschiedlicher Weise nachgeht. Das MKM präsentiert fünf seiner zu Beginn der 1960er Jahre entstandenen Werke. Es handelt sich um gestisch-abstrakte, informelle Bildkompositionen und solche in Form einer kartografischen Zeichensprache, die scheinbar praktische Hinweise geben, sich in der Landschaft zurechtzufinden, dies letztlich aber doch nicht einlösen. In einem seiner Interviews sagt Brüning: „Die ganze Entwicklung meiner Arbeit ist hauptsächlich durch das Problem der Raumauffassung in der Malerei bestimmt.“ Der neue Raum im MKM ist hierfür ein schönes Beispiel mit intensiver Wirkung.

Galerie Hoffmann Banner1




Sa 30. August 2014

Oskar Schlemmer in Stuttgart

Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt nach vielen Jahren wieder eine große Oskar Schlemmer Ausstellung. Als Exponate kommen Leihgaben aus den USA, die seit Jahrzehnten nicht mehr in Europa zu sehen waren. Die Ausstellung »Oskar Schlemmer – Visionen einer neuen Welt« wird vom 21.11.2014 bis zum  6.4.2015 in Stuttgart zu sehen sein.

Vor 126 Jahren, am 4. September 1888, ist Oskar Schlemmer in Stuttgart geboren. Mehrere Jahrzehnte lang, nach der letzten großen Würdigung seines Werkes 1977 in Stuttgart, wurde der Künstler, der dem Bauhaus entscheidende Impulse verlieh, kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen.

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Bildnachweis: Oskar Schlemmer, Fünf Akte, 1929, Öl auf Leinwand, 90,2 x 60,3 cm, Privatsammlung, Courtesy Neue Galerie New York, USA

Aus einer amerikanischen Privatsammlung reist das Gemälde »Fünf Akte« (1929) an, das am Anfang einer Reihe von großformatigen „Menschenarchitekturen” steht. Gegen Ende seiner Bauhauszeit 1929 wandte sich Schlemmer zunehmend der Aktdarstellung zu und hielt athletische junge Männer in vielfigurigen Kompositionen fest. Den nackten Körper stellt er jedoch nicht naturalistisch, sondern in Anlehnung an antike Vorbilder idealisiert und in lichten Räumen dar. Das Bild »Wettlauf« (1930) aus dem amerikanischen Wadsworth Atheneum Museum in Hartford/Connecticut gibt dabei auch Schlemmers Interesse an Sport und körperlicher Ertüchtigung wieder, die am Bauhaus integraler Bestandteil der Menschenbildung war.

Hartford, Wadsworth Atheneum Museum of Art_Wettlauf, 1930_1939_kl

Bildnachweis: Oskar Schlemmer, Wettlauf, 1930, Öl auf Leinwand, 161,5 x 96,5 cm, Wadsworth Atheneum Museum of Art, Hartford, Schenkung Philip Johnson

Galerie Hoffmann Banner1




Fr 29. August 2014

Haus am Lützowplatz in Berlin zeigt Iris Kettner

Das Haus am Lützowplatz – Fördererkreis Kulturzentrum Berlin e.V. (HaL) zeigt die bislang umfangreichste Einzelausstellung der in Berlin lebenden Bildhauerin Iris Kettner.

Iris Kettners lebensgroße Skulpturen irritieren durch ihr hohes Maß an Lebensähnlichkeit. Auf den ersten Blick sind sie so sehr in einer Alltäglichkeit angesiedelt, dass man dazu neigt, ihren Kunstcharakter zu vergessen, bis man auf die fein gesetzten Brüche und Unstimmigkeiten aufmerksam wird. Häufig sind die Figuren in ungewöhnliche Körperhaltungen gebannt, die von Verletzlichkeit oder Unterwürfigkeit künden. Sie wirken etwas mitgenommen, als ob sie nur vorläufig und provisorisch zusammengehalten werden.

Bildquelle: Iris Kettner – INECHT

Die Künstlerin formt sie aus Packmaterialien und Lumpen, die mit Klebeband über Holzkonstruktionen gewickelt und mit gebrauchten Kleidungsstücken angezogen werden. Die Fragilität ihres Gemachtseins scheint auf bedrohliche Lebenszusammenhänge zu verweisen. Die Köpfe der Figuren bleiben stets gesichtslos. In ihrer Anonymität spiegeln sich Wahrnehmungsstrukturen der Verdrängung, welche sich insbesondere in einer Großstadt herausbilden.

Die Künstlerin nennt ihre Arbeiten „Dummies“, ein Begriff, der für Puppen in Form und Gewicht eines Menschen verwendet wird, die bei der Unfallforschung oder bei Rettungsübungen eingesetzt werden. In diesem Sinne handelt es sich bei den Arbeiten von Iris Kettner um figurative Stellvertreter, zu denen wir schwellenlos Kontakt aufnehmen können. Trotz ihres gleichsam prekären Zustandes scheinen sie beseelt. Ihre Wirkung basiert im Wesentlichen auf einer Projektionsleistung der Betrachter, mit der sich eine Art ‘Einverleibung’ der Skulpturen vollzieht. Die getragenen Kleidungsstücke haben sich indes mit dem menschlichen Körper ganz tatsächlich auf materieller Ebene verbunden und verleihen den Arbeiten ein zweites Leben, das jedoch seine Künstlichkeit nicht bestreitet. Iris Kettner betreibt mit ihren Skulpturen eine Hybridisierung zwischen Kunst und Leben, was sich bei der aktuellsten Arbeit, No Name, zu einem von ihr selbst in der Öffentlichkeit getragenen Kostüm aus Altkleiderresten steigert.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, hrsg. von Marc Wellmann im Auftrag vom Haus am Lützowplatz, mit einem Text von Bettina Carl. 64 Seiten, 16,5 x 24 cm, farbig, Preis in der Ausstellung: 12 €

Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung: 24. September 2014, 18.30 Uhr
Künstleringespräch mit Iris Kettner

8. Oktober 2014, 18.30 Uhr
Kuratorenführung im Dialog: Dr. Marc Wellmann im Gespräch mit Dr. Julia Wallner, Direktorin des Georg-Kolbe-Museums, Berlin




Fr 29. August 2014

Marta Herford zeigt Ausstellung von Clemens Krauss

Die eigens für Marta Herford entwickelte Ausstellung zeigt erstmals einen umfassenden Überblick über das Schaffen des österreichischen Künstlers Clemens Krauss (*1981 in Graz). In seinen Bildern, Filmen, Installationen und Performances rückt er den Körper, das Individuum und die Gesellschaft in den Mittelpunkt einer fast unausweichlichen Begegnung.

ClemensKrauss
Bildquelle: Konstellation #0505, #0504, #0303, 2014, Öl/Leinwand, je 190 x 160 cm, Foto: B. Borchardt

Schon im Eingang des Museums stößt man auf kleine, direkt mit Öl auf die Wand gemalte Körper in offenen Konstellationen. Der extrem pastose Farbauftrag verleiht ihnen materielle Substanz und lässt sie gleichzeitig fragmentarisch und in Auflösung erscheinen. Durch die schlierig dichte Ölfarbe gleiten ihre Gesichter in eine beunruhigende Anonymität. In seinen Werkgruppen der „Chromosomes“ und „Konstellationen#“, zu der auch die für Marta Herford entstandene Wandarbeit „Re-Main“ zählt, greift der Künstler Posen von Menschen in Kriegs-und Konfliktsituationen auf, die er in immer neue Kombinationen von fast geschlechts- und alterslosen Figuren zusammensetzt. Als Vorlagen dienen ihm häufig aktuelle Nachrichtenbilder. Sein Interesse gilt dabei stets dem menschlichen Körper, wobei dieser im erweiterten Sinn auch die politischen, sozialen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen Menschenleben, umfasst. Krauss‘ Werke bewegen sich stets im Spannungsverhältnis von biographischen Bezügen und fast barocker Lust am Fabulieren, was den Ausstellungsbesuch zu einem höchst sinnlichen Erlebnis macht.
Das besondere Interesse des Künstlers am menschlichen Beziehungsgeflecht manifestiert sich ebenso in einer ungewöhnlich labyrinthischen Ausstellungsarchitektur. Dabei steht die physische Begegnung im Mittelpunkt: Während der gesamten Ausstellungsdauer bietet Clemens Krauss, der als Mediziner begann und später als Künstler noch eine Ausbildung zum Psychoanalytiker absolvierte, nach Voranmeldung vertrauliche Einzelgespräche an.
Die Ausstellung in Herford läuft vom 31. August bis 2. November 2014




Di 26. August 2014

Galerie der Österreichischen Botschaft zeigt Marlene Hausegger

Die Galerie der Österreichischen Botschaft in Berlin zeigt die Ausstellung „Zwischenraum, hindurchzuschaun“ der jungen steirischen Künstlerin Marlene Hausegger vom 5. September bis 7. November 2014
Und da sagt der Veranstalter dazu: Mit vordergründig er Leichtigkeit malt Marlene Hausegger in das Bild der Wirklichkeit und zeichnet auf den kollektiven Bildschirm im Kopf. In vorgefundenen Situationen im öffentlichen Raum bewirkt die Künstlerin mit geringfügigen Eingriffen kleine Verschiebungen, die einen doppelten Boden der Realität
enthüllen(Astrid Kury).
Als Ergänzung zu der Ausstellung „Zwischenraum, hindurchzuschaun“ realisiert Marlene Hausegger für die Dauer der Ausstellung zwei Interventionen im Stadtraum von Berlin:
Der Zaun der Österreichischen Botschaft Berlin wird
von der Künstlerin so verändert, dass eine zufällige Begegnung mit dem Werk von Marlene Hausegger mitten im „Botschaftsviertel“ möglich wird. Für das Projekt „Behind the Wall“ in der Bergstraße 77 (10115 Berlin-Mitte)
tapeziert sie das Foto ein es überdimensionalen Puppenhaus es auf die kahle Brandwand eines Wohnhauses.
Galerie der Österreichischen Botschaft Berlin, Stauffenbergstraße 1, 10785 Berlin und am 6. September 2014, 17 Uhr (Bergstraße 77, 10115 Berlin) ein.
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Marlene Hausegger, geboren 1984 in Leoben, Österreich; Studium an der Universität für Angewandte Kunst in Wien u
nd der Ecole des Beaux Arts Montpellier; Einzelausstellungen zuletzt in der Akademie Graz und TreciBeograd Belgrad (2013), Projektraum Viktor Bucher und
Sotheby’s Wien (2012); Gruppenausstellungen im Stedelijk Museum s’ Hertogenbosch, MestrovicPavillon Za
greb (2013) und New York/LosAngeles/Wien (2012).
Homepage:www.mmhhh.com
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Ausstellung: „Zwischenraum, hindurchzuschaun“
: 5. September bis 7. November 2014, Montag bis Freitag, 14 bis 16 Uhr
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„Behind the Wall“: ab 6. September 2014, Bergstraße 77, 10115 Berlin;

Sommerausstellung 2014 Naturgewalten quer




So 24. August 2014

Rezension Mann trifft Frau Taschenverlag

Der Taschen-Verlag ist bekannt für gut gemachte Bücherreihen in Sachen Kunst und Glamour. Man  denke nur an die Folioausgabe von Sumo oder Dennis Hoppers Fotoarbeiten, um nur zwei zu nennen.

Jetzt kommt Taschen mit einer neuen Reihe auf den Markt. Vielleicht ein Kunstpixibuch, da die Größe von 13 x 13 cm größer ist als die Kindervorlesebuchreihe mit Kultstatus, die nur 10 x 10 cm misst, aber deutlich kleiner als die sonstigen Taschenreihen für Kunst.

Cover Mann trifft Frau von Yang Liu, Taschenverlag

 

Taschen ist eindeutig einen sehr wertigen und haptisch interessanten Weg gegangen. Einmal durch die Wahl des Covereinbandes, der textile Anmutung aufweist. Dann ist es mit einem Rücken versehen, der prima als Sammlungsgegenstand und Kultbüchlein in eine gestylte oder weniger gestylte Bücherwand/Regalsystem passt. Und wenn die Büchlein Einzug in einen digitalen Haushalt finden, ist sogar das lässige ablegen auf dem Designertisch cool.

Der erste Band ist von der bekannten Grafikerin Yang Liu geschaffen und beschäftigt sich mit dem Thema überhaupt, Wann ist ein Mann ein Mann und eine Frau eine Frau?

Alle Kulturen kennen diesen kleinen Unterschied, alle Individuen erkennen sich als ich erst durch das du und wenn es dann noch augenscheinlich anders ist, wird es erst richtig spannend.  Mann und Frau, Yang und Yin, Adam und Eva, Mars und Venus, ihm und ihr. Das geht in allen Sprachen und Kulturkreisen.

Die Autorin hat genau hingeschaut, wandert zwischen den Welten, lässt kein zeitaktuelles Klischee aus und überspitzt so herrlich, dass gleichzeitig Ähnlichkeiten mit lebenden Personen nicht vorhanden, weil überpersonal und sofort vorhanden sind, da individuelle Erfahrungen den Leser in den eigenen Freundeskreis und die Umgebung führen.

Schön gemacht sind die Seitenaufteilungen. Durch das gewählte Farbschema heraus aus lila /hellblau, griffig, energiegeladen und eben doch ein Kontrast, ein Farbkontrast der sitzt.

Und auch zusammenführt, da sich die Kontraste ja steigern,…

Die Piktogramme, neudeutsch Icons, sind so herrlich schlicht und plakativ und doch so raffiniert reduziert und klarumrissen ausgeführt, dass das Umblättern schon Lust auf den nächsten krassen und treffenden Geschlechtercut macht. Treffend, daneben und auch augenzwinkernd je nach Standpunkt, und wenn sich der Leser oder die Leserin bei der täglichen Routine und der gedanklichen Schlussfolgerung z. B. beim Blick in den Spiegel wiederfindet ist das Schmunzeln und verärgerte Weiterblättern durchaus im Kalkül der Macherin.

Klischees müssen erst erfunden werden,  Stereotypen definiert und in den allgemeinen Gesellschaftsbereich aufgenommen werden, dann kann die Lektüre und das Büchlein als  z.B. Geschenk seinen Zauber und seine Diskussionskraft oder seine Botschaft vom Schenker zum Beschenkten vermitteln.

Kurz wertig, schöne Idee, ein Muss in den zeitaktuellen Genderfragen und ein schönes Geschenk für Menschen, denen man schon immer mal ihre Sicht und die auf die andere Hälfte der Menschheit erklären wollte.

Yang Liu: Mann trifft Frau, Hardcover, 13 x 13 cm, 128 Seiten, € 12, Taschenverlag, ISBN 978-3836553995




Fr 22. August 2014

Villa Zanders zeigt Topf und Deckel Kunst und Küche

In der Villa Zanders in Bergisch Gladbach steht vom 24.10.2014 bis zum 08.03.2015 alles unter dem Motto Topf und Deckel – Kunst und Küche

Schirmherren + Oelschlägel Druck

Bildquelle: Schirmherren Dr. Fritz Pleitgen, ehem. Intendant WDR, Nils Henkel, Küchenchef Restaurant Lerbach, Schlosshotel Lerbach, Kuratorin Dr. Petra Oelschlägel

Kaum etwas trägt mehr zur überregionalen Bekanntheit Bergisch Gladbachs bei als die hier angesiedelte Spitzengastronomie. Für das Kunstmuseum Villa Zanders ist dies Anlass, die kulturelle Bedeutung des Kochens in seinen unterschiedlichen Facetten aus dem Blickwinkel der Kunst näher zu beleuchten.

Patrizia Waller

Bildquelle: Villa Zander, Patrizia Waller

Die Ausstellung widmet sich dem populären Thema Kochen aus künstlerischer und kulturhistorischer Perspektive. So breit angelegt wie dieses immer schon zu großer Kreativität herausfordernde Thema ist das Spektrum der verwendeten Medien und Materialien in dieser Ausstellung. Nicht nur Exponate aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Skulptur, Video bis hin zu Design und Innenarchitektur werden zu sehen sein – darüber hinaus bietet die Ausstellung mit einem umfangreichen Rahmenprogramm ein vielfältiges Angebot für alle Sinne. Künstler kochen für das Publikum und sorgen mit Beiträgen wie „Kochen als Kunstgattung“ für die Auflösung der Grenzen zwischen Kunst und Küche. Essstillleben finden in der jungen Kunst ebenfalls einen Wiederhall.

Ausgehend von historischen Beispielen wie dem klassischen Küchenstillleben des 17. Jahrhunderts werden das Wechselverhältnis und die gegenseitige Beeinflussung von Bildender Kunst, Design und Angewandter Kunst bis heute untersucht. Bestandsaufnahme und historische Verankerung bilden die Basis für neue Visionen, die an vielen Orten von unterschiedlichsten Gruppen und Individuen angesichts der drängenden Frage „Wie sollen wir leben?“ entwickelt werden.

Das Thema „Topf und Deckel – Kunst und Küche“ betrifft jeden Menschen. Die Ausstellung macht es sich zur Aufgabe, auch kunstferne Zielgruppen zu erreichen – und die Augen für die Zusammenhänge von Kunst und Leben, Wohnen, Geselligkeit, Familie und Gesundheit zu öffnen. Daher wird eine starke Einbeziehung der Bevölkerung durch zahlreiche Kooperationen mit ortsansässigen Einrichtungen – der VHS wie dem KultKino, der TAFEL e.V. wie dem Schlosshotel Lerbach – angestrebt.

Die vom 24. Oktober 2014 bis zum 8. März 2015 laufende Ausstellung wird ab dem 18. Januar 2015 mit experimentellen, von Design-Studentinnen und -Studenten der KISD (Köln International School of Design) unter dem Titel „Die Metamorphose des Lagerfeuers“ entwickelten Beiträgen erweitert. Dieser Ausstellungsbereich ist Teil des PASSAGEN-Programms der Kölner Möbelmesse imm cologne.

Künstlerliste: Stand 20.08.2014,Änderungen vorbehalten)
Winfried Baumann (Skulptur), Boris Becker (Fotografie), Anna und Bernhard Blume (Fotografie), Franz Burckhardt (Installation, Zeichnung), Claudia Busching (Zeichnung), Alexander Coosemans (Malerei), Arpad Dobriban (Fotografie, Kochveranstaltung), Dieter Froelich (Skulptur, Kochveranstaltung), Tobias Hantmann (Skulptur, Wandarbeit), Anna Sophie von Holleben (Skulptur), Katharina Jahnke (Collage), Jürgen Klauke (Fotografie), Karin Kneffel (Malerei), Kocheisen + Hullmann (Malerei),Käthe Kollwitz (Grafik), Knut Maron (Fotografie), Ilka Meschke (Malerei), Claudia Musch (Design), Myrzik & Jarisch (Fotografie), Pablo Picasso (Grafik), Pieter de Putter (Malerei),Martha Rosler (Video),Torsten Ruehle (Malerei), August Sander (Fotografie), Burkhard Schaeller (Design), Michael Schmid (Fotografie), Stadtnomaden (Design), Klaus Staeck (Plakat), Rosemarie Trockel(Skulptur), Patricia Waller (Skulptur), Petra Weifenbach (Objekt), Stefan Wewerka (Design)